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Zurück in die Vergangenheit – Barocktage auf Schloss Bückeburg
Barocktage auf Schloss Bückeburg - Foto: Sabine Christel

Zurück in die Vergangenheit – Barocktage auf Schloss Bückeburg

Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel

Wo adlige Damen in spitzenbesetzten Roben mit ausladenden Röcken spazieren und edle Herren zur Jagd eilen, wo man einen Falken beim Jagen beobachten kann und schneidige Soldaten marschieren befindet man sich in der Zeit um 1759. Die Zeit, in der Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe das Schloss bewohnte und die Damen und Herren des höfischen Adels sich mit Spielen und Bällen die Zeit vertreiben ließen. Wenn dabei alles so stimmig ist, dass der heutige Hausherr Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe fast wie ein Gast in seinem eigenen Haus wirkt, dann sind auf Schloss Bückeburg die Barocktage und dazu dreht man die Zeit um 200 Jahre zurück.

Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel
Kleidung heute und gestern – Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel

Und auch ich verwandel mich in eine Schokoladenzofe am Hofe, die mit der ehrenvollen Aufgabe betraut wird, den kostbaren Trank dem Vicompte zu bringen, denn Schokolade war seinerzeit eine seltene Köstlichkeit, die besonders kredenzt wurde und von daher unbedingt einer eigenen Zofe bedurfte. Wehe dem, der es wagte, auch nur einen Tropfen des Getränks zu verschwenden! Mit meiner ausgefüllten Gesindekarte muss ich mich auf die Suche nach meiner neuen Herrschaft begeben. Doch in dem Schloss ist es nicht leicht, sich zurechtzufinden. Die Franzosen greifen mit ihren Soldaten an und ein Schreien und Klagen auf der Treppe zeigt, wo die Besatzer sich ihren Weg ins Innere bahnen.

So schnell zur Schokoladenzofe – Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel

In manchen Räumen jedoch geht das gemächliche Leben am Hofe weiter. Die Amme der gräflichen Familie findet Muße eine Spitzenborte zu klöppeln. Sie ist mit einer hohen Aufgabe betraut, versorgt sie doch den Nachwuchs der adligen Herrschaft. Daneben bleiben gleichwohl genügend Stunden, um sich anderweitig zu beschäftigen. „Klöppeln sei eher etwas gegen die Langeweile“, so erzählte sie, „wer jedoch viel Spitze am Kleid trägt gilt als wohlhabend, denn Spitze ist kunstvoll zu handarbeiten und für einen Centimeter benötige es schon eine ganze Stunde.“

Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel
Spitzenklöppeln als Zeitvertreib – Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel

In vielen Räumlichkeiten herrscht ein reger Handel hochwertiger Waren. Parfumeure haben wohlduftende Seifenstücke mitgebracht und auch eine neue Spitzenhaube findet mein Gefallen. Überhaupt ist das Angebot so vielfältig: Neben Stoffen und Düften gibt es noch anderes, um das eigene Erscheinen auf das Angenehmste hervorzuheben. Auch edler Schmuck wird geboten, dieser Stand findet viel Beachtung unter den Höflingen.

Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel
Kätzchen aus echtem Fell – Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel

Im großen Ballsaal soll gleich der Tanz beginnen, doch zuvor trifft man sich am Spieltisch, um das Glück herauszufordern. Andere Damen und Herren lustwandeln derweil durch das Schloss oder genießen vom Balkon einen Blick über das höfische Treiben im Schlosshof. Dort beweisen Handwerker ihr Geschick und auch für das leibliche Wohl wird an den vollbesetzten Tischen gesorgt.

Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel

Währenddessen zeigt andauernder Kanonendonner, dass die Franzosen wieder die Graft überwunden haben und nun ins Schloss eilen. Ein Stück Geschichte miterleben, heute ist es möglich!

Das Ehepaar Krischke erzählt anschaulich von der Arbeit eines Falkners – Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel

Zum Glück hält die Übernahme jedoch nicht lange an, bereits am folgenden Tag ist das Schloss wieder in heimischer Hand und die Franzosen allenfalls noch Gäste. Dafür wird die Falknerei vorgestellt. Wenn nämlich die Fürstliche Hofreitschule ihren Falken fliegen lässt, um zu zeigen, welch wertvolle Aufgabe diesem Tier zugekommen ist: Der Falke diente der Jagd nach Vögeln, die dann auf der Speisekarte standen. Sehr anschaulich erklärten Wolfgang Krischke nebst Gattin Christin von der Hofreitschule, wie der Falke seine Beute erobert. Simuliert wird es hier mit einem Federbüschel. Der Falke steigt hoch über die Zuschauer hinweg, kreist die vermeintliche Beute ein und darf sie endlich erlegen. Sogleich breitet er seine Flügel mantelartig über die Beute aus, um sie vor anderen Jägern zu schützen.

Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel

Er überlässt jedoch dem Falkner seine erlegte Beute, gegen ein frisches Stück Fleisch. „Denn“, so Krischke, „der Falke ist dem Menschen nicht unähnlich. Seine Beute müsste er erst häuten, bis er ans Fleisch käme, das angebotene Stück des Falkners jedoch ist bereits mundgerecht zubereitet. Aus Bequemlichkeit zieht er dieses Stück vor.“

Ummanteln – Der Falke beschützt seine Beute – Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel

So hatten wohlhabende Adlige gern viele Falken am Hofe, denn wer diese Vögel zur Jagd einsetzte, hatte stets gutes Fleisch auf dem Tisch. Warum der Falke jetzt seinen Freiflug allerdings nicht ausnutzt, um Bückeburg Lebewohl zu sagen, ist auch schnell erklärt: Wo leckeres und bereits zubereitetes Futter ist, da bleibt man gern. Und so ein Falke schätzt gute Pflege. Natürlich hat man in der heutigen Zeit zudem technische Mittel, um einen Verflieger wiederzufinden: Per Sender kann man das Tier jederzeit orten. Und manchmal macht es sich tatsächlich einen Spaß und sitzt auf des Schlosses höchster Zinne, um eine ruhige Stunde für sich zu verbringen. Dann allerdings kehre er gern wieder zurück.

Was bleibt von den Barocktagen?

Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel
Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel
Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel
Unterricht vor 200 Jahren – Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel
Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel
Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel

Ereignisreiche Tage auf Schloss Bückeburg, die das Interesse vieler Besucher erlangten. Besonders schön hierbei, die Darsteller gaben gern Auskünfte über ihre Rolle und rückten manchesmal auch verschollene Geschichtskenntnisse wieder zurecht („Sind Sie Kaiser Wilhelm?“ – „Nein, der kommt erst 100 Jahre später…“) Auch dass Sisi, vielmehr Kaiserin Elisabeth von Österreich, keinesfalls die Tochter von Maria-Theresia ist, konnte hier richtiggestellt werden.

Hätte sehr gern tägliche Barocktage auf Schloss Bückeburg, Christin Krischke von der Fürstlichen Hofreitschule (links) – Foto: Sabine Christel

Olivia Schmidt, eine der höfischen Damen, berichtete, dass sie schon einige Male bei den Barocktagen auf Schloss Bückeburg war. Wohnhaft in Wien hat sie zwar das Schloss Schönbrunn nahe bei ihrer Haustüre, aber sie selbst findet zum Beispiel Schloss Hof aus Wien, das Jagdschloss von Prinz Eugen von Savoyen, sehenswerter, ist aber auch immer wieder aufs Neueste begeistert vom Schloss derer zu Schaumburg-Lippe.

Die Liebe zum Barock sei schon vor vielen Jahren entstanden, ein durchaus teures Hobby, wie sie zugibt, denn auch sie legt natürlich Wert auf Authentizität. So ist die Kleidung aus hochwertigen Stoffen, was aber durchaus bequem sei, zumal bei warmen Temperaturen, und auch das eingeschnürte Oberteil wäre eine angenehme Stütze. So nah wie möglich an die Originale zu kommen, sei stets ein Ziel und die „Plastiktierchen“, wie man scherzhaft diejenigen bezeichnet, die sich auf anderen Veranstaltungen in Kostüme aus Polyester zwängen, um die Barockzeit vorzutäuschen, nehme man nicht wirklich ernst. Bei den Barocktagen geht es – wie oft erwähnt – nicht um das Verkleiden, sondern um die wahre Darstellung einer Epoche. Und auch darum, alles Wissenswerte zur eigenen Person und besonders zur damaligen Zeit zu erklären.

Olivia Schmidt aus Wien – Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel

Hier ein paar Impressionen für Sie: Barocktage auf Schloss Bückeburg – Foto: Sabine Christel

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