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„Wir sind das Mindener Bürgerbataillon“ – Einladung zu einem traditionellen Fest
Mindener Bürgerbataillon

„Wir sind das Mindener Bürgerbataillon“ – Einladung zu einem traditionellen Fest

Stadtmajor Heinz Joachim Pecher ist genau so, wie man sich den Kopf eines Bataillons vorstellt: Dynamisch, immer freundlich, aber bestimmt und ganz klar sich der Tradition und der Aufgabe bewusst. So war einer der ersten Sätze, die er im Rahmen der Pressekonferenz zum diesjährigen Mindener Freischießen 2019, welches in der Zeit vom 04.-07. Juli 2019 stattfinden wird, auch:

Stadtmajor Heinz Joachim Pecher – Foto: Mindener Bürgerbataillon

„Wir sind kein Schützenverein!“

Stadtmajor Heinz Joachim Pecher

Warum er das so betont, ist offensichtlich: Gern winken Außenstehende ab und werfen die Herren der Kompanien mit den Mitgliedern eines Schützenvereins zusammen. Dabei hat das Bürgerbataillon einen ganz anderen Hintergrund: Der Ursprung liegt in der Bürgerwehr, die im 16. Jahrhundert auch die Stadt Minden geschützt hat. Dafür rekrutierte man damals Männer, die zum Schutz der Stadt, was auch die Brandbekämpfung mit einschloss, dienten. Lesen Sie dazu auch hier (1. Kompanie feiert Familienfest am Fort C) und hier: (Bürgerbataillon Bückeburg).

Wir waren über Jahrhunderte die Gesamtheit der wehrfähigen Bürger Mindens (vom 18. – 60. Lebensjahr), die in Kriegszeiten die Mauern ihrer Stadt verteidigten. In Krieg und Frieden hatten wir die Aufgabe der Feuerwehr (bis 1919). Daher unsere militärische Tradition.

Mindener Bürgerbataillon

Und wie sehr man sich in Minden dieser Tradition verpflichtet fühlt, spürt und hört man jedes Mal, wenn man im Gespräch mit einem Kompaniemitglied ist. Durch die besondere Stellung in der Stadtgeschichte, Statuten und einem bewussten Auftreten in der Öffentlichkeit festigen die Mitglieder des Bürgerbataillons die Wahrung der Traditionen. In Minden wirkt deshalb auch das Freischießen betont militärischer, als in anderen Bataillonen. Besonders ist zudem die historische Umgebung, die noch heute die preußische Tradition lebendig werden lässt. Ein wichtiger Baustein in der Geschichte Mindens, der über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist und alle zwei Jahre zum Freischießen viele Menschen nach Minden zieht.

Die seit dem Mittelalter als Bürgerwehr zusammen gefundenen Kaufleute und Handwerker waren sich ihrer wichtigen Aufgabe bewusst. Doch durch die Eingliederung in den brandenburgisch-preußischen Staat übernahmen die stationierten Soldaten den Schutz der Stadt und verdrängten die stolzen Männer der Bürgerwehr. Diese organisierten sich seinerzeit in Kompanien, die ein regelmäßig stattfindendes Schießen veranstalteten, um den besten Schützen zu ermitteln. Der treffsicherste Bürgerschütze konnte sich damit ein Jahr von der Steuer „freischießen“.

Ein Jahr Steuerfrei ist eine gute Idee, findet Stadtmajor Heinz Joachim Pecher, schade, dass es heutzutage nicht mehr der Brauch ist

Der „große Kurfürst“ Friedrich Wilhelm I. wollte die Bürgerwehr ebenfalls ermutigen und zum Zeichen seiner Anerkennung des Mindener Bürgerbataillons stiftete er 50 Taler als Prämie, anstelle der Befreiung von der Steuer.

50 Taler für den Sieger – Bild: Mindener Bürgerbataillon

Um dieses Traditionsbewusstsein noch bekannter zu machen, geht das Bataillon auch neue Wege. So gibt es neben einer sehr gut gestalteten Homepage mit allen Infos rund um das Mindener Bürgerbataillon auch die sozialen Netzwerke, über die alle Interessenten in Wort und Video Neuigkeiten erfahren können.

„Eine Stadt am Strom war von alters her ein bevorzugter Siedlungsplatz. Aber diese Stätten waren durch zweierlei verwundbar, einmal von außen, da auch Feinde die bevorzugte Lage erkannten, zum anderen von innen, durch enge Bebauung, denn Feuersbrünste legten mitunter ganze Stadtteile in Schutt und Asche. Gegen diese Feinde von außen und innen setzten sich die Bürger zur Wehr und schufen so in fernen Tagen die Wurzeln unseres Bürgerbataillons. Diese Wurzeln sichtbar zu machen, zu bewahren und für die Nachwelt zu erhalten, ist Anliegen dieser Homepage, denn wer keine Vergangenheit hat, hat auch keine Zukunft.

Homepage Mindener Bürgerbataillon

Heute feiert man das Freischießen also zur Wahrung der Erinnerung, in dem die Mindener Kompanien die damalige Bürgerwehr symbolisieren. Eine wichtige Aufgabe, an der man sich durch aktive Teilnahme oder zumindest durch das Mitmachen bei den Veranstaltungen oder durch Sponsorenunterstützung beteiligen kann.

Wie nah man mit dem Bataillon an der früheren Zeit ist, zeigen nicht nur die nachemempfundenen Quartiere, Fahnen und Uniformen, sondern gerade während des Freischießens lässt man die Zeit aufleben und zeigt dies in vielen Aktionen. So findet beispielsweise täglich eine Wache statt, die als Aufgabe hat, Fehlverhalten der Kompaniemitglieder, aber auch der Bevölkerung, zu strafen. Das kann zum Beispiel passieren, wenn jemand das Wort „Schützenfest“ (was ja eine Sportveranstaltung ist, bei der die Schützen allein den Schießsport in den Vordergrund stellen) verwendet und von der Wache verhaftet wird. Es folgt dann ein „Gerichtsverfahren“, bei dem der Angeklagte selbstredend einen Verteidiger zur Seite gestellt bekommt. Dass dieser jedoch seltenst auf der Seite seines Mandanten ist, sei nur am Rande erwähnt…. Meist ist die Strafe eine Runde Hopfensaft zu spendieren oder sich mit einer Spende „freizukaufen“.

Die tägliche Wachablösung erfolgt zudem nach einem bestimmten Procedere und ist überaus sehenswert. Sie können diese Aktion gut erkennen, denn die vorgehenden Trommler sorgen für die nötige Aufmerksamkeit.

Wenn Sie das ganze Bürgerbataillon samt Eskadron und Tambourkorps vollständig angetreten sehen, dann verstehen Sie auch, was das Mindener Bürgerbataillon so besonders macht.

Dieses Jahr gibt es zudem einige Veränderungen:

Die größte Neuerung ist sicherlich, dass das Freischießen einen Platzwechsel vorgenommen hat. Anstelle der Mindener Innenstadt rund um das – derzeit sich in einer Renovierungsphase befindliche Rathaus – wird man woanders sein Quartier aufschlagen. So wird der Simeonsplatz vor dem Preußenmuseum der Ort sein, an dem die Kompanien ihre Standorte haben. Sehr schön dabei, dass alles etwas mehr zusammenrückt, auch gerade die Gäste so die Gelegenheit haben, alle Kompanien zu sehen und viel von den Ritualen mitzuerleben. Wichtig war dem Bataillon, dass auch die Schausteller gut am neuen Standort integriert werden.

Preußenmuseum – Foto: Mindener Bürgerbataillon

Dazu kommt, dass man sich entschieden hat, eine runde Bühne aufzustellen, die mittig innerhalb der Quartiere ihren Platz finden wird. Damit sind die Veranstaltungen von allen Seiten akustisch und visuell zu erleben. Der Hintergrund dafür war, dass man alle Kompanien einbeziehen und niemanden besonders „beschallen“ oder im Abseits lassen wollte. Die Bühne wird demzufolge nicht den Ablauf stören. Von jeder der Quartiere wird man nun den Blick auf das Preußenmuseum haben, wo stets Aktionen stattfinden.

Der Simeonsplatz birgt eine Geschichte, die einen historischen Aspekt zum Freischießen bietet. Besonders wird auch der Moment sein, wenn die proklamierten Majestäten vor dem Preußenmuseum erscheinen.

Freischießen 1912 – Foto: Mindener Bürgerbataillon

1.200 Kompaniemitglieder, eine stolze Anzahl uniformierter Herren, die zur Paradeaufstellung entsprechend Platz benötigen. Und hier die nächste Neuigkeit: Die Aufstellung zum Parademarsch erfolgt nach 1982 erstmalig wieder auf Kanzlers Weide. Besonders die älteren Mitglieder – und sicherlich auch Mindener – erinnern sich noch gut an die damalige Zeit. Mit Vorfreude sieht man diesem Ereignis entgegen. Und nicht nur das, in diesem Jahr wird der Marsch länger sein, denn man ist fest entschlossen, alle bisherigen Bereiche in Minden einzubeziehen, so wird auch die Altstadt in den Umzug integriert. Ein prachtvoller Marsch, bei dem alle Mindener und Gäste aufgerufen sind, teilzunehmen und sich diesen besonderen Anblick nicht entgehen zu lassen.

Ebenfalls neu ist der Gottesdienst, der am Freischießensonntag um 11.00 Uhr bis 11.45 Uhr auf der Bühne stattfinden wird. Direkt im Anschluss gibt es weitere Programmpunkte, die besonders die Senioren ansprechen werden. Außerdem findet das Freischießen für Kids statt, die übrigens – zur Beruhigung aller Eltern – „nur“ mit Laser agieren. Auch in diesem Jahr wurde ein abwechslungsreiches Programm für die Jüngsten zusammengestellt, allen voran die Band „Randale„, die durch ihren Erfolg gepunktet haben und von den jungen Besuchern schon sehnsüchtig erwartet werden.

Die Band „Randale“

Um 21 Uhr – und damit etwas eher und vermutlich noch im Hellen – findet dann abschließend der große Zapfenstreich am Sonntag statt, mit dem das Freischießen 2019 beendet wird.

Zapfenstreich – Foto: Mindener Bürgerbataillon

Etwas eher, weil direkt im Anschluss die Abbauarbeiten des Freischießens und der Aufbau für die am darauffolgenden Wochenende stattfindende Gourmetmeile beginnt. Man hat sich mit der Stadt diesbezüglich abgesprochen, alles ist genau geplant, so dass davon auszugehen ist, dass an beiden Wochenenden zwei tolle Veranstaltungen in Minden auf dem Simeonsplatz stattfinden werden.

Hier das Programm im Überblick:

Donnerstag, 04.07.2019

  • 17.30 Uhr – Ökumenischer Gottesdienst im Dom
  • 18.45 Uhr – Eröffnung des Freischießens vor dem Preußenmuseum
  • 19.45 Uhr – Segnung der Fahnen in der Martinikirche
  • 20.25 Uhr – Einbringen der Fahnen ins Preußenmuseum
  • 21.00 Uhr – Serenade auf dem Simeonsplatz

Freitag, 05.07.2019

  • Eintreffen der Einheiten vor dem Preußenmuseum – 14.00 – 16.15 Uhr
  • Königsschießen in der Kreishaus-Tiefgarage – 14.45 – 18.00 Uhr
  • Königsproklamation – 19.45 Uhr
  • Die Wache ist besetzt von 16.00 – 01.00 Uhr
  • Musik und Ausschank bis 01.00 Uhr

Samstag, 06.07.2019

  • Eintreffen der Einheiten auf Kanzlers Weide – 11.05 – 11.45 Uhr
  • 12.00 Uhr – Abnahme der Paradeaufstellung durch den Bürgermeister (wird hoch zu Pferd erscheinen, so ist es angekündigt), Regierungspräsidenten, Landrat, Kommandeur des Panzerpionierbataillons 130, sowie des Stadtmajors samt seines Adjutanten zu Pferde
  • 12.15 Uhr – Parademarsch durch die Mindener Innen- und Altstadt bis zum Simeonsplatz
  • 15.30 Uhr – Ratsempfang der Stadt Minden im Preußenmuseum
  • Die Wache ist besetzt von 14.00 – 02.00 Uhr
  • Ausschank und Musik bis 02.00 Uhr

Sonntag, 07.07.2019

  • 11.00 – 11.45 Uhr – Freiluft Gottesdienst
  • 12.30 – 14.00 Uhr – Platzkonzert
  • 14.30 – 18.00 Uhr – Freischießen für Kids
  • 18.00 Uhr – Proklamation des Kinderkönigs
  • 17.30 Uhr – Taufe neuer Tamboure
  • 21.00 Uhr – großer Zapfenstreich
  • Die Wache ist besetzt von 12.00 – 18.30 Uhr

Musikprogramm

Donnerstag: 21.00 Uhr – Serenade mit dem Bürger-Tambourkorps und dem Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Minden

Freitag: 20.00 – 01.00 Uhr – Sunshine Musik Berlin – DJ- und Veranstaltungsteam

Samstag: 20.00 – 02.00 Uhr – Wannabeatz Liveband

Sonntag: 12.30 – 14.00 Uhr – Lustige Musikanten Häverstädt, 15.30 – 16.30 Uhr – Kinderrockband „Randale“, 21.00 Uhr – Großer Zapfenstreich

Und dann gibt es noch diese Neuigkeit:

Das Freischießen 2019 wird von dem ehemaligen Radio Westfalica Moderator und jetzigem Chefredakteur von Radio Herford, Carsten Dehne moderiert. Er ist nicht nur ein echter „Mindener Buttjer“, sondern von klein auf dem Freischießen verbunden. So ist er, nach eigener Aussage, bereits als kleiner Junge den Kompanien hinterher getippelt. Er wird sowohl am Wachtag, als auch am Paradetag die Live Moderation übernehmen und spontan auf Ereignisse eingehen und alles kommentieren, was sich ihm „vor die Nase“ stellt.

Carsten Dehne moderiert die Highlights des Mindener Freischießen 2019 – Foto: Mindener Bürgerbataillon

Sein Moderations-Highlight wird dabei die Proklamation der Könige sein, die er besonders spannend gestalten möchte.

Allerdings wird das Grünholen der Tag sein, auf den er sich am meisten freut. Ein Ereignis, dass die Begeisterung der Kompanien widerspiegelt.

Das Freischießen ist ein Teil von mir!

Carsten Dehne, Moderator des Mindener Freischießen
(v.l.) Moderator, Pressesprecher und Stadtmajor – Foto: Sabine Christel

Wissenswertes:

Den ersten Schuss gibt der Bürgermeister ab. Dieser ist dem Bundespräsidenten gewidmet. Es kann also sein, dass dieser – obwohl in Abwesenheit – neuer König wird. Den zweiten Schuss gibt der Bürgermeister dann für sich selbst ab. Er ist damit auch der Einzige, der zweimal schießen darf.

Auch der Stadtmajor kann theoretisch König werden, wie das dann ablaufen wird, ist jedoch noch unklar. Der Gedanke ist für Pecher allerdings spannend.

Erst Stadtmajor, dann König? Möglich wäre es – Foto: Mindener Bürgerbataillon

Teilnehmen am Schießen kann jeder männliche Mindener Bürger ab 18 Jahren, Bataillonsangehörige, Mitglieder befreundeter Vereine und der Bundeswehr-Patenkompanien sowie jeder Ehrengast – WICHTIG: – der mit dem Bataillon am Wachtag ausmarschiert ist.

Geschossen wird mit einem Kleinkaliber Gewehr auf 50 Metern Entfernung. Jeder Schütze wird namentlich erfasst und erhält eine Scheibennummer, mit der erst nach der anonymen Auswertung der beiden besten „Zehnen“ die Schützen zugeordnet werden.

Eine gute Zehn ist erforderlich – Foto: Mindener Bürgerbataillon

Freuen Sie sich auf eine besondere Veranstaltung, die ein Stück Mindener Geschichte widerspiegelt!

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