Wir in Zeiten des Corona Virus – Die Sonntagskolumne
Scarlett - Die Kolumne

Wir in Zeiten des Corona Virus – Die Sonntagskolumne

Eine Pressemeldung zum verkaufsoffenen Sonntag. Normalerweise etwas, was bei den meisten Lesern großen Anklang findet. Derzeit jedoch spalten sich die Meinungen. Dass bezieht sich allerdings nicht nur auf die verkaufsoffenen Sonntage, sondern zeigt deutlich, was das Internet für viele bedeutet:

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Die sozialen Netzwerke sind im Prinzip eine Möglichkeit, die eigene Meinung, durchaus auch anonymisiert, ungefiltert und oftmals ohne Nachzudenken der digitalen Welt mitzuteilen. Die Kommentare dazu zeigen dabei Charakterzüge von Mitmenschen wieder, bei denen man hofft, selbige weder im Freundeskreis noch in der Nachbarschaft zu haben.

Soziale Netzwerke

Und es ist auch egal, worum es geht. Scheinbar ist es für manche Menschen ein dringendes Bedürfnis alles und jeden Beitrag zu kommentieren. Schreibstil und Rechtschreibung lassen oftmals vermuten, dass der Duden eher ein Fremdwort ist und Höflichkeit und Rücksichtnahme auch zwei Vokabeln sind, die im Sprachschatz nicht vorkommen. Dafür wird gern in aller Schriftform ausgeteilt und mangels Argumentation auf der persönlichen Ebene. Man ist „per Du“ und maßt sich an, dem – oftmals unbekannten – Gegenüber aus dem eigenen Missempfinden heraus mit Beleidigungen, Unterstellungen und allem, was an negativer Form zur Verfügung steht, sehr subjektiv sich mitzuteilen. Sozusagen positive Energie aus einem online Schlagabtausch zu gewinnen und sich dann vielleicht angenehmeren Dingen zuzuwenden. Cybermobbing und fehlende Netikette lassen grüßen.

Freie und oftmals hirnfreie Meinungsäußerung

Anscheinend fühlen sich zu viele herausgefordert, angezeigte Meldungen zu kommentieren. Es ist wie beim Fernsehen – man meckert über das Programm, vergisst dabei jedoch, dass man selbst Einfluss nehmen kann: UMSCHALTEN oder ABSCHALTEN ist das Zauberwort.

Und genauso funktioniert das auch in den sozialen Medien – was mich nicht interessiert überlese ich. Warum fühlen sich dennoch zu viele provoziert und persönlich angesprochen?

Das xte Katzenfoto wird akzeptiert, Fotos von heimischen Gärten und der gestrigen Mittagsmahlzeit werden hingenommen. Challenges mit „poste zehnmal eine seltene Tierart beim Urinieren und nominiere fünf Freunde, die auf die gleiche sinnfreie Idee kommen sollen“ sind an der Tagesordnung. Manche Meldungen jedoch werden als Anlass genommen, den eigenen Frust auf was auch immer nun direkt in die Kommentarfunktion einfließen zu lassen und denjenigen, von dem die Nachricht stammt, auf tiefstem Niveau anzugehen.

Warum nur? Wenn die Nachricht doch nicht gefällt, dann scrollen Sie doch gern weiter. Aber geben Sie anderen die Chance, den Artikel wertfrei zu lesen oder sich zu informieren.

Und Höflichkeit von Herren den Mitmenschen, auch Frauen, gegenüber, ist durchaus etwas, was NICHT aus der Mode gekommen ist.

Was hat das nun mit dem verkaufsoffenen Sonntag zu tun?

Nun, wir kündigten im Magazin einen Shoppingsonntag an. Und erhielten daraufhin Meldungen, als wäre es zum einen unsere Idee gewesen und zum anderen agierten viele Leser, als ob man sie dazu zwingen würde.

Und plötzlich wird eine harmlose Pressemeldung zum Ausdruck eigener Befindlichkeiten

Ein männlicher Leser wurde sogar sehr „tiefgründig“ und kommentierte unterhalb der Gürtellinie. Der Name kam mir allerdings bekannt vor, es war der Exmann einer Bekannten. Nun ja. Amüsieren wir uns darüber, dass es Männer gibt, die mit Frauen ein Problem haben und jede Gelegenheit nutzen, sich ihnen gegenüber sehr herablassend zu verhalten. Dafür sitzen sie dann irgendwann allein im stillen Kämmerlein und müssen ihre angestauten Emotionen via Web der Welt mitteilen.

Aber auch weibliche Leser kommentierten in einer Weise, dass man sich fragt, was an dem Teil von „es ist doch nur ein Angebot“ haben sie nicht verstanden?

Die Essenz der Kommentare ging in Richtung „ihr tötet uns alle, wenn ihr jetzt am Sonntag in die Geschäfte geht“. Und wenn man sich als Veranstalter schon fast entschuldigen muss, so eine Idee zu haben, dann läuft gesellschaftlich etwas aus dem Ruder.

Es ist alles zu – es wird sich beschwert.

Es öffnet langsam – es ist für viele zu langsam.

Es ist wieder vieles geöffnet – die einen genießen, die anderen hetzen.

So richtig recht machen kann man es derzeit wohl vielen nicht. Trotzdem erstaunt die Vehemenz, mit der einige gegen wenige Stunden Shoppingsonntag vorgehen.

Denn – einen derartigen Aufschrei habe ich bespielsweise nicht gelesen, als die Schwimmbäder geöffnet haben oder die Gastronomie eingeladen hat. Auch die Freizeitparks werden gut besucht und die ersten stehen schon mit gepackten Koffern Richtung Sommerurlaub in den Startlöchern.

Deshalb – fassen wir es kurz zusammen:

  1. Es gibt die Meinungsfreiheit.
  2. Jeder hat die Möglichkeit zu entscheiden a) was er/sie lesen möchte und b) woran er/sie teilnehmen möchte.
  3. Sie müssen nicht alles gut finden, Sie sollten aber tolerant und höflich bleiben.
  4. Schreiben Sie nur das, was Sie dem anderen auch direkt so sagen möchten und überlegen Sie vorher, wie Sie sich fühlen würden, wenn man sich Ihnen gegenüber so verhält.

Und zum Thema Coronavirus:

  1. Das Virus existiert. Sie können an den Folgen sterben.
  2. Es gibt derzeit kein Medikament und keinen Impfstoff.
  3. Es gibt aber auch sehr viele andere Viren und Krankheiten, an denen Sie ebenfalls sterben können.
  4. Vor dem Tod kann man leben, wie gut, entscheiden oftmals auch Sie – mit der Wahl Ihres Lebenswandels (Stichwort: Gesunde Ernährung, Sport, aber auch innere Ausgeglichenheit, guter Umgang miteinander)
  5. Zwei Dinge sind am wichtigsten: Abstand halten und Hygiene. Kann man durch nichts ersetzen.

Die Bundeskanzlerin hat zu allen Lockerungen einen wichtigen Hinweis gegeben:

Es liegt nun in der Verantwortung jedes Einzelnen, sich zu schützen und mit den Lockerungen der Maßnahmen zur Einschränkung des Virus umzugehen.

Dass heißt nichts anderes, als dass SIE selbst überlegen sollen, wo Sie hingehen, mit wem und wo Sie sich treffen, wo Sie eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, wie und wo Sie Abstand halten, ob Sie verreisen, ob Sie einkaufen, essen gehen, ins Schwimmbad oder was auch immer tun.

SIE entscheiden und treffen eine Wahl. Und sind sich aller Konsequenzen bewusst.

Und diese Wahl haben Sie auch beim Alkohol trinken, Rauchen, Autofahren, Chips essen, ungesunder Lebensweise, waghalsigen Selfies, gefährlichen Sportarten, Dummheit, Unbesonnenheit, etc. Sie können an vielen Keimen und Bakterien sterben und Sie können sogar sterben, wenn Sie alles richtig machen.

Aber vorher haben Sie die Gelegenheit zu leben. Und stetes Meckern macht nicht nur ganz fiese Falten, sondern auch unzufrieden.

Und jetzt zu den verkaufsoffenen Sonntagen:

Schade, wenn man als Veranstalter auf „Zehenspitzen“ daherkommen und sich fast schon dafür entschuldigen muss.

Warum darf Kaufen plötzlich keinen Spaß mehr machen? Auch mit Mund-Nasen-Bedeckung können wir doch Shopping genießen? Uns die neuen Schuhe ansehen oder ein Buch kaufen oder was auch immer. Glücksmomente sind wichtig für unser Wohlbefinden. Also, lassen Sie sich Ihren Shoppingmoment nicht vermiesen. Sie dürfen das Angebot annehmen oder ignorieren. Aber bleiben Sie fair und bleiben Sie freundlich.

Hier die neue Ankündigung eines verkaufsoffenen Sonntags! In diesem Sinne – bleiben Sie gesund!

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