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Weltfrauentag 2019 – Eine Umfrage

Weltfrauentag 2019 – Eine Umfrage

Am Freitag, 08. März 2019 ist der „Weltfrauentag“. Der Internationale Frauentag, Weltfrauentag, Frauenkampftag, Internationaler Frauenkampftag oder Frauentag ist ein Welttag, er entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen, sowie die Emanzipation von Arbeiterinnen und fand erstmals am 19. März 1911 statt. Seit 1921 wird er allerdings am 08. März gefeiert. Die Vereinten Nationen erkoren ihn später als Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden aus. Ziel war es damals, die Rechte der Frauen zu stärken und dafür zu sorgen, dass Frauen sich aus der bisherigen Abhängigkeit eines Mannes befreien können, um selbstbestimmt für sich zu sorgen. Wie aktuell ist der Weltfrauentag heute?

Termine zum Weltfrauentag (siehe auch unser Thema vom 04.03.2019)

Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin schlug auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vor, ohne jedoch ein bestimmtes Datum zu favorisieren. Die Idee dazu kam aus den USA. Dort hatten Frauen der Sozialistischen Partei Amerikas (SPA) 1908 ein Nationales Frauenkomitee gegründet, das beschloss, einen besonderen nationalen Kampftag für das Frauenstimmrecht zu initiieren. Dieser erste Frauentag in den USA am 28. Februar 1909 war ein Erfolg – auch weil sich bürgerliche Frauenrechtlerinnen (Suffragetten) den Forderungen nach dem Frauenwahlrecht anschlossen und gemeinsam mit den Sozialistinnen demonstrierten. Die Idee, diese Form des Protestes zu wiederholen, war schnell geboren, und so kam es auch 1910 im Februar zu nordamerikanischen Frauendemonstrationen für das Wahlrecht. Während die US-Amerikanerin May Wood Simons die Idee zu einem solchen Tag nach Kopenhagen brachte, waren es die deutschen Sozialistinnen Clara Zetkin und Käte Duncker, die sich auf dem Treffen in Kopenhagen für den Frauentag einsetzten und den Beschluss forcierten.

Wikipedia

Der Beschluss in Kopenhagen lautete:

„Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient. […] Der Frauentag muß einen internationalen Charakter tragen und ist sorgfältig vorzubereiten.“

Zum ersten Mal beging man den Frauentag dann am 19. März 1911, und zwar in Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz. Das Datum hatte eine besondere Bedeutung, denn man würdigte damit den revolutionären Charakter des Frauentages. In den Monat März fielen nämlich der Gedenktag für alle Gefallenen während der Märzrevolution 1848 und die Pariser Kommune (als Pariser Kommune wird der während des Deutsch-Französischen Krieges spontan gebildete, revolutionäre Pariser Stadtrat vom 18. März 1871 bis 28. Mai 1871 bezeichnet, der gegen den Willen der konservativen Zentralregierung versuchte, Paris nach sozialistischen Vorstellungen zu verwalten. Ihre Mitglieder werden Kommunarden genannt. Die Pariser Kommune gilt als Beispiel für die Diktatur des Proletariats und Vorbild der Rätedemokratie.) begann 1871 ebenfalls im März.

Der Frauentag forderte das Wahlrecht für die Frau. Dieses Thema stand eindeutig im Mittelpunkt. Am 19. Januar 1919 fand mit der Wahl der Deutschen Nationalversammlung die erste reichsweite deutsche Wahl statt, bei der Frauen das aktive und passive Wahlrecht besaßen.

Frauen fordern das Wahlrecht – 1914

Das Ende des zweiten Weltkriegs änderte den Frauentag: Während man in der ehemaligen DDR den Frauentag zum 08. März wieder einführte und er zuerst zu einer sozialistischen Veranstaltung wurde, beging man ihn in den späten 1980er Jahren ungezwungener, festlicher und weniger ideologisch. Die Frau stand als Ganzes im Mittelpunkt und wurde gefeiert.

Auch im westlichen Teil Deutschlands ersann man sich ab 1948 wieder des Frauentages, doch die ursprüngliche Bedeutung ging verloren. Das Thema Frieden und der Kampf gegen die Wiederbewaffnung wurden in den Fokus gesetzt. Auch das Datum variierte im Zeitraum Februar – Mai. Erst mit der neuen Frauenbewegung Ende der 1960er Jahre rückte das ursprüngliche Datum, der 08. März, in der Bundesrepublik und anderen Ländern wieder in den Vordergrund. Die autonome Frauenbewegung zeigte sich allerdings nicht sehr zufrieden mit dem Tag:

„Nichts gegen einen Feiertag, auch nicht gegen einen Frauentag. Nur muss er von denen, die gefeiert werden, bestimmt und gestaltet werden.“


Zeitung „Courage“, 1977

Damit kritisierte man besonders die DDR, die den Tag – aus der Sicht der Übrigen – eher zu einem „sozialistischen Muttertag“ umwandelten.

Nach der Wiedervereinigung zu einem gemeinsamen Deutschland änderte sich der Frauentag sehr. 1993 beschloss man, den Tag wieder zur Einforderung von (verlorenen) Frauenrechten zu verwenden. Seitdem gibt es in Deutschland wieder vermehrt Aktionen und Veranstaltungen am 08. März zum Weltfrauentag: Demonstrationen für Frauenrechte, Vorträge und Feiern. Und es ist noch heute so, dass in den ostdeutschen Bundesländern dieser Tag besonders im Arbeitsleben gefeiert wird und weibliche Mitarbeiterinnen eine Blume von ihren Chefs erhalten. Damit ist der Frauentag bis heute ein fester Bestandteil der ostdeutschen Kultur.
Im Jahr 2010 plädierte Alice Schwarzer allerdings für eine Abschaffung des Frauentages:

„Schaffen wir ihn endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März! Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer.“

Alice Schwarzer, 2010

In Berlin ist der Frauentag mit Wirkung vom 07. Februar 2019 als gesetzlicher Feiertag festgelegt.

Wir haben uns im Rahmen einer Umfrage einmal umgehört und verschiedene Meinungen der Bevölkerung eingefangen. Ein Tenor bei fast allen Befragten war, dass die Stärkung der Rechte der Frauen im Berufsleben als wichtig erachtet wurde: Frauen müssen für gleiche Arbeit gleich entlohnt werden.

„Ich bin gebürtig aus der ehemaligen DDR. Dort wurden Frauen am Frauentag sehr gut behandelt und gefeiert. Man hatte das Gefühl, dass wirklich jede Frau besonders geschätzt und anerkannt wurde.“

Sandra
Sandra (sc)

Das vermisst Sandra schon ein wenig. Auch im Alltag ist wenig vom Frauentag zu spüren. Trotzdem ist es ihr wichtig, den Frauentag zu erhalten, weil er im Gedächtnis bleiben muss. Änderungswünsche hat sie: „Gerade in Führungspositionen und in die Politik gehören mehr Frauen“. Auch, wenn sie selbst nicht an Veranstaltungen teilnimmt, verfolgt sie interessiert, was sich für Frauen politisch und gesellschaftlich verändert.

„Die Gleichberechtigung am Arbeitsplatz hat noch nicht stattgefunden. Die Löhne der Frauen sind gegenüber denen der Männer nicht angeglichen. Früher war der Mann der Versorger der Familie, das ist heute aber nicht mehr so. Frauen arbeiten genau so viel und müssen auch eine Familie ernähren. Dafür müssen sie entsprechend bezahlt werden“.

Heike
Heike (sc)

Sie führt als Beispiel auf, dass Frauen durchaus in den typischen Männerberufen wie Feuerwehr, Polizei, etc. engagiert tätig sind. „Warum werden sie dann nicht genau so bezahlt? Sie haben ebensoviel Power, wie ein Mann“, sagt sie und fügt hinzu: „Frauen stehen auch im Berufsleben ihren Mann“. Auch in die Politik gehören ihrer Meinung nach mehr Frauen. Obwohl sie kein Fan von Frau Merkel ist, findet sie es gut, dass es immerhin schon Frauen in hohen politischen Ämtern gibt. Man hört ihnen zu und nimmt sie wahr. Allerdings müssen sie sich mehr anstrengen, um wirklich wahrgenommen zu werden.

Aber wie sehen das eigentlich die Herren? Was bedeutet für sie der Weltfrauentag?

Firat und Vedat Sancar sind Geschwister und meinen zuerst scherzhaft, dass sie ja Männer sind und von daher den Tag nicht feiern. Dann werden sie ernst und erzählen, wie sie die Rolle der Frau in der Gesellschaft sehen:

„Eine Frau hat uns auf die Welt gebracht, sich um uns gesorgt. Dafür können wir gar nicht genug dankbar sein. Und dieser Tag ist wichtig und muss gefeiert werden, denn er gibt den Frauen Mut und das Gefühl, gewertschätzt zu werden. Es gibt immer noch genügend Frauen, die nicht selbstbewusst genug sind, um sich für ihre Rechte einzusetzen.“

Firat und Vedat Sancar
Firat und Vedat (sc)

Auch sie sind der Ansicht, dass Frauen im Berufsleben den männlichen Kollegen gleichgestellt werden müssen. Gleiche Arbeit muss auch gleich bezahlt werden.

Persönlich haben sie beschlossen, an diesem Tag ihrer Mutter und den Schwestern ein Geschenk zu machen. Einfach so, weil sie Frauen sind, und um ihnen ihre Wertschätzung und Dankbarkeit zu zeigen.

Durch alle Altersklassen und egal, ob Mann oder Frau, war immer ganz klar das Hauptanliegen: Frauen müssen genau so wertgeschätzt und entlohnt werden, wie männliche Kollegen. Und auch: Mehr Frauen in Führungspositionen.
Daran schloss sich die Frage an, warum Frauen zu wenig in Berufen zu sehen sind, die mit Führungspositionen oder hohen politischen Ämtern zu tun haben. Warum gibt es sie, die Männerdomäne, bei der Frauen nur zur Wahrung der Quote eingesetzt werden? Warum reduziert man Frauen, mit gleicher Ausbildung und teilweise besserer Qualifikation, unter der Ausrede: Sie hätten mit der Kindererziehung genug zu tun. Warum müssen sich Frauen oftmals entscheiden, zwischen Familie und Beruf? Warum werden Frauen oftmals schon im Bewerbungsgespräch mit derart persönlichen Fragen konfrontiert? Und damit letztendlich auch benachteiligt? Als junge Frau kommt das Problem mit der Frage nach der Familiengründung, als ältere Frau ist man zu lange aus dem Berufsleben raus oder gilt als nicht mehr einsetzbar.

Der Aufschrei nach Gleichberechtigung ist nach wie vor vorhanden. Und durchaus berechtigt! Gleichzeitig verwischt sich die Thematik und wird zu einem „Gleichberechtigung um jeden Preis und in allen Bereichen“. Und an der Stelle ein klares: STOP!

Möchte ich als Frau tatsächlich immer und überall gleichberechtigt sein? Oder werden die Männer immer weiblicher und die Frauen immer männlicher und am Ende gibt es nur noch das dritte Geschlecht? Wozu der Bedarf nach mehr Weiblichkeit in der Schreibweise? Warum heißt es nicht mehr: „Die Leser wünschen sich…“, sondern: „Die Leser und Leserinnen…“ oder auch „Die LeserInnen…“ oder noch besser „Die Leser*innen wünschen sich…“ Wünschen wir uns das wirklich? Geht damit nicht tatsächlich der Sinn einer Gleichberechtigung verloren? Wird das Thema zu seiner eigenen Karikatur?

Ganz klar: DER Tag, DIE Tägin…

Und die Frauen, die Gleichberechtigung fordern, erwarten dies besonders vom anderen Geschlecht, aber wie sehr gleichberechtigen sie einander? Gibt es Frauensolidarität? Es wird überall Gleichberechtigung, Anti-Diskriminierung und Integration gefordert. Dabei sind Frauen leider oft geneigt, andere Frauen zu integrieren, wenn sie keine Konkurrenz zur eigenen Person darstellen. Im Gegensatz zu den Herren schaffen es Frauen leider nicht genug, das ursprüngliche Thema im Blick zu behalten, sondern lassen eigene persönliche Meinungen und Unsicherheiten einfließen. Neid und Missgunst ist ein Thema, bei dem Frauen sehr weit vorn sind. Auch und gerade im Berufsleben. Doch wer von anderen etwas fordert, muss umgekehrt auch bereit sein, selbiges zu gewähren.

Politisch betrachtet, wen würden Sie eher ernstnehmen? Die attraktive langbeinige Frau, im gutsitzenden Kostüm, geschminkt und charmant? Oder die eher unattraktive, etwas mit Figurproblemen behaftete Frau im Hosenanzug? Wenn beide die gleiche Ausbildung und Qualifizierung haben?

Sie hätten doch sicherlich den Gedanken, wer so auf sein Äußeres achtet, kann nicht intelligent sein. Wohingegen man einem attraktiven Politiker durchaus Intelligenz und Scharfsinn zutraut.

Zum Weltfrauentag gibt es überall politische Diskussionen, aber auch Veranstaltungen, zur Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls, z. B. „Liebe Deinen Körper, denn Du hast nur den einen.“ Brauchen wir Frauen so etwas, und wenn ja, warum? Zu Beginn des Weltfrauentages ging es den Frauen nicht darum, Anerkennung in Äußerlichkeiten zu erhalten, sondern darum, gleichberechtigt zu sein und mitbestimmen zu können. Heute sollte das Thema demzufolge nicht sein, wie man sich selbst wahrnimmt oder wahrgenommen werden möchte, sondern Wertschätzung der eigenen Leistung – unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Nationalität oder Religion.

Es geht nicht darum, besser bezahlt oder bevorzugt eingestellt zu werden, weil man eine Frau ist (Stichwort Frauenquote). Es geht auch nicht darum, die Situation einer Frau auszunutzen oder Frauen zu unterdrücken (Stichwort Sexismus). Es geht darum, niemanden zu bevorzugen oder zu benachteiligen, egal, ob Mann oder Frau.

Das Thema Frauentag ist demzufolge nicht nur international und national von Bedeutung, sondern auch regional ein Thema, welches nicht allein politisch ist. Frauen haben das Recht auf freie Meinungsäußerung erreicht, sowie das Frauenwahlrecht durchgesetzt. Und mit ein Grund für den Erfolg war auch und besonders der gemeinsame Einsatz und Kampf für ein Ziel.

Richten wir den Fokus doch wieder auf das, was wirklich wichtig ist.

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