Kontakt: Redaktion@Scarlett-Magazin.de oder Mobil 0151-55684186
Was macht eigentlich…? – Im Gespräch mit Marco Hagemann
Marco Hagemann

Was macht eigentlich…? – Im Gespräch mit Marco Hagemann

Lifestyle. Events. Kultur. Fashion. Das sind die Attribute, die man mit „Scarlett-Magazin“ zusammenbringt. Keinen Sport. Deshalb wird dies auch kein Bericht über den fabelhaften „Schalke04“ und wir werden auch kein Wort verlieren über den „BVB“. Stattdessen geht es um den ebenfalls fabelhaften und überaus charmanten Sportkommentator Marco Hagemann. Den kennen Sie vielleicht, wenn Sie regelmäßig Fußballübertragungen z. B. der Vorrunde der Nationalmannschaft verfolgt haben. Oder Sie kennen ihn, wenn Sie beim Spiel „TSV Hespe“ – „Bayern München All Stars“ im Jahnstadion in Bückeburg dabei gewesen sind. Sollte das alles nicht auf Sie zutreffen, dann stellen wir Ihnen Marco Hagemann einmal vor: Geboren am 15. November 1976 in Gütersloh, wohnhaft derzeit in München. Lieblingsverein: Borussia Dortmund.

Luca Toni, Marco Hagemann und Giovane Elber in Bückeburg

15 Fragen – Backstage:

Welchen Beruf wolltest Du früher als Kind/Teenie ausüben?

Ich hatte bis zu meinem 13. Lebensjahr überhaupt keine Ahnung. Erst mein Vater hat mich auf den Beruf des Sport-Journalisten aufmerksam gemacht. 

Wie bist Du zu Deinem jetzigen Job gekommen?

Mein Vater fragte mich, „was möchtest du eigentlich mal werden?“ Ich hatte wirklich keine Ahnung. Er meinte, „du wirst Sport-Journalist, weil du dir so viel Sport im Fernsehen anschaust, auch wenn es die zweite oder dritte Wiederholung ist“.

Gut anderthalb Jahre später, also mit 15, habe ich dann bei unserer Tageszeitung im Ort, dem „Westfalen-Blatt“, angefangen als freier Mitarbeiter zu arbeiten. Artikel über unseren Heimatsport geschrieben und Fotos gemacht. Sozusagen der „rasende Reporter von Schloß Holte-Stukenbrock“. 🙂 Durch diverse Praktika in den Folgejahren, unter anderem beim NDR, Radio Bielefeld, Radio Ipswich SGR FM, hab ich im Januar 2000 ein dreimonatiges Praktikum beim DSF (heute Sport1) in München absolviert. Acht Monate später hat man mich als Jung-Redakteur übernommen. Das war der Start in mein jetziges Berufsleben. Dabei habe ich als Sport-Nachrichten-Redakteur begonnen, durfte mich aber auch im Fußball ausprobieren. Erst Zusammenfassungen kommentieren, bis Premiere (jetzt Sky) im Jahr 2004 auf mich zukam und fragte, ob ich denn nicht als Live-Kommentator für sie arbeiten möchte. Man kann also sagen, seit September 2004 bin ich als Fußball-Kommentator tätig.

Marco Hagemann mit Steffen Freund (re.)

Welche Person hat Dich, privat oder beruflich, besonders beeindruckt oder geprägt?

Naja, mein Vater hat mich auf diesen Berufsweg „geschubst“, also hat er eine entscheidende Rolle natürlich eingenommen. Meine Familie hat mich in den ganzen Jahren natürlich permanent unterstützt, deswegen bin ich ihnen für alles sehr dankbar.

Beruflich hat mich sicher Dieter Kürten am meisten beeindruckt. Da ich ja auch schon diverse Moderationen im TV und außerhalb des Fernsehens machen durfte, kann man sicher sagen, dass Dieter Kürten durchaus ein Vorbild ist. Er hat zu seiner Zeit genauso moderiert, wie ich es mir vorstelle. Perfekt vorbereitet, charmant, schlagfertig, aber nie die Hauptrolle spielend. Er hat seinen Gästen den notwendigen Raum gelassen, die Gäste waren wichtig, nicht er selbst. Im Kommentar-Bereich ist es sicher Marcel Reif gewesen. Für mich konnte kein anderer so unfassbar gut mit der deutschen Sprache wie er umgehen. Ein sprachliches Genie.

Gibt es ein Lebensmotto für Dich, wenn ja, was bedeutet es Dir?

Ja, das gibt es. Es hört sich zwar abgedroschen an, aber ich lebe nach dem Motto, „Cape diem“. Da mein Vater bereits 1996 verstarb, hat sich dieses Lebensmotto entwickelt. Das Leben kann so kurz sein. Umso wichtiger ist es, das Leben, den Tag zu nutzen. Es so zu verbringen, wie man es gerne möchte. Das Leben genießen. Und es wertschätzen.

Wie entspannt bist Du bei einem Interview oder einer Kommentierung? Gibt es Momente, die besonders waren und/ oder in Erinnerung geblieben sind?

Ich bin immer positiv angespannt, positiv nervös. Das bleibt hoffentlich auch noch lange so bestehen. Sollte ich mal das Gefühl haben, dass es nur noch absolute Routine ist, ohne eine Anspannung oder Nervosität, dann suche ich mir was anderes.

Natürlich bleibt gerade mein allererster Live-Kommentar in Erinnerung. September 2004 für Premiere, ein Spiel aus der italienischen Serie A, „Juventus Turin“ gegen „US Palermo“. Man kann sagen, ich war sehr nervös und noch völlig orientierungslos. Es fehlte gerade während der Vorbereitung eine Struktur und ich bin mit viel zu vielen Zetteln in den Kommentar gegangen :-).

Zudem wird der Gewinn des „Deutschen Fernsehpreises“ 2017 in Erinnerung bleiben. Eine ganz tolle Auszeichnung für mich. Es gibt so viele tolle Momente, ich kann sie hier gar nicht alle aufzählen.

Gab es mal eine unangenehme Situation oder einen Fauxpas?

Es gab mal einen kleinen Fauxpas, wobei der nicht ganz jugendfrei war 🙂 Man kann ihn vielleicht noch bei „YouTube“ finden, denn Markus Lanz hat ihn erzählt, als er mich in seiner Sendung vorgestellt hat.

Womit beschäftigst Du Dich in Deiner Freizeit?

Mit viel Sport. Selbst mache ich Sport, spiele sehr viel Tennis, aber auch generell kommt die Fitness nicht zu kurz. Ich muss mich einfach bewegen, weil ich viele Stunden am Schreibtisch verbringe, zudem gucke ich natürlich viel Sport im Fernsehen, bin einfach ein Sport-Nerd. Aber ich versuche natürlich meine Familie und meine Freunde zu sehen, auch wenn das leider viel zu kurz kommt, weil ich beruflich sehr viel unterwegs bin.

Wie würdest Du Dich selbst beschreiben?

Schwierige Frage. Ich beschreibe mich eigentlich nicht so gerne. Aber ich würde sagen, ich bin ein offener Mensch, ein emotionaler, ein hier und da witziger :-), ein ehrgeiziger, aber vor allen Dingen ein bodenständiger Mensch, der nie vergessen wird, wo er herkommt. Ich bin sehr dankbar, wie alles in meinem Leben gelaufen ist. Nur mein Vater ist einfach viel zu früh verstorben.

Wie gehst Du mit unangenehmen beruflichen Situationen um, z. B. ein wortkarges Gegenüber, etc.?

Immer charmant – Marco Hagemann

Immer entspannt. Wenn ein Gegenüber wortkarg sein sollte, dann versuche ich ihm einfach etwas zu entlocken, die Stimmung aufzuhellen, damit ein Wohlbefinden für das Gegenüber entsteht. Aber insgesamt lasse ich mich von unangenehm Situationen nicht stressen oder unterkriegen.

Wie schätzt Du den deutschen Fußball im Vergleich zum europäischen Fussball ein?

Die Bundesliga gehört sicher noch zu den Top 5-Ligen in Europa. Aber der deutsche Fußball muss wieder was tun. Die englische „Premier League“ und die spanische „La Liga“ haben uns gerade etwas voraus. Wir haben uns auf den erfolgreichen Jahren inklusive des WM-Titels 2014 zu sehr ausgeruht. Aber diese Probleme sind erkannt und werden hoffentlich auch in Zukunft behoben. Der Fußball ist in ständiger Bewegung, einen Stillstand darf man sich nicht erlauben.

Wie kommentierst Du das Ausscheiden der deutschen Fussballnationalmannschaft bei der letzten WM?

Das erstmalige Aus nach der Gruppe bei einer WM ist eine historische Niederlage. Es hat schon in den Monaten davor Anzeichen gegeben, dass es schwierig werden könnte. Dass die deutsche Nationalmannschaft schon nach der Gruppenphase ausscheiden würde, das hätte ich aber im Leben nicht gedacht.

Aber viele Spieler waren einfach nicht in der besten Verfassung, es haben sich Grüppchen gebildet und auch der Bundestrainer hat Fehler gemacht. Jogi Löw hat es durchaus auf den Punkt gebracht: Eventuell war man auch etwas arrogant, nach dem Motto, bei all den Problemen vor der WM, „wir schaffen das schon, wenn die WM losgeht“. Ein personeller Umbruch hätte schon viel früher eingeleitet werden müssen.

Spielst Du selbst Fussball oder machst Sport?

Ja, Fußball ab und zu, spiele mittlerweile wieder viel Tennis und mache Fitness, fahre im Winter Ski. Also Bewegung muss sein. Gerade Tennis ist meine zweite Leidenschaft, habe ja auch über viele Jahre Tennis kommentiert, unter anderem ja den ersten Grand-Slam-Sieg von Angie Kerber in Australien, ein großartiger Moment! (Hier können Sie den Matchball noch einmal miterleben:) Wobei, Tennis habe ich ja auch schon als kleiner Junge in meiner Heimat gespielt. Also blieb dieser Sport immer präsent.

Könntest Du auch andere Themen kommentieren oder was wäre Deine Alternative zum jetzigen Job? 

Tennis habe ich ja – wie bereits erwähnt – kommentiert, ansonsten wird es schwierig 🙂 . Ich sage immer, „mein beruflicher Plan B ist immer Plan A“. Wirkliche Alternativen gibt es tatsächlich nicht. Aber wenn eine Alternative her muss, dann findet sich sicherlich eine.

Bist Du Heimatverbunden?

Schon sehr, leider schaffe ich es beruflich einfach viel zu selten, meine Heimat zu besuchen. Daran sollte ich arbeiten, dass das bald mal anders wird.

Was würdest Du sehr gern noch machen und wen würdest Du gern treffen?

Es ist schwierig, aber ein WM-Finale oder EM-Finale mit deutscher Beteiligung zu kommentieren wäre natürlich der absolute Traum. Aber ich genieße es, egal welches Spiel auf mich zukommt, zu kommentieren. Gerade bei RTL und bei DAZN fühle ich mich sehr wohl.

Interviewen würde ich gerne Franz Beckenbauer, Jürgen Klopp, ach, da gäbe es so viele.. und ich möchte noch unbedingt mein Vorbild treffen – Dieter Kürten. 

Herzlichen Dank an Marco, für die Zeit, die Du Dir genommen hast. Es war ein Vergnügen!

Im Job – Marco Hagemann


Menü schließen