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Volkan Baydar von „Orange Blue“ – Der Mann mit dem Soul in der Stimme
Foto: Hauke Gabriel

Volkan Baydar von „Orange Blue“ – Der Mann mit dem Soul in der Stimme

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Endlich wieder etwas von „Orange Blue“. Das 1992 gegründete Hamburger Duo, bestehend aus Vince Bahrdt und Volkan Baydar, das im Jahr 2000 den Megahit „She’s got that light“ landete und danach überaus erfolgreich die Charts eroberte, meldet sich nach einer längeren Schaffenspause zurück.

In der Zeit haben sich beide mit anderen Projekten beschäftigt, trotzdem haben sie ihr gemeinsames Bandprojekt nie aus den Augen verloren. Nun endlich ist Bewegung in die Angelegenheit gekommen: Zuerst mit einer Compilation der „alten“ Hits, der Best-of CD aus 2003 von „Orange Blue“:

CD „Best of“ Orange Blue

wie auch mit der Ankündigung auf ein neues Album, welches 2019 erscheinen wird. Beide stecken derzeit in den Aufnahmen und lassen ihre Fans mit lustigen Instagramposts teilhaben. Wichtig war ihnen auch, dem Stil von „Orange Blue“ treu zu bleiben und trotzdem musikalisch mit der Zeit zu gehen.

Wir sprachen mit Volkan Baydar, der „Stimme“ des Duos, und durften einen Blick in sein musikalisches Seelenleben werfen:

Volkan, wie lange machst Du schon Musik und wie ist es dazu gekommen?

Ich singe seit ich zwei bin. Meine Eltern sagten, ich hätte irgendwann einfach ohne offensichtlichen Grund damit angefangen und nicht mehr aufgehört.

Wie bist Du auf Vince Bahrdt gekommen, wie habt ihr euch kennengelernt?

Ich habe mich damals, als Teenager, mit anderen Musikern und Schreibern mischen wollen, weil es eben mehr Spaß bringt und ein guter Partner Gold wert ist.

Ich hatte mich als Sänger für eine „Soul-Cover Band“ beworben und er spielte damals noch Schlagzeug.

Wie würdest Du eure Zusammenarbeit beschreiben; wer ist der Kreative, wer ist zuständig für Texte, wer macht die Musik, wie entstehen bei euch die Titel?

Wir schreiben meist getrennt voneinander, insofern sind wir beide kreativ. Vince hat sein Musikstudio und ich meins, in denen wir dann jeweils unsere Songs komplett schreiben, aufnehmen und mischen. Natürlich braucht mich Vince irgendwann als Sänger für seine Ideen.

Dann spielen wir sie dem Anderen vor und es gibt Kritik, positive und negative.

Wir kennen uns schon so lange, dass wir auch bei solchen Themen stets die richtigen Worte finden… Songs sind eben sehr persönliche „Babies“ und es ist wichtig, sensibel mit ihnen umzugehen.

In letzter Zeit kommt es aber auch mal vor, dass man nicht weiter kommt und dem Anderen einen halb fertigen Song gibt, schließlich „ziehen wir ja am selben Strang“ und es sollen tolle Kompositionen entstehen. Das Ego darf einem dabei nicht im Weg stehen.

Letztens hat Vince einen fantastischen, deutschen Text auf einen englischen Song von mir geschrieben, der ebenfalls in der Version auf das Album kommen wird.

Also in dem Fall: Musik: Volkan, Text: Vince. Aber sowas kommt echt selten vor.

Spielst Du lieber in einer Band, wie „Orange Blue“ oder bist Du lieber als Solokünstler unterwegs. Und wenn als Solokünstler, singst Du dann lieber eigene Stücke oder macht es Dir auch Spaß, wie z. B. Bei den Jam-Session Stücke anderer Künstler zu interpretieren?

Ich denke der Mix macht den Gesamtspaß aus, wobei ich es als größte Kunst ansehe, seine eigenen Songs zu schreiben und zu performen.

Ich denke, es ist wichtig, auch mal als Solokünstler etwas veröffentlich zu haben, denn als „Orange Blue“ können wir die Verantwortung immer teilen und einander stützen, wenn Dinge nicht gut laufen.

Wenn man Solo ist, geht das nicht. Aber man lernt viel und es ist ein wichtiger Prozess für das musikalische „erwachsen werden“.

Jam sessions liegen mir übrigens besonders gut, weil sie wie das Leben sind: unerwartet und ungewiss. Manchmal muss man auch bereit sein, Fehler zu machen, um eine Stufe weiter zu kommen. Und man muss gut zuhören, damit man den richtigen Ton trifft… eben genau, wie das Leben 😉

Wie entsteht die Idee für einen Text. Hat man erst die Melodie oder doch eher den Text und wie groß hat das eigene Empfinden Einfluss auf die Texte?

Bei mir kommt immer eine Melodie mit Text, meist unerwartet und aus aus dem „Nichts“. Ich muss dann schnell reagieren und es aufnehmen (meist auf mein Handy). Das kann auch mal um 3 Uhr nachts sein oder beim Sport. Dann muss man sich entscheiden, ob Schlaf wichtiger ist, als der Song. Bei mir ist es immer der Song. Ich habe das Gefühl, man hat als Künstler eine Verantwortung, solche Melodien festzuhalten.

Was dann kommt ist Fleißarbeit. Das Thema finden, Reime sortieren, Phonetik ist auch sehr wichtig: Es muss fließen.

Ich weiß, dass Vince da anders ist: Er stellt sich den Wecker, arbeitet von Anfang an daran, einen guten Song zu schreiben und auch das klappt scheinbar und offensichtlich sehr gut. Daran sieht man mal, wie unterschiedlich Kunst sein kann.

Es gibt kein „Richtig“ oder „Falsch“, nur das Endergebnis zählt!

Singst Du lieber auf deutsch oder auf englisch? Und könntest Du Dir vorstellen, auf türkisch zu singen? Denn Du siehst ja, dass zum Beispiel Tarkan damit durchaus erfolgreich ist?

Zunächst einmal ging es mir beim Schreiben oder Singen wirklich nie darum, „erfolgreich“ zu sein. Erfolg kann man schlecht planen. Man muss sich selbst treu bleiben, dann kommt der (finanzielle) Erfolg am wahrscheinlichsten, weil man authentisch bleibt.

Ich habe mal einen türkischen Song geschrieben, „Aradim“, der auf einem Sampler „Aristo & Friends“ zu hören ist.

Deutsch und Englisch haben unterschiedliche Sprach-Rhythmen und Melodieführungen. Es war spannend für mich zu hören, dass einige Leute sagten, ich würde „anders singen“, was durchaus Sinn macht. Auf die Frage, was „besser“ zu mir passen würde, sind die Meinungen immer 50/50, was ich als großes Kompliment für meinen deutschen Gesang sehe.

Man hört ja immer wieder, dass Künstler sich in der englischen Sprache besser ausdrücken können. Siehst Du das ähnlich; ist es Dir also lieber, Emotionen in eine andere Sprache zu „verpacken“?

Ich würde Deutsch als eindeutig schwieriger zu singende Sprache einordnen, da man hier nichts kaschieren und verbergen kann. Ich würde aber nicht behaupten, die Emotionen wären bei der einen oder anderen Sprache mehr oder weniger.

Gibt es ein Lieblingslied auf der neuen Best-of CD von „Orange Blue“, über dass Du sagst, da hängt Dein Herz besonders daran oder damit verbindest Du besondere Erinnerungen?

Heaven was her name“ finde ich auf unserer „Best of“ sehr besonders: Abgesehen davon, dass Vince und ich das erste und einzige Mal im Duett singen, sind die Verkäufe plötzlich rasant in die Höhe gegangen. Es geht um eine wahre Geschichte über multiple Persönlichkeiten.

Als wir damals den Song willkürlich auswählten, um ihn in bei der „NDR Talkshow“ zu spielen, schossen die Albumverkäufe am nächsten Tag rasant in die Höhe und der Song wurde sofort als Single ausgekoppelt.

(Anm. d. Red.: Natürlich haben wir uns dieses Lied sofort angehört. Es ist wirklich ein besonderer Song, sehr emotional und zeigt die gefühlvolle Seite von ihm. Eindeutige Hörempfehlung von „Scarlett“)

In welche Richtung wird euer neues Album gehen. Werden es wieder englische Stücke? Du hast mir ja einen Titel vorgespielt, der auf deutsch gesungen wird und der wirklich sehr gut klingt. Wo sagst Du, wird der Weg von „Orange Blue“ hingehen?

Nun, es muss nicht immer immer irgendwo hin gehen. Wir planen so etwas nicht. Das Leben gibt uns wundervolle und wertvolle Erfahrungen, die man textlich in einen Song packen kann. Unser Anspruch ist und wird bleiben, authentisch zu sein und persönlich was zu geben. Musikalisch gesehen bleibt vieles, wie es ist: wir arrangieren Streicher und geben viel Geld dafür aus, sie aufzunehmen, um alles so wertig wie möglich zu gestalten. Da kommt es schon mal vor, dass man die eigenen Songs hört und vor Glück und Rührung weinen muss.

Welche Aussage würdest Du über das neues Album machen? Gibt es ein bestimmtes Thema?

Wir sind älter geworden und haben viel über das Leben nachgedacht. Die Texte haben wahrscheinlich den größten Sprung in der musikalischen Entwicklung gemacht. Ein bestimmtes Thema gibt es weder für das deutsche, noch das englische Album. Wir bringen beide zeitgleich Ende Mai 2019 raus.

(Anm. d. Red.: Alle Musikbegeisterten dürfen sich also freuen: „Orange Blue“ in zwei Versionen. Einmal komplett deutsch, einmal komplett englisch. Beide sind natürlich gespannt, wie das bei den Zuhörern ankommen wird.)

Welche Art von Auftritten sind Dir lieber: Kleinere Clubs mit direktem Kontakt zum Publikum oder doch die großen Konzerthallen mit vielen Leuten und entsprechender Stimmung, aber eben auch anonymer?

Ich mag es zunehmend, in kleineren Clubs zu singen, eben genau deshalb, weil es direkter ist. Ich möchte spüren, wenn die Leute leise sind und ich mir Zeit nehmen kann, auch etwas auszuholen und „in Ruhe“ zu singen. So etwas geht auf größeren Bühnen nicht. Ich fühle mich immer etwas gehetzt und versuche, längere Lücken zu vermeiden.

Wie gut bist Du mit Vince privat befreundet?

Vince ist einer meiner besten Freunde und wir sprechen so ziemlich über alles. Diese Energie zwischen Menschen ist das wichtigste, um zusammen gut Musik machen zu können- Handwerk vorausgesetzt natürlich.

Und nun die letzte Frage: Gibt es einen Künstler – egal, ob Musiker oder eine andere Branche, der/die Dich besonders beeinflusst hat, sozusagen eine Art Vorbildfunktion innehat oder zu dem Du aufschaust und sagst, dass ist für mich ein Vorbild?

Eindeutig: Stevie Wonder. Er ist einer der innovativsten Musiker für mich und ich bin sicher, dass sein Blindsein etwas damit zu tun hat, dass er hochwertige, vielleicht intuitivere Musik schreibt und singt.

Viele Künstler, die ich höre, sind von ihm beeinflusst, inklusive mir selbst.

Das „Best-of“ Album von „Orange Blue“ ist erhältlich bei allen gängigen Streamingportalen.

Das neue Album (White/Weiss) wird im Mai 2019 in zwei Sprachen veröffentlicht werden. Volkan Baydar ist auch als Solokünstler mit verschiedenen Projekten musikalisch unterwegs. Mehr auf www.volkanbaydar.de oder auch www.murdersound.com

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