Verkaufsoffener Sonntag – Bückeburg bietet ein Stück Normalität
Verkaufsoffener Sonntag in Bückeburg - Foto: Scarlett Magazin

Verkaufsoffener Sonntag – Bückeburg bietet ein Stück Normalität

Das Bückeburger Stadtmarketing (BSM) musste aufgrund des Coronavirus und der damit verbundenen Einschränkungen bis auf weiteres geplante Veranstaltungen absagen. Mit daran gekoppelt waren aber auch die beliebten verkaufsoffenen Sonntage. Nun stand einer dieser Sonntage an und man überlegte, ob man es wagen kann, diesen Tag trotzdem anzubieten. Immer vorausgesetzt, alle beteiligten Geschäfte der Innenstadt zeigen Interesse und alle Auflagen Seitens der Bundesregierung werden erfüllt.

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Das BSM machte es sich nicht leicht mit der Entscheidung. So erzählte Giovanni di Noto, Vorstand des Stadtmarketings, dass er lange Gespräche mit Annika Tadge, Wirtschaftsförderung Stadt Bückeburg und ebenfalls Vorstand BSM geführt habe, man hin und her überlegte, ob es vielleicht noch zu früh dafür sei. Ausserdem hätte man alle teilnehmenden Geschäftsinhaber befragt, die ihrerseits ihre Zustimmung gegeben haben. Trotzdem habe man mit Besorgnis auf diesen Tag geblickt.

Dass es kein entspanntes Shoppingvergnügen werden würde, wie sonst, war allen Beteiligten im Vorfeld klar. Gleichzeitig fehlten den Geschäften die ausgefallenen Umsätze der vergangenen Wochen. Zudem begann der Mai gleich mit einem Feiertag, also fiel die Entscheidung auf ein „Ja“.

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Was dann auf die Presseankündigung folgte, war ein Shitstorm, mit dem man allerdings so nicht rechnen konnte. Allen voran beschwerten sich viele Leser in den sozialen Medien darüber, dass man überall von einem „social Distancing“ redet und dann aber einen „lockeren“ Shoppingsonntag offeriert. Auch das „fehlende Vergnügen“ beim Sonntagskauf wurde oftmals angeprangert, und dass man fürchtete, so die Ansteckungszahlen wieder zu erhöhen und für ein weiteres Schließen verantwortlich zu sein.

Verkaufsoffene Sonntage in Zeiten einer Pandemie? Eine mögliche Gefährdung von Leuten? Dazu Sonntagsarbeit für Verkäufer? Trotz Kontaktbeschränkung volle Innenstädte? Alles das brach auf die Ankündigung herein.

Dabei ging es allein um einen verkaufsoffenen Sonntag, keinesfalls um eine zusätzliche damit verbundene Veranstaltung. Auch die Zustimmung aller teilnehmenden Geschäfte inklusive deren Mitarbeiter lag ja eindeutig vor. Und letztendlich – es handelt sich um eine freiwillige Veranstaltung, die Teilnahme als Kunde ist keinesfalls verpflichtend. Jeder kann für sich selbst entscheiden, hinzugehen.

#kauflokal nur leere Worte?

Was tatsächlich fehlte war ein wenig der positive Geist, der sich doch seit einigen Wochen in den sozialen Medien verteilt hatte: Wir gemeinsam durch die Krise. #kauflokal – Kauft vor Ort. Unterstützt den heimischen Handel. Freut auch darauf, dass wieder mehr Geschäfte geöffnet haben dürfen.

Stattdessen blickte man fast schon missgünstig auf die Geschäftszweige, die bereits öffnen dürfen, verglich Äpfel mit Birnen (warum haben die Kindergärten noch zu?) und malte ein düsteres Szenario von steigenden Infektionszahlen. Niemand beschwerte sich jedoch über die vollen Supermärkte, Sonntagsöffnungszeiten von selbigen, vollen Wochenmärkten, und dass die Leute vor den Baumärkten oftmals in langen Schlangen anstehen.

Die Innenstädte sind hingegen in der Regel ziemlich übersichtlich, was Kunden betrifft (wir berichteten zum Beispiel über Minden), wohingegen Drogerien und Supermärkte sich über zu wenig Kundschaft nicht zu beklagen haben.

Soll das so weitergehen? Es wird über Nacht zu keiner Auflösung des Virus kommen, die Bundesregierung muss sich – wie wir alle – damit arrangieren und gleichzeitig einen Alltag gestalten, der unsere Wirtschaft und unser aller Leben wieder normalisiert. So wie wir auch mit dem HIV Virus, Pneumokokken, Influenza, Noroviren, EHEC-Erreger, Masern und anderen Viren oder Bakterien leben müssen. Auch daran kann man nämlich sterben.

Weitere verkaufsoffene Sonntage noch ungewiss

Di Noto erzählte weiter, dass man jetzt abwarten wolle, wie der verkaufsoffene Sonntag von den Kunden angenommen wird. Danach wird man entscheiden, auch im Hinblick auf die weitere Entwicklung des Virus und die Entscheidung der Bundesregierung, ob die demnächst geplanten verkaufsoffenen Sonntage – ggf. unter Einschränkungen – durchgeführt werden.

Gute Vorbereitung Seitens der Geschäfte

Die entsprechenden Vorgaben wie beispielsweise nur 1 Kunde pro 10 qm Verkaufsfläche, Abstand halten, Mund-Nasen-Schutz, dazu Desinfektionsmöglichkeiten, Sicherheit an den Kassen wurden überall in den Läden eingehalten. Aushänge an den Schaufenstern wiesen ausdrücklich auch auf die Maskenpflicht hin (s. Foto):

Vorgabe zum Einkaufen – Foto: Nevio Lennon

Der Sonntag zeigte dann letztendlich, dass vielen Leuten etwas gefehlt hat – das Gefühl, ein bisschen Normalität in diese Zeiten zu bringen und wieder einen Grund zu haben, rauszugehen. Denn – die Innenstadt war durchaus gut besucht.

Das Zusammenstehen in Gruppen mit nicht immer ausreichendem Abstand, dass machen viele Besucher trotz Warnungen auch auf den Wochen- oder in den Supermärkten. Ganz verhindern wird man das nicht können. Und letztendlich soll versucht werden, langsam wieder den Alltag einfließen zu lassen und dabei zu schauen, wie diszipliniert sind die Menschen, wie gut lassen sich Hygienemaßnahmen und Auflagen umsetzen.

Verkaufsoffener Sonntag in Bückeburg – Foto: Nevio Lennon
Die Sitzgelegen der Gastronomie stehen nicht zur Verfügung – Foto: Nevio Lennon

Auch der Druck der Wirtschaft lastet über allem – zu lange waren die Geschäfte geschlossen, ruhen Betriebe, fehlen Einnahmen, sind Produktionswege unterbrochen. Heute merkt man durchaus, dass es einige Unternehmen nicht schaffen werden, aus der Krise unbeschadet hervorzugehen. Ein zusätzlicher verkaufsoffener Sonntag kann einem Geschäft helfen, einiges an Umsatz aufzuholen. Und – ein sehr wichtiger Grund ist auch – wir alle vermissen den Kontakt zueinander, die Möglichkeit einzukaufen, Auswahl zu haben und einfach nur ein bisschen uns inspirieren zu lassen.

In Bückeburg zeigte sich, dass ein Bedarf bestanden hat, denn am Sonntag spazierten viele Besucher durch die Innenstadt und genossen sichtlich die Möglichkeit des Einkaufens.

Verkaufsoffener Sonntag in Bückeburg – Foto : Nevio Lennon

Auf dem Marktplatz zudem eine weitere Aktion der Gastronomiebetriebe: #leerekruege. Auch hier wird auf die derzeit leeren Krüge in den Gaststätten hingewiesen. Lesen Sie dazu auch mehr unter #leerestuehle und dem Bericht über die Schaumburger Aktion dazu.

Zu #leerestuehle gesellt sich in Bückeburg #leerekruege – Foto: Nevio Lennon

Ab heute, 04. Mai dürfen nun endlich auch die Frisörgeschäfte wieder ihre Tätigkeit aufnehmen. Im benachbarten NRW sind bereits die Fußpfleger aktiv und in Hessen und Thüringen sind Nageldesigner wie auch teilweise Kosmetiker von den Schließungen bereits ausgenommen. Warum es allerdings keine einheitliche und damit für alle nachvollziehbare Regelung für alle Bundesländer gibt ist rätselhaft. Wir wünschen uns deshalb für alle gültige und transparente Regelungen. Bei allem gilt natürlich: Bleiben Sie gesund!

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