Kontakt: Redaktion@Scarlett-Magazin.de oder Mobil 0151-55684186
Trick or treat in Norddeutschland – Wann ist eigentlich Martinssingen?

Trick or treat in Norddeutschland – Wann ist eigentlich Martinssingen?

In vielen Ländern, wir kennen es meist aus den USA, ist es ein beliebter Brauch, am Abend des Halloween, also am 31.10. eines Jahres, schaurig verkleidet von Tür zu Tür zu ziehen und den Bewohnern mit einem „Trick or Treat“ (bedeutungsgleich mit „Süßes oder saures“ – also, „gib mir Süßes oder ich spiele Dir einen Streich“) um Süßigkeiten zu bitten. Wer bereit ist, der Forderung Folge zu leisten, signalisiert dies oftmals durch Halloween Dekorationen am Haus oder durch Herausstellen von Bonbons zur freien Verfügung.

Happy Halloween

In Nordamerika geht der Brauch in die Zeit der 20er Jahre zurück. Wohingegen man in Großbritannien und Irland traditionell schon seit dem 16. Jahrhundert von Tür zu Tür geht, und um Lebensmittel bittet. Genau so lange besteht auch die Tradition, sich an Halloween zu verkleiden. Dort gibt es auch Berichte aus dem 19. Jahrhundert über Menschen, die mit Versen um Essen gebeten haben und sogar manchmal vor einem Unglück warnten, sofern sie nicht willkommen waren. Der schottische Brauch des „Guising“ wurde erstmals 1911 in Kanada übernommen. Während das Tragen von Kostümen stets beliebt war, kam der Spruch „Trick or treat“ erst vor Kurzem hinzu.

In Mexico fragen die Kinder allerdings: „Me da mi calaverita?“ (Können Sie mir meinen Zuckerschädel geben?), denn dort heißt die Feier „Calaverita“, also Zuckerschädel.

Lieber süßes als saures…

Der moderne Brauch des „Trick or Treat“ reicht von seiner Geschichte her bis in die klassische Antike zurück, obwohl es – laut Wikipedia – eher unwahrscheinlich erscheint, dass einer der Bräuche direkt mit dem modernen Brauch zusammenhängt. Eine Geschichte besagt, dass man auf der griechischen Insel Rhodos in früher Zeit eine Tradition pflegte, nach der Kinder von Tür zu Tür als Schwalben verkleidet zogen und dabei ein Lied sangen, in dem der Besitzer des Hauses aufgefordert wurde, ihnen Nahrung zu geben, sonst drohe ihm ein Unheil.

Bereits seit dem Mittelalter besteht in Teilen von Großbritannien und Irland die Tradition des „Mummens“ an einem bestimmten Feiertag. Dabei geht man verkleidet von Tür zu Tür und spielt kurze Szenen aus Theaterstücken und bekommt als Gegenleistung Essen und Trinken.

Bekannt ist allgemein, dass man sich an Halloween schaurig verkleidet, um übernatürliche Wesen oder die Seelen der Toten, die sich zu dieser Zeit auf der Erde aufhalten, zu besänftigen und abzulenken.

Den Brauch, Nahrung zu erbitten, gibt es schon sehr lange, doch erst in den 1980ern sagte man „Trick or treat“

Es gibt auch den Bezug zum keltischen Fest, welches zur Wintersonnenwende vom 31. Oktober bis zum 1. November stattfindet und „Samhain“ genannt wird. Das Fest soll vorchristliche Wurzeln haben und bereits im 9. Jahrhundert machte die katholische Kirche den 1. November zum Allerheiligen. Unter den keltischen Völkern wurde diese Zeit als Grenzzeit angesehen, in der die Geister oder Feen und die Seelen der Toten in unsere Welt kamen und man sie dort mit Nahrung besänftigte.

Samhain, Wintersonnenwende

Das „Trick-or-treating“ wird vermutlich aus dieser Tradition hervorgegangen sein, in der Menschen nun die Geister der Toten verkörperten und dann Opfergaben erhielten. Ein weiterer Glaube ist, sich als Tote zu verkleiden, um sich vor den Seelen der Toten zu schützen und sich ihnen gleich zu schließen.

Im 15. Jahrhundert gab es unter den Christen den Brauch, in der Zeit von „Allhallowtide“ (31. Oktober bis 2. November) einen Seelenkuchen zu teilen. Die Menschen seinerzeit besuchten Häuser und nahmen Seelenkuchen mit. Entweder, sie gaben sich als Vertreter der Toten aus oder es war die Gegenleistung dafür, dass sie für ihre Seelen beteten.

Die Geschichte zeigt viele solcher Beispiele, anhand derer man erkennt, wie lange es diese vermeintlichen neumodischen Bräuche tatsächlich schon gibt.

Die früheste bekannte Verwendung des Ausdrucks „Süßes oder Saures“ ist 1927 von Alberta Blacky bekannt:

Halloween bot die Gelegenheit für wirklich anstrengenden Spaß. Es wurde kein echter Schaden angerichtet, außer bei einigen, die nach Wagenrädern, Toren, Wagen, Fässern usw. jagen mussten, von denen viele die vordere Straße schmückten. Die jugendlichen Peiniger waren an der Hintertür und an der Front und forderten eine essbare Plünderung durch das Wort „Süßes oder Saures“, auf das die Insassen gerne antworteten und die Räuber freudig wegschickten. (Quelle: Wikipedia)

Trick or Treat brachte man bis in die 1930er Jahre auch häufiger mit Thanksgiving in Verbindung. Auch dort gingen Kinder von Tür zu Tür, verkleidet als Bettler und fragten nach Leckerbissen. Jedoch durch die zunehmende Feindseligkeit gegenüber diesem Vorgehen unterließ man das Betteln und stellte diese Tradition in den 50er Jahren endgültig ein.

Fast alle Verwendungszwecke des Begriffes „Süßes oder Saures“ vor 1940 stammen aus den Vereinigten Staaten und Kanada. „Süßes oder Saures“ verbreitete sich in den gesamten Vereinigten Staaten, nur durch das Rationieren von Zucker, welches während des zweiten Weltkriegs begann und erst im Juni 1947 endete, war es zum Stillstand gekommen.

Durch Zeitschriftenwerbung sollte das „Trick or Treating“ ab 1947 wieder populär werden.

Obwohl man den Brauch, der seinen Ursprung in Großbritannien und Irland hatte, verwendete, wurde der Begriff „Trick or treat“ tatsächlich erst in den 1980er Jahren verwendet. Heutzutage dient der Spruch nur noch der Bitte um Süßigkeiten, ohne tatsächlich die Hausbewohner unter Druck zu setzen oder gar schädigen zu wollen.

So gehen die Kinder heute gut verkleidet von Tür zu Tür und bitten um Süßigkeiten.

Die Bitte um Nahrung oder Trinken variiert von Land zu Land und von Kultur zu Kultur. In manchen Ländern werden Lieder gesungen und auch das Verkleiden ist nicht überall Teil des Brauches. Jedoch ist es heutzutage ausschließlich für die Kinder gedacht und die Erwachsenen dienen lediglich als Begleitung oder um die Laternen oder Beutel zu tragen.

In Schweden

… zum Beispiel verkleiden sich die Kinder als Monster oder Hexen und gehen am Gründonnerstag, dem Donnerstag vor Ostern, von Tür zu Tür, während dänische Kinder sich verkleiden und am Faschingsmontag ihre Bitte um Süßigkeiten vortragen.

In Deutschland

… ist man, meist mit Laternen ausgestattet, am Martinstag, dem 11. November eines Jahres, unterwegs und singt Lieder zu Ehren St. Martins. In Norddeutschland kennt man hingegen die Tradition, am Silvesterabend beim „Rummelpott“ Süßigkeiten zu sammeln.

Laternensingen gehört zum Martinsfest dazu

Im Schaumburger Land

… gehen die Kinder, meist mit Laternen ausgestattet und Laternen- oder St.-Martins-Lieder singend, von Tür zu Tür, um Süßigkeiten zu ersingen. Wobei sich da die Geister scheiden, denn obwohl man traditionell am Martinstag, dem 11. November singen geht, sind viele der Ansicht, schon am Vorabend sei es an der Zeit, dieses zu tun. So erlebt man immer wieder Kinder, denen man am 10. November die Tür mit einem „ihr seid einen Tag zu früh“ öffnet oder sie am 11. November mit einem „gestern war doch schon Martinssingen“ empfängt.

Martin von Tours teilt seinen Mantel. Daran erinnern die Martinsumzüge.

Das Martinssingen ist ein Brauch, der als Fest zu Ehren des heiligen Bischofs Martin von Tours, zum 11. November gehört. Dabei erhalten Kinder für ihren Gesang kleine Geschenke.

Das Singen findet meist am Abend des Martinstages statt, kann aber auch um einige Tage von diesem Datum abweichen. Die Kinder ziehen singend von Haus zu Haus und tragen dabei ihre Laternen mit sich. Gern werden die traditionellen Martinslieder gesungen, alternativ geht auch ein Laternenlied. Als Belohnung erhalten sie kleinere Geschenke, Gebäck, Obst oder Süßwaren. Bevorzugt wird vor Geschäften gesungen, aber auch bei Privathäusern machen die kleinen Sänger halt.

In vielen Orten finden die Umzüge am Martinstag selbst statt. Kinder mit Laternen begleiten dabei einen auf einem Schimmel sitzenden Reiter, der mit einem roten Mantel den heiligen Martin als römischen Soldaten darstellt. Dazu werden Martins- oder Laternenlieder gesungen und oftmals ist eine Blaskapelle zur Unterstützung dabei. Die heutige Form dieses Martinszuges, entstand um die Wende zum 20. Jahrhundert im Rheinland. Im Oktober 2017 beantragte eine Initiative von 73 Sankt-Martins-Vereinen die Anerkennung der von ihnen gepflegten Tradition als immaterielles Kulturerbe im Sinne der Unesco.

Die heutigen Umzüge mit dem Rollenspiel dienen als Appel zum mitmenschlichen Helfen, die auf Rückführung zur Legende des heiligen Martin den Kindern vermittelt werden soll. Manchmal findet im  Anschluss ein Martinsfeuer statt und/oder die Kinder erhalten ein Hefegebäck, einen Stutenkerl, der je nach Gebiet unterschiedliche Formen oder Bezeichnungen hat.

Im Ursprung war der 11. November ein Stichtag, an dem Verträge endeten oder der Zins zu entrichten war und den Mägden und Knechten von den Dienstherren Geschenke überreicht wurden.

Ein Beleg für die alte Tradition der Geschenke an St. Martin ist der „Martinspfennig“, der bis 1246 gezahlt wurde.

Hauptsächlich verbindet man heute das Martinssingen mit der Legende von der Mantelteilung des Soldaten Martin mit einem Bettler. Die von dem Biografen Sulpicius Severus berichtete Kriegsdienstverweigerung des römischen Soldaten Martin aus religiösen Gründen spielt jedoch im Brauchtum keine Rolle, im Mittelpunkt steht immer noch der berittene Soldat im Offiziersmantel.

Es gibt allerdings auch den evangelischen Brauch des Martinisingen, der stets am Abend des 10. November stattfindet, dessen Ursprung aber auf Martin Luther, dessen Vorname entsprechend seinem Taufdatum, am 11. November auf den heiligen Martin von Tours, zurückgeht. Dieser Brauch darf als protestantische Modifizierung der katholischen Brauchtumselemente angesehen werden, die im 19. Jahrhundert einen neuen Inhalt bekamen. Man feierte nun Martin Luther, als Lichtfreund und Glaubensmann und die auf „Martin von Tour“ gedichteten Lieder wurden zu Martin-Luther-Liedern umgedichtet, sowie man auch das Brauchtum wie den Laternenumzug damit verknüpfte.

Was kann man nun zusammenfassend sagen?

  1. „Trick or treat“ ist eine uralte Tradition, bei der man stets zur Zeit der Wintersonnenwende verkleidet von Tür zu Tür zog, und um Lebensmittel bat.
  2. Heute möchten die umherziehenden Kinder wirklich nur Süßigkeiten und der Spruch dient keinesfalls der Androhung eines Streiches.
  3. In unserem Umkreis singen die Kinder zweimal: Am 10. November zu Ehren Martin Luthers und am 11. November zu Ehren des heiligen Sankt Martin.
  4. Es empfiehlt sich, an beiden Tagen zu öffnen und Süßwaren bereit zu halten.
Trick or treat? Auf jeden Fall lohnt die Belohnung.


image_print
Menü schließen