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Traditionell und familiär – Grünkohlessen in Obernkirchen
Die Obernkirchener Runde - Stadtkommandant Klaus Scholz (2.v.r.)

Traditionell und familiär – Grünkohlessen in Obernkirchen

Bereits zum 41. Mal seit 1979 fand in Obernkirchen das traditionelle Grünkohlessen der Bürgerschützen statt. Stadtkommandant Klaus Scholz konnte in seiner Rede 818 gut gelaunte Gäste begrüßen, darunter Landrat Jörg Farr, MdB Maik Beermann, MdL Karsten Becker, Bürgermeister Oliver Schäfer, Bürgermeister Reiner Brombach aus Bückeburg, Bürgermeister Oliver Theiß aus Stadthagen, Abordnungen der Bataillone aus Minden, Bückeburg, Lahde und noch viele weitere Gäste. Und was macht den Stadtkommandanten beim Grünkohlessen so sympathisch? Er fasst sich kurz und knapp in seiner Ansprache, weil er – zurecht! – der Ansicht ist, es hört nach einigen Minuten sowieso niemand mehr zu und deshalb lässt er die Stimmung und das Essen (und auch keine weiteren Redner) für sich sprechen.

Karsten Becker (links) und Oliver Schäfer (rechts) rahmen die Runde ein (sc)
MdB Maik Beermann (re.) in Begleitung (sc)

Und Essen gab es gut und reichlich: Grünkohl, Würste, Fleisch und Unmengen von Kartoffeln die vom freundlichen und eifrigen Serviceteam zügig aufgetragen wurden. Alles köstlich zubereitet vom Gasthaus „Zum grünen Kranze“ in Röhrkasten unter der Leitung von Stephanie May.

818 Herren – das ist schon eine stolze Leistung. Und damit auch das Grünkohlessen mit den meisten Gästen im Landkreis Schaumburg, dass nur nebenbei. Aber es geht ja nicht um die Anzahl, sondern die Atmosphäre. Und es ist wirklich eine besondere Stimmung in Obernkirchen, die zurückzuführen ist auf die lange Geschichte dieser Veranstaltung:

818 Gäste – aber trotzdem mit genügend Platz, um einen schönen Abend zu verbringen (sc)
Bürgerschützenkönig Etienne Rudolf aus Obernkirchen (1. hinten links) und seine Jungs haben sichtlich Spaß (sc)

Das Grünkohlessen fand zuerst 1979 in der Gaststätte „Lindenhof“ in Vehlen statt. Ungefähr 200 hungrige Gäste hatte man in den Anfängen. Nach Schließung der Gaststätte zog man um in das Dorfgemeinschaftshaus nach Vehlen. Bis auf die letzte Ecke nutzte man die Räumlichkeiten, aber aufgrund des Platzangebotes vergrößerte man sich später in den Gasthof „Zur grünen Eiche“. Und danach zog man letztendlich um in die Lieth-Halle. Diese Halle wurde 1933 zu Zeiten des Steinkohlebergbaus gebaut und noch lange nach Schließung des Bergbaubetriebes diente die Halle für Festivitäten. Renoviert und damit wieder einsatzbereit ist sie nun schon seit vielen Jahren der Platz, an dem einmal jährlich das Grünkohlessen stattfindet.

Und gerade diese lange Geschichte des Bergbaus und der Gedanke daran, dass vor vielen Jahren hier Bergleute saßen, spiegelt sich in den Räumlichkeiten und der Stimmung der Gäste wieder. Es ist eben nicht „nur“ eine Halle, es ist auch ein Stück gelebte Geschichte der Stadt Obernkirchen. Und das zeigt sich besonders dann, wenn zum „Steigerlied“ die Gäste aufstehen und mitsingen.

Wenn die Herren aufstehen, dann für traditionelles Liedgut (sc)

Gesungen wurde übrigens viel an diesem Abend. Natürlich auch das „Niedersachsenlied“, bei dem die Herren Seite an Seite standen und textsicher jede Strophe mitsangen. Interessanterweise auch die Nicht-Niedersachsen, die aus dem benachbarten OWL angereist waren und genauso inbrünstig mitgesungen haben. Meine Herren, damit schafften Sie einen Gänsehautmoment!

Das Mindener Bürgerbataillon zeigt sich textsicher und sangesfreudig (sc)

Die Schaumburger Trachtenkapelle sorgte ihrerseits für gute und zünftige Unterhaltung und hatte ein gutes Repertoire an Titeln parat, nicht nur das Niedersachsenlied, sondern auch Hits von Udo Jürgens und andere musikalische Schätze, die gute Laune garantierten.

Die Schaumburger Trachtenkapelle (sc)

Und wie beliebt diese Veranstaltung ist, zeigt sich auch an den von weit her angereisten Gästen, die oftmals seit Jahren den Weg nach Obernkirchen finden. Auch nach dem Wegzug lassen es sich viele nicht nehmen, zumindest bei dieser Veranstaltung dabei zu sein. Und das liegt nicht allein am leckeren Essen, sondern auch an dem Gefühl, eine große Familie zu sein, die sich – zugegeben – nur einmal im Jahr so vollständig zum gemeinsamen Essen trifft. Das ist überall an den vielen runden Tischen zu spüren und wird auch in den Gesprächen immer lobend erwähnt. Gleichwohl sieht man in Obernkirchen, wie schon in der Vorwoche beim Grünkohlessen in Bückeburg, dass diese Veranstaltung generationsübergreifend stattfindet und sich junge und ältere Herren zusammenfinden und auf der Basis dieses Essens recht schnell miteinander ins Gespräch kommen.

Anreise aus Brandenburg extra zum Grünkohlessen (sc)

Stadtkommandant Klaus Scholz ist kein Mann von vielen Worten (ich erwähnte die kurze und knappe Ansprache). Aber das er für die Bürgerschützen ein Herz hat, spürt man in den Anekdoten, die er erzählt, von den Anfängen des Grünkohlessens und seiner Tätigkeit als Stadtkommandant. Dies ist im Übrigen das vorletzte Grünkohlessen unter seiner Leitung. Denn nach insgesamt 25 Jahren im Dienste der Bürgerschützen, davon 15 Jahre als Adjutant und 10 Jahre als Stadtkommandant, wird er 2020 mit 61 Jahren in den „Ruhestand“ gehen und das Kommando an den Neffen des vorletzten Stadtkommandanten Wolfgang Anke, Henning Anke übergeben. Und sollte Ihnen der Name bekannt vorkommen, dann lassen Sie mich kurz erwähnen, dass der Sohn von Wolfgang Anke, Christian, derzeit Adjutant des Stadtkommandanten ist.

Schon mal gute Bande knüpfen – Stadtmajor Heinz Joachim Pecher (re.) begrüßt Henning Anke (sc)

Und dessen Aufgabe an diesem Abend war unter anderem, die Begrüßung der Gäste sowie sie zu ihren Tischen zu führen. Das ist auch eine Tradition, die Klaus Scholz eingeführt hat und die sich die Gäste nicht nehmen lassen.

Angesprochen auf den neuen Dresscode des Bückeburger Bürgerbataillons meinte Scholz, dass sowohl der Stadtkommandant als auch seine Amtsbegleiter sich sowieso an den Stil „Anzug/Jacket, Hemd und Krawatte“ halten, gleiches gilt für die benachbarten Bataillone und Ehrengäste, die ebenfalls elegant auftreten würden. Die Mitglieder der Rotts und die Gäste des Grünkohlessens kämen hingegen gut gekleidet, aber leger. „Sie sollen sich hier wohlfühlen und den Abend genießen“, so Scholz. Und dazu sei eine Krawatte oder ein Oberhemd nicht notwendig.

Klaus Scholz beim gemeinsamen Zuprosten zum Ende eines gelungenen Grünkohlessens (sc)
Stadtkommandant Klaus Scholz erzählt von den Anfängen des Grünkohlessens (sc)

Die Delegation aus Minden reist übrigens sehr gern nach Obernkirchen, natürlich auch wegen des guten Essens, aber besonders wegen dieser familiären Atmosphäre, die verstärkt wird durch die geschichtsträchtigen Räumlichkeiten. Auch in Minden bereitet man sich dieses Jahr auf das Freischießen vor. Ein bisschen will man sich überraschen lassen, wie die Stimmung auf dem Simeonsplatz wird, auf jeden Fall seien dort die Gegebenheiten ausreichend groß, um alle Kompanien unterzubringen und ein gutes Programm zu präsentieren. Und Minden verfügt zudem über das Eskadron, was den Auftritt der Kompanien noch bereichert. Stadtmajor Heinz Joachim Pecher musste sich an diesem Abend die immer wieder gern erzählte (und erfundene?) Geschichte seines Ritts auf einem Pferd in die Tiefgarage Anno Irgendwann gefallen lassen. Obwohl er sie bis heute schmunzelnd abstreitet, bleibt sie doch an ihm haften. Die angetretenen Mindener Kompaniemitglieder freuen sich auf ein schönes Freischießen und laden alle Leser herzlich vom 04.-07. Juli nach Minden ein.

Stadtmajor Heinz Joachim Pecher (li.) bringt die amtierenden Könige Rolf-Dieter Brink (3. v. li.) und Klaus Langenkämper (2. v. re.) mit (sc)
Das MBB reist gern nach Obernkirchen (sc)

Natürlich hat auch Obernkirchen sein Bürgerschützenfest, welches vom 14.-17. Juni diesen Jahres stattfinden wird. Und auch dazu sind Sie alle herzlich eingeladen!

Nach einem schönen und gemütlichen Abend zog es viele dann doch nicht direkt nach Hause, sondern zum Geheimtipp in die Gaststätte „Lücking“ nach Obernkirchen. Dort wurde bei lauter Musik noch ein wenig nachgefeiert und über den tollen Abend geredet.

Nachfeier in der Gaststätte „Lücking“ (sc)

Am heutigen Samstag findet in der Lieth-Halle übrigens das große Aufräumen der Bürgerschützen statt. Dieses endet mit einem gemeinsamen Frühschoppen. Und auch das hat Tradition in Obernkirchen.

Der Erfolg dieses Grünkohlessens ist wohl wirklich eine gelungene Mischung aus Tradition und dem Gefühl, Teil einer großen Familie zu sein. Eben gelebte bürgerliche Solidarität.

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