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Superfood oder Superfad? – Was ist dran an den gesundheitsfördernden Effekten?

Superfood oder Superfad? – Was ist dran an den gesundheitsfördernden Effekten?

Die Werbung ist voll mit Begriffen wie: Detox, Superfood, gesunde Ernährung, Nahrungsergänzungen und ähnlichem. Länger leben, gesünder leben und alles auch durch Lebensmittel. Doch, was ist wirklich dran an dem Superfood? Hält das Produkt, was die Werbung verspricht? Und wenn ja, schmeckt es überhaupt? Oder ist Superfood auch gleich Superfad?

„Scarlett“ hat sich für Sie einmal umgeschaut.

Laut Wikipedia ist Superfood ein Marketingbegriff, der Lebensmittel mit angeblichen Gesundheitsvorteilen beschreibt. Teilweise beruhen die positiven Wirkungen auf wissenschaftlich erwiesenen Zusammenhängen. Allerdings steht die Frage im Raum, inwieweit sich Erkenntnisse aus Laboruntersuchungen oder durch die Verabreichung von hoher Dosierung auf echte Ernährungsweisen übertragen lassen.

So ist das Werben mit Superfood und ähnlichen Begriffen, die den Verzehr von Produkten mit gesundheitsfördernden Effekten in Verbindung bringen, gemäß Health-Claims-Verordnung der Europäischen Union sogar verboten, solange eine Wirksamkeit nicht durch ein strenges Zulassungsverfahren bestätigt wurde.

Der Begriff „Superfood“ existiert zwar schon länger, ist aber erst in den letzten Jahren bekannt geworden. Dazu zählen zum Beispiel die Acai-Beere, deren Fruchtfleisch antioxidativ wirksame Substanzen enthält. Ein wirklicher Nachweis über den gesundheitlichen Nutzen ist allerdings noch nicht erbracht worden.

Chiasamen – klingt natürlich edler als Leinsamen, ist von der Wirkung her aber nicht besser

Auch die Chiasamen aus Mexiko sollen eine gute Quelle für mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Proteine sein. Allerdings könnten Sie dann auch die in Europa heimischen Leinsamen verwenden, deren Wirkung ist damit nämlich vergleichbar. Klingt dann allerdings eher nach der Abteilung „Reformhaus“ und weniger cool, wie das „Superfood“.

Kakao  soll durch seinen hohen Flavonoidgehalt Blutdrucksenkend wirken und dadurch das Risiko von Herzerkrankungen reduzieren. Allerdings funktioniert das nur in großen Mengen, den man allein durch den „normalen“ Verzehr von Schokolade gar nicht erreichen könnte. Und wenn man an diese Mengen herankommt, dann hat man leider ein Zuviel der Nährstoffe, die keinen positiven gesundheitlichen Effekt haben.

Die klangvollen Goji-Beeren (eigentlich „Gemeines Bockshorn“) liefern Vitamine und Mineralstoffe. Das macht „normales“ Obst aber auch. Die Werbung suggeriert jedoch die in großer Menge enthaltenen Antioxidantien, die vor freien Radikalen schützen sollen. Wissenschaftler haben allerdings herausgefunden, dass die Beeren zwar gesund seien, aber dem übrigen Obst und Gemüse nichts voraus haben.

Kritisch wird es dann aber zum Beispiel bei dem Moringa-Pulver. Nicht nur der bislang nicht ernährungsphysiologische Nutzen fehlt, sondern diese Produkte weisen häufig auch Rückstände von Pestiziden auf.

Wohingegen die heimische Heidelbeere eine „Superbeere“ ist, denn die enthaltenen Anthocyanen sollen das Wachstum krebsartiger Zellen im Dickdarm verlangsamen und diese sogar abtöten können.

Heidelbeeren sind nicht nur günstiger, sondern superlecker

Die Industrie wirbt mit dem Begriff „Superfood“ und verspricht nicht nur gesunde Ernährung, sondern auch das Heilen von Krankheiten und ein längeres, gesünderes Leben. Je fremdländischer ein Name klingt, desto mehr wird dem Käufer vermittelt, dass es sich hierbei um das neue und absolut beste an Ernährung handelt, was zu bekommen ist. Statt pharmazeutischer Medizin lieber vorbeugend zum Superfood greifen.

Dabei ist der Ansatz, sich gesund zu ernähren, doch nichts neues. Schon als Kind wird einem beigebracht, dass Obst und Gemüse wichtige Bausteine in der Ernährung sind. Vielleicht ist jedoch mit der Industrialisierung des Essens, dem Fast und Fertig Food und dem Überangebot an Süßwaren zu jeder Zeit der Ursprung, was eine gesunde Ernährung ausmacht, verloren gegangen und man versucht nun, durch exotische Produkte, gern in Kombination miteinander, dem Verbraucher gesunde Ernährung zu verkaufen.

Deshalb sind die Erwartungen der Verbraucher an Früchte wie Acai- oder Gojibeeren, Chiasamen oder Granatäpfel auch sehr hoch. In vielen Büchern über das Superfood wird dem Leser vermittelt, dass er durch diese Ernährung fit, schlank und gesund wird.

Der Trend ist über die USA nach Deutschland gelangt und deshalb findet man im Supermarkt neben den heimischen Äpfeln und den saisonalen Obst- und Gemüsesorten, nun auch viele exotische Früchte. Außerdem werden die früher eher altbacken wirkenden Bioabteilungen sowie die Reformhausartikel durch den Begriff „Superfood“ modernisiert und vergrößert.

Zurück zur Ausgangsfrage: Was ist das nun eigentlich? Eine wirklich rechtlich bindende Definition, welche Lebensmittel so genannt werden dürfen gibt es also nicht. So die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in Bonn. Stattdessen fasst man unter diesem Begriff besonders nährstoffreiche Lebensmittel, vorwiegend aus dem Bereich Obst und Gemüse, zusammen.

Und wie bereits erwähnt: Je exotischer der Name, je entfernter der Herkunftsort, desto sicherer ist der Verbraucher, es hier wirklich mit einem Superfood zu tun zu haben. Dabei gibt es durchaus – vom Nährwert gesehen – vergleichbare Produkte, die keine lange Flugreise hinter sich bringen müssen, sondern einfach im Garten oder beim heimischen Gemüsehändler frisch geerntet erhältlich sind. Zu den besonderen Lebensmitteln zählen nämlich nicht nur Heidelbeeren, sondern zum Beispiel auch Brennessel oder Hagebutte. Auch das saisonale Obst („Sie kennen doch den Satz: One apple a day, keeps the doctor away – also einen Apfel pro Tag und der Arzt hat nichts zu tun, so fit sind Sie dann“) ist voller Nährstoffe und Vitamine und muss sich hinter den Samen und Pülverchen nicht verstecken. Und leckerer sind sie vermutlich auch.

Ein Blick auf den Wochenmarkt oder in der Obst- und Gemüseabteilung offeriert heimisches Superfood

Greifen Sie also lieber zu heimischem Superfood: Statt Chiasamen lieber Leinsamen, statt Goji lieber zu schwarzer Johannisbeere und Acai-Beeren müssen es gar nicht sein, Heidelbeeren sind genauso gut. Außerdem sind sie deutlich günstiger, das Risiko chemischer Belastung durch den Import aus dem Ausland ist deutlich geringer und es ist Ihnen zudem vertraut.

Noch ein wichtiger Hinweis: Die Vorgaben des Bio-Siegels müssen bei Produkten aus dem Ausland nicht unbedingt eingehalten werden. Also Bio ist in dem Fall nicht gleich Bio. Und alles, was Ihnen die Werbung so blumig verspricht, sollten sie dann doch nicht glauben. Denn vieles, was an gesundheitlichem Nutzen versprochen wird, ist nicht einmal wissenschaftlich bewiesen.

Und noch etwas humoriges zum Schluss: Das Bundesland Niedersachsen ist nicht nur sehr ertragreich, sondern auch erfinderisch, wenn es um heimische Produkte geht. Denn dort wirbt man mit „heimischem Superfood“, dass sind nämlich Äpfel, Grünkohl und Spinat. Und da ist das Superfood auch wirklich superlecker.

Superfood im Glas: Grünkohlsmoothie

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