Stimmen und Stimmungen zum Coronavirus

Stimmen und Stimmungen zum Coronavirus

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Derzeit beherrscht das Virus Covid 19 die Medien – und damit auch unser alltägliches Leben. Von Tag zu Tag gibt es mehr Einschränkungen, in den sozialen Medien überschlagen sich Pressemitteilungen mit Fake News, beide hinterlassen jedoch Fragezeichen.

Die Auflagen erfolgen schrittweise, um zu sehen, wie diszipliniert ist die Bevölkerung und bringen die Einschränkungen den gewünschten Zeitaufschub? Sollte dies nicht der Fall sein, werden weitere Auflagen erfolgen. Je eher wir alle also mitwirken, desto besser können wir das Virus eindämmen und verschaffen uns Zeit – Zeit auch für die Kliniken, sich auf Notfälle einzustellen. #rettenSieLeben #thinkmit #gemeinschaft #solidarität

Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Gleichzeitig möchten wir natürlich die reinen Pressemeldungen mit Ihren Meinungen füllen: Was bedeuten die Einschränkungen für den Einzelnen?

Wir haben mal ein paar Stimmen und Stimmungen für Sie eingefangen

Thorwald Hey, Allgemeinmediziner, Bückeburg:

Dr. Hey mit Frau – Foto: Sabine Christel

„Die Bückeburger Praxen sind gemäß der Empfehlungen der Bundesärztekammer und des Robert-Koch-Institutes zur Untersuchung potenzieller Corona-Patienten vorbereitet und bieten Ratsuchenden , ohne dass sie die Praxen betreten müssen, spezielle Termine zur Untersuchung an. Sollte sich dabei der Verdacht erhärten, werden sie zum mobilen Corona-Taxi oder ins Klinikum nach Minden geschickt. Besteht kein Verdacht, werden sie krankgeschrieben, mit den eventuell notwendigen Medikamenten versorgt und nach Hause entlassen.“

Dr. Hey, Bückeburg
Praxis Thorwald Hey, Bückeburg – Foto: Praxis Hey

Gernold Schmidtke, Allgemeinmediziner, Bückeburg

Dr. Gernold Schmidtke, Bückeburg – Foto: privat

„Die Lage ist ernst zu nehmen. Patienten mit Erkältungssymptomatik oder auch Anliegen, die jetzt nicht unbedingt abgeklärt werden müssen, sollen nicht in die Praxis kommen. Die meisten Fälle lassen sich telefonisch abklären. Die Einschränkungen im Sozialleben sind sinnvoll und wir müssen sie hinnehmen. Die Lage wird sich sicherlich noch verschlimmern und wir müssen mit weiteren Auflagen, wie sie in unseren europäischen Nachbarländern schon gelten, rechnen.“

Praxis Dr. Schmidtke, Bückeburg

Conrad Schrenk, selbstständiger Musiker aus Wien

Conrad Schrenk, Wien

„Ich bin bislang hauptsächlich daheim und ausserhalb vom Zentrum. Hier ist alles recht normal und ruhig. Die Hamstersituation in den Lebensmittelmärkten war nur am vergangenen Freitag sehr stark. Ansonsten sind die Maßnahmen der Regierung sehr vernünftig und werden auch von nahezu allen befürwortet und mitgetragen.

Die Selbständigen, Freiberuflichen, Künstler und Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen leiden stark unter den finanziellen Einbußen, die sie durch Versammlung- wie Veranstaltungsverbote hinnehmen müssen. Viele können aber auch in dieser Zurücknahme, manchmal sogar dem in sozialer Abgeschiedenheit auf sich selbst Zurückgeworfen sein, einen ungetrübten Blick aufs Wesentliche, das Wesen und den Wert der Dinge erfahren. Frühling in Wien ist immer etwas Schönes.“

Conrad Schrenk, Wien

Martin Brandt, VfL Präsident, Bückeburg

Martin Brandt, Präsident VfL Bückeburg – Foto: privat

Der VfL Bückeburg schließt sich der Empfehlung des LSB vollumfänglich an und empfiehlt den weiteren Sportbetrieb vollständig einzustellen, um der Verbreitung des Corona-Virus entgegen zu wirken:

Pressemitteilung des VfL Bückeburg

Aufgrund der dynamischen Entwicklung und der Unterstützung der öffentlichen Maßnahmen zur Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus (COVID-19) in Deutschland geben wir bekannt, dass ab dem 16.03.2020 bis vorerst 19.04.2020 sämtlicher Sport- und Trainingsbetrieb in allen Abteilungen auszusetzen ist.

Die Versammlungstätigkeit in den Vorständen ist ebenso auf das Notwendigste und die geringstmögliche Personenzahl zu begrenzen und in erster Linie über Medien der Telekommunikation durchzuführen.

Sollten sich in einzelnen Abteilungen aufgrund von Wettkampfvorgaben einzelner Verbände Schwierigkeiten bei der Umsetzung ergeben, wendet euch bitte an das Präsidium.

Über die weitere Entwicklung nach dem 19.04.2020 werden wir euch rechtzeitig informieren.

„Wir schließen uns natürlich der Empfehlung des LSB an und haben den Sportbetrieb vollständig eingestellt. Gleichzeitig gibt es interne Empfehlungen der Trainer und Betreuer an die Kinder und Jugendlichen bzw. deren Eltern, sich auch privat nicht zu Fußballspielen und anderen Mannschaftssportarten zu treffen. Wir hoffen in dem Fall auf das Verständnis und die Achtsamkeit jedes Einzelnen, auch ohne direkte Anordnungen und Vorgaben sich dem Ernst der Situation bewusst zu sein und das Verhalten entsprechend anzupassen.

Martin Brandt, Präsident VfL Bückeburg

Roman Reckling, Dirigent und musikalischer Leiter des Wunschorchester BOK:

Roman Reckling – Foto: Scarlett Magazin

„Wir haben uns von Seiten des Orchesters (wer wollte) am vergangenen Freitag getroffen und die Orchesterleitung hat entsprechend der Infos zum derzeitigen Punkt die Lage für das BOK geschildert. Soll bedeuten: Keine Proben bis 19.04., Hallenschließung bis vorerst 12.04. Das geplante Konzert am 29.03. haben wir aus Fürsorge für Musiker*innen und das Publikum abgesagt. Sobald als möglich wollen wir zum musikalischen Alltag zurückkehren – Einen Ersatztermin für den 29.03. gibt es bisher nicht, alle Karten werden deshalb zurückabgewickelt. Die solistischen/musikalischen Gäste werden wir dieses Jahr zum späteren Zeitpunkt erleben.
Zeit sich auf Neues vorzubereiten! Keep calm and carry on – stay save!“

Roman Reckling, Wunschorchester BOK
Schaut positiv nach vorn – Roman Reckling – Foto: privat

Anke Heldt, Weißer Ring, Schaumburg

Anke Heldt, Weißer Ring

„Alle Seminare sind bis Ende April abgesagt. Die Vorträge, die ich in den nächsten Wochen geben sollte, sind alle abgesagt. Wir sind in der Prävention eingeschränkt, da keine Vorträge und Treffen stattfinden. Wenn ein Fall kommt, wird der wahrgenommen. Auflagen direkt haben wir hier vor Ort nicht, würden aber an Selbstschutz denken. Es ist eine komische Zeit .. wir versuchen viel über Telefon und Mail zu bearbeiten und so wenig wie möglich direkten Kontakt zu haben.“

Anke Heldt, Außenstelle Weißer Ring, Bückeburg

Matthias Rethmann, selbständiger Musiker und freier Fotograf

Matthias Rethmann – Foto: Thomas Mohn

„Ich bin freiberuflicher Fotograf. Eines meiner hauptsächlichen Arbeitsgebiete ist die Event-Fotografie. Zu Zeiten von Corona / Covid-19 werden verständlicherweise alle Events abgesagt. Inzwischen ist es klar geworden, dass wir unser Gesundheitssystem nicht überlasten dürfen und daher einfach mal auf die Bremse treten müssen.

Was bedeutet das nun persönlich für mich? Geschäftlich ist es natürlich eine Katastrophe. Als Eventfotograf verdiene ich Geld, wenn ich auf einem Event fotografiere. Also verdiene ich jetzt gerade wenig Geld und ich kann mir anhand meiner monatlichen Fixkosten sehr genau ausrechnen, wie lange ich das durchhalten kann. Ich bin schon seit 30 Jahren selbständig und freiberuflich aktiv. Es ging und geht immer bergauf und bergab. Das ist ganz normal und darauf bin ich auch vorbereitet. Was ist jetzt nun für mich anders? Wenn in den letzten Jahren mein Erfolg in Wellen verlief, war ich selbst dafür verantwortlich – Sei es mit meinen Entscheidungen, die mal gut und mal nicht so gut waren, oder sei es durch meinen Antrieb und die Energie, die ich eingesetzt habe. Es hat ja auch schon seinen Grund, warum ich diesen beruflichen Weg gewählt habe und immer wieder wählen würde. Ich bestimme gerne selbst über mich.
Nun wird mir mein Leben von aussen aufgedrückt. Das entspricht komplett dem Gegenteil von dem, was ich in den letzten Jahren gewohnt war. Das ist schwer und zieht mir erstmal, und ich sage bewußt „erstmal“, den Boden unter den Füssen weg. Und ja, es gibt Momente in denen ich sage: Alles Scheiße. In den letzten Tagen habe ich aber wieder einmal mehr gelernt: Angst und Depression sind ein wahrlich schlechter Berater. Was mache ich jetzt aus der Situation?

Ich sehe die Chancen! In den letzten Monaten war ich soviel unterwegs und habe soviel gearbeitet, dass ich mir oft gesagt habe, dass es schön wäre, wenn ich Zeit hätte, an meinem Unternehmen zu arbeiten und die Ausrichtung zu überprüfen und mich wieder zu strukturieren. Was möchte ich? In welche Richtung gehe ich? Welche Kunden möchte ich? Was ist in der Fotografie meine Leidenschaft? Wie kann ich noch glücklicher werden in meinem Beruf mit meiner Berufung? JETZT IST DIE ZEIT DA! Jetzt heisst es: „Durchsaugen – im Fotostudio und im Leben.“ Zurückfahren, das Neue und die Chancen entdecken. Es macht Spaß, zu neuen Ufern aufzubrechen, sich neu zu strukturieren, bei sich wieder anzukommen und Energie aufzutanken. Gerade in dieser Situation heisst es noch mehr, selbst aktiv zu werden und das Ruder in der Hand zu halten. Nur wenn wir das Ruder fest in der Hand haben, können wir die Richtung selbst bestimmen. Ich kann es nur allen sagen: „Entdeckt für euch die Chancen in einer Zeit, die uns alle gerade herunter fahren lässt.“

Matthias Rethmann, Fotograf

Schulkind, Bückeburg

„Mir erscheinen die Maßnahmen als übertrieben, sehe aber auch ein, dass es notwendig ist, damit sich gerade die Älteren nicht anstecken. Zu wissen, dass die Grenzen zugemacht werden, macht mir schon Angst. Das klingt alles jetzt sehr bedrohlich. Ausgangssperre, wie in anderen Ländern, das würde ich schlimm finden. Die Sorgen vor dem, was kommt, sind für mich gerade schlimmer, als das Virus.

Persönlich gehe ich nur morgens oder so nachmittags kurz raus, mit anderen aus der Schule treffe ich mich jetzt gar nicht mehr. Ansonsten zocke ich mit meinen Freunden online oder telefoniere. So richtig wie es weitergeht mit der Schule wissen wir alle nicht.“

Zeiten wie diese bringen einiges in den Menschen zum Vorschein: Mitgefühl, Gemeinschaftssinn, aber auch Egoismus und eine Gleichgültigkeit dem anderen gegenüber. Sinn machen alle Anordnungen nur, wenn sich jeder dran hält. Und, wenn man auch ohne Anordnungen sich bewusst macht, dass man nicht noch schnell eine Party feiern sollte oder sich das Lokal voller Leute holt, bevor die Städte und Gemeinden das verbieten. Hier ist der – sagen wir wie es ist – gesunde Menschenverstand gefragt.

Absolut sinnfrei ist es jedoch, wenn man Schulen und öffentliche Einrichtungen schließt und sich die Bevölkerung, darunter vorwiegend junge Menschen, an anderen Orten in Gruppen trifft. Dieses „für mich ist das Virus ja nicht so schlimm, warum sollte ich also Rücksicht nehmen“ zeigt, dass ein Denken nur bis zur eigenen Nasenspitze erfolgt und man sich keinerlei Gedanken macht, warum man andere, gefährdete Mitmenschen schützen sollte. Jetzt ist es Zeit, gerade für diese Menschen, den eigenen Egoismus zurück zu schrauben und sich bewusst zu machen, dass unser Leben in diesen Zeiten nur funktioniert, wenn wir rücksichtsvoll miteinander umgehen und auch die Gesundheit des anderen als wertvoll erachten.

Und noch etwas hat sich geändert: Persönlich beginne ich jede Nachricht mit der Frage: „Wie geht es Ihnen?“ Und ende stets mit einem „Bleiben Sie gesund“. Die Zeiten ändern sich.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Wie ist Ihre Meinung zu den Leitlinien der Bundesregierung? Wie gehen Sie mit den Einschränkungen um? Schreiben Sie uns – gern auf FB oder unter Redaktion@scarlett-magazin.de

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