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Spectaculaeres Unwetter und jubelndes Volk – Das MPS in Bückeburg verabschiedet sich bis 2020
MPS 2019 - Foto: Sabine Christel

Spectaculaeres Unwetter und jubelndes Volk – Das MPS in Bückeburg verabschiedet sich bis 2020

Mehr zum Mittelalterlich Phantasie Spectaculum in Bückeburg auch HIER: Teil I Festival für die ganze Familie und Teil II Ritterspiele und live Konzerte
MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Auf der Mausoleumswiese ist viel los – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel

Was war das bitteschön für ein Wochenende? Mehr Tumult kann man in ein MPS Festival gar nicht hineinpacken, als es jetzt der Fall war.

Der Samstag läutete das zweite Mittelalterlich Phantasie Spectaculum ein. Doch, was machen eigentlich die Rittersleute, wenn das erste Wochenende vorbei ist? Trifft man sich abends an der Drachenschänke oder stöbert man entspannt über den mittelalterlichen Markt? Mitnichten. Zwischen den beiden Veranstaltungen liegt eine Woche „Alltag“. Die Schänke hat geschlossen, die Händler haben ihre Buden zu und die Spielleute sind weitergezogen.

Die verbliebenden Leute des Volkes tun das, was man eben so macht, die tägliche Arbeit. Es wird genäht und repariert, gekocht und gebacken, Zelte instand gesetzt, geschnitzt, gehandarbeitet und die Familie versorgt. So, wie es damals die Leute im Mittelalter auch getan haben. Für einige aus dem Heerlager ist das beispielsweise die beste Erholung zum eigentlichen Alltag.

Finden Entspannung vom Alltag auf dem MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Auch in der Woche öffentlich zugänglich – das Lager der Mittelalterfans AUF dem Gelände – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Für jedes Leiden das passende Kraut – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Campside am Gelände für die Zwei-Wochen-Camper – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel

Das Gelände des MPS ist innerhalb der Woche auch öffentlich zugänglich, so dass man sich selbst ein Bild vom Leben zur Zeit des Mittelalters machen kann.

Erst am Samstag beginnt wieder das Festival und damit ein großes Rahmenprogramm. Eins, das viel Musik beinhaltet, weshalb Fans gern 40 Euro Eintritt an der Tageskasse bezahlen. Darin enthalten sind eben auch die Konzerte der Bands, die sonst zu deutlich höheren Preisen in ausverkaufen Hallen spielen.

Allen voran natürlich Saltatio Mortis. Doch an diesem Samstag war das Wetter wenig ritterlich und fegte zuerst die beliebte Gruppe Versengold von der MPS-Bühne, die der Unwetterwarnung nicht standhielten, sondern leider ihren Auftritt vorzeitig beenden mussten. Mit einer heftigen Windböe wurden auch wir über das Gelände geweht. War der Vormittag eher sonnig, zeigten dunkle Wolken und einsetzender Regen, dass der Tag nicht so schön weitergehen würde. Viele Besucher – zumeist diejenigen, die auf der Campside logierten, verließen auch schnellen Fußes die Veranstaltung, um Hab und Gut zu schützen und sich unterzustellen. Die übrigen Festivalgäste suchten Unterschlupf an Tavernen, Schirmen und in den aufgestellten Zelten. Und da zeigte sich, was das MPS ausmacht: Jeder Heraneilende wurde mit Applaus begrüßt und ins Zelt hineingezogen. Dort rückte man eng zusammen, um allen Schutzsuchenden Platz zu machen. Während draußen Blitz und Donner zusammen mit heftigen Regenfällen für eine musikalische Pause auf den Bühnen sorgten, herrschte drinnen gute Stimmung. „Dahinten klart es schon wieder auf“, wagten einige die hoffnungsvolle Prognose und wirklich, eine halbe Stunde später standen schon die ersten wieder vor der Bühne, teilweise noch mit Schirm oder in Plastikhüllen verpackt, aber interessiert dabei zusehend, wie die Crew von Saltatio Mortis die Bühne für die Band startklar machte.

Ja, da zieht ein Unwetter auf, was aber niemanden hindert, noch schnell aufs Gelände zu gehen – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Bisschen Regen und Gewitter – Ritterwetter – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Die Crew legt die Bühne trocken – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
… einmal drüber gewischt und es ist wie neu – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Die Fans lassen sich auch vom Regen nicht vertreiben – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Der Grund, warum es sich lohnt, zu warten… – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Alea von Saltatio Mortis – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Die Drachenschänke sorgt für Nachschub – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
MPS 2019 – Foto: Sabine Christel

Gegen 17 Uhr gab es das erste von zwei Konzerten. Das erste war im Stil ihrer Anfänge gehalten und stark geprägt von den alten Instrumenten. Dafür lieben sie die Fans. Denn derer gab es mehr als genug auf dem Gelände. Darauf angesprochen ist für viele Saltatio Mortis DIE Band, die das MPS ausmacht. Seit Jahren auch mit ein Grund zu den Festivals zu reisen. Doch einigen Fans, die „ihre“ Band noch aus den Anfängen kennen, sind sie oftmals schon zu kommerziell geworden. „Wir haben sie in Berlin auf der Bühne gesehen, in Jeans und T-Shirt, das geht gar nicht, dass hat mit Mittelalter nichts mehr zu tun“, heißt es.

Tatsache ist wohl, dass die Band einen Sprung gemacht und sich weiterentwickelt hat. „Sie wollten nie kommerziell sein, jetzt sind sie es doch geworden“, ist das schon enttäuschte Resümee derer, die sich nach den Anfängen sehnen, in denen Saltatio für pure Mittelaltermusik stand.

Andere hingegen sind genau deshalb hier, weil die neueren Stücke moderner und rockiger sind, mit Texten, die zum Nachdenken anregen, die sich mit politischen Themen auseinandersetzen und aufrütteln wollen. Eine Gradwanderung, der sich die Band wohl bewusst ist. Vielleicht deshalb auch stets die Mischung im Konzert und die Hoffnung, beide Stile miteinander verknüpfen zu können. Aber auch für die Musiker ist jedes MPS ein Highlight, denn dort sind die Fans, die von Anfang an dabei waren, sie haben sie großwerden lassen.

MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Der Hinweis an der Bühne ist UNBEDINGT ernst zu nehmen… Die Band spart nicht mit Feuer… – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel

Die erste Show also etwas reduzierter und stark von Intrumenten geprägt. Die zweite Show dann das Highlight des Tages: Mit viel Feuer wird der Himmel über Bückeburg erhellt und wer so einen Abend erlebt hat, am Feuer sitzend, sich auf Strohballen mit Met und Bier gemütlich machend oder direkt vor der Bühne jede Zeile mitsingend, der ist vom „MPS Virus“ befallen, von dem es kein Entkommen gibt…

Die Show

Am Abend spielte Saltatio Mortis dann nicht nur die älteren Stücke, die mehr den Charakter des MPS aufgreifen, sondern auch viele der neuen Songs, wie „Brot und Spiele“, „Heimdall“, „Brundhild“, „Wo sind die Clowns“, „Mittelalter“, „Europa“, der neueren Alben. Und auch dieses Mal sprang Alea ins Publikum und ließ sich während des Stücks „Rattenfänger“ über die Fans tragen. Angekündigt von Lasterbalk, der Alea anwies, doch gleich unten zu bleiben, man würde es auf der Bühne auch gut ohne ihn schaffen. Er bat die Fans, recht kräftig zuzufassen, man habe einen „kleinen Haken in der Mitte“ von Alea angebracht… Der „Rattenfänger“ durfte nach dem Stück dann doch wieder auf die Bühne, wo er zusammen mit „Luzi das L“ den Dudelsack spielte und mit weiteren Songs das Publikum begeisterte.

Trailer

Am äußeren Rand waren diverse Feuerstellen, an denen man sich wärmen konnte. Die Fans der ersten Reihe hatten hingegen viel Wärme durch die ausgefeilte Pyrotechnik, die viele Songs auch optisch unterstützte. Im Song Prometheus heißt es also nicht ohne Grund „Ich bringe euch Feuer“…

Das „Samo“ sich politisch klar positionieren, haben wir bereits erwähnt. Nicht unerwähnt sollte jedoch bleiben, dass auch das Publikum diesen Gedanken mitträgt. Auch sie stehen für ein friedliches Europa, wie sie auch das Festival zu einem Ort des friedlichen und freundlichen Miteinanders gestalten, bei dem ein respektvoller Umgang und Spaß am Feiern im Vordergrund stehen.

Wann immer wir Besucher fragten, was für sie das Besondere an diesen MPS Festivals – nicht nur Bückeburg, sondern deutschlandweit – ist, hörten wir folgenden Satz:

„Man kommt in eine andere Welt, es ist das friedliche Miteinander, die gemeinsame Vorliebe für das Mittelalter, die Musik, das ganze Drumherum, was verbindet“

„Bückeburg goes MPS“ – DJ Mino (li.) und Thomas Mallwitz vom Hubschraubermuseum genießen mit der Familie den Tag auf dem MPS 2019 – Foto: Sabine Christel

Wir möchten hinzufügen: „Und man geht auch mit einem anderen Gefühl vom Platz“.

Smartphonemagie auf dem MPS 2019 – wenn zig tausend Menschen friedlich feiern – Foto: Sabine Christel

Der Festivalsamstag geht mit Konzerten diverser Bands und der Feuershow vor dem Mausoleum sowie dem Ritterturnier mit einer speziellen Vorführung mit Pferden und Feuer zu Ende.

Der Sonntag steht im Zeichen der Familie, denn Kinder bis 15 Jahre haben zum Beispiel freien Eintritt.

Wir treffen gleich zu Beginn einen Hingucker auf dem MPS: Den Drachen Ohnezahn aus dem Kinofilm „Drachenzähmen leicht gemacht“. Die „Bruderschaft des schwarzen Drachen“ ist eine Gruppe, die extra für das MPS diesen Drachen genäht hat, jedes Detail extra dem Original abgeschaut. Und wo sie auf dem Gelände auftauchen, sorgen sie besonders bei den Kids für Staunen und Begeisterung und müssen immer wieder für Fotos anhalten. Der Drache hatte – aufgrund des Kostüms – sogar seinen eigenen Schwanzträger dabei. Es lässt sich leider nicht besser erklären 😉

Schon von weitem hört man die Kinder begeistert den Drachen rufen. Den „echten“ Ohnezahn einmal anfassen, ein Erlebnis – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel

Je aufwändiger oder bekannter das Kostüm oder die Figur, die es darstellen soll, desto größer die Aufmerksamkeit. Immer wieder sieht man Motive aus Fantasiefilmen oder stolze Ritter in detailgetreuer Kleidung. Sehr schön auch die Tatsache, dass sehr viele ältere Menschen sich ebenfalls als Mittelalter- oder sogar Fantasiefans herausstellen.

MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Vier Tage, dann sieht es so aus – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Gut geölt und damit wetterfest – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel

Bei detailgetreu fallen auch die geschnitzten Drachen ins Auge – am hinteren Ende der Wiese hinter dem Mausoleum stehen die über 2 m hohen Holzfiguren, die das MPS extra zum Thema „Drachen“ in Auftrag gegeben hat. Wir treffen den Künstler Michael Tamoszus, der Näheres zu seinem Werk erzählt. Die Figuren werden nach einer Idee des Kunden aus Eichenholz gefertigt, je nach Wunsch wird entsprechend das Stück Holz bzw der Stamm ausgewählt. Meistens wird bei so großen Stücken direkt vor Ort gefertigt, weil der Transport nicht so einfach zu erledigen ist. Das Motiv für das MPS war der Drache, die Idee wandelt sich während der Herstellung, ein Teil des Motivs ist vorher festgelegt, der andere Teil entwickelt sich während der Arbeit. Danach wird das Stück mit Öl behandelt und wenn es auf einer Unterlage steht, wo der Regen abfließen kann, wird es für viele Jahre den Besitzern Freude machen. Überrascht hat uns allerdings die Geschwindigkeit: Wir haben mit mindestens zwei Wochen gerechnet, tatsächlich waren es vier Tage, die der Künstler bis zur Fertigstellung gebraucht hat. Unglaublich, oder?

Beliebter, als jeder moderne Spielplatz – das Bällebad auf dem MPS 2019 – Foto: Sabine Christel

Besonders die Bückeburger nutzen gern den Tag, um das Festival zu besuchen. Auch Heinrich Donatus Erbprinz zu Schaumburg-Lippe in Begleitung war vor Ort wie auch Alea, Sänger der Gruppe Saltatio, der privat das Konzert von den Heavysaurus besuchte und dann ganz entspannt zeitgleich mit uns nach Hause gefahren ist (die übrige Band war aber sicherlich schon per Bus gen Heimat gegondelt).

Der Sonntag sorgte auch für großen Andrang an den vielen Ständen. Viele Mittelalterfans nutzen die Gelegenheit, ihre Outfits zu vervollständigen. Manche Accessoires sind nur auf diesen Events erhältlich. Egal, ob Elfenschmuck, Ketten, Armringe oder Halsbänder, dazu Kleider und Spitzenschirme oder Fellwesten, Tierfelle, Schwerter, Äxte oder Pfeil und Bogen, hier wird man fündig und kann vor Ort an- und ausprobieren.

Bewacht den Schmuck – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Für jeden Geldbeutel etwas dabei – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Hier kaufen die Elfen ein – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Taler (und beliebte Souveniers!) auf dem MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
MPS 2019 – Foto: Sabine Christel

Zwei Wikinger berichten darüber, wie die Ideen für das Outfit entstanden sind: Das es Wikingerkleidung werden soll, war klar, aber bis zum jetzt fertigen Kostüm hat es immerhin 1,5 Jahre gedauert. Alle Accessoires bis zur Kriegsbemalung im Gesicht sind wohl durchdacht.

MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Das Eichhörnchen als Symbol der Wikinger – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel

Beim Gang über das Festivalgelände fallen eher die Besucher auf, die in Jeans oder anderer neuzeitlicher Kleidung unterwegs sind. Und so mancher Besucher macht Halt und kauft spontan etwas vom reichhaltigen Angebot.

MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Sie ist uns aufgefallen – die bunteste Besucherin auf den beiden MPS Wochenenden – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
In wenigen Minuten zum Ritter – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel

Aber (noch) nicht jeder ist Fan des MPS….

Jahrelang habe ich an den MPS Wochenenden darauf geachtet, abends die Fenster geschlossen zu halten, damit der Rauchgeruch nicht in die Wohnung dringt. Auch das dumpfe Trommeln erinnert an den Film „Jumanji“. Je näher man am Gelände wohnt, desto mehr muss man als Anwohner tolerieren. Nicht jeder ist Fan und nicht jeder hat sich freiwillig entschieden, zwei Wochenenden in dieser Atmosphäre mit allen Begleiterscheinungen zu leben: Rauchgeruch, Lärm, Trommeln, Rufe vom Gelände bis hin zu eingeschränkten Parkmöglichkeiten, fremde Autos bis vor die eigene Haustür und ständig Menschen in Verkleidung, die im Supermarkt oder Schwimmbad in Grüppchen auftreten.

Aber man kann dem Ganzen auch eine Chance geben und sich entweder ein eigenes Bild machen oder die beiden Wochenenden in Kauf nehmen vor dem Hintergrund, das Bückeburg neben der Landpartie und dem Weihnachtszauber auch das größte Mittelalterfestival anbietet und damit von überall her begeisterte Besucher anzieht. Und wenn man bedenkt, dass zum Beispiel in Wacken/Schleswig Holstein, die Anwohner des Rockfestivals mit betrunkenen Rockfans und leergekauften Geschäften einmal im Jahr leben müssen, dann kann Bückeburg doch zweimal im Jahr ein friedliches Spectaculum aushalten. Denn friedlich sind sie und zudem ein besonderes Völkchen, dass bestätigen sie selbst und jeder, der länger auf dem MPS war.

MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Es könnte Meteoritenwetter sein… das weckt Erinnerungen… – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Der Diplodocus hat die beste Übersicht – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
Ritterspiele – MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
MPS 2019 – Foto: Sabine Christel
MPS 2019 – Foto: Sabine Christel

Vielleicht sehen wir uns ja, beim MPS 2020. Bis dahin allen Mittelalterfans eine gute Zeit!

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