Kontakt: Redaktion@Scarlett-Magazin.de oder Mobil 0151-55684186
“Siehe, ich bin bei euch, alle Tage bis an der Welt Ende.” Matthäus 28,20
Scarlett - Die Kolumne

“Siehe, ich bin bei euch, alle Tage bis an der Welt Ende.” Matthäus 28,20

In vielen Gemeinden wird heute die Konfirmation gefeiert. Ein besonderes Ereignis für die Konfirmanden, die mit diesem Tag zu einem vollwertigen Mitglied der kirchlichen Gemeinschaft werden. Und die nun auch wählen dürfen – den eigenen Glauben. Konfirmation bedeutet „Bekräftigung“, man bekräftigt damit das Glaubenbekenntnis, welches durch die Taufe begangen wurde. Ohne Taufe also auch keine Konfirmation. Sie zählt zu den zwei Sakramenten der evangelischen Kirche.

Der Begriff Sakrament stammt aus dem Lateinischen (“sacramentum”) und bedeutete ursprünglich “Glaubensbekenntnis” oder “Heilswahrheit”. Sakramente sind von Christus eingesetzte heilige Zeichen, durch die Christus bewirkt, was sie bezeichnen. Die evangelischen Kirchen kennen übrigens nur zwei Sakramente, die Taufe und das Abendmahl, da ihrer Überzeugung nach zu einem Sakrament das sichtbare Zeichen und das Stiftungswort Jesu gehören. Die Alt-Katholische, die römisch-katholische Kirche und die orthodoxen Kirchen kennen dagegen sogar sieben Sakramente, neben der Taufe und dem Altarsakrament (Eucharistie) noch die Firmung, die Buße (Beichte (katholisch)), die Krankensalbung (früher: Letzte Ölung), die Weihe und die Ehe.

Mit der Konfirmation endet auch die Patenschaft. Die Paten, von den Eltern ausgewählt, waren die Unterstützung der Familie und ursprünglich auch diejenigen, die verantwortlich für die Erziehung und Sorge der Patenkinder sind, sollte den Eltern etwas zustoßen.

Konfirmation – früher und heute. Was bedeutet den Konfirmanden heute der Glaube? Wie begeht man dieses Fest? Dies und viele Ideen rund um die Konfirmation ist heute das Thema der Kolumne.

Und wir beginnen mit dem Konfirmationsspruch von Matthäus: „Siehe, ich bin bei euch.“

Die Konfirmation ist ein feierlicher Segnungsgottesdienst, in dem sich junge Menschen zu ihrem christlichen Glauben bekennen. Die Konfirmanden bekräftigen damit ihre Aufnahme in die christliche Gemeinde, die zuvor mit der Taufe, meist im Säuglingsalter, geschehen ist. Im Alter von 14 Jahren sind die Jugendlichen religionsmündig und erhalten damit alle Rechte innerhalb der evangelischen Kirche. Auf die Konfirmation bereiten sich die Mädchen und Jungen vor im Konfirmandenunterricht. Die Konfirmation geht auf die Reformationszeit zurück.

Evangelische Kirche Deutschland
Eine Gedenktafel an der Schlosskirche in Ziegenhain/Schwalmstadt im Schwalm-Eder-Kreis in Hessen erinnert an die Einfuehrung der Konfirmation im Jahre 1539 (Foto vom 06.11.2016). Touristisch gesehen verkauft sich der Schwalm-Eder-Kreis in Hessen gern als „Rotkaeppchenland“. Doch nun haben die Touristiker eine neue Attraktion für ihre Gegend entdeckt: Die Reformation. Der Brauch der Konfirmation ist in aller Welt bekannt, ihr Ursprungsort Ziegenhain, heute ein Ortsteil von Schwalmstadt, hingegen kaum.

Haben Sie das gewusst? Eine kleine Gemeinde in Hessen hat die Konfirmation als erste Kirchengemeinde eingeführt. Doch, wie kam es überhaupt dazu?

Der Ort Ziegenhain war zur Reformationszeit mit etwa 4.000 Bewohnern immerhin die viertgrößte Stadt der Landgrafschaft Hessen. Sie galt, da Landgraf Philipp die Stadt als Wasserfestung ausbaute, als uneinnehmbar.

Dass es zur Konfirmation kam, ist vor allem dem Landgrafen zu verdanken. Er wollte zwischen der Bewegung der Täufer und den führenden Reformatoren im Streit um die Taufe vermitteln. Während die Bewegung der Täufer der Auffassung war, dass der Taufe der Glaube vorausgehen müsse, also faktisch nur Erwachsene getauft werden könnten, hielten die Reformatoren an der Säuglingstaufe fest. Mit Gewalt wollte Philipp den Streit keinesfalls lösen und beorderte neben Vertretern der Täufer den elsässischen Reformator Martin Bucer zu Hilfe, der auch in Täuferkreisen Anerkennung genoss. Der fast unlösbar erscheinende Streit endete in einem bis heute gültigen Kompromiss: Die Kindertaufe wurde beibehalten, die Heranwachsenden aber sollten zu einem Katechismusunterricht geschickt werden, der in eine symbolischen Handlung vor der Gemeinde gipfelte. Dadurch könnten sie nachträglich „Ja“ zu ihrer Taufe sagen, so der Gedanke. Damit entsprach Bucer einerseits dem Anliegen der Täufer, konnte aber zugleich an der Säuglingstaufe festhalten.

Konfirmation beendet die Schulzeit

Zur Zeit meiner Großeltern endete mit der Einsegnung geichzeitig die Volksschulzeit. Damals lagen das Ende der Schulpflicht und die Konfirmation also zusammen. Heute findet die Konfirmation im Frühjahr in der Zeit um Ostern statt. Das Alter der Konfirmanden liegt üblicherweise immer noch bei 14 Jahren und wurde bis heute trotz Verlängerung der Schulpflicht beibehalten, weil Jugendliche seit der Weimarer Republik mit Vollendung des 14. Lebensjahres religionsmündig sind und selbst über ihren Glauben und die Religonszugehörigkeit entscheiden können.

Artikel 14 der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen fordert die Vertragsstaaten auf, das Recht des Kindes auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit zu achten, ebenso wie die Rechte und Pflichten der Eltern, das Kind bei der Ausübung dieses Rechts seiner Entwicklung entsprechend zu leiten.

Wikipedia

Für viele Konfirmanden heute steht die Konfirmation eher für ein Familienfest, bei dem man vorwiegend Geldgeschenke erhält. Die zweijährige Konfirmandenzeit mit vielen Kirchenbesuchen wird in einigen Kirchengemeinden heutzutage jedoch im Vergleich zu früher abgewandelt. Während Teenager früher Martin Luthers Schriften auswendig lernen mussten, stellen Konfirmanden heute Fragen und diskutieren über Glaubensinhalte.

Traditionell findet der Konfirmandenunterricht einmal wöchentlich statt und wird von einem Pfarrer oder einer Pfarrerin abgehalten. In den letzten Jahrzehnten werden daneben in vielen Landeskirchen andere Formen wie 14-tägiger Unterricht, Kursunterricht oder Blockunterricht praktiziert. Statt des traditionellen Terminus „Konfirmandenunterricht“ wird daher in Anlehnung an die Jugendarbeit inzwischen zumeist von „Konfirmandenarbeit“ gesprochen. Gemeinsame Freizeiten oder sogenannte „Konfi-Camps“ gewinnen an Bedeutung. An vielen Orten beginnt der Unterricht inzwischen schon in der 3. oder 4. Klasse, eine Phase der Jugendarbeit schließt sich an, bevor dann nach einem weiteren Unterrichtsjahr die Konfirmation mit 14 Jahren stattfindet.

In der Zeit des Unterrichts sollten die angehenden Konfirmanden regelmäßig am Gottesdienst teilnehmen. Da das Interesse am sonntäglichen frühen Aufstehen in Verbindung mit einem – für Teenager nicht unbedingt spannenden – Gottesdienstes eher gering ist, gibt es – damals wie heute – die Erbringung eines Nachweises, wo sich die Kids zum Beispiel per Stempel den Besuch bestätigen lassen müssen.

Konfirmationsgottesdienst

Im Rahmen der Konfirmation wird am Tage der Zeremonie gemeinsam das Abendmahl in der Kirche gefeiert, bei dem traditionell Eltern, Geschwister, Paten und Verwandte teilnehmen. Die Konfirmanden empfangen den Segen durch Handauflegung sowie einen biblischen Konfirmationsspruch, der sie weiter durch ihr Leben begleiten soll. Danach (heute oft auch am Vorabend oder zu einem anderen geeigneten Zeitpunkt) nehmen sie häufig zum ersten Mal am Abendmahl teil. Als Abschluss des „offiziellen Teils“ findet eine Feier im privaten Rahmen statt, bei der Freunde und Verwandte Gelegenheit haben, ihre Glückwünsche auszusprechen und Präsente zu überreichen.

Abendmahl

In vielen Gemeinden findet vor der Konfirmation eine sogenannte „Probe“ statt, um den zumeist aufgeregten Konfirmanden den Ablauf zu erklären und sie auf die Besonderheit des Gottesdienstes hinzuweisen.

Möglichkeit der Übernahme von Ämtern

Durch die Konfirmation erhalten die Jugendlichen die Möglichkeit, am Gemeindeleben aktiv mitzuwirken und Verantwortung zu übernehmen. Zudem sind sie nun berechtigt, ein Patenamt zu übernehmen oder sich später christlich trauen zu lassen.

Die Konfirmation wird kirchenrechtlich als Übertritt zum mündigen Kirchenmitglied gesehen, wobei die konkreten Rechte in den verschiedenen Kirchen unterschiedlich sind:

In einigen Kirchen, insbesondere der lutherischen Tradition, dürfen nur Konfirmierte am Abendmahl teilnehmen. In Kirchen, die eine offene Kommunion oder das Kinderabendmahl praktizieren, hat dieser Punkt keine Bedeutung mehr. In vielen Kirchen haben Konfirmierte ungeachtet ihres Alters das Recht, Taufpaten zu sein. Zudem besitzen sie das Recht, in Notfällen Ungetaufte zu taufen (Nottaufe).

In einigen deutschen Landeskirchen besitzen 14-jährige bereits das aktive Wahlrecht für das Presbyterium bzw. den Kirchenvorstand. Das aktive Wahlrecht fällt somit mit der Konfirmation zusammen. Wegen der eingeschränkten Geschäftsfähigkeit ist das passive Wahlrecht in den meisten EKD Gliedkirchen allerdings zusätzlich an die Volljährigkeit gebunden.

Geschenke zur Konfirmation

Geld als Geschenk kann schön präsentiert werden

Die Konfirmanden freuen sich über Präsente in Form von Geld oder Gutscheinen. Früher galt die Konfirmation auch als Übertritt ins Erwachsenenleben und das besondere Geschenk war damals eine Armbanduhr. Die Mädchen erhielten oftmals Gegenstände zur Aussteuer, wie Bettwäsche und Handtücher. Auch Schmuckstücke waren ein wichtiges Geschenk.

Der Handel bietet viele Möglichkeiten an, um schmuckloses Geld zauberhaft zu verpacken und gleichzeitig eine bleibende Erinnerung zu erhalten
Das Sternzeichen als Anhänger
Eine Sternschnuppe für einen besonderen Menschen
„Das machst Du alles noch“ – Sie können sich natürlich selbst ausdenken, was Sie sich für den Beschenkten wünschen

Heute gibt es im Handel einiges speziell für die Konfirmation: Vom Fotobuch zur Erinnerung, über Hefte mit biblischen Sprüchen und Versen bis hin zu Anhängern in Form von Schutzengeln oder mit dem Fisch-Symbol ist einiges erhältlich.

Wofür steht eigentlich das Fisch-Symbol?

Eine mündlich und später in Schriftform festgehaltene Version erzählt, dass der Fisch als christliches Erkennungszeichen verwendet wurde. Das griechische Wort für Fisch ἰχθύς ichthýs enthält ein kurzgefasstes Glaubensbekenntnis (ησοῦς Χριστός Θεοῦ Υἱός Σωτήρ):

ΙΗΣΟΥΣ – Iēsoûs (neugriechisch Ιησούς Iisoús) „Jesus“
ΧΡΙΣΤΟΣ – Christós „der Gesalbte“
ΘΕΟΥ – Theoû (neugriechisch Θεού Theoú) „Gottes“
ΥΙΟΣ – Hyiós (neugriechisch Υιός Yiós) „Sohn“
ΣΩΤΗΡ – Sōtér (neugriechisch Σωτήρας Sotíras) „Retter“/„Erlöser“

Schön ist auch dieser Gedanke, allerdings historisch nicht belegt:
Das Fischsymbol galt von den ersten Urchristen als Erkennungs- und Geheimzeichen: Eine Person zeichnete einen Bogen in den Sand, die andere vollendete das Symbol mit dem Gegenbogen und zeigte sich damit als Bruder oder Schwester in Christus.

Kritik an der Konfirmation

Konfirmanden

Immer wieder gibt es auch kritische Stimmen zur Konfirmation. Für einige Konfirmanden ist die Konfirmation nur ein Fest, bei dem sie einen materiellen Vorteil in Anspruch nehmen oder zu dem sie von ihrer Familie gedrängt werden. Mit der Einsegnung endet für die meisten Jugendlichen damit der Kontakt zur christlichen Gemeinschaft. Auch die Taufe fällt in die Kritik, weil man einem noch unmündigen Kind ein Sakrament aufzwingt, über welches es nicht frei entscheiden kann.

Natürlich trifft einiges davon durchaus zu. Nicht jeder Konfirmierte wird zum regelmäßigen Kirchgänger oder engagiert sich nach der Konfirmation aktiv in der Kirchengemeinde. Trotzdem wird durch die Zeit des Unterrichts, den Treffen mit anderen und den Pastoren, sowie dem feierlichen Ritual der Konfirmation ein Gefühl für die Bedeutung des Glaubens geweckt. Inwieweit der Glaube dann praktiziert und ausgelebt wird bleibt davon unbelassen. Das Bekenntnis zum Glauben ist zudem aus meiner Sicht nichts, was man an bestimmten Dingen, wie einem regelmäßigen Kirchgang oder dergleichen festmachen kann. Und was Konfirmation bedeutet, und ob Glaube und Gott ein Thema ist, liegt auch mit an den Familien. Glauben Sie? Vertrauen Sie auf eine höhere Macht? Bekennen Sie sich zum christlichen Glauben, der Kirche und den Sakramenten? Ist Ihnen der Sinn von den Kirchenfesten bekannt und kennen Sie die Worte des Glaubensbekenntnisses? Was bedeutet der Glaube für Sie? Alles Fragen, die jeder nur für sich selbst beantworten kann.

Manchmal ist es durchaus gut, wenn Kinder und Jugendliche selbst entscheiden können, ob und vor allem wann sie am Konfirmationsunterricht teilnehmen möchten. Bewusst nicht zu glauben ist übrigens auch eine Art von Glauben.

Zu glauben ist schwer. Nichts zu glauben, ist unmöglich.

Victor Hugo

Und wie oft wir tatsächlich im Alltag ein Gebet sprechen oder an etwas glauben, was eigentlich unmöglich erscheint, alles das sind Glaubenbekenntnisse. Unbewusst und oftmals spontan. Wir neigen dazu, besonders dann zum Glauben zu finden, wenn alles andere aussichtslos erscheint, wir von nichts und Niemandem mehr Hilfe erwarten (können). In der Not findet der Mensch oft zum Glauben. Scheinbar ist dann in vielen von uns doch ein Gefühl von „vielleicht gibt es doch etwas…?“

Die Konfirmation – warum auch immer Ihr Konfikid teilnimmt- es IST ein Bekenntnis zum Glauben

Die Verse, die Konfirmanden als Konfirmationsspruch erhalten, sind auch heute noch von Bedeutung und können entsprechend interpretiert werden. Wir zeigen Ihnen hier einige der bekanntesten und beliebtesten. Wir haben uns nicht nur für Verse aus der Bibel entschieden, sondern für alle Sprüche, die uns als Glückwünsche an die Konfirmanden geeignet erscheinen…

Konfirmation

Wie sich der Himmel über die Erde wölbt, so umgibt Gottes Liebe alle, die Gott vertrauen. Psalm 103, Vers 11

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern darin, dass er nicht tun muss, was er nicht will. Jean-Jacques Rousseau

Wir können die Kinder nach unserem Sinne nicht formen; so wie Gott sie uns gab, so muss man sie haben und lieben. Johann Wolfgang von Goethe

Geh nicht nur die glatten Straßen. Geh Wege, die noch niemand ging, damit du Spuren hinterlässt und nicht nur Staub. Antoine de Saint-Exupéry

Wer nicht konfirmiert ist, ehe er konfirmiert wird, der wird nicht konfirmiert, wenn er konfirmiert wird. Pastor Harms

Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut; denn ich, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst. Josua 1, 9

Alle Menschen haben Zugang zu Gott, aber jeder einen anderen. Martin Buber

Tritt ein für deines Herzens Meinung und fürchte nicht der Feinde Spott, bekämpfe mutig die Verneinung, so du den Glauben hast an Gott. Theodor Fontane

Es gibt keine größere Kraft als die Liebe. Sie überwindet den Hass, wie das Licht die Finsternis. Martin Luther King

Wir wünschen allen Konfirmanden einen schönen Tag, auf das sie fühlen, dass sie etwas ganz besonderes sind – für ihre Eltern, Geschwister, Familien, für ihre Freunde und alle Menschen, mit denen sie zu tun haben. Auch wenn Du vielleicht eines Tages das Gefühl hast, Du bist allein und niemand steht Dir zur Seite – sei sicher: Du bist etwas Besonderes und Gott hält Deine Hand – bis zum Ende Deiner Tage.

Du bist ein Segen für die Welt!

Menü schließen