Shoppingvergnügen – Wenn das Coronavirus den Einkauf bestimmt

Shoppingvergnügen – Wenn das Coronavirus den Einkauf bestimmt

Ab dem 20. April 2020 sind Änderungen der Einschränkungen in Kraft getreten. So durften Geschäfte bis zu einer Verkaufsfläche von 800 qm ihre Läden wieder öffnen. Aber auch da gibt es Ausnahmen oder Einschränkungen, ein Wirrwarr an Bestimmungen und für viele Kunden oftmals unverständlich. Outletcenter sind geschlossen, Malls auch, aber Einkaufzentren mit Shop-in-Shop Systemen dürfen öffnen. Möbelhäuser ja, große Ketten wie H & M oder C & A aber nein… Wir haben mal geschaut…

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Eins vorweg, so richtig Spaß hat der Bummel nicht gemacht. Denn die Angst vor Covid19 ist überall spürbar. Und eigentlich sollen doch alle bitteschön zu Hause bleiben.

Damit die Wirtschaft nicht komplett zusammenbricht, es nicht zu permanenten Aufgaben von Geschäftsbetrieben kommt und letztendlich die Bundesbürger nicht am Konsumverzicht zugrunde gehen und sich alternativlos mit Toilettenpapier und Hefe eindecken, hat man eine Lockerung der Einschränkungen von höchster Regierungsstelle aus bewilligt.

In Minden…

… nutzten zwar einige die Gelegenheit, nach Schuhen, Schmuck oder sommerlicher Mode zu schauen, aber wirklich einladend waren die offenen Geschäfte nicht. Wenn die Türsteher schon mit FFP Masken die Eingangskontrolle machen und es im Laden abgedunkelt ist, dass man sich irgendwie unwillkommen fühlt (nach dem Motto: „wir dimmen schon mal das Licht, dann gehen die schneller wieder“), macht bummeln keinen Spaß. Aber – gebummelt werden soll auch nicht.

„Kauft das Nötigste, unterstützt den heimischen Handel und dann geht nach Hause.“ So ungefähr dürfte das Konzept lauten.

Minden hat wieder geöffnet – Foto : Minden Marketing

Und damit auch wirklich nur die Geschäfte auf haben, die alle Auflagen erfüllen und sich nicht noch aus Kunden Grüppchen bilden, wird das auch kontrolliert. So viele Polizeiwagen sieht man sonst nur beim „Tag der offenen Tür der Hilfswerke“ und auch nicht mit kleinen Autos, sondern große Bullis fahren langsam durch die Fußgängerzone. Die machen nur ihren Job, klar, aber so ungefähr stellt man sich doch einen Überwachungsstaat vor, oder?

In Stadthagen ein ähnliches Bild

Als wir draußen Fotos machen, treffen uns von innen aus dem Geschäft argwöhnische Blicke, sind wir am Ende die anonyme Kontrolle des Ordnungsamts? Nein, wir wollen nur sagen, wie „toll“ Shopping in Zeiten von der Pandemie ist. Da ist jeder Supermarkteinkauf spannender…

Stadthagen im April 2020 – Foto : Scarlett Magazin

Foto : Scarlett Magazin

Einige ältere Besucher sitzen entspannt in der Sonne und verfolgen interessiert das langsam kreisende Polizeiauto. Die Gastronomie hat Tische und Stühle vor die Tür gestellt. Nicht zum „hier dürfen Sie bestellen“, sondern „nur so“. Daran sitzen einige und genießen das schöne Aprilwetter. „Das geht aber nicht“, hört man es hin und wieder von Vorbeigehenden murmeln.

Denn – nicht nur die Polizei fährt Kontrolle, wir alle haben uns angewöhnt, die Umgebung kritisch im Auge zu behalten:

Hält der Nachbar sich an die Kontaktsperre, grillt er etwa und steht mit drei Mann um den Grill? Ist das noch Familie? Darf er das?

Drei Leute zusammen im Park – wo bleibt das Ordnungsamt? Schlangen auf dem Wochenmarkt? LEUTE, lest ihr keine Zeitung? Hier wird empört und sich echauffiert. Der Blockwart umkreist den Bezirk und denunziert. Obacht, dein Nachbar kann auch dein Feind sein. Und falsch Parken ist günstiger als falsch stehen. Es gibt dafür sogar neue Bußgeldkataloge. Sonst dauert es ewig, bis mal irgendein Antrag von der Bundesregierung durchgesetzt wird. Plötzlich erfolgen Änderungen ad hoc.

Und immer neue Regelungen:

Darf man zu zweit einen Einkaufswagen benutzen? Nein, darf man nicht. Der Einkaufswagen ist nämlich kein Einkaufaufbewahrungsvehikel mehr, sondern ein Abstandhalter auf Rädern. Den Warentrenner brauchen wir auch nicht, weil auf dem Fußboden ja Markierungen sind, die den nach uns kommenden Kunden daran hindern, unsere Einkäufe zusammenzuschieben. Mundschutz wird zwar überwiegend nur empfohlen, in manchen Städten ist es aber schon verpflichtend. So hat Ministerpräsident Markus Söder aus Bayern angeordnet, dass Masken ab einem Alter von 7 Jahren verbindlich zu Tragen sind.

Klingt nach einer schlechten Daily Soap, ist aber Deutschland 2020

Zurück ins sonnige Stadthagen, wir besuchen „Hut Harmening“ und holen unsere bestellten Masken (Marke Community) ab. Dank Schulpflicht sollen die Kids demnächst zumindest einen gewissen Schutz haben. Den gibt es jetzt in bunt und passend zum Alter genäht.

Bettina Richter von Hut Harmening erzählt, dass sie per Zufall auf die Idee gekommen ist. Sie näht gern für sich selbst und ist gefragt worden, ob sie nicht auch für andere….? So entstand die Idee, Communitymasken anzubieten. In drei Größen, für Damen, Herren und Kinder, und in einer großen Farbauswahl gibt es sie nun käuflich zu erwerben.

Gleich morgens zur Geschäftsöffnung haben sich die ersten Kunden in den Laden geschoben, allerdings immer so, wie die Vorgabe war – mit Geduld, bis der mit dem Einkauf fertige Kunde wieder Platz für den Nächsten gemacht habe. Mit soviel Betrieb hat sie gar nicht gerechnet und auch während unseres Besuchs wartet schon die nächste Kundin.

Hüte oder Mützen werden allerdings gar nicht mehr verlangt. Wer einen schicken Hut möchte, der in Richtung Landpartie Hutwettbewerb zielt, der geht heutzutage lieber ins Brautmodengeschäft. Und auch der alternative Fascinator ist nicht mehr gefragt. Mützen und Tücher bestimmen das reichhaltige Sortiment, derzeit allerdings Masken.

Die könnte sie im Akkord nähen, so groß sei die Nachfrage. Und solange das Interesse da ist, solange näht Bettina Richter auch was Nähnadel und Stoff hergeben.

Und von uns ein Tipp: Auch gut für Pollenallergiker! Selbst getestet und für gut befunden. So hat sich aus der Pandemie ein neuer Geschäftszweig entwickelt.

In Bückeburg sind nur wenige Leute unterwegs

Lediglich die vor den Geschäften ausgestellten Waren, die manchmal bis weit in die Fußgängerzone reichen, zeigen an, „hier kannst Du kaufen“.

Bekannte im Vorbeigehen erkenne ich erst an der Stimme – so eine Maske ändert total den Gesichtsausdruck. Wobei miteinander geredet wird wenig, social distancing und ein vorbei rollender Polizeiwagen schränken die Kommunikation ein.

Große Taschen, die auf „ausgehungerte Shoppingfans“ deuten, sehen wir allerdings nicht. Man beschränkt sich auf das Notwendige oder das, was jeder dafür hält.

Die Möglichkeit, kaufen zu können, ist für viele wichtiger, als von der Chance Gebrauch zu machen

Man kann sich den Konsum auch abgewöhnen oder vielleicht ist anderes interessanter geworden. Nicht der neue Schuh oder das sommerliche Kleid, sondern gute Lebensmittel, Blumen und Pflanzen und vielleicht noch ein Buch.

Im Einkaufszentrum Porta Westfalica haben auch wieder einige Geschäfte geöffnet

Während große Filialen wie TK Maxx oder Media Markt nach wie vor geschlossen sind, kann man Möbel stöbern und auch seiner Lust nach neuen Schuhen nachgehen.

Die beste Idee hat dabei die Firma Deichmann, denn direkt beim Eingang wird man von freundlichen mundschutzgeschützten Mitarbeitern gebeten, einen Sicherheitsknopf zu nehmen. Anhand der ausgegebenen Sicherheitsetiketten sieht man, wie viele Kunden im Laden sind und überschreitet nicht die vorgegebene Anzahl. Verlässt ein Kunde versehentlich mit dem Sicherungsetikett den Laden, ertönt ein Signal. Zurückgegebene Etiketten offerieren anderen Kunden den Zugang. Wirklich die perfekte Lösung!

Auf unsere Frage an die Mitarbeiter, wie die Kunden die Neueröffnung annehmen, hören wir, dass am Eröffnungstag direkt sehr viel Betrieb war. Mittlerweile verläuft es sich etwas, es finden sich aber immer wieder Kunden ein, die Kauflust verteilt sich über den ganzen Tag.

Die Frage interessiert uns auch, wie hat man die Wochen der Schließung als Mitarbeiter verbracht? Wir erfahren, dass in der Filiale in Porta die Chefin mit einer Mitarbeiterin im Laden war und man die Zeit genutzt hat, um den Laden umzuräumen, Ware zu sortieren, Angebote zu kennzeichnen und vieles mehr. Die übrigen Mitarbeiter hatten Kurzarbeit, aber, so wurde uns gesagt, eine positive Kurzarbeit, denn das Unternehmen Deichmann hat die Gehälter aufgestockt.

Jetzt bietet man überall Prozente an, um die aktuelle Ware an den Mann und an die Frau zu bringen. Aber auch hier ist Social distancing das Zauberwort, dass sich bis ins Kassensystem durchsetzt.

Im C&A sieht man vorwiegend Familien, die auf der Suche nach günstiger Kinderbekleidung sind. Auch hier am Kassensystem eine Plexiglasscheibe, Verkäuferinnen mit Mundschutz und überall Zeichen zum Abstand halten. Auch ertönt immer wieder die Durchsage an die Kunden, doch bitte Abstand zu halten.

Besondere Prozente beim Kauf mehrerer Artikel sind verlockend. Schnäppchenjäger kommen hier auf jeden Fall auf ihre Kosten. Überall eine freundliche Bedienung.

Doch egal, in welcher Stadt wir unterwegs waren, es fällt auf, dass das Shopping sehr uninteressant gemacht werden soll. Zwar werden Schnäppchen geboten und man lockt mit tollen Preisen und frischer Ware, aber die Geschäfte sind teilweise von außen nicht als geöffnet erkennbar, weil die Beleuchtung gedimmt worden ist. Auf dem Parkplatz nur eine überschaubare Anzahl Fahrzeuge. Am meisten Betrieb ist im Bau- und im Supermarkt. Die Leute bleiben tatsächlich in erster Linie zu Hause.

Fazit einer Verkäuferin: Den Kunden fehlte die Möglichkeit der Spontankäufe. Jetzt ist die Möglichkeit da, damit tritt eine gewisse Entspannung ein. Der große Hype auf die Geschäfte bleibt aus. Es wird gekauft, aber in einem überschaubaren Rahmen.

Und auch gut zu sehen: Viele Kunden tragen Mundschutz. Entweder den klassischen, den man auch aus den medizinischen Berufen kennt oder genähte Community Masken.

…. eine Frage bleibt allerdings noch offen:

Und was ist mit Kirche und Sport?

Da könnten wieder die Kirchgänger kommen und sagen: „Schuhe kaufen geht, aber die Kirchen bleiben zu?“ Und man würde argumentieren mit einem „Nun ja, in der Kirche sitzt man länger und dann die Sache mit den Ein- und Ausgängen,…“ Ich bin aber sicher, da wäre man von Seiten der Kirchen durchaus flexibel: ein gekürzter Gottesdienst, wenig Leute in den Reihen und getrennte Ein- und Ausgänge mit Helfern, die das im Auge behalten, warum nicht?

Stadtkirche zu Bückeburg – Foto: Sabine Christel

Oder Sport – beim Golfspielen hängt man auch nicht aufeinander, genauso wenig wie beim Tennis, Badminton, Laufen, etc.

Stellen wir uns alle darauf ein, dass wir noch sehr lange unter Einschränkungen leben müssen. Aber dann auch so, dass es einen Sinn ergibt.

Bleiben Sie gesund!

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