Shopping im Werre-Park – Desinfektion, Abstand halten und Masken
Ladenpassage im Werre-Park - Foto Sabine Christel

Shopping im Werre-Park – Desinfektion, Abstand halten und Masken

Der Werre-Park in Bad Oeynhausen ist ein sehr beliebtes Einkaufsziel, und dass über die Grenzen Bad Oeynhausens hinaus. Doch in Zeiten des Corona-Virus ticken auch hier die Uhren ganz anders: Nachdem zuerst nur wenige Geschäfte, wie Supermarkt, Apotheke oder Drogerie öffnen durften und man mit wenig Eingängen und zudem Einlasskontrollen für erhöhte Sicherheit sorgte, gab es nun eine Veränderung. Aufgrund der Lockerung der Bestimmungen Seitens der Regierung durften auch kleinere Läden bis zu 800 qm Fläche öffnen. Vorausgesetzt, es liegt ein entsprechendes Hygienekonzept vor.

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Doch nicht jeder Laden konnte oder wollte sich dem anschließen und die großen Läden wie Teddy Toys oder Saturn hatten aufgrund der Größe noch geschlossen. Noch, denn eine neue Regelung besagt, ab Montag, 27. April klingeln auch dort wieder die Kassen. Wir waren vor Ort und haben einen Testkauf gemacht. Mit Maske. 🤨

Der Parkplatz vor dem Werre-Park ist ziemlich leer. Wann haben wir an einem ganz normalen Tag direkt vor dem Eingang parken können?

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Foto Sabine Christel

Schöner ist es ohne….

Die Freude währt nur kurz, denn: Maske auf und los gehts. Ein bisschen ungewohnt ist es und nicht sonderlich bequem. Diese genähten und mit einem Vliesfilter erweiterten Communitymasken aus doppeltem Stoff bieten Schutz, aber auch Atemnot. Die Brillengläser beschlagen immer wieder und richtig verstehen kann man einander nicht. Eigentlich beginnt die Pflicht zum Tragen erst am 27. – wir wollten aber sehen, wie ist das Einkaufsvergnügen?

Community Maske

Innen im Laden sieht es irgendwie anders aus. Ist das Licht gedämpfter? Auf jeden Fall fehlt die Geräuschkulisse. Keine herumlaufenden Kinder, kein Summen von sich unterhaltenden Menschen, die Cafés verweist, die Sitzgelegenheiten mit Band abgesperrt, kein Duft nach Essen in der Luft – die Gastronomie ist bis auf ganz wenige Ausnahmen, geschlossen.

Einkaufen soll keinen Spaß mehr machen, die Leute sind angehalten, wirklich nur das Notwendigste zu kaufen. Foto Sabine Christel
Das wäre mein Cappuccino gewesen… Foto Sabine Christel

Der Werre-Park, dass sind ja nicht nur viele kleine und große Läden, sondern auch eine normalerweise lebhafte Ladenpassage mit Spielgeräten für die Kinder, Cafés, Sitzmöglichkeiten und immer wieder Aktionen, die zum Verweilen einladen. Jetzt ist alles abgesperrt. Ein paar Kühlschränke aus dem Saturn stehen in der Mitte, überhaupt ist die Ladenstraße mittig besetzt. Vielleicht auch, um für noch mehr Abstand zu sorgen.

Foto Sabine Christel

Keine Sitzgelegenheiten mehr…

Die Sitzgelegenheiten fehlen gänzlich. Einerseits, weil man anders die Sicherheitsabstände nicht einhalten kann und zum anderen, damit die Leute wirklich nur das Notwendige kaufen und sich nicht länger in der Ladenpassage aufhalten. Für ältere Leute und Menschen, die mal eine Pause benötigen, keine angenehme Situation.

Ansonsten fühlt es sich ein wenig an, wie ein VIP Shopping, exklusiv für eine Handvoll Besucher. Vielleicht ändert sich das allerdings, wenn die größeren Geschäfte auf haben, man wird sehen.

Manchmal treffen uns erstaunte Blicke, weil wir mit Maske unterwegs sind. Wir sehen mit dem nicht medizinischen Mundschutz eher aus, als ob wir einen Überfall planen, derart vermummt erkennt man gerade noch die Augen hinter den beschlagenen Brillengläsern. Und warm ist es unter dem Ding! Auch das Gummiband drückt unangenehm hinterm Ohr und es sitzt absolut fest auf der Nase, was eine Druckstelle („AUA!“) beweist.

Im Laden dann Anprobieren. Gar nicht so einfach mit dem Ding. Ob das noch hygienisch ist, wenn sich alles immer verschiebt? Die Verkäuferin ist ohne Mundschutz. Hinter der Maske bin ich für sie schwer zu verstehen, allein schon die Kombination aus Sicherheitsabstand und dickem Stoff plus Einsatz – ich muss schon rufen, um mich verständlich zu machen, denn näher kommen kann sie ja nicht. Die meisten Kunden sind ohne Maske unterwegs. Neidvoll schauen wir hinüber, aber – wir wollten es ja so.

Foto Sabine Christel

Nach dem Kassieren werden unsere Hände desinfiziert. Ansonsten stehen vor den Läden Tische mit Desinfektionsmitteln und Tüchern. In manchen Geschäften muss man eine Stofftasche oder einen Einkaufskorb nehmen – jeder Kunde. Damit die Verkäufer einen Überblick über die Anzahl der Kunden im Laden haben. Nach der Benutzung wird desinfiziert.

Teilweise eingeschränktes Warenangebot

Gleichzeitig wirken die Geschäfte innen, was das Angebot angeht, etwas leerer. Bei Pimkie erklärt man uns, dass die neue Kollektion gerade erst verräumt wird. Es ist aber gar nicht so schlecht, denn man hat einen viel besseren Überblick über das Warenangebot. Und man drängelt nicht an den Kunden vorbei, es ist einfach mehr Platz.

Foto Sabine Christel

Macht die Maske wirklich Sinn?

In manchen Geschäften ist nur jede zweite Umkleidekabine zu benutzen. Hilfen beim Reissverschlusszumachen sind schwierig – keep the Distance – ist das Zauberwort. Auch, wenn man immer wieder hört, dass man so einiges nicht nachvollziehen kann, was sich die Bundesregierung oder Bund und Länder so ausdenken. Warum ist dies zu und das geöffnet? Warum gibt es so wenig Einheitliches? Ist der Schutz einer Maske wirklich gut? Man atmet die ganze Zeit den eigenen verbrauchten Sauerstoff ein. Als ob man beim Hyperventilieren in eine Tüte atmet. Dafür sollen die Masken sicherer sein, als die ganz einfachen ohne Einlage.

Trotzdem erscheint es gesundheitlich nicht unbedenklich, von der Hygiene mal ganz abgesehen. Geht jeder richtig damit um? Wie oft sehen wir, wie sich Leute die Maske kurz unters Kinn klemmen. Auch Handschuhe ergeben nur dann einen Sinn, wenn man sich damit nicht durchs Gesicht fährt.

Auf jeden Fall sind die meisten Leute gut informiert und verfolgen die mediale Berichterstattung zum Coronavirus. Und: es wird darüber diskutiert.

Trotz der vielfältigen Einschränkungen versucht man, irgendwie ein bisschen Normalität in diese Coronageschichte zu bringen, aber machen wir uns nichts vor: Hier ist gar nichts mehr normal.

Wir sind zu zweit unterwegs ohne Sicherheitsabstand, und so mancher schaut argwöhnisch herüber: Ist das alles noch korrekt oder sollte man die Centerleitung informieren? Die ist übrigens gerade selbst unterwegs, natürlich mit Mundschutz, um noch mal alles zu überprüfen und zu schauen, wie es so läuft.

Umsetzung der Kundenzählung

Zurück zu den Geschäften. Man hat überall für die Umsetzung der Vorgaben gesorgt. Durchaus findige Ideen, dass muss man den vielen Verkäufern wirklich mal lobend zurückgeben. Auch Beratung findet statt. Von gemütlichem Shoppen ist man aber weit entfernt. Es liegt ein Gefühl von Anspannung in der Luft. Lieber nicht so lange verweilen, wirklich nur das Nötigste kaufen, nicht alles anfassen und bitte Abstand halten. Sind Sie da in der Ecke fertig? Dann bitte Platz machen für den Nächsten.

Manche Kunden haben den Teil mit „Abstand halten“ allerdings so gar nicht auf dem Schirm und drängeln sich auf engstem Raum vorbei. Am Kleiderständer ist zwar genug Platz, trotzdem ist mein Bereich wohl interessanter, jedenfalls wird in die vor mir liegenden Kleiderbügel gegriffen. Das passiert immer mal wieder – auch im Supermarkt. Einigen Kunden muss man sagen, warum es die Abstandhalter auf dem Boden gibt und warum man sich deshalb nicht vordrängelt. Virus hin oder her, es hat auch etwas mit Höflichkeit und Geduld zu tun.

Jeder Kunde einen Korb – Foto Sabine Christel

Überhaupt sind es nicht die Geschäftsleute, sondern wirklich einzelne Kunden, die weder zu Desinfektionsmitteln greifen, noch verstehen, warum jeder einen Korb nehmen soll und die Diskussion suchen.

Manche Geschäfte haben geöffnet, obwohl sie sicherlich bei der Vorgabe: 1 Kunde pro 10 qm schon beim zweiten Kunden ans Limit stoßen werden und andere sind dafür geschlossen, bei denen wir ratlos vor der Tür stehen. Am Montag wird sich einiges ändern, wenn auch die größeren Geschäfte öffnen dürfen, aber ihre Verkaufsfläche entsprechend reduzieren müssen. Ob dann aber soviel mehr geöffnet ist, bleibt abzuwarten. Es ist mit Aufwand verbunden und die Verkäufer sind jetzt auch damit beschäftigt, die Einhaltung der Hygieneregeln zu beachten. Dem zigten Kunden zu erklären, warum er einen Sicherheitsknopf, wie bei Deichmann, nehmen soll oder einen Einkaufswagen, wie in der Drogerie, obwohl man ja nur „was gucken“ möchte, ist bestimmt mühsam.

Die neue Regel besagt immer noch – bis 800 qm – aber, man darf entsprechend die zu große Fläche verkleinern. Dass bedeutet oftmals aber auch, dass das Sortiment eingeschränkt ist und man bei großer Kundenanzahl schon darauf achtet, nicht das Limit an Kunden auszureizen.

Alles in allem ein ruhiges Shopping, aber nach 60 Minuten unter der Maske ist der Einkaufsbummel auch vorbei. Frische maskenlose Luft zu atmen ist herrlich – so richtig Spaß am Shoppen haben wir jedoch sicherlich erst wieder, wenn irgendwann das Virus unschädlich gemacht worden ist.

Foto Sabine Christel
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