Scarlett im Portrait: Was macht eigentlich…?
Augenoptikermeisterin Patrizia Hintz von Di Noto Optic - Foto: Sabine Christel

Scarlett im Portrait: Was macht eigentlich…?

Patrizia Hintz von Di Noto Optic im Gespräch

(Werbung) Sie kennen doch sicherlich die Werbung eines Brillen Filialisten: Ein kleiner Nerd, der immer alles ordentlich und akkurat haben wollte, wird von seiner Mutter gefragt, was er später denn mal werden wolle und nach einem Zeitsprung erlebt man ihn in einem Brillengeschäft.

Werbung

Doch, wie nah an der Realität ist diese Werbung eigentlich? Ich treffe Patrizia Hintz, staatlich geprüfte Augenoptikermeisterin im Geschäft Di Noto Optic in Bückeburg. Ihr Weg in den Beruf war im Vergleich zur Werbung jedoch ein ganz anderer…

Nach dem Abitur überlegte sie, in welche Richtung sie sich beruflich orientieren sollte und studierte erst einmal zwei Jahre Jura. Doch so richtig zufrieden war sie nicht, es war einfach zu „trocken“. Ihr fehlte der direkte, persönliche Kontakt zu Menschen und sie suchte eher etwas Handwerkliches,  etwas mit ein bisschen mehr „Action“. Ein Zufall half dann bei der beruflichen Neuorientierung: Sie brauchte eine neue Brille, was zum Gedanken führte: „Hey, Augenoptik, das wäre doch was“. Glücklicherweise ergab sich die Gelegenheit, ein zweiwöchiges Praktikum beim Augenoptiker zu absolvieren. Das gefiel ihr so gut, dass sie anschließend eine Ausbildung zur Augenoptikerin begann.

Werbung

Die Ausbildung

Die Ausbildung dauert insgesamt drei Jahre und endet mit einer staatlichen Abschlussprüfung. Voraussetzung für den Beruf ist eine Affinität für feinmotorisches Arbeiten, für Mathematik und auch für Physik. Grundsätzlich reicht ein Hauptschulabschluss, aber der Unterrichtsstoff ist schon „nicht ohne“, von daher ist man mit einem höheren Schulabschluss keinesfalls unterfordert.

Während der Ausbildung macht man (wie übrigens auch im Praktikum – also hier der Hinweis an alle Schüler, die Interesse haben: So ein Praktikum beim Augenoptiker bietet viele Möglichkeiten sich handwerklich zu beweisen), sehr viel Handwerkliches. Ein Azubi muss lernen, mit den Materialien umzugehen, aus denen eine Brille entsteht. Das Handwerkliche ist nämlich das, was ein Außenstehender, also der Kunde, gar nicht so wahrnimmt. Oftmals wird der Augenoptiker nur Brillenverkäufer wahrgenommen: er nimmt vermeintlich nur das Rezept entgegen,  berät und verkauft eine Brille.

Dabei steckt hinter dem Beruf sehr viel mehr und gerade das Handwerkliche, das ist es, was Hintz so reizt. Sägen, Schleifen, Feilen, Polieren – viel mit Glas und Kunststoff arbeiten gehört zum Arbeitsalltag. Dazu gibt es noch viel Abwechslung, angefangen bei der intensiven Beratung der Kunden, dem Ausmessen der Sehstärke (Refraktion), der Erfassung der Zentrierdaten, sowie aller notwendigen Untersuchungen des vorderen Augenabschnittes, die für eine Kontaktlinsenanpassung notwendig sind. 

Während der Ausbildung lernt man deshalb Vieles über die Anatomie des Auges, den Aufbau und die Wirkung eines Brillenglases, die Zusammensetzung einer Brillenfassung, Werkstoffe und wie man damit umgeht. Dazu kommen dann Grundlagen der Kontaktlinsenanpassung, sowie alles Wichtige zur Fehlsichtigkeit: Wie erkennt man sie, welche Korrektionsmöglichkeiten gibt es.

Hierbei gilt: Für Krankheiten und ärztliche Untersuchungen ist der Arzt für Augenheilkunde zuständig, für den perfekten Durchblick mit der Brille oder Kontaktlinse hingegen ist der Augenoptiker der richtige Ansprechpartner.

Ebenfalls dazu gehören Infos über den Verkauf, Kalkulation, Werbung, alles Kaufmännische und den richtigen Umgang mit Menschen – rund um die korrekte Beratung. Ein sehr vielfältiges Berufsfeld mit vielen praktischen Elementen.

Für Patrizia Hintz ging es direkt nach dem Abschluss zur Augenoptikerin-Gesellin  weiter zur Meisterschule, denn: Solange das Wissen aus der Ausbildung noch ganz frisch ist, bietet es sich an, gleich die Weiterbildung zum Meister in Angriff zu nehmen. Die Meisterschule hat sie in Teilzeit gemacht, parallel zur Arbeit: 3 Tage Betrieb, 3 Tage Unterricht. Die Weiterbildung dauerte insgesamt 14 Monate.

Messung zur Kontaktlinsenanpassung – Foto Sabine Christel

Mit der Meisterprüfung darf man einen größeren Aufgabenbereich übernehmen, z. B. eigenständig die Bestimmung der Sehleistung – die Refraktion- durchführen. Ein Geselle darf dabei nur assistieren und auch das nur mit einer entsprechenden Zusatzausbildung und Anwesenheit des Meisters. Nur der Augenoptiker-Meister darf Tätigkeiten durchführen, wie z. B. Prismen ausmessen-zum Beispiel bei einem „verdeckten Schielen“, einer sog. Winkelfehlsichtigkeit – und übernimmt die Kontaktlinsenanpassung. Dazu kommt alles, was mit der Geschäftsführung zu tun hat

Des Weiteren sind Augenoptiker-Meister dazu befugt, das Auge mittels Screening-Tests zu untersuchen. Hierbei können zum Beispiel Farb- und Kontrastsehtests, eine Gesichtsfeldmessung oder eine Augeninnendruckmessung vorgenommen werden, wenn entsprechende Messgeräte vorhanden sind. Bei Auffälligkeiten wird der Augenoptiker-Meister den Kunden an einen Augenarzt weiterleiten, welcher dann den medizinischen Befund erstellt. 

Ihr Lieblingsbereich – die Kontaktlinse – Foto Sabine Christel

Sie erkennen daran schon, warum nur ein Meister die Augenglasbestimmung sowie die weiterführenden Untersuchungen durchführen sollte. Immerhin geht es um Ihre Gesundheit und um die medizinische Versorgung des Auges. Früher musste man für den Sehtest noch zum Augenarzt gehen, doch durch die gewissenhafte Arbeit der Augenoptiker-Meister haben diese in den 70er Jahren die Refraktionsbefugnis erworben.

Wie sieht ein normaler Tagesablauf bei ihr aus?

Ausgehend von der Philosophie, die bei Di Noto Optic gelebt wird, arbeitet Frau Hintz größtenteils auf Termin. Wenn gerade kein Kunde zur Beratung im Geschäft ist, kümmert sie sich um die Fertigung der Kundenbrillen. Die Gläser werden bei Di Noto Optic noch in der betriebseigenen Werkstatt in die Brillen-Fassungen eingeschliffen. Auch Reparaturen werden dort bearbeitet. Handwerk und Präzision werden eben großgeschrieben. Außerdem müssen natürlich auch Brillengläser, Fassungen, Ersatzteile, Verbrauchs- und Handelswaren bestellt werden. Die zentrale Aufgabe sind natürlich die Kundentermine –  und das ist auch das Gute an einem kleineren Brillengeschäft im Vergleich zu einem Filialisten: Hier gibt es eine feste Terminvergabe, das heißt, der Kunde muss nicht warten und man nimmt sich die Zeit, die der Kunde benötigt. Denn der Kauf einer Brille bedeutet nicht nur ein medizinisches Produkt für besseres Sehen, sondern es ist gleichzeitig auch optisch ein Accessoire, das zum Träger passen sollte.

Patrizia Hintz versucht dabei stets die Wünsche des Kunden zu berücksichtigen und eine Brillenfassung anzubieten, die zur Gesichtsform und zum Typ des Trägers passt, gleichzeitig gilt es immer, dem Kundenwunsch zu entsprechen. Ein guter Augenoptiker ist stets auch ein guter Modeberater.

Und noch einen Vorteil bietet Di Notos Betrieb: manchmal ist es gar nicht so einfach, die passende Fassung zu finden. Weil man sich nicht sofort entscheiden kann oder sich ganz einfach  selbst nicht richtig sehen kann. Denn ohne Kontaktlinsen und ohne eigene Brille auf der Nase ist es oftmals schwierig, sich mit einer Brillenfassung ohne Korrektion im Spiegel zu betrachten. Dafür bietet Di Noto den Service an, eine Auswahl an Wunschfassungen noch unverglast mit nach Hause zu nehmen und dort auszuprobieren. Das eröffnet die Möglichkeit sich vielleicht fotografieren zu lassen, sich zusätzlich mit Menschen, die einen persönlich kennen und einen dahingehend zusätzlich beraten können, auszutauschen. Das ist ein Service, den nicht jeder Augenoptiker seinen Kunden anbietet. 

Foto Sabine Christel

Zurück zu Frau Hintz: was ihr außerdem gefällt ist, dass es nicht den Druck gibt, verkaufen zu müssen. Bei großen Filialisten zählt oftmals der Abverkauf eines Tages, da bleibt wenig Zeit für eine ausführliche Beratung oder gar die Möglichkeit, sich intensiv mit dem einzelnen Kunden zu befassen. Außerdem hat der Kunde bei Di Noto auch die Gewissheit, dass seine Beratung störungsfrei verläuft, da der Mitarbeiter sich voll auf ihn konzentrieren kann.

Wie kam sie eigentlich zu Di Noto?

Nach der Ausbildung arbeitete sie erst bei einem mittelgroßen Filialisten, zuerst in Hamburg, dann in Hannover, dann erfolgte der Umzug nach Bückeburg und dadurch bedingt die Bewerbung vor Ort bei Di Noto Optic. Passenderweise suchte Di Noto jemanden im Bereich Kontaktlinsen und darauf hatte sich Patrizia Hintz spezialisiert. Genau das war etwas, was ihr besonders viel Spaß gemacht hat und wo sie in den vorherigen Geschäften von den Kollegen auch gern hinzugezogen wurde. Hier bot sich ihr die Möglichkeit, sich ihrem Lieblingsgebiet besonders zu widmen. Natürlich berät Sie auch im Brillenbereich und macht alle übrigen Tätigkeiten, aber sie ist die Spezialistin, wenn es um die „super Kontaktlinsen“ geht.

Zum Thema Brille müssen wir aber noch etwas loswerden:

Ab einem gewissen Alter werden die Arme zu kurz und die Buchstaben unleserlich. Dann benötigen viele Leute eine Lesebrille. Und ja, auch die gibt es praktisch überall zu kaufen. Mit vorgefertigter Stärke. Aber – Patrizia Hintz weist klar darauf hin – dabei handelt es sich lediglich um eine LeseHILFE, keinesfalls um eine LeseBRILLE. Denn sie sind überhaupt nicht für Ihre Augen angepasst, damit können Sie sich nur behelfen, wenn Sie zum Beispiel den Busfahrplan lesen oder im Restaurant die Speisekarte entziffern möchten. Zum dauerhaften Lesen sind sie nicht geeignet. Sie sind demzufolge nicht augenkorrigierend, sondern dienen nur als Notbehelf. Zumal es sie nur mit einer identischen Sehstärke für beide Augen gibt. Fast jeder Brillenträger hat aber auf beiden Augen unterschiedliche Sehstärke und Zentrierdaten…

Und auch die schicken Brillen von den Internetanbietern haben so ihre Tücken, denn – achten Sie dort auf das Kleingedruckte! – Viele OnlineAnbieter neigen dazu, die Vorgaben der Handwerksordnung und des Medizinproduktegesetzes außer Acht zu lassen. Das ist insbesondere deshalb bedenklich, weil diese Vorgaben Verbraucher davor schützen sollen, mit mangelhaft gefertigten und damit gesundheitsgefährdenden Brillen in Kontakt zu kommen. Aus Gründen der Praktikabilität und um den Bestellvorgang möglichst einfach zu gestalten, werden von den Internethändlern beim Kunden zu wenige Daten abgefragt, um eine fachgerechte Herstellung einer Korrektionsbrille zu garantieren.

Die regelmäßige Überprüfung der Sehleistung, den korrekten Sitz der Brille und ob die Stärke noch mit Ihren Werten übereinstimmt, das ist eine Leistung, die nur der Augenoptiker vor Ort Ihnen bieten kann. Auch wenn mal ein Schräubchen verloren geht oder die Brille verbogen ist, werden diese Serviceleistungen für Sie schnellstmöglich vor Ort erledigt – das ist Fakt!

Welche Art von Brille Sie benötigen – ob eine Fern- oder Lesebrille, eine Gleitsicht- oder Bildschirmbrille,  all kann man nur mit seinem Augenoptiker vor Ort besprechen und in Erfahrung bringen. Dort hat man auch die Sie Gelegenheit, Kontaktlinsen auszuprobieren um eine Alternative zur Brille kennenzulernen. Mit genügend Zeit für Sie kommt man zum bestmöglichen Ergebnis und hat stets die Möglichkeit, bei Problemen denselben Ansprechpartner vor Ort zu haben, der alle wichtigen Daten zu Ihren Augen zum Vergleich vorliegen hat.

Zum Schluss interessiert mich noch, was macht Patrizia Hintz besonders gerne und was ist etwas, was sie zwar macht, was aber nicht unbedingt zu ihren Lieblingsbeschäftigungen gehört? Sehr gern schleift sie tatsächlich Gläser ein. Das Handwerkliche war von Anfang an etwas, was sie an diesem Beruf fasziniert hat. Eher weniger gern bohrt sie Gläser für randlose Brillen- das gehört zum Job dazu, macht sie auch, aber sie sagt selbst, das können andere besser. So hat jeder Augenoptiker eben sein Steckenpferd.

Augenoptiker ist übrigens ein Beruf, der sehr gefragt ist. So gibt es deutschlandweit einen Mangel an Augenoptikern. Wer also eine Ausbildung zum Augenoptiker anstrebt, kann davon ausgehen, hinterher ein gutes Angebot zu bekommen, denn für Augenoptiker in Deutschland gilt: Wir haben Vollbeschäftigung.

Besuchen Sie doch den Augenoptiker vor Ort! Das Team von Di Noto Optic freut sich, Ihnen einen tollen Beruf rund ums Gute Sehen und Gute Aussehen präsentieren zu dürfen.

image_print