RTL Nord zu Gast beim Wunschorchester BOK

RTL Nord zu Gast beim Wunschorchester BOK

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Eine Geschichte von Heterogenität, Musikalität und mehr

„Hoch oben im Schaumburger Wald, wo sich vermutlich nicht mal mehr Fuchs und Hase gute Nacht sagen, verirren sich jeden Freitag eine große Anzahl…“ nein, nein, dass muss ich anders schreiben.

„Ganz versteckt am Waldesrand, steht ein kleines Häuschen…“ Nein, so geht das auch nicht!

Jetzt aber…. Alle guten Geschichten fangen mit „es war einmal“ an. Also:

„Es war einmal ein Freitagabend im März, es dunkelte draußen schon, da machte ich mich auf den Weg, um an einem ziemlich abgelegenen Ort mein Lieblingsorchester zu besuchen. Denn ein kleines Vögelchen (oder sagen wir: ein ziemlich großer Vogel) hatte mir zugezwitschert, dass ein Fernsehteam kommen würde und wäre DAS nicht eine tolle Idee, darüber zu berichten?

RTL beim BOK – Foto: Sabine Christel

Pünktlich um 18:05 Uhr betrat ich den Probenraum in Krainhagen und wurde empfangen von „The old Hundredth“ von Vaughan Williams. Damit ist der Text des 100. Psalm gemeint. Dieser wurde 1953 neu überarbeitet als Krönungsmarsch für die Königin von Großbritannien. Den Titel haben wir ja schon mal vorgestellt im Bericht über das erste Promkonzert des BOK im PiP in Bad Eilsen (nachzulesen HIER).

Neujahrskonzert Wunschorchester BOK – Foto: Sabine Christel

Die Freitagsprobe des Wunschorchester BOK wurde extra für das Fernsehteam zeitlich vorgezogen und diese wenigen Minuten Verspätung sorgten bei Stardirigent Roman Reckling immerhin für ein leichtes Zucken seiner Augenbrauen. Dass hat natürlich keine weitere Bedeutung (… !) Aber ich war zumindest nicht die einzige, die mit leichter Verspätung eingetrudelt ist, das liegt daran, so erzählte Reckling später, dass das BOK kaum noch aus Musikern der näheren Umgebung besteht, nur noch eine Handvoll Damen und Herren kommen tatsächlich direkt hier aus dem Ort, ansonsten reisen die Musiker weitläufig aus dem Schaumburger Land an. Und wer weite Anfahrtswege auf sich nimmt, um ehrenamtlich in einem Orchester zu spielen und viel Zeit und Energie in den Feierabend legt, zeigt damit deutlich, wie besonders dieses Orchester wirklich ist.

Kein Wunder also, dass sich das kleine Team von RTL Nord aus Hannover auf den Weg nach Krainhagen gemacht hat, um mal zu schauen, was ist denn so besonders an diesem Wunsch Orchester? Und wir dürfen es verraten (Als begeisterte Zuhörer wissen Sie es ja längst!), wer einmal bei einem Konzert war, dem wird diese Frage musikalisch beantwortet.

Für all noch Unwissenden gibt es am 24. März 2020 abends die Auflösung, da wird das Ganze nämlich über den Sender laufen.

RTL beim BOK – Foto: Sabine Christel

Zurück zur Probe:

18.00 Uhr also Probenbeginn und nein, die Musiker waren nicht extra vorbereitet … hier und da vielleicht ein Lidstrich mehr, eine Föhnwelle im Haar und ein unauffällig auf Hochglanz poliertes Instrument … auch die sexy weißen Hosenträger des Dirigenten blieben während des Drehs unter einem eleganten Jacket verborgen. Also praktisch eigentlich wie immer *zwinkerzwinker* Das Team, bestehend aus einer Redakteurin, einem Kamera- und einem Tonmann machte diverse Aufnahmen aus verschiedenen Perspektiven, um die Proben des Orchesters richtig in Szene zu setzen. Sich von einer vor der Nase surrenden Kamera oder einem Mikrofongalgen nicht stören zu lassen, sondern sich auf den Dirigentenstab und das eigene Instrument zu konzentrieren, ist dabei sicherlich nicht so einfach. Auch an diesem Abend endlich wieder dabei Charlotte Hagen, die flugs aus ihrer Babypause vor Ort war, um den Gesangspart zu übernehmen, und dass mit einem gar nicht so leichten Stück aus „The greatest Showman“ – „This is me“. Und sagen wir so, damit präsentierte sich das Wunschorchester BOK von seiner wirklich besten Seite, denn dieses Stück ist sehr orchestral, dymanisch und so kraftvoll und zeigt dadurch sämtliche Facetten, die dieses Orchester zu bieten hat.

Dass wurde auch in den anschließenden Interviews klar, die mit einigen Musikern geführt wurden und in denen immer eine Frage vordergründig war: „Warum bist du in diesem Orchester?“ Und die Antwort stets gleich: „Weil es Spaß macht, weil die Musik toll ist und weil wir ein richtig gutes Team sind.“

RTL zu Gast bei der Orchesterprobe des BOK – Foto: Sabine Christel

Amüsant war auf jeden Fall die Idee des Filmteams, dass jede Instrumentengruppe einzeln in den Raum gehen und sich hinsetzen sollte, um das Ganze später zusammen zu schneiden. Da kann man sich schon mal verirren und seinen eigenen Platz nicht wiederfinden oder ganz vergessen, sein Instrument in die Hand zu nehmen. Neben der Kamera zu stehen und die humorvollen Kommentare des Filmteams zu hören, die routiniert ihren Dreh machten und tagtäglich mit Fernsehneuligen zu tun haben, war durchaus ein Erlebnis. Haben alle die Anweisungen verstanden, achten sie darauf, NICHT in die Kamera zu starren, sich so unnatürlich natürlich zu verhalten, dass es einstudiert ist, aber nicht gestellt wirkt? Luft anhalten, Bauch einziehen und sich von der Schokoladenseite zu präsentieren, ganz schön viel, was man bedenken muss, bei so einer „normalen“ Orchesterprobe. „Pass auf, die winkt gleich in die Kamera“ raunte der Kameramann grinsend der Redakteurin zu. Aber denkste, das Wunschorchester ist schließlich professionell, da bringt einen nichts aus dem Konzept, nicht einmal eine Kamera.

Sie sehen, die Dreharbeiten können äußerst unterhaltsam sein, und wenn Sie denken, ich habe nur langweilig in der Gegend herumgestanden und Selfies für Instagram gemacht – weit gefehlt! Immerhin hatte ich sogar die Gelegenheit, eine Idee einzubringen, nicht wahr, dass rechtfertigt immerhin mein Herumwuseln während der Probe 😉

Was wurde an dem Abend gespielt?

The old Hundredth“, dann ein walisisches Lied, „A Welsh Rhapsody“ von C. Grundmann und dann mit gesanglicher Begleitung von Charlotte Hagen „This is me“, was zeigte, dass das Wunschorchester BOK sich klar unterscheidet von dem, was man normalerweise von einem Blasorchester erwartet: Typische Märsche und Blasmusik, die man von traditionellen Veranstaltungen her kennt – die haben sie zwar auch im Angebot, spielen sie aber eher selten. Denn das Programm ist sehr umfangreich, gut gemischt und deckt viele Genres ab – darauf legt der musikalische Leiter und Dirigent Roman Reckling großen Wert und hat dadurch dem Blasorchester Krainhagen seinen eigenen Stempel aufgedrückt. Der Anspruch an jeden einzelnen Musiker ist hoch, aber jeder für sich wächst daran und sagt auch, dass gerade dieses Besondere der Anreiz ist, sich in der Freizeit intensiv mit der Musik zu beschäftigen.

In den Interviews

… ging es auch darum, ob und wie man zu Hause übt, was für Gelächter Seitens der Musiker sorgte. Denn man kann seinen eigenen Part kaum üben, wer trommelt schon im stillen Kämmerlein vor sich hin? Das Stück teilt sich auf in viele einzelne Abschnitte, die im Zusammenspiel mit den anderen Instrumenten erst das fertige Stück ergeben. Deshalb übt man zwar auf dem Instrument, aber für alles andere sind die Proben mit dem Orchester zuständig.

Interviews – Foto: Sabine Christel

Und wie kann man sich nach einer langen Arbeitswoche noch motivieren, die guten, auch mal ernsten, aber immer fachlich stimmigen und lehrreichen Anforderungen von Roman Reckling annehmen und vor allem in die eigene Übungsarbeit umsetzen? Weil es eben durchaus eine Entspannung ist. Der Kontakt untereinander ist von Humor und Freundschaft geprägt, der Erfolg, den man an sich feststellt, ernergievoll und der Abend stets etwas, worauf man sich die ganze Woche freut. Und dass sehen nicht nur die Musiker so, sondern auch der musikalische Leiter.

„Heterogenität“ nennt er es, das bedeutet eigentlich die Uneinheitlichkeit der Musiker und ja, das trifft es durchaus, denn jeder ist natürlich anders, kam auf anderen Wegen zur Musik, lernt und spielt im eigenen Tempo. Gemeint ist sicherlich hier aber auch die Genialität jedes einzelnen im Raum und die gemeinsame Freude an der Musik. Sich auf immer neue Ideen und Herausforderungen einzulassen und sich auch an schwierige Stücke zu wagen, die einen manchmal an die eigenen Grenzen zu bringen scheinen, bei denen man sich nicht mal vorstellen kann, dass es funktioniert und am Ende erntet man dann tosenden Applaus, bei einer der vielen ausverkauften Vorstellungen, bei denen dann doch jeder Ton sitzt und alles so wunderbar klingt, dass man sich durchaus mit einem professionellen Orchester vergleichen könnte.

All das sollte das Filmteam in seinem Dreh einfangen und wird es Ihnen hoffentlich in einem dreiminütigen Beitrag am 24. März 2020 präsentieren. Dann wissen auch die Nichtwisser, warum es ein Wunschorchester ist.

Und dann?

Danach verabschiedete sich das Filmteam aus dem Probenraum, um sich an dem reichhaltigen Buffet zu stärken und die Heimreise gen Hannover anzutreten. Und in diesem Entspannungsmoment legte Roman Reckling dann auch sein Jacket ab und sagte: „Jetzt geht es richtig los“ und sagen wir es so, mit dem darauffolgenden Stück sorgten sie bei mir für eine gehörige „Entenpelle“ und ich kann Ihnen jetzt schon versprechen, wenn Sie beim nächsten Konzert am 29. März 2020 in der Stadtkirche zu Bückeburg dabei sein werden, dann halten Sie sich an den Kirchenbänken fest, denn mit „Skyfall“ von Adele pustet das Wunschorchester BOK Sie von den Plätzen! So ein „Wumms“, der aus den Instrumenten kam, so eine Kraft, als wäre man inmitten eines musikalischen Wirbelsturms, einfach unglaublich! Unglaublich auch, dass Roman Reckling tatsächlich ein paar Informationen herausgerückt hat über das kommende Konzert, denn jeder Auftritt des Wunschorchesters ist natürlich ein Besonderer. Dieses Mal darf sogar ein eingeflogener Dirigent den Taktstock übernehmen und für den guten und richtigen Ton sorgen und zwar Staff Seargent Bandmaster Tom Rundle-Wood.

Über den Gastdirigenten:

Tom wuchs auf in der hügeligen Landschaft von Shropshire auf und legte den Grundstein seiner musikalischen Karriere mit 5 Jahren. Bereits mit 12 Jahren trat er der Army Cadet Force (ACF) und wurde zur musikalischen Schlüsselrolle der ACF County Band. Er wechselte mit 16 zur Powys ACF Band um seine militärmusikalischen Skills weiterzuentwickeln. Nach der Zusammenlegung der Gwent & Powys ACF Band, wurde er 2009 zum Bandmaster eben dieser Formation. Von 2006 bis 2010 studierte er am Royal Welsh Collage of Music and Drama, seine Studien schloss er mit dem Bachelor of Music (mit Auszeichnung), unter Spezialisierung auf das Englisch Horn ab. In 2011 trat er der Army bei und nach dem Basis Training als Militärmusiker wurde er zum Solo-Oboisten der Band of The Welsh Guards, London, bis Tom 2014 sich um die Stelle als Nachwuchsoffizier und Repräsentant des Army Corps of Music zur Nachwuchswerbung bewarb. Innerhalb kürzester Zeit wurde Tom zum Teamleiter und Lance Corporal befördert und übernahm somit die Verantwortung und gesamte Administration der Nachwuchswerbung. Parallel zu seiner Aufgabe begab er sich zu den Auswahltests für den Musical Direction Course, um die Laufbahn der Offiziere und späteren Director of Music (Leiter einer Musikeinheit) einzuschlagen. Nach kurzem und erneutem Gastspiel bei den Welsh Guards begann er 2017 seine Ausbildung zum Bandmaster an der Royal Military School of Music, Knellerhall. Nach Abschluss der Ausbildung wurde er im April 2018 als Bandmaster zum Countess of Wessex String Orchestra berufen. Dem einzigen in dieser Größe existierenden Militärstreichorchester der Welt.

Mit dabei auch eine Violine, etwas völlig Neues in einem Blasorchester, gespielt wird es von Huld Hafsteinsdóttir. (In Island erfolgt die Bezeichnung „dottir“ = Tochter immer als Endung des Nachnamens. Es ist also eine weibliche Begleitung des BOK).

Zur Violinbegleitung

Foto: Privat

Die Isländerin, Huld Hafsteinsdóttir, begann mit 6 Jahren Violine zu lernen. 2006 kam sie nach Deutschland und studierte Musikerziehung, Hauptfach Violine, an der Hochschule für Musik, Theater und Medien, Hannover bei Frau Prof. Jutta Rübenacker, Herrn Ion Tanase und Barockgeige bei Frau Prof. Anne Röhrig. Nach verschiedenen Stationen als Geigenlehrerin, u.a. in Salzgitter-Bad, Minden und Hannover ist sie nun als Musikpädagogin an der Musikschule Wunstorf tätig, wo sie Violine, Bratsche und Musikalische Früherziehung unterrichtet. 2008 hat sie mit ihrem Ehemann, dem Dirigent Philip Lehmann, das “Ensemble 21” und das „Duo21“ gegründet. Das „Duo21“ hat 2012 eine CD rausgebracht: „‘ISLAND“, auf der 21 Isländische Volkslieder, für Violine und Viola arrangiert von Philip Lehmann, zu hören sind. Huld Hafsteinsdóttir ist in verschiedenen Kammerorchestern als Geigerin tätig, wobei ihr Schwerpunkt auf dem Unterrichten liegt. Mit Kindern zu arbeiten ist das, was sie am liebsten tut.

Das Motto des Abends deshalb auch sehr treffend „Ich lade gern mir Gäste ein“

Aber damit sind sicherlich auch Sie gemeint, denn Sie können natürlich jetzt die Karten erwerben und sich auf einen ganz besonderen Abend gefasst machen. Musikalisch dürfen wir immerhin so viel verraten, dass neben Adele 2.0 mit unter anderem „Skyfall“ auch die oben genannten Stücke zu hören sein werden, somit eine sehr gute und sehr spannende Mischung. Es ist vermutlich davon auszugehen, dass in der ersten Hälfte der klassische Teil stattfinden und in der zweiten Hälfte der etwas poppigere Teil sein wird.

Aber: Verlassen Sie sich nicht darauf, denn wie man aus den Reihen des Orchesters immer wieder hört, erst kurz vorher entscheidet sich das endgültige Repertoire. Denn Roman Reckling hört sich kurz vor dem Auftritt an, wie ist das Orchester tatsächlich „gestimmt“, welche Stücke laufen besonders gut und wie könnte man den Abend entsprechend gestalten. Deswegen ist es immer ein Überraschungsauftritt – auch für das Orchester.

Und wie wir mittlerweile wissen, und das wird auch im Interview im Fernsehen gesagt werden, wie kommt der Musiker zum Instrument? Ganz einfach so, wie sich der Zauberstab bei Harry Potter seinen Zauberer aussucht, so sucht sich das Instrument seinen passenden Musiker aus und selbstverständlich hat der Taktstock nicht ohne Grund Roman Reckling ausgesucht, man könnte aber auch sagen, dass sich Orchester und Dirigent zu einer Einheit gefunden haben und eine Qualität abliefern, die hier im Bereich ihresgleichen sucht und wahrscheinlich nicht finden wird, denn ein Wunschorchester gibt’s natürlich nur einmal.

Kleine News am Rande:

Der Vorstand hat sich verdoppelt, und zwar sind jetzt vier Leute im Vorstand beschäftigt. Die Arbeit ist die gleiche, verteilt sich jetzt nur auf mehreren Schultern. Dann war meine Frage, was ist Roman Reckling eigentlich, ist er musikalischer Leiter, ist er Dirigent oder ist er am Ende gar ein Kapellmeister?

Nun Kapellmeister nicht, da müsste man ein besonderes Studium absolvieren, aber er ist tatsächlich musikalischer Leiter und Dirigent in einer Person und er ist auch derjenige, der diese zauberschönen Stücke auswählt und damit immer wieder für Überraschungen, sowohl bei seinen Musikern als auch beim Publikum sorgt. Und er prägt auch so Sätze wie: „Ich werfe mal ein „b“ in den Raum“. Oder: „Geht mal weg von den Noten, spielt alles mal einen halben Ton tiefer“ oder „wir spielen jetzt mal ohne Ton“ und dann hört man wirklich, wie nur Luft aus den Instrumenten gepustet wird, was irgendwie sehr schräg klingt, aber sicherlich einen Sinn ergibt.

Freuen Sie sich nun auf den Fernsehbericht am 24. März und den Live Auftritt am 29. März 2020 in der Stadtkirche zu Bückeburg. Tickets gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen, sowie bei den einzelnen Musikern des Wunschorchester BOK.

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