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Richard Wagner: Die Inszenierung eines Lebens – Autorenlesung
Buchtipp der Woche

Richard Wagner: Die Inszenierung eines Lebens – Autorenlesung

Die Stadtbibliothek präsentiert im Rahmen der Mindener Wagner Wochen am Mittwoch, 02. Oktober um 19.30 Uhr, eine Autorenlesung mit Ulrich Drüner.

Foto: Ulrich Drüner

Zum Autoren Ulrich Drüner

Ulrich Drüner, 1943 in Frankreich geboren, hat 1963 bis 1969 Musik und Musikwissenschaft studiert und 1987 über Richard Wagner promoviert. Er war Bratschist im Stuttgarter Kammerorchester und im Orchester der Staatsoper Stuttgart, wo er bei zahlreichen hochrangigen Wagner-Aufführungen mitwirkte. 1983 hat er ein Musikantiquariat gegründet. Ulrich Drüner hat mehrfach an Rundfunk- und Fernsehproduktionen über Wagner mitgewirkt und eine Reihe von Büchern verfasst.

Ein epochales Werk, das unseren Blick auf Richard Wagner verändern wird.

An diesem Abend stellt er seine Biographie „Richard Wagner: Die Inszenierung eines Lebens“, die 2016 erschienen ist, vor.

Nach heutigen Maßstäben hätte Wagner spätestens 1855 mit den Erfolgen von Rienzi und Lohengrin finanziell ausgesorgt haben müssen. Stattdessen musste er Bettelbriefe schreiben und Mäzene suchen, wegen seiner Sucht nach Luxus, aber auch, weil das frühe 19. Jahrhundert ernsthafte Komponisten schlechter entlohnte als spektakuläre Virtuosen. Wagner gelang es, um sich und sein Schaffen einen Mythos zu kreieren, der ihm neue finanzielle – und künstlerische – Möglichkeiten eröffnete. Zu diesem Mythos gehörte, dass Richard Wagner als deutscher Künstler von der jüdischen Presse ungerecht behandelt, von dem jüdischen Komponisten Meyerbeer getäuscht und von dem jüdischen Musikverleger Schlesinger ausgebeutet wurde – faustdicke Lügen, wie Drüner aus den Quellen zeigt. Gerade die zentrale Bedeutung des Antisemitismus für Wagner, der in der Wagnerforschung bis heute gerne kleingeredet wird, wird im Buch thematisiert.

Wobei, Geheimdokumente sind nicht, auf die Drüner sein Wissen beruft. Die neue Gesamtausgabe von Wagners Briefen, die noch immer erweitert wird, bringt neue Erkenntnisse. Drüner zeigt auf, dass Wagners Hang zum Geldausgeben und zur Selbststilisierung keineswegs nur seinem übersteigerten Ego zugrunde liegt, sondern gewissermaßen Teil einer Strategie zur Selbstvermarktung ist: „Ab 1840 begann Wagner zu begreifen, dass man als unbekannter und unbemittelter Komponist die Kunstwelt nicht erobern konnte, wenn man stets mit offenen Karten spielte. Bereits Paganini, Liszt, Berlioz, Chopin und schließlich auch Verdi umgaben sich mit Legenden, die im Erfolgsfalle zu einem Mythos zusammenwachsen sollten.“

So wie Luxus, Seide und Parfüms, weibliche Zuneigung, tiefe Freundschaften (Nietzsche, Liszt) brauchte Wagner zum Komponieren sehr lange diesen antisemitischen Impuls. Zu seiner Selbstinszenierung gehörte auch das Rezitieren und Deklamieren seiner Dichtung im engsten Kreise, woraus er die Sprachmelodie und die Inspiration gewann. Diese Biografie zeigt, wie Wagner nicht nur als Komponist, Regisseur und Dirigent wegweisend wirkte, sondern auch das Berufsbild des sich immer wieder neu erfindenden Intellektuellen in Deutschland maßgebend prägte.

Fazit:

Das Buch spaltet Wagner Fans: Die einen zeigen sich von dem umfassenden Bild, gerade aus der Perspektive eines Musikers verfasst, sehr angetan. Anderen hingegen ist der Inhalt zu plakativ, der Blick auf andere Künstler, wie Beethoven beispielsweise, zu oberflächlich gehalten. Alles in allem ein neuer – weiterer – Einblick in das Seelenleben einen großen Künstlers, der mit Geschick und Strategie seine Arbeit auf seine Art beworben hat. Auch damals wusste man schon um die Bedeutung einer guten Vermarktung inklusive einer guten Geschichte.

Sie haben nun die Möglichkeit, den Autoren der Biografie selbst auf der Lesung in Minden zu treffen und vielleicht bleibt im Anschluss Zeit, für die eine oder andere Frage.

Gebundene Ausgabe: 832 Seiten Verlag: Karl Blessing Verlag (24. Mai 2016) ISBN-10: 389667563X ISBN-13: 978-3896675637, Gebundene Ausgabe: 34,99 Euro

Eintrittskarten

Der Eintritt kostet 8 Euro und Karten sind im Vorverkauf in der Stadtbibliothek und an der Abendkasse erhältlich. Reservierungen sind unter der Telefonnummer 0571/83791-0 möglich.

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