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Razzz – Welle der Begeisterung geht durchs Stadttheater
Razzz - Das Beatboxmusical gastierte im Stadttheater Minden (sc)

Razzz – Welle der Begeisterung geht durchs Stadttheater

Junge Leute und Theater? Gegen Smartphone und Computergames haben vielleicht noch Kino oder Comedy eine Chance. Aber Theater? Das klingt für viele Jugendliche eher „verstaubt“, altmodisch und langweilig. Natürlich gibt es spezielles Kindertheater, aber irgendwann sind die Kids dieser Rubrik schlicht entwachsen.

Außerdem tragen auch viele Schulen einen Anteil bei an dieser Theaterunlust, wenn man Schulklassen in immer die gleichen Stücke „schleift“, die von den Eltern in deren Schulzeit schon angesehen werden mussten und die das auch nicht spannend fanden.

Das Stadttheater Minden hat sich deshalb überlegt, Theater für Kinder und Jugendliche altersgerecht zu gestalten – etwas für die ganz Kleinen, Schulkinder und dann Jugendliche und junge Erwachsene, die einen völlig anderen Anspruch haben, was sie als „Unterhaltung“ betrachten.

So kommt die Reihe: „4foryou“ ins Spiel, die zeitgemäße Stücke anbietet und sich an dem orientiert, was Jugendliche bewegt.

Razzz – Das Beatboxmusical (sc)

Am Sonntag, 20. Januar, gastierte das Beatboxmusical RAZZZ aus Berlin auf der Bühne des Stadttheaters in Minden. Und im Forum war ein Gewusel wie auf dem Pausenhof, mit vereinzelten Erwachsenen und vielen Kindern und Jugendlichen, die gern und begeistert den Weg ins Theater gefunden haben.

Die Smartphonegeneration im Stadttheater (sc)

Das Musical selbst beginnt minimalistisch: Bis auf einen weißen größeren Kasten und ein paar Kisten ist die Bühne leer. Die vier Darsteller tragen schwarze Hosen, weiße T-Shirts und Turnschuhe. Lediglich die großen Kopfbedeckungen erinnern an einen Comic: Übergroße Gummikappen, die wahlweise Haare oder Hüte darstellen, aber trotzdem nicht albern wirken, sondern die Funktion der Person erklären sollen. Die Mutter mit einer orangen Riesenfrisur, der Polizist mit Riesenhut, der Rapper mit übergroßer Kette.

Riesige Kopfbedeckungen und schlichte Outfits – das ist Razzz (sc)

Und es wird laut. Beatboxen, darunter versteht man Drumcomputerbeats – zuweilen auch Scratches oder Schlagzeug und auch weitere Instrumente und andere Klänge – die man mit dem Mund, der Nase und dem Rachen imitiert. Anders als beim herkömmlichen Gesang erfüllt Beatboxing in der Regel musikalische Funktionen, die mit denen von Rhythmus- oder Effektinstrumenten vergleichbar sind. Und so werden alle Situationen, Geräte und Bewegungen durch Beatboxlaute ersetzt. Etwas, was den besonderen Reiz dieses Musicals ausmacht. Dazu Dialoge, die den Slang der Jugendlichen wiedergeben und krasse Beats unterstützt durch schnellen Farbwechsel in der Beleuchtung. Der Bass dröhnt, der Boden vibriert, eine völlig andere Art von Theater.

Disconebel und laute Beats – Zwischenapplaus von den jungen Theaterfans (sc)

Wie gut es gefällt, sehe ich an den Plätzen im ausverkauften Stadttheater um mich herum: Gelächter, zustimmendes Nicken und immer wieder begeisterte Bemerkungen, Zwischenrufe und Zwischenapplaus – das Stück kommt an!

Emoji in Lebensgröße (sc)

Kurz zur Handlung: Zak und seine drei Freunde Mac, Greg und Ben Bag erleben einen völlig normalen Tag in ihrer Heimatstadt Berlin. Abends eine Party, morgens übermüdet geweckt von den Eltern, die eigentlich nur eins wollen: Aus dem Jungen soll mal etwas werden. Zak möchte aber nur das: Chillen. Hey, warum sich stressen? Ein Anruf vom Jobcenter holt ihn morgens in die Realität zurück: Nach drei abgebrochenen Ausbildungen muss sich Zak wieder vorstellen. Sein Freund rät ihm, dass auch zu tun, denn dann hätte er zumindest Ruhe vor seinen nervigen Eltern.

Termin beim Berufsberater. Ob Zak dieses Mal etwas findet, was zu ihm passt? (sc)

Auf dem Weg zum Jobcenter treffen sie auf unterschiedliche Typen: Den Oberyuppie, der mal eben ein Appartment am Prenzlauer Berg gekauft hat, den Junkie, den Musiker,… Und der nette Mitarbeiter im Amt hat dann auch gleich ein paar Jobvorschläge: Bäcker, Fleischer oder in den Getränkegroßhandel. Zak entscheidet sich für letzteres.

Aber er kommt gleich in Stress, weil schwer arbeiten, dass ist so gar nicht seins, dass wäre eher etwas für seinen Vater, der hört auch die selbe Musik wie der Chef und überhaupt, wie sind denn die Arbeitsbedingungen? Dass mit dem neuen Job dort wird wohl nichts.

Also schwer heben, dass ist so gar nichts für Zak (li.) (sc)

Dafür wird er auf dem Weg zum nächsten Vorstellungsgespräch gleich in einen Diebstahl verwickelt, fälschlicherweise für den Täter gehalten und mit zur Polizeiwache genommen.

Dank glücklicher Zufälle, eines besonderen Kekses und einem Polizeibeamten mit Vorliebe für Gebäck, kommt Zak doch wieder frei und findet sogar einen neuen Job beim geschädigten Handyladenbesitzer als Handy Customizer. Ende gut – alles gut? Wer weiß das schon, am Ende des Tages zumindest treffen sich alle zum Konzert der Band „Razzzones“ – und das erleben die Zuschauer im Stadttheater dann auch: Mit viel Disconebel und dröhnendem Bass wird die Bühne gerockt und wer dann fragen sollte, ob so eine Art von Theater ankommt, muss nur einen Blick in das jubelnde Publikum werfen, wo eine Atmosphäre wie nach einem Rockkonzert herrscht.

Razzzones – Das Konzert (sc)
Die vier Beatboxer Philippe, Raphael, Johannes und Kays (sc)

Die drei Freunde Matti Johannes Glöckner (13 Jahre), Mio Rafael Glöckner (10 Jahre) und Ratze (10 Jahre, Künstlername) haben ihre Karten vom Anne-Frank-Haus. Sie sind nicht nur begeisterte Theaterfans, sondern selbst Bühnenerfahren durch die Freilichtbühne Porta. Ihnen hat das Stück mehr als gut gefallen, am besten fanden sie das Beatboxen. Zu laut war es nicht und die Handlung absolut angesagt. Auch die mitgebrachte Mama soll vom Stück begeistert sein, so die drei Theaterfans.

Drei junge Theaterfans: Matti (von li.), Ratze und Mio (sc)

Auch nach der Vorstellung, als die vier Darsteller Philippe Zeidler, Raphael Schall, Johannes Welz und Kays Elbeyli im Vorraum für Merchandising, Newsletter und Autogramme zur Verfügung stehen, zeigt die lange Schlange, wie gut das Stück gefallen hat und dass dieses Thema „Was soll mal aus Dir werden?“ in dieser „Verpackung“ verstanden wird.

Nehmen sich gern Zeit für ihre Fans – die Jungs von Beatbox (sc)


Philippe Zeidler, Raphael Schall, Johannes Welz und Kays Elbeyli (von links) – die Darsteller des Razzz Beatboxmusicals (sc)

Razzz – die dürfen gern wiederkommen, war die eindeutige Empfehlung der jungen Zuschauer.

Razzz ist ein Zusammenschluss von vier Stimmkünstlern und einem Regisseur, deren unvergleichliche Shows für höchste Unterhaltungskunst stehen. Beatbox trifft auf Schauspiel, ein Visionär trifft auf vier erfrischend impulsive Musiker und es entsteht eine völlig neue Form des Musiktheaters.
2013 feiert Razzz das Beatboxmusical Premiere und mischt die Showwelt ordentlich auf. Neben einem Beatboxmusical für Kinder entsteht die Beatboxband The Razzzones, die sich um alles in der Welt in keine gewöhnliche Schublade stecken lässt.

Homepage Razzz.de

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