You are currently viewing Ostdeutsche Heimatstube im Museumshof aufgenommen in Förderprojekt

Ostdeutsche Heimatstube im Museumshof aufgenommen in Förderprojekt

Förderprojekt „Virtuelle Heimatsammlungen in NRW“

Ende Mai waren zwei Mitarbeiter der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Bonn, drei Tage lang auf dem Museumshof tätig, um die im Haupthaus befindliche ostdeutsche Heimatstube zu dokumentieren. Der technische Mitarbeiter machte 360°-Panorama-Aufnahmen vom Raum ebenso wie Aufnahmen von einzelnen, besonders schönen Objekten. Elke Wilming, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung, erfasste alle Informationen auf den Objektbeschriftungen. Unterstützt wurden sie dabei vom Hauswart Ulrich Tapper und der Museumsleiterin Dr. Hanna Dose.

Werbung

Wie die Museumsleiterin erklärt, ist die Ostdeutsche Heimatstube 1969 bei Eröffnung des damals noch Heimatmuseum genannten Haupthauses bewusst im Obergeschoss einquartiert worden. Von 1970 bis 2003 wurde die ostdeutsche Heimatstube von Gertrud Lincke betreut, wofür heute Josef Bögner zuständig ist. 

Die Ergebnisse der jetzt erfolgten Dokumentation fließen ein in das vom Land Nordrhein-Westfalen, d.h. vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft über die Bezirksregierung Köln geförderte Programm „Virtuelle Heimatsammlungen in NRW“. Hierbei geht es um die digitale Erfassung und die virtuelle Präsentation der sächlichen Objekte ausgewählter Heimatsammlungen. Die Exponate werden hierzu fotografisch aufgenommen und dann samt einer Beschreibung und weiteren Informationen im Internet in Form einer „virtuellen Heimatsammlung“ verfügbar sein. Es geht darum, diesen Orten des kollektiven und kommunikativen Gedächtnisses eine verbesserte Breitenwirkung zu ermöglichen.

Werbung

Elke Wilming weiß:

„Ostdeutsche Heimatsammlungen und Heimatstuben sind besondere Stätten der Erinnerungskultur der Vertriebenen, die meist in den Nachkriegsjahren eingerichtet und über Jahrzehnte ausgebaut wurden. In ihnen wurde und wird das, was die Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat an materiellen Kulturgütern gerettet und mitgebracht hatten, gesammelt und ausgestellt, immer wieder ergänzt durch weitere Gegenstände, die vererbt, gespendet, geliehen oder manchmal auch angekauft werden. Auf diese Weise wird die Heimat vergegenwärtigt. 

Heimatsammlungen und -stuben sind dabei aber weit mehr als die Summe ihrer einzelnen Exponate und Archivalien: Sie spiegeln mit den gesammelten und ausgestellten Gegenständen – seien sie kulturhistorisch besonders bedeutend oder für den Alltagsgebrauch bestimmt – das Leben, die Geschichte, die Mentalität und Kultur einer Region, Stadt oder Gemeinde wider. Darüber hinaus zeugen sie von dem Prozess der Eingliederung der Flüchtlinge und Vertriebenen in die deutsche Nachkriegsgesellschaft. So sind die Heimatsammlungen oder -stuben seit jeher auch Orte der Begegnung der Heimatvertriebenen mit einander und mit den Menschen der neuen Heimat.“ 

Bis Frühjahr 2021 – werden etwa 12 Heimatstuben bzw. -sammlungen unterschiedlicher Art erfasst und präsentiert werden. Entscheidend für das Zustandekommen des Projektes war, dass der Verein zur Förderung der Ziele des Bundes der Vertriebenen die hierfür erforderliche aufwändige und kostspielige technische Ausrüstung wie Kameras, Drehteller, Lichtanlagen als Sponsor zur Verfügung gestellt hat. Bei entsprechender künftiger Förderung werden auch weitere Heimatsammlungen/ -stuben auf die beschriebene Weise erfasst und präsentiert werden können, auch außerhalb Nordrhein-Westfalens.

Elke Wilming stellt fest: „Professionell und attraktiv gestaltet, haben die „virtuellen Heimatsammlungen“ das Potential, einen wichtigen Beitrag zur Pflege und Weiterentwicklung der Erinnerungskultur der Vertriebenen und Spätaussiedler zu leisten, die traditionsreichen Einrichtungen zudem neuen, nicht zuletzt jüngeren Nutzerkreisen zu erschließen. Vor allem aber gilt es, den für die Wahrung und Vermittlung der Geschichte und Kultur der Deutschen im östlichen Europa unverzichtbaren ostdeutschen Sammlungen eine Zukunftsperspektive zu eröffnen, auch wenn und gerade weil dies auf anderer Ebene als gewohnt und mit zeitgemäßen, Nachhaltigkeit gewährleistenden Mitteln erfolgt.“

*Foto Städtische Museen: Der technische Mitarbeiter der Stiftung, Sascha Gustorf, bei der Digitalisierung einer Trachtenfigur aus der Sammlung der ostdeutschen Heimatstube

*Bad Oeynhausen, Juni 2020

image_print