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Nach dem Freischießen ist vor dem Freischießen – „Wir sehen uns 2021!“
Mindener Freischießen 2019 - Foto: Bernd Horstmann für Scarlett-Magazin

Nach dem Freischießen ist vor dem Freischießen – „Wir sehen uns 2021!“

Vier Tage war der Simeonsplatz in Minden ein Stück lebendige Geschichte: Offiziere, die ihre Kompanien antreten ließen, Wachposten, die Bürger in Gewahrsam nahmen und ein Major, der stolz auf dem Pferd die Parade abnahm. Das Mindener Freischießen 2019 ist weit mehr als nur ein Fest – es ist Tradition, die für diese vier Tage den Mindenern und Gästen präsentiert wird.

Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Donnerstag: Einbringen der Fahnen und Eröffnung durch den Stadtmajor, Freitag: Königsschießen mit anschließender Königsproklamation vor dem Preußenmuseum, Samstag der große Parademarsch mit Antreten auf Kanzlers Weide – ein Highlight folgte dem nächsten. Bleibt als vierter Tag der Freischießen-Sonntag. Wer dachte, dass alle besonderen Momente bereits gezeigt wurden, hat sich allerdings geirrt.

In diesem Jahr hat das Mindener Bürgerbataillon den Sonntagvormittag mit einem großen Freiluftgottesdienst begonnen, gefolgt von einem Platzkonzert der „Lustigen Musikanten Häverstädt“. Wobei Platzkonzert tatsächlich wörtlich zu nehmen war, denn zu den Musikanten gesellte sich ein wolkenreicher Platzregen, der den Musikgenuss etwas minderte. Mit einem Konzert den letzten Tag beginnen, so die gute Idee des Teams rund um Stadtmajor Heinz Joachim Pecher, und gleichzeitig den letzten Tag unter das Motto „Familie“ stellen.

Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Und die Mindener zeigten, dass sie den Ausweichplatz am Preußenmuseum angenommen haben. Besonders gefiel das Parkplatzangebot. Kein lästiges Herumsuchen, sondern entspannt zum Gelände fahren, dass kam gut an. Auch das Kompakte, die Möglichkeit, einmal rundherum alle Kompanien zu besuchen, war etwas, was zum einen den Bataillonsmitgliedern gefiel, die so einen intensiveren Austausch untereinander genossen und von der Möglichkeit, in anderen Zelten mitzufeiern, gern Gebrauch machten. Zum anderen hatten auch die Besucher die Gelegenheit, viel mehr vom Freischießen zu erleben, weil man in den Jahren zuvor, oftmals eher „zufällig“ das Quartier einer Kompanie gefunden hatte, hier war alles so nah beieinander, dass man wirklich immer das Gefühl hatte, mittendrin im Geschehen zu sein.

Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Der Sonntag hatte aber noch mehr im Angebot: Es war Freischießen-für-Kids-Sonntag. Eine große Anzahl vielfältiger Spielaktionen lockten am regenfreien Nachmittag bei einigermaßen angenehmen Temperaturen viele Familien auf den Simeonsplatz. Ob vor dem Eingang ein paar Runden Karussel fahren oder Bungeejumping machen oder sich auf dem Platz einen Luftballon zusammenknoten lassen, mit Seifenblasen experimentieren oder Wurfspiele austesten – das Angebot faszinierte die Freischießen-Minis sehr. Die etwas älteren Kids hatten aber auch Spaß – die Bielefelder Band „Randale“, musikalisch eine Mischung aus den „Toten Hosen“ und den „Ärzten“, die mit ihren Texten den jungen Zuhörern aus der Seele sprachen und sich kindgerechter Sprache bedienten, brachten Stimmung in das immer mehr werdende Publikum. Und dass die Kleinen so richtig Party machen können, bewiesen die Fans der Band, die neben Luftgitarrespielen auch beim Headbanging den Großen in nichts nachstanden. Diese Band zu verpflichten war auf jeden Fall die beste Entscheidung – gerne wieder!

Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Zum Freischießen gehört natürlich auch ein Kinder-Königsschießen – in diesem Fall durften die Kids bis 16 Jahre teilnehmen – Mädchen wie Jungen. Geschossen wurde an zwei Stationen in und vor dem Preußenmuseum mit Laser auf Scheiben, die sofort per PC ausgewertet wurden. Fünf Schüsse waren vorgegeben – zwei Probeschüsse und drei, die dann zählten. Die meisten Kids machten von den Probeschüssen Gebrauch und mit insgesamt 20 Punkten erreichte man zumindest schon mal das Finale.

Der SV Barkhausen zeichnet sich seit Jahren verantwortlich für die korrekte und kindgerechte Durchführung des Kinderschießens. So war es dann auch nicht ganz so verwunderlich, dass der junge König Marco Backhausen (9 Jahre) den ersten Platz belegte, ist er doch Mitglied im Verein.

Die Teilnahme war sehr groß und wer weiß, vielleicht finden sich einige – zumindest unter den männlichen – Schützen eines Tages in einer Kompanie des Mindener Bürgerbataillons wieder.

Feuchtfröhlich feiern – das erlebte man in den unterschiedlichen Quartieren – sei es, weil kühler Gerstensaft durch die Kehle floss oder weil der Regen zumindest am Samstag und Sonntagvormittag für Abkühlung von oben sorgte. Feuchtfröhlich kann aber auch eine Taufe sein – zumindest wenn der Stadtmajor Hand anlegt und die neuen Tamboure feierlich aufgenommen werden.

Mindener Freischießen 2019 – Taufe der Tamboure – Video: Scarlett-Magazin.de
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Ein Autoanhänger mit einer sich darauf befindlichen Wanne – gefüllt bis an den Rand. Und dann kamen sie anmarschiert und nahmen Haltung an: die neuen Tamboure, die hier vor einem interessierten Publikum getauft wurden. Eine sehr alte Tradition, die sonst – so erzählte ein Täufling – auf dem Domhof im Brunnen stattfindet und es soll auch vorgekommen sein, dass ein Täufling „versehentlich“ den Händen der Übrigen entglitten und im Wasser gelandet ist. Dann ist man zwar richtig nass, aber – so erzählte man weiter – mit einem Bier in der Hand trocknet es sich schneller…

Dieses Mal jedoch wurde in der Wanne getauft. Die beiden Aspiranten wurden von ihren Kameraden hochgehoben und mit dem Kopf nach unten über die Wanne gehalten. Bereits 2017 hatte der Stadtmajor ein silbernes Taufbecherchen gespendet, mit dem die Taufe vorgenommen werden konnte. Welch schönes Gefühl, wenn die kühlen Tropfen den Nacken hinunter in die Uniform laufen. Auch das ist ein einmaliges Erlebnis, dass jedem Zuteil wird, der bei den Tambouren dabeisein möchte.

Sie sehen, der Freischießen-Sonntag zeigte keine Müdigkeit.

Verleihung des Grimpenordens – – Mindener Freischießen 2019 – Video: Scarlett-Magazin
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Der, mit der blauen Schleife, ist der Grimpen-Orden – wohl dem, der ihn verliehen bekommt – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Ein weiteres Highlight war dann die Verleihung des Grimpen-Ordens der sechsten Kompanie. Grimpen – das sind Fische, die früher in der Weser zu finden waren. Der Orden ähnelt von der Form dem „eisernen Kreuz“ und wird von einer blauen Schleife geziert. Auf dem Orden befindet sich ein kleiner Fisch, eben der Grimpen. Dieser besondere Orden ist eine hohe Auszeichnung, die selten und nur für besondere Verdienste verliehen wird. Er ist Kompanieübergreifend und sorgte bei der Verleihung für vollbesetzte Reihen im Quartier der Sechsten. Niemand unter den Gästen oder Kompaniemitgliedern ahnte vorab, wer den Orden erhalten würde. Man munkelt, deshalb seien die Ränge auch dicht besetzt, weil sich doch einige Hoffnung auf diesen ehrenvollen Orden machen. Drei Träger hat diese Verleihung hervorgebracht und alle zeigten sich stolz und gerührt und nahmen die Glückwünsche des Stadtmajors und des ebenfalls anwesenden Bürgermeisters Michael Jäcke entgegen.

Beim anschließenden Sektempfang kam es zudem zu einem ganz besonderen Foto: Vier, nacheinander für das Mindener Bürgerbataillon tätige, Zahlmeister auf einem Bild – ein weiteres Highlight an diesem Tag.

Vier Generationen Zahlmeister – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Aber auch in Minden ist irgendwann Schluss mit dem Freischießen. In diesem Jahr sogar etwas früher, denn der abschließende Zapfenstreich begann bereits um 21 Uhr. Dies war dem schnellen Umbau zur bereits am kommenden Wochenende startenden Gourmetmeile (alle Infos dazu HIER und natürlich auch die Highlights HIER) geschuldet. Und Stadtmajor Heinz Joachim Pecher verabschiedete sich mit den Worten:

„Hiermit ist das Freischießen 2019 beendet. Es lebe das Freischießen 2021.“

Letzte Worte des Stadtmajors zum Zapfenstreich 2019

Vorher begann in den Kompaniequartieren jedoch der Abschied mit Dankesworten der Kompaniechefs an alle, die sich für diese Veranstaltung ausgezeichnet hatten; die Familien, die ihre Ehepartner und Väter in den vergangenen Wochen nur noch sporadisch gesehen haben, die Mitglieder, die sich mit Ideen und Hilfen eingebracht haben, Sponsoren und Unternehmen, ohne die es keine Grillwurst und keinen Cocktail geben würde. Vieles wurde selbstgemacht, anderes jedoch in Auftrag gegeben. Zum Gelingen des Freischießens wurde Hand in Hand zusammengearbeitet. Und so wurde beispielsweise im Zelt der Twooten ausführlichst an möglichst viele ein persönlicher Dank gerichtet. Daran war aber auch zu sehen, wie schwer es nach der langen Vorbereitungszeit fällt, jetzt erstmal die Uniform wieder in den Schrank zu hängen und sich anderen Dingen zu widmen. Wobei – nach dem Freischießen ist vor dem Freischießen. Und auch zwischen den Großveranstaltungen bleibt genügend zu tun – das soziale Engagement wird gepflegt, man trifft sich zum Austausch und zur Pflege der Gemeinschaft und letztendlich wirft man natürlich jetzt schon einen Blick in Richtung 2021. Außerdem lockt der nächste Herrenabend, der auch vorbereitet werden will.

Bleibt zum Ende noch die Frage: Haben sich die Änderungen als Erfolg herausgestellt und wie sind die Besucher mit dem neuen Platz umgegangen?

Die Junggsellen-Kompanie zusammen mit „Spieß“ Uli Wesemann – gute Nachwuchsarbeit des MBB – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Die langen Kerls aus Potsdam – wahrlich ein Hingucker – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
So freuen sich die Kompaniemitglieder, wenn sie den König stellen dürfen – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Königskompanie – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Die Paradeaufstellung, seit 1982 erstmalig wieder auf Kanzlers Weide, zählt sicherlich zu den Gänsehautmomenten. Fast 1.500 Mitmarschierer im Karree, ein beeindruckendes Bild.

Parademarsch – hier Eskadron – auf Kanzlers Weide – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Abnahme der Paradeaufstellung auf Kanzlers Weide – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Oder die Band „Randale“, die den Kids einen rockigen Sonntagnachmittag geboten hat. Diese Änderung bei der Planung des Kinderprogramms hat sich auf jeden Fall gelohnt – dieser Meinung waren alle, die vor der Bühne begeistert mithopsten.

Yeah – Headbanging!! – „Randale“ rockt die Kids – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Die Eltern müssen sich auf der Bühne nützlich machen – zur Freude der Kids – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Oder auch die Proklamation der Könige im Eingangsbereich des Preußenmuseums, erstmalig moderiert von Carsten Dehne, vielen noch bekannt als Moderator von Radio Westfalica.

Könige und Stadtmajor – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Von jedem Quartier aus beste Sicht auf die runde Bühne – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Ganz gespannt war man natürlich, wie die Besucher die Standortänderung aufnehmen würden. Machen sich die Mindener auf den Weg Richtung Simeonsplatz, um gezielt zum Freischießen zu gehen? Hat diese Veranstaltung eine ähnliche Anziehungskraft, wie beispielsweise die Gourmetmeile?

Und da können die Bataillonsmitglieder sich entspannt zurücklehnen, sicherlich mit ein Grund auch die vielen interessanten Ankündigungen, die vom MBB wöchentlich über die sozialen Netzwerke sowie Print- und Onlinemedien geteilt wurden, das Einbeziehen der Bevölkerung in die Vorbereitungsphase, viele neue Ideen, die gut angenommen wurden und letztendlich genügend Platz und keine Parkplatzprobleme – alles das sorgte für durchweg gut besuchte Freischießen-Tage.

Jetzt ist für die meisten Bataillonsmitglieder erstmal der wohlverdiente Urlaub angesagt, bevor man doch schon einen Blick in Richtung 2021 wirft.

Laut Stadtmajor Heinz Joachim Pecher ist man schon darauf bedacht, die nächste Veranstaltung wieder in der Mindener Innenstadt wahrnehmen zu können. „So eine Veranstaltung gehört natürlich in die Stadt“, so der Stadtmajor ganz klar gegenüber den Medien. Und wenn man die Stimmen zur Standortfrage auswerten sollte, dann käme man sicherlich auf eine „Patt-Situation“, denn die Meinungen waren ziemlich gleichmäßig verteilt. Sagen können wir auf jeden Fall, dass die Veranstaltung im Ganzen sehr gut besucht war. Die einzelnen Programmpunkte allesamt gut ausgesucht und zeitlich aufeinander abgestimmt, es war ein Fest für die ganze Familie, bei der als roter Faden die preußische Vergangenheit Mindens die Verbindung war. Unser Highlight war sicherlich der Parademarsch und der darauffolgende Umzug durch die Stadt bis hin zum Vorbeimarsch am Preußenmuseum.

Die langen Kerls aus Potsdam und der Salutschuss der Ballermänner – sehens- und hörenswert – machen das Freischießen einzigartig in der Region.

Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Carsten Dehne kommentiert charmant und schlagfertig das Geschehen – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Freundlichkeit, immer ein offenes Ohr für die Fragen der Besucher und den Spaß, den die Mitglieder des Mindener Bürgerbataillons ausstrahlen, zeigt, warum die Gäste auch zum Freischießen gehen, wenn die Veranstaltung an der Peripherie Mindens stattfinden würde.

Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Und dann die vielen kleinen Geschichten, die sich um so ein Freischießen ranken und bei dem jedes Mal ein paar neue geschrieben werden…

Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

… lesen Sie dazu hier unsere Trilogie Teil I und Teil II zum Mindener Freischießen 2019!

Mindener Bürgerbataillon – ihr seid gelebte Tradition!

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