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Minden – lebt! – Freischießen 2019

Minden – lebt! – Freischießen 2019

1.427. So viele Herren (und vereinzelt Damen) sind am Samstag, beim Parademarsch von Kanzlers Weide zum Quartier auf dem Simeonsplatz, mitmarschiert.

Sicherlich einer der Höhepunkte, des diesjährigen Freischießens.

Seit Mittwoch, 03. Juli, hat mit dem traditionellen Grünholen die zweijährige Wartezeit ein Ende. Und am Donnerstag wurde mit dem Einbringen der Fahnen in das Preußenmuseum das Mindener Freischießen durch Stadtmajor Heinz Joachim Pecher feierlich eröffnet.

Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Vier Tage lang wird am neuen Veranstaltungsort, dem Simeonsplatz vor dem Preußenmuseum in Minden, das Fest gefeiert. Eine Tradition, die ihren Ursprung in der Zeit der Bürgerwehr hat (lesen Sie dazu auch HIER).

Vier Tage feiert Minden sein großes Fest. Wir waren für Sie vor Ort und berichten in Wort und vielen Bildern, was diese Veranstaltung so besonders macht. Aufgrund der Länge allerdings in zwei Teilen – hier also Teil I des Freischießens:

Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Das Mindener Bürgerbataillon erinnert alle zwei Jahre an die Zeit, in der die Bürgerwehr zur Verteidigung der Stadt herangezogen wurde. Mit dem später daraus entstandenen Freischießen konnten die stolzen Männer sich ein Jahr lang von den Abgaben an die Stadt befreien. Der große Kurfürst wandelte die Abgabenbefreiung in eine Prämie von 50 Talern für den besten Schützen um.

Der Freischießen-Freitag

Heute erhalten die Könige mit dem besten Schuss immer noch eine Prämie. Als am Freitag Nachmittag das Königsschießen in der Tiefgarage des Kreishauses endete, warte ich mit den ehemaligen Königen vor dem Preußenmuseum. Eine fühlbare Spannung liegt in der Luft – welche Kompanie wird den König stellen, wer hat den besten Schuss abgegeben?

Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Königstreffen – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Wenn der Bürgermeister telefoniert, kann es nur heißen, der König steht fest – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Ordentlich – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Durch die Umbauarbeiten in der Innenstadt war man ausgewichen auf den Simeonsplatz und auch das Schießen fand anstelle der Rathaus- nun in der Kreishaustiefgarage statt. Die Meinung über den neuen Standort zwar zweiteilig. Die einen zeigten sich begeistert – endlich sind alle Quartiere näher zusammen, sowohl für die Gäste, als auch für die Herren des Bataillons die Möglichkeit, näher in Kontakt zu kommen, bei einem Rundgang die unterschiedlichen Quartiere zu besuchen, alles etwas kompakter zusammenliegend. Die runde Bühne in der Mitte verstärkt das Gefühl: „Mittendrin, statt nur dabei“. Und von allen Seiten der direkte Blick auf das Preußenmuseum. Dort sind die Fahnen und von dort aus werden die neuen Könige proklamiert, alle wichtigen Ereignisse mitgeteilt.

Doch es gibt auch kritische Stimmen: In den 80er Jahren sei man bewusst von Kanzlers Weide in die Innenstadt gezogen, um die Bevölkerung mehr einzubeziehen. Die Besucher, die eher zufällig bei einem Bummel durch die Stadt zum Freischießen gekommen sind, die Möglichkeit, die Gastronomie und die Geschäfte einzubeziehen – das fehlt jetzt wieder. Wer zum Freischießen möchte, muss gezielt zum Simeonsplatz hin. Werden genügend Gäste der Einladung folgen?

Die Größe des Geländes lässt nur schwer einen ersten Eindruck zu: Vieles verläuft sich, man wird die Tage abwarten müssen, um genauere Ergebnisse sagen zu können. Trotzdem scheint es durchaus, als seien viele Gäste vor Ort – es verteilt sich nur anders.

Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Die ehemaligen Könige bilden neben den Ehrengästen vor dem Eingang des Preußenmuseums das Spalier, welches die neuen Könige begrüßen wird. Doch noch ist es nicht soweit. Moderator Carsten Dehne kommentiert humorvoll das Geschehen und hält den Spannungsbogen. Unterdessen erfahre ich interessante Geschichten aus der Zeit des Schießens.

Carsten Dehne moderiert – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Zwei Könige in Minden

In Minden gibt es immer zwei Könige, warum eigentlich? Die Antwort hat gar keinen historischen Aspekt, eher einen praktischen: Da das Freischießen nur alle zwei Jahre stattfindet, hat man sich für zwei Könige entschieden.

Auch die Kosten, die ein König aufbringen sollte für die vielen Termine, halten sich durchaus im Rahmen. Jede Kompanie, die einen König stellt, ist darüber so erfreut, dass die Mitglieder gern Beiträge zur Verfügung stellen. Und ob und wie viel ein König spendiert, bleibt ihm letztendlich selbst überlassen.

„Das teuerste am Königsein sind die vielen Kleider, die man der Frau kaufen muss, wenn sie einen auf die Veranstaltungen begleitet.“

Ehemaliger König, der lieber anonym bleiben möchte, falls seine Frau das liest

„Zu den meisten Veranstaltungen hat mich mein Mann gar nicht mitgenommen.“

Verständnisvolle Ehefrau eines ehemaligen Königs, die auch lieber anonym bleiben möchte

Die damals ausgesetzte Prämie von 50 Talern, die das Jahr Abgabenbefreiung ersetzen sollte, klingt auf den ersten Blick als schlechtere Alternative. Wenn man sich jedoch näher damit befasst, wird schnell klar, dass die Talerprämie um einiges höher war, als die Steuern. Die lagen bei 6 Talern pro Jahr. Also waren 50 Taler ein immenser Anreiz, sich beim Schießen hervorzutun.

Und hört man den ehemaligen Königen zu, dann würde man es durchaus schätzen, wenn man entweder die Steuerbefreiung für den besten Schützen wieder aufleben lässt oder alternativ die Talerprämie der heutigen Zeit anpasst.

„Das beste am Königsein sind die neidischen Blicke der anderen Männer aus den Kompanien, wenn man beim Parademarsch in der Kutsche vorbeifährt.“

Warum es sich lohnt, den besten Schuss abzugeben. Quelle: Anonym 😉

Auch gibt es immer wieder lustige Anekdoten über die bisherigen Könige. So hat man einige direkt aus der Pizzeria oder von zu Hause abholen müssen, weil sie mit dem besten Schuss gar nicht gerechnet haben. Auch sehr Trinkfreudige waren dabei, denen man dann in die Kleidung helfen musste, weil es allein nicht mehr zu schaffen war.

Dass beim Parademarsch durchaus ein Reiter vom Pferd gefallen oder ein Trommler über seine Trommel gestolpert ist, sind Geschichten, die immer wieder gern erzählt werden.

Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Endlich öffnen sich jedoch die Türen und der Stadtmajor erscheint. Die diesjährigen Könige sind 1. Majestät Dietrich Ante (1. Kompanie) und 2. Majestät Marco Bischoff-Griffiths (4. Kompanie).

Beide werden von ihren Kompanien begeistert bejubelt und zeigen sich sichtlich erfreut. Während Dietrich Ante durch regelmäßiges Schießen ganz entspannt in der Tiefgarage seine „10“ geschafft hat, berichtet Bischoff, dass es ihm eher um eine gute „8“ oder „9“ gegangen sei, das Ziel König zu werden, sei gar nicht der Plan gewesen, schließlich sei er erst seit zwei Jahren dabei und „damit noch gar nicht dran“. Trotzdem freue er sich natürlich, dass es geklappt hat.

Bürgermeister Michael Jäcke hat übrigens als einziger Schütze zwei Schüsse zur Verfügung, der erste Schuss gilt immer dem Bundespräsidenten und den zweiten Schuss gibt er für sich selbst ab. Mit einer „9“ für Frank-Walter Steinmeier, konnte dieser jedoch ganz entspannt bleiben und auch seine eigene „8“ verfehlte leider die Königswürde.

Krönung und Entkrönung

Nach der Krönung und den Grußworten vom Bürgermeister und den Ehrengästen geht es jedoch wieder ins Preußenmuseum zur „Entkrönung“. Klingt allerdings schlimmer, als es ist. Lediglich die Kronen werden den Majestäten wieder abgenommen, damit sie sich freier bewegen können. Stattdessen erhalten sie den Lorbeerkranz und eine Anstecknadel, die sie als König auszeichnet. Vom Juwelier Laufer werden zudem die Becher gefertigt, die den Königen ebenfalls feierlich überreicht werden.

Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Dietrich Ante, Marco Bischoff-Griffiths, Stadtmajor Heinz Joachim Pecher und Ihre Reporterin vor Ort Sabine Christel im Preußenmuseum – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Susanne Kußmann für Scarlett-Magazin
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Dann dürfen und sollen auch sie sich unter das Volk mischen und sich in ihren Kompanien feiern lassen.

Die zweite Kompanie „die Twoote“

Und gefeiert wird dann auch zünftig. Jede Kompanie hat ihr Quartier entsprechend gestaltet. Die zweite Kompanie hat gleich am Eingang ihren Standort und sie haben so richtig was „auffahren lassen“: Nicht nur, dass sie abends mit der Band „Brisant“ für ein volles Zelt sorgen und die Tanzfläche so voll ist, dass man kaum zur Theke gelangt. Es gibt noch einen roten Doppeldecker Bus, der die beste Aussicht über das Gelände ermöglicht. Und der Bäcker Bertermann bietet mit Kuchen und Brezeln die perfekte Grundlage für die Hopfenkaltschale.

Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Gesehen hat man den Bus auf einer anderen Veranstaltung und sich gedacht: „Das wäre doch auch war für uns.“

Stammplatz der Zweiten – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Feiern können sie, ohne Frage. Aber das der soziale Aspekt für die Kompanien wichtig ist, erfahre ich in der zweiten Kompanie. In diesem Jahr wurde das gesammelte Geld vom Herrenabend einer Altenwohneinrichtung gespendet. Weil man anstelle eines Schecks lieber Sachspenden überreichen wollte (lesen Sie dazu auch HIER), hat man mit Hilfe von einigen Geschäftsleuten nicht nur den Betrag aufgestockt, sondern die Wünsche alle erfüllen können. Und die Dankbarkeit der Beschenkten ist etwas, was die Herren sehr berührt hat und verstärkt dafür sorgt, dass auch weiterhin Spenden gesammelt werden, um dort helfen zu können, wo Hilfe nötig ist.

Die Wache macht sich auf den Weg…. – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Tja, eben noch harmloser Gast, jetzt schon in Gewahrsam genommen – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Junggesellen-Kompanie

Die Junggesellen-Kompanie ist aus unserer Sicht mit die beste Werbung für das Mindener Bürgerbataillon. Warum? Eine stattliche Anzahl ausgesucht höflicher und zuvorkommender junger Herren, die sich der Tradition bewusst sind und das Brauchtum pflegen. Klar, können sie Party machen, aber bei allem steht im Vordergrund, sich dem Anlass entsprechend positiv zu präsentieren. Natürlich haben Dirk Henneking als Oberleutnant und Einheitsführer und Uli Wesemann als „Spieß“ ihren Teil dazu beigetragen.

Die Junggesellen marschieren ein – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Zur Info: Die Junggesellenkompanie ist eine eigene Einheit des Mindener Bürgerbataillons, gehört also dazu, untersteht allerdings direkt dem Stadtmajor. Darum heißt der Einheitschef auch nicht Kompaniechef, sondern Einheitsführer und der Kompaniefeldwebel heißt Einheitsfeldwebel oder halt üblicherweise schlicht „Spieß“.

Junggesellen vs. „Lange Kerls“ – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel

Eine mehr als harmonische Gruppe, die äußerlich an ihren weißen Hemden erkennbar ist. Sollten Sie Mindener (und Junggeselle!) sein und sich im Alter von 16-30 Jahren befinden, dann legen wir Ihnen die Junggesellen-Kompanie ans Herz. Eine Gemeinschaft, die zeigt, wie Nachwuchsförderung beim Bürgerbataillon funktioniert.

Auch bei der Junggesellen-Kompanie gibt es ein Ritual zum Freischießen: So wird alle zwei Jahre um das Zepter der Kompanie am Schießstand geschossen. Auf eine verdeckte Scheibe wird jeweils ein Schuss abgegeben, der beste Schütze erhält für zwei Jahre das Zepter.

Der Freitag endete mit einem langen Discoabend und man hört, dass auch befreundete Nachbarkompanien erst in den frühen Morgenstunden den Weg nach Hause gefunden haben…

… natürlich waren die Obernkirchener und die Bückeburger auch dabei – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Die 1. Kompanie hat richtig Grund zu Feiern – sie stellen einen der beiden Majestäten – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Damit Sie mal sehen, warum sie lange Kerls heißen – Mindestmaß 1,88! Und der nette Herr neben mir misst stolze 2,10 m – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Privat
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Die Feierbeaster aus Obernkirchen und Bückeburg – Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
Mindener Freischießen 2019 – Foto: Sabine Christel
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