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Mindener Innenstadt - Foto: Sabine Christel

Minden hat geöffnet – Shopping in Zeiten des Coranavirus

In Minden darf wieder in mehr Geschäften gekauft werden. Wobei, es geht eher darum, die notwendigen Einkäufe jetzt auch außerhalb von Supermärkten, Drogerien und besonders natürlich Online Versandhäusern zu tätigen.

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#kauflokal #buylocal heißen die Zauberworte, um nicht nur heimische Geschäfte zu unterstützen, sondern auch den Mitarbeitern ihren Arbeitsplatz zu sichern. Und so nett online Shopping als Alternative auch sein mag, die Zustellungen lassen auf sich warten, die Pakete landen irgendwo und das Umtauschen ist umständlich. Und klar ist auch, je größer der Onlinehandel wird, desto kleiner werden unsere Innenstädte. Kleine Betriebe werden nach und nach durch Filialisten ersetzt. Und selbst dort setzt man immer mehr auf den „Kauf per Klick“. Überall versucht man deshalb jetzt mit einer Balance aus wichtigen Hygienemaßnahmen und dem langsamen Öffnen der Geschäfte dem entgegenzuwirken.

Allerdings bedeutet das erweiterte Angebot, ab dem 27. April 2020, dass zwar mehr Geschäfte öffnen dürfen, Sie, als Kunde müssen dazu allerdings in den Läden eine Maske tragen. Es geht auch ein Tuch oder Schal (trägt man ja gern bei den sommerlichen Temperaturen), natürlich eine Einheitseinmalmaske oder eine der selbstgenähten Communitymasken (und was haben wir schon für tolle Begriffe gefunden: Nasenmützchen, Schnäuzchenschutz, Facies, Alltagsmaske, Mundschutz, Mund-Nasen-Schutz, Rüsselschutz, Gesichtsschürze, etc)

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Wir waren damit schon im Werre-Park unterwegs (nachzulesen HIER) und haben uns nun in Minden einmal umgeschaut.

Geschäfte bis 800 qm…

…damit dürfen auch die großen Filialen wie C & A und H & M ihre Türen (evtl mit Absperrungen der zu großen Fläche) wieder öffnen. Geplant ist von uns daher, durch die Bäckerstraße und am Scharn entlangzuschlendern und uns umzuschauen….

Parken in Minden ist nicht so einfach, die Dauerbaustelle hat sowohl die Rathaustiefgarage als auch den Parkplatz am Domhof „geschluckt“. Trotzdem finden wir noch einige freie Parkplätze. Hm, die Geschäfte haben auf und kein Run auf die Klamotte? Dabei war vorab das Interesse in den sozialen Medien durchaus vorhanden.

In der Innenstadt müssen wir zwar (noch?) nicht mit Maske laufen, wohl aber in den Geschäften. Doch das Vergnügen währt nur kurz – im C & A sehen wir zwar einige Verkäufer, aber der Laden ist zu. Wie jetzt – nur online Shop? Oder haben sie noch eine kreative Pause? Für manche Filialen, die auch online ihre Ware anbieten, ist das Öffnen vor Ort scheinbar nicht so notwendig. Kein Hinweis an der Tür, ob zumindest morgen geöffnet wird. Egal, gehen wir halt zwei Läden weiter zum H & M. Doch auch dort sind die Türen fest verschlossen. Aber – zumindest der Hinweis, ab dem 28.04. kann man maskiert hier shoppen. Nun ja, wir wären JETZT da gewesen.

 

Immerhin der dazwischenliegende Tedi hat durch ein großes Plakat entsprechend kundgetan, dass zumindest hier geshoppt werden darf.

So geht es jedem, der momentan unterwegs ist, es ist eher das große Suchen, denn einige Läden sind zu oder öffnen erst irgendwann später. Und ein Zettel an der Tür kann dann sowohl ein „Beachten Sie bitte die Hygienevorschriften“ wie auch ein „Pech, wir haben zum Schutz vor dem Virus zu“ bedeuten.

Hier können Sie zum Beispiel auch kaufen…

Vor Nanu-Nana, dem Deko- und Geschenkartikelladen fällt auf, dass die Ständer mit allerlei Sachen weniger sind und vorwiegend ordentlich im Laden stehen, überhaupt hat man allein vom Eingang her schon einen guten Überblick. Wir den auf die Ware, die Verkäufer auf die Kunden. Aufgeräumt und ein reduziertes Angebot kann man durchaus beibehalten, man findet schneller das, was man sucht und bleibt nicht in den vielen Aufstellern hängen.

Nanu, freier Blick durch den Laden? – Foto Scarlett Magazin

Am New Yorker bildet sich allerdings eine Warteschlange. Klar, die haben keinen Online Shop, man kann online lediglich einen Blick auf die Ware werfen, shoppen geht nur live und in Farbe vor Ort. Würden wir gern, aber – die freundliche behandschuhte Hand des Mitarbeiters besagt: STOP! Die Höchstzahl der Kunden ist erreicht, erst müssen einige davon wieder ihr Körbchen abgegeben haben, dann darf jemand Neues hinein.

Bei Ernstings Family tritt das ein, was kleine Läden derzeit oft als Problem melden: Fünf Kunden dürfen rein, vier sind drin, also warte ich vor der Tür auf meine Shoppingbegleitung. Doch nicht jeder handelt so. Nicht ohne Grund gibt es Einlasskontrollen an den Geschäften, denn immer wieder versuchen einige, gerade auch mit mehreren Leuten, in den Laden zu gehen, obwohl die Höchstzahl der Kunden bereits erreicht ist. Wenn die (einzige) Verkäuferin in der Zeit jedoch an der Kasse beschäftigt ist und die Tür nicht im Auge behält kann es durchaus passieren, dass mehr Kunden im Laden sind, als erlaubt.

Ein wenig mag das auch an der Maske liegen, sie dient eigentlich als Schutz für die anderen. Gleichzeitig scheint sie für viele jedoch das „Abstand halten“ zu ersetzen, nur so lässt sich erklären, dass immer wieder die Bitte um Abstand ignoriert wird.

Vor Bijou Brigitte steht die nette Verkäuferin und beantwortet schon mal Fragen an der Tür. Das Geschäft ist noch kleiner. Sie sagt es nicht, aber man kann sich vorstellen, dass Gucker nicht so begehrt sind wie Käufer. Zumindest nicht, wenn bei zwei Kunden die Schallmauer des Erlaubten erreicht ist.

Am Scharn fehlen die Stühle vorm Eiscafé und die Musiker, die sonst ihre Freiluftkonzerte mit Rekorder, Gitarre oder Geige geben. Es sind auch sehr wenige Hundehaufen unterwegs. Die Stadt wirkt sehr sauber. Es fehlen nicht nur Kondenzstreifen am Himmel, Abgase in der Luft, sondern auch Müll auf den Wegen. Aluhüte könnten vermuten, da war Klima-Greta am Werk. Es ist aber doch die Sorge vor dem Coronavirus.

Meine Wartezeit vor den Läden, verbringe ich auf einer der Stufen am Scharn, Sitzgelegenheiten sind ja Fehlanzeige, der Kunde soll nur schnell kaufen und sich nicht wohlfühlen – so war das von der Regierung mit der teilweisen Öffnung gedacht. In Minden hat man am Scharn aber die Stufen nicht abgebaut und so sitze ich da mit Abstand bequem und ohne Maske in der Sonne.

Foto: Scarlett Magazin

Abgesehen davon, dass die Innenstadt nahezu leer ist und man sich wirklich wie in einem Quarantäne Gebiet vorkommt, mit all den Mundschutz- und Gesichtsmaskentragenden Leuten, ist es ein trügerisch normaler Frühlingstag in Minden. Bislang kein Polizeiauto unterwegs, nur am kleinen Domhof haben wir zwar Herren in Uniform entlangpatroullieren sehen, die Bäcker bieten leckere Ware an und viele Läden haben geöffnet. Lange Schlangen gibt es tatsächlich nicht.

Nur der Einlass ist überall besetzt – wobei die Geschäfte das unterschiedlich handhaben:

Das Kaufhaus Hagemeyer hat auch wieder geöffnet. Ein Eingang ist offen, davon eine Tür für Hinein und eine Tür für Hinaus. Ein bisschen mehr Beschreibung, WELCHE genau wäre nett, aber nun gut. Auch Kunden, die zum Depot möchten, müssen den Hagemeyer Eingang wählen.

Drinnen muss ich hier beispielsweise eine Karte ziehen, die dient dazu, die Anzahl der Kunden im Auge zu behalten. Ich kann auch eine Maske kaufen und schon mal meine Hände desinfizieren.

In der Parfümerie Pieper werde ich freundlich bedient. Parfum aufsprühen ist aber untersagt. Wie auch das selbständige Nehmen der Produkte. Auch ein wichtiger Teil der Hygiene, möglichst wenig zu Berühren.

Im Supermarkt wäre es durchaus angebracht, dass auch dort umzusetzen, nur anfassen, was man auch kaufen möchte.

Aber hey, so neu ist der Gedanke gar nicht. Ich kenne das System tatsächlich noch aus den EDEKA Märkten meiner Kindheit – da wurde im Laden das Obst und Gemüse noch direkt von den Verkäuferinnen eingepackt, Eier und Brot bekam man an der Kuchentheke und SB Ware, wie abgepackte Wurst oder das selbständige Abwiegen von Obst und Gemüse, gab es noch nicht. Und wir sprechen keinesfalls von einem „Tante Emma Laden“. Alternativ gab es den billigen SB Markt, wie Aldi, wo man sein Mehl oder die Milchpackung aus den Kartons rausholen musste, dafür war es deutlich billiger – Service vs Preis. Erst mit der Einführung von immer größeren Supermärkten, die voraussetzten, dass der Kunde sich seine Sachen selbst raussuchte, änderte sich das – es galt das SB Prinzip.

Das Herausnehmen aus den Regalen macht jetzt in Zeiten des Virus alles das freundliche Verkaufspersonal. Beim Schnuppern eines Dufts ist die Maske zugegeben etwas hinderlich, aber es geht. Nach dem Bezahlen desinfiziere ich meine Hände und schaue weiter.

Im Depot soll jeder Kunde einen Korb nehmen. Manche Kunden haben den Sinn nicht verstanden und stellen den benutzten Korb wieder zu den Desinfizierten.

Leute, denkt doch mal mit, wenn ihr schon nicht lesen könnt. Die Regeln sind nun mal so, also bitte auch dran halten.

Die Treppe ist intern eine „Einbahntreppe“, rauf gehts nur per Rolltreppe oder Fahrstuhl. Oben werden schöne Dekosachen eingeräumt, ich kann in Ruhe stöbern und werde mit einem „Welcome Back Rabatt“ zum Kaufen verführt. Unten – wie fast überall – die Plexiglasscheibe an der Kasse.

Im Hagemeyer – Foto: Scarlett Magazin

Ansonsten wirkt es im Hagemeyer ein wenig wie in einem offenen Schaufenster – um den Bereich zu verkleinern, hat man das „zu viel“ mit Band abgesperrt. So kann ich zumindest schauen, was es so gibt. Es ist also alles mit ein bisschen suchen, gucken, sich orientieren verbunden.

Beim Rausgehen werfe ich die Karte ein und das wars.

Im Drogeriemarkt „Müller“ bekomme ich dagegen von einem humorvollen Mitarbeiter statt eines Korbes eine Nummer, den Korb muss ich aber doch nehmen, denn Homeschooling sei Dank bin ich auf der Suche nach allerlei Schulgedöns, fast erschlagen vom reichhaltigen Angebot (Konsumschock womöglich), werde ich via Smartphone vom Homeschooler durch die Regale gelotst und pirsche mich dann an der Kasse an. Eine kleine Schlängelung, bis ich durch die gut mit Schokolade gefüllten Regale dort anlange und bezahlen darf. Für die Rückgabe der Karte bekomme ich immerhin ein paar Parfümproben. Der Tag hat sich gelohnt.

Foto: Scarlett Magazin

Kleines Fazit gefällig?

Es bleibt festzustellen, dass man auf jeden Fall wirklich seinen Bedarf decken kann, der über Toilettenpapier, Lebensmittel und dergleichen geht. Oftmals sind es die kleinen Dinge, die man online nicht erhält, die aber sonst nicht zu bekommen sind. Der Verzicht funktioniert nur bedingt, es ist schon wichtig, nach einer Zeit doch mehr Auswahl vor Ort zu haben.

Mal nach neuen Schuhen gucken (die Kinderfüße wachsen) oder eine neue Jogginghose anprobieren (Coronaspeck lässt grüßen) ist angenehm. Man muss nicht wirklich etwas kaufen, aber man möchte zumindest die Gelegenheit dazu haben. Das hören wir überall in den Geschäften und auch zu Hause in der Nachbarschaft. Wir reden gar nicht von Hardcoreshopping im Outletstore oder dem Run auf die Läden, wenn Sales ist. Aber das Leben muss trotz und mit dem Virus weitergehen, wir müssen herausfinden, wie wir uns schützen können und gleichzeitig ein Stück unseren Alltag zurückbekommen. Das Virus wird uns begleiten, aber es darf nicht unsere berufliche Existenzen vernichten, uns die Wahl nehmen oder uns so einschränken, dass wir nur noch offline leben.

Seit Wochen fehlte mir zum Beispiel eine Batterie für meine Uhr, die kann man online nicht austauschen. Diese Kleinigkeiten beispielsweise, das hat gefehlt.

Was die Geschäfte betrifft, ist die Mindener Innenstadt derzeit wie ein großes Überraschungsei – einige Läden haben auf, einige nicht, manche später, manche eingeschränkt, aber jeder Mitarbeiter war durchweg hilfsbereit und freundlich, überall gute Beratung und in der Intensität hat das vor Corona schon hier und da gefehlt. Wie oft hat man vorher Beratung gesucht, jetzt ist spürbar, wir froh man überall ist, zumindest eingeschränkt wieder in Kontakt zu stehen, sich gegenseitig zu helfen.

Foto Scarlett Magazin

Der große Lauf auf die Geschäfte bleibt jedoch aus. Drogerien sind stets begehrt (spart euch die Wege, Einmalhandschuhe sind überall ausverkauft) und einige wenige Läden, die keinen Onlineshop haben.

Und machen wir uns nichts vor – mit Maske einzukaufen ist kein Vergnügen. Viele, besonders ältere Mitbürger, hatten schon Probleme mit dem Atmen unter diesem Ding. Und lasst es mal noch wärmer werden, dann schwinden einem die Sinne. Überhaupt ist es sehr traurig zu sehen, wie ältere Menschen durch die Maske Probleme haben, sich nur schwer dran gewöhnen und mit den Tücken zu kämpfen haben. Eine ältere Dame erzählte an der Kasse, dass sie total unkonzentriert beim Einkaufen sei, die Maske lenkt ab, stört und doch hält sie sich natürlich an die Regeln. Und sie braucht doch das eine oder andere. Fremde um Hilfe bitten fällt ihr schwer und „ich muss doch mal raus, was habe ich denn sonst noch vom Leben?“

Vereinsamung und sich dauernd nur in den eigenen vier Wänden aufhalten kann auch gesundheitliche Schäden hervorrufen. Das darf man keinesfalls unterschätzen. Nicht jeder hat das Glück in einem Eigenheim mit Garten zu wohnen. Es gibt gerade in diesen Zeiten viele einsame Menschen, für die es immens wichtig ist, zumindest gelegentlich unter Leute zu kommen. Bevor man also anfängt das zu verurteilen, sollte man versuchen, sich in deren Situation hinein zu versetzen.

Und noch etwas kommt dazu: Vielen fehlt das Geld zum Kaufen. Wenn die Einnahmen wegfallen oder gekürzt sind, man oftmals auf teure Lebensmittel mangels Alternative zurückgreifen muss, dann ist in der Geldbörse irgendwann Ebbe.

Foto: Scarlett Magazin

Abschließend noch ein Hinweis an die jungen Herren, die es ganz witzig fanden, als Gruppe lärmend durch die Stadt zu laufen: Das war nicht cool.

Bleiben Sie gesund!

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