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Empfang der Landeskirche zum Ehrenamt

Empfang der Landeskirche zum Ehrenamt

Am vergangenen Donnerstag hatte die Landeskirche Schaumburg-Lippe zu einem Empfang eingeladen. Geehrt werden sollten zudem alle Ehrenamtler, die ihren persönlichen Einsatz für die Gemeinschaft unentgeltlich erbringen und viel von ihrer eigenen Freizeit hergeben. Zeit, einmal Danke zu sagen und zudem diese vielen Menschen zu zeigen, die oftmals im Hintergrund tätig sind und deren Einsatz viel zu oft als selbstverständlich angesehen wird.

Vollbesetzte Kirche – Foto: Sabine Christel

In der Landeskirche begann die Festlichkeit mit einer Ansprache von Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke, der die anwesenden fast 900 Gäste begrüßte und an die wichtigen Tugenden erinnerte, durch die eine Gesellschaft besteht. Und er verwies, in Anbetracht dessen, was derzeit auch in Deutschland passiert, darauf, wie wichtig der eigene persönliche Einsatz ist.

Danach hatte der Journalist und Präsident des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentages 2019, Hans Leyendecker, das Wort und erzählte über die Erwartungen an die Evangelische Kirche in der heutigen Zeit. Die Aufmerksamkeit auf seiner Seite hatte er jedoch mit einer etwas ungewöhnlichen Begrüßung. Damit schaffte er es nicht nur, die Gäste mit Humor auf seine Rede einzustimmen, sondern legte den Finger direkt in eine Wunde, die in vielen Kirchen vorhanden sein dürfte. Er begrüßte die „geliebte Gurkentruppe Gottes„. Ja, Sie haben richtig gelesen. Gurkentruppe klingt nicht wirklich charmant, denn der kleine grüne Kürbis steht eher für Unzulänglichkeit – nicht gerade das, was man mit Kirchenbesuchern in Verbindung bringt.

Doch er erklärte gleich sein Vorhaben dahinter, denn jetzt zum Gottesdienst sei die Kirche gut gefüllt, jedoch, wie sieht es an den Sonntagen aus? Das Durchschnittsalter liegt da doch eher bei 67 Jahren und mehr als 40 Anwesende werden selten gezählt. So zitierte er aus der Abschlussrede von Pastorin Sandra Bils aus dem Schlussgottesdienst des „Deutschen Evangelischen Kirchentages“.

Der Begriff Gurkentruppe ist ein umgangssprachlich abwertendes Wort für ein Team, das keine Erfolge erzielt – nicht nur im Sport. Und eine Gurke ist ein Kürbisgewächs, das grün, unreif geerntet wird. Übertragen auf ein Team bedeutet es, dass sich dieses unreif verhält oder ziemlich erfolglos ist.

Hans Leyendecker
Hans Leyendecker – Foto: Sabine Christel

Warum dieser Vergleich entstanden ist, sei hier erklärt: Trotz aller Bemühungen Seitens der Kirche, bleibt diese am Ende ziemlich leer. Und wenn wir ehrlich sind, wann sind die Kirchen richtig gut gefüllt? Doch eher an den hohen kirchlichen Festtagen. Und Leyendecker stellte die Frage in den Raum, dass, obwohl soviel getan wird für die Gemeinde, es am Ende wenig Erfolg zeigt. Warum kehren die Menschen der Kirche den Rücken? Viele tun dies zum Beispiel, um die Kirchensteuer zu sparen, ohne böse Absicht.

„Wer glaubt denn sowas? – Wieso selbst Christen keinen Gott mehr brauchen“

Ausgabe vor Ostern des „Spiegel“

Die Volkskirche sei auf dem Weg zu einer Minderheitskirche, so Leyendecker. Gerade die deutschen Kirchen hätten es jedoch schwer, mit ihrem Amtsapparat und den vielen alterhergebachten Erwartungen. Es fehlen die Visionen. Stattdessen sei ein allgemeines Jammern an deren Stelle getreten. Und natürlich dürfen Christen klagen, aber statt Mäkeln sei doch eher das Haben von Visionen in deren DNA verankert, fügte er hinzu.

In vielen Gesprächen habe er zudem die Erfahrung gemacht, dass Pastoren sich oftmals über die Zustände beklagen. Trotz des Einsatzes gäbe es immer weniger Kirchgänger. Andererseits ist das auch keine besonders attraktive Vorstellung, die sicherlich nicht dazu führt die Kirche interessant zu machen. Man tritt doch auch keinem Verein bei, weil dort gut gejammert wird, so Leyendecker. Und am Ende singt man noch mehrstimmig den eigenen Abgesang.

Wenn ich einen Wunsch hätte an die Geistlichkeit, dann wäre das:
Gehen Sie an Ihre Kraftquellen, begrenzen Sie, was Ihnen Kraft raubt, und dann entjammern Sie die Kirche!

Leyendecker

Außerdem appellierte er an das Gottvertrauen, denn: „Wer Gott vertraut, lässt seine Solidarität nicht an Landesgrenzen oder Dienstrangabzeichen enden! Wer Gott vertraut, kämpft für die Bewahrung der Schöpfung. Wer Gott vertraut, setzt sich für Schwache ein. Wer Gott vertraut ist stark. Haltung, Mut, kommt dann von selbst. Gott trägt uns durch sein Wort! Und wenn ich mich in diesem Vertrauen von Gott gehalten fühle, kann ich auch für andere da sein.“

Dieses stand schon im Siegel der rheinischen Bekenntnissynode: Ich halte, weil ich gehalten werde.

Und wer denkt und handelt, der setzt sich auch für andere ein.

Er verwies aber auch auf eine Studie, die eine schlechte Prognose für die Kirche stellen würde, denn man erwarte einen Mitgliederschwund von 50 Prozent. Und mehr als die Hälfte davon beruhten auf Kirchenaustritten, besonders von Menschen im Alter zwischen 25 und 40 Jahren. Einiges habe die Kirche selbst zu verantworten, anderes aber nicht und wichtig sei, dies zu unterscheiden, damit man sich nicht an Herausforderungen verausgabt, die man nicht bewältigen kann und andererseits inaktiv bleibt, wo Veränderungen möglich sind. Wichtig ist immer zu schauen, was wird vor Ort gebraucht und sich danach zu richten. Einerseits modern zu agieren, andererseits auch die Bedürfnisse vor Ort einzubeziehen.

Nur eine Kirche, in der wir uns gegenseitig aufrichten, anstatt uns klein zu reden oder zu konkurrieren, kann eine starke Kirche sein. Christinnen und Christen haben es gut: Sie können hoffen. Und sogar Gurken können reifen.

Schlusszitat Leyendecker

„Erfolg ist alles? Mit Erwartungsdruck und Scheitern umgehen lernen“

Britta Steffen – Foto: Sabine Christel

Danach hatte Britta Steffen das Wort. Die Olympiasiegerin und Weltklasseschwimmerin (sie gewann während ihrer Karriere 23 Medaillen bei Olympischen Spielen sowie Welt- und Europameisterschaften, darunter zwei Olympiasiege, zwei Weltmeistertitel und neun Europameistertitel) erzählte von ihren persönlichen Niederlagen und wie sie mit dem Druck, der auf ihr lastete, umging.

Schon früh startete sie ihre großartige Schwimmkarriere, obwohl sie eigentlich als zu klein und dünn galt. Unermüdlicher Einsatz und genügend Ehrgeiz schafften es, sie so erfolgreich werden zu lassen. Aber im Jahre 2004 kam es zu einer persönlichen Krise. Im Nachhinein führte es jedoch zum Umdenken. Wie wichtig ist der Erfolg und was zählt im Leben wirklich?

Das Jahr 2004 wurde zum Wendepunkt von Britta Steffen. Bereits in den Vorjahren stagnierte sie bei Wettkämpfen, kam nicht an ihre alte Form heran. Deshalb entschloss sie sich, ihre Schwimmkarriere aufzugeben und sich dem Studium zu widmen. Erst 2005 begann sie wieder mit dem Schwimmtraining. Im Jahr 2006 kam der Erfolg zurück und sie brillierte bei den Europameisterschaften in Budapest.

Heute sagt sie dazu, dass ein Scheitern vergleichbar sei mit einem Holzscheit, der zerbrechen würde. Erst nach ihrer selbst verordneten Zwangspause habe sie begonnen, die kleinen Momente des Lebens zu genießen, Dinge wahrzunehmen, die ihr vorher gar nicht bewusst waren. Reichtum, Ruhm und Macht – viel wichtiger sei jedoch das Leben im Einklang mit der Natur, Tier und Mensch. Dabei geholfen habe ihr auch ein Mentaltrainer, mit dem sie alte Glaubenssätze aufgelöst oder geändert habe.

Foto: Sabine Christel

Im anschließenden Gespräch mit Leyendecker erzählte sie, dass Sportler schon leicht zu manipulieren seien, weil sie eng an viele Leute gebunden sind, wie Trainern, Physiotherapeuten und anderen. Hilfreich sei zum Beispiel jedoch ihre Mutter gewesen, die ihr den Rat gegeben habe, vernünftig mit anderen Menschen umzugehen und sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Dieses „Kleingeredet werden“ sei sicherlich aus Sicht einer Psychologin eher negativ zu bewerten, ihr habe es aber gut getan. Sich selbst und auch die eigene Leistung nicht so wichtig zu nehmen, sei ein guter Lehrsatz gewesen. Letztendlich baut sich der eigene Erfolg auf den Misserfolg eines anderen auf, die Freude des Siegers seien die Tränen der Verlierer, so ein alter Spruch in ihrem Poesiealbum.

Verletzt haben sie allerdings die Schlagzeilen, in denen man ihren Erfolg mit Doping in Verbindung brachte. Wenn viele Sportler aus dem „Osten“ Deutschlands so erfolgreich sind, dann stecke sicherlich etwas dahinter: „Ohne Mittel, keinen Titel“. Sie selbst würde jedoch niemanden verurteilen, ohne die genauen Umstände zu kennen und sich diesbezüglich keine öffentliche Meinung erlauben. Ein gutes Schlusswort von einer Sportlerin, die mit ihrer Ehrlichkeit und dem positiven Denken die anwesenden Kirchenbesucher beeindruckte.

Vor den Ehrungen ergriff noch der Ehrenvorsitzende des Kreissportbunds, Friedrich Meier, das Wort und würdigte die besonderen Leistungen der Ehrenamtlichen im Sport. Für ihre Tätigkeit würden sie alle heute hier ausgezeichnet.

Danach erfolgte die Ehrung der Ehrenamtlichen. Und wir sind ebenfalls der Meinung: Was wären wir ohne die vielen Menschen, die ehrenamtlich, ohne Bezahlung und oftmals ohne Anerkennung, ihre Arbeit, Energie, Ideen und freie Zeit einbringen, um anderen zu helfen? In allen Bereichen sind wir auf Helfer angewiesen, sonst würde zum Beispiel die Arbeit in Vereinen gar nicht funktionieren. Ihnen diesen Empfang zu widmen ist sicherlich eine gute Idee. Aber es wäre auch hilfreich, den vielen Helfern ihre Arbeit nicht unnötig zu erschweren, keine überzogenen Anforderungen zu stellen, sondern sich auch im Alltag ihnen gegenüber dankbar zu zeigen. Auch wäre es wünschenswert, wenn so ein Termin es schafft, den Blick auf das Ehrenamt zu lenken und ein gutes Beispiel für neue Ehrenamtler zu sein, die so ihren Weg in diese Tätigkeit finden. Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu engagieren und es hinterlässt ein gutes Gefühl.

Nach dem feierlichen Gottesdienst folgte bei sonnigen Temperaturen ein Empfang auf dem Parkplatz hinter der Kirche, wo man in persönlichen Gesprächen den Kontakt vertiefen und dazu leckere Kleinigkeiten und kühle Getränke bei musikalischer Untermalung genießen konnte.

Foto: F. Valentina

Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe und Mahkameh Navabi – Foto: F. Valentina
Eduard Hunker (v.l.), Geschäftsführer Stadtwerke Schaumburg Lippe und Bernd Hellmann, ehem. Bürgermeister Stadthagen – Foto: F. Valentina
Foto: F. Valentina
Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe (v.r.), Sabine Bulthaupt, George Kochbeck und Mahkameh Navabi – Foto: F. Valentina
Horst Tebbe, Musikschule Schaumburger Märchensänger, Dr. Wieland Kastning und Rolf Watermann, Bürgerstiftung Schaumburg – Foto: F. Valentina
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