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Karl Lagerfeld – ein Rückblick auf einen Modezaren
Selbstportrait von Karl Lagerfeld (Foto: Madame.de)

Karl Lagerfeld – ein Rückblick auf einen Modezaren

Als Lifestylemagazin berichten wir auch über Mode. Accessoires, It-Pieces und mehr finden den Weg ins Magazin. Ein Mann, der sich selbst zu einer Ikone machte, hat am 19. Februar 2019 den großen Catwalk verlassen – Karl Lagerfeld. Ein Rückblick.

Kalr Lagerfeld mit „Choupette“ (Foto: DW)

Geboren am 10. September 1933 (wovon auszugehen ist, Lagerfeld selbst variierte sein Geburtsjahr von 1935-1938) als Sohn einer gutsituierten Hamburger Familie, der Vater war ein Kondensmilch-Fabrikant (Glücksklee-Milch GmbH) Otto Lagerfeld (1881–1967) und seine Mutter Elisabeth (1897–1978), eine geborene Bahlmann. Sein Großvater, Karl Bahlmann, ein Beamter und Politiker der katholischen Zentrumspartei. Lagerfeld hatte eine ältere Schwester, die Ende 2015 starb, sowie eine verstorbene Halbschwester aus einer vorherigen Beziehung seines Vaters.

Eine gute Kinderstube und eine gepflegte Ausdrucksweise, verbunden mit der schnellen Sprache, die er von seiner Wahlheimat Frankreich übernommen hat, war ihm in den zahlreichen Interviews anzumerken. Er war kein Schwätzer, eher jemand, der eine klare Meinung vertrat und damit auch polarisierte.

Um 1960 (Foto: Getty Images)

Er lebte mit seiner Familie zuerst auf Gut Bissenmoor bei Bad Bramstedt, später in Hamburg und zog dann 1953 mit seiner Mutter nach Paris, wo er zuerst eine Privatschule und später das Lycée Montaigner besuchte. Danach arbeitete er als Illustrator im Modebereich. Karl Lagerfeld erreichte beim Wettbewerb des Internationalen Wollsekretariats in Paris für den Entwurf eines Mantels den ersten Platz. Der Modeschöpfer Pierre Balmain war in der Jury und übernahm Lagerfeld für sein Modehaus. Lagerfeld absolvierte ab 1954 eine Lehre als Schneider, verließ jedoch nach dreieinhalb Jahren Balmain um Anfang 1958 zu „Jean Patou“ zu wechseln.

Die frühen Jahre
Anfang der Siebziger befand sich der Designer im Rausch der Muster. Aber selbst diese psychedelische Bluse würde heute von modebewussten Hipstern gefeiert werden. Lagerfeld war einfach immer zeitlos. © Gamma-Keystone/Getty Images

Später, 1964, studierte er Kunst in Paris, brach jedoch das Studium nach drei Jahren ab. Von 1963 bis 1978 arbeitete Karl Lagerfeld als kreativer Direktor für das Modehaus „Chloé“. Schon 1974 gründete er unter dem Namen „Karl Lagerfeld Impression“ sein eigenes Unternehmen in Deutschland. Von 1978-1983 war er selbständig für unterschiedliche Unternehmen tätig. Im Januar 1983 dann wechselte Lagerfeld zu „Chanel“, wo er als künstlerischer Direktor zuerst die Haute-Couture Kollektionen gestaltete und dann 1984 Chefdesigner der Kollektionen besonders im Bereich Prêt-à-Porter (Im Gegensatz zur Haute Couture nicht maßgeschneidert, sondern in Standardgrößen erhältlich) wurde. Aus der veralteten Modelinie machte er durch eigene Ideen und neue Interpretationen von Coco Chanel eine bis heute angesagte Modemarke, die zu den Top-Marken der hochpreisigen Damenmode zählt. Sogar für „Chloé“ war Lagerfeld wieder als Chefdesigner aktiv, und zwar von 1992 bis 1997, danach löste ihn Stella McCartney (Tochter von Paul McCartney) ab.
Die Modemarke „Chanel“ erlebte durch ihn einen bemerkenswerten Aufschwung und bis heute steht der Name Lagerfeld untrennbar mit „Chanel“ zusammen.

Fast jeder wird etwas von ihm zu Hause haben, vielleicht nicht unbedingt hochwertige Couture Mode, vermutlich eher einen Duft, denn auch die Kosmetikindustrie präsentierte Produkte von „Lagerfeld“ über „KL“ bis zu „Lagerfeld pour Homme“. Und einige zählen zu den zeitlosen Parfumklassikern, die noch heute erhältlich sind.

„Lagerfeld“ von Karl Lagerfeld, ein Duftklassiker

Karl Lagerfeld hatte seinen eigenen Stil. Wie so viele Designer erschuf er eine besondere Fashionikone – sich selbst. Mit gepudertem Zopf, den er seit 1976 durchgehend trug, stets in schwarz gekleidet mit weißem Oberhemd, gern hohem Kragen, später noch dazu schwarzen Handschuhen und auffälligem Schmuck, die Augen hinter einer dunklen Sonnenbrille (mit Sehstärke) verborgen, das war „Kaiser Karl“. Nachdem er nach dem Tode seines Lebensgefährten sehr an Gewicht zugelegt hatte, schaffte er es mit einer Diät über 40 kg abzunehmen. Grund dafür war aber nach eigener Aussage seine Eitelkeit: „Ich trage enge Anzüge, damit ich nicht zunehmen kann. Mein einziger Ehrgeiz ist es, weiterhin bei Dior Größe 48/46 tragen zu können.“ (Interview aus 2006).


Der deutsche Designer Karl Lagerfeld schließt sich den Models Cindy Crawford (v.l) aus den USA, Linda Evangelista aus Kanada, und Claudia Schiffer aus Deutschland nach der Präsentation seiner Frühjahr-Sommer-Kollektion 1996 für Chanel an.
Foto: Remy De La Mauviniere / dpa

Über sein Privatleben war wenig bekannt. Sein Lebensgefährte Jacques de Bascher starb 1989, seitdem lebte Lagerfeld nach eigener Aussage allein. Zu seinen engsten Freunden zählte auch Caroline von Monaco. Er galt als Entdecker einiger Top-Models wie Claudia Schiffer, seiner zeitweiligen Muse, die 1993 in einem von Lagerfeld mit Koranversen bestickten Mieder auf einer Modenschau einen Skandal provozierte. Sie löste Inès de la Fressange ab, die bis 1989 zu seinen Favoritinnen zählte. Zu seinen Musen gehörten ferner die männlichen Models Brad Kroenig und Baptiste Giabiconi, sowie die weiblichen Models Toni Garrn, Freja Beha Erichsen, Lara Stone und Daria Werbowy. Die Sängerinnen Beth Ditto und Florence Welch waren ebenfalls sein kreativer Ansporn in der Modewelt. Und er schaffte es, seine weiße Katze „Choupette“ mit einem Facebook und Instagram Account auszustatten und zusätzlich ein Buch über sie erfolgreich zu vermarkten.

Mit Caroline von Monaco (Foto: Getty Images)
(Foto: Jens Kalaene, dpa)

Choupette verfügt sogar über einen eigenen Wikipedia Eintrag:

Choupette (geboren als Guimauve du Blues Daphnée am 19. August 2011 in Fontaine-sous-Préaux) ist die Hauskatze des Modedesigners Karl Lagerfeld. Die Birma-Katze tritt unter anderem als Model auf und ist Leittier eigener Kollektionen Lagerfelds. Der Name bedeutet auf Deutsch süß oder die Süße.
Das Tier wiegt etwa 3,5 kg und hat eine Ristlänge von etwa 25 cm. Lagerfeld vergleicht den Schweif mit Boafedern und die Augen mit einem Sternsaphir. Ursprünglich gehörte die weiße Birma-Katze mit blauen Augen dem befreundeten Model Baptiste Giabiconi. Dieser bat Lagerfeld, auf die Katze aufzupassen, während er im Ausland verweilte. Lagerfeld fand Gefallen an dem Tier, schließlich überließ Giabiconi ihm die Katze.
Die Katze wurde 2012 durch einen Tweet eines französischen Magazinredakteurs bekannt. Der Twitter-Account @ChoupettesDiary wurde von Ashley Tschudin, der ehemaligen Social-Media-Koordinatorin der 2012 eingestellten Online-Zeitung The Daily, eingerichtet und betrieben und erst im Juni 2012 von Karl Lagerfeld autorisiert. Karl Lagerfeld ließ für die Katze außerdem Instagram- und Facebook-Accounts einrichten. Lagerfeld beschwerte sich 2012, die Katze sei berühmter als er. Dessen ungeachtet kreierte er für sie das Image einer Diva im Stile von Greta Garbo und beschrieb die Katze als unnahbar. Sie würde Kinder und andere Tiere hassen. Um ihre Belange würden sich zwei Dienstmädchen kümmern. Beim Abendessen sitzt sie bei Lagerfeld am Tisch. Die Speisen werden von ihrem eigenen Hauskoch für sie zubereitet. Sie erhält außerdem in Edelrestaurants eigene Speisen und hat angeblich eine Vorliebe für teuren Kaviar. Darüber hinaus hat sie einen eigenen Bodyguard und reist per Privatjet.
Von Choupette wurde in diversen Medien berichtet. So sprach Karl Lagerfeld im New York Magazine über sie.
Als Werbefigur ließ Lagerfeld sie für Opel und japanische Schönheitsprodukte werben, womit sie 2014 angeblich drei Millionen Euro verdiente. Die Opel-Fotos wurden 2015 im Rahmen einer Vernissage in Berlin vorgeführt. Choupette trat auch als Covermodel, unter anderem zusammen mit Gisele Bündchen und Linda Evangelista, in verschiedenen Ausgaben der Vogue auf. 2014 erschien das Ratgeberbuch Choupette: The Private Life of a High-Flying Fashion Cat. Lagerfeld entwickelte zudem eigene Kollektionen unter den Titeln „Monster Choupette!“ und „Choupette in Love“, die diverse Accessoires wie Socken, Schlüsselanhänger, Einkaufs- und Handtaschen sowie T-Shirts umfassen. Weblinks Offizieller Account bei Facebook.

Wikipedia
Karl Lagerfeld fotografiert für eine Kampagne den Opel Corsa mit Choupette (Foto: Karl Lagerfeld)

Karl Lagerfeld galt als sehr disziplinierter Workaholic mit einer sehr guten Allgemeinbildung. Man erzählt sich, dass seine Privatbibliothek ca. 300.000 Bücher umfassen soll. 1999 eröffnete er in Paris den Buchladen „7L“ (benannt nach der Adresse in der 7, rue de Lille). Im Jahr 2000 gründete er zusammen mit Gerhard Steidl, mit dem er seit 1993 unter anderem für Chanel zusammenarbeitet, den Imprint-Verlag „Edition 7L“. 2010 dann entstand der LSD-Verlag (Lagerfeld, Steidl, Druckerei Verlag) für überwiegend deutschsprachige Bücher, dessen Programmchef Lagerfeld selbst wurde.

Karl Lagerfeld inmitten von Büchern (Foto: picture alliance)

Die wichtigsten Modefirmen, für die Karl Lagerfeld als Designer tätig war:

  • 1955–1958: Pierre Balmain
  • 1958–1963: Jean Patou
  • 1963–1978 (1983), 1992–1997: Chloé
  • 1965–2019: Fendi
  • 1974–2019: Karl Lagerfeld (Karl Lagerfeld Impression, KL by Karl Lagerfeld, Lagerfeld Gallery, Lagerfeld, Karl Lagerfeld etc.)
  • 1983–2019: Chanel
  • 2004: Hennes & Mauritz (H&M)
  • 2017: Saga Falabella (Chile & Perú)
  • 2018: Puma

Neben der Mode war Lagerfeld auch immer wieder als Kostümbildner für das Theater beschäftigt. So zum Beispiel 1978 in Genua, 1980 am Wiener Burgtheater, 1982 an der Mailänder Scala und 1990 bei den Salzburger Festspielen.

Neben der Mode und der Kostümbildnerei entdeckte Lagerfeld 1987 das Fotografieren für sich. Dafür erhielt er 1996 für seine Arbeiten den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie. Vom 11. November 2006 bis 18. Februar 2007 wurden 350 Fotografien und Multimedia-Installationen Lagerfelds in der Berliner Galerie C/O Berlin ausgestellt. Unter dem Titel One Man Shown zeigten sie alle das US-amerikanische Fotomodell Brad Kroenig, das der Designer entdeckt und gefördert hatte. Außerdem war Lagerfeld war u. a für die Werbekampagne der Champagnermarke „Dom Pérignon“ verantwortlich und für den Volkswagen-Konzern inszenierte er die Werbung für das Phaeton-Modell und ist ebenfalls im Werbefilm für eine Sonderedition des Golf zu sehen. Der Bildband Moderne Mythologie aus dem Jahr 2013 zeigt Lagerfelds Vorstellung des idyllischen Lebens in monumentalen Schwarzweiß-Fotografien, angelehnt an die klassische Textquelle.

(Foto: Getty Images)

Ausstellungen:

  • Karl Lagerfeld, Apolda, 23. April 2005 – 12. Juni 2005
  • One Man Shown, C/O Berlin, 11. November 2006 – 18. Februar 2007
  • Konkret Abstrakt Gesehen, Langen Foundation, Neuss, 18. November 2007 – 4. Mai 2008
  • Versailles à l’ombre du soleil, Paris, 11. Juni – 7. September 2008
  • Feuerbachs Musen – Lagerfeld Models, Kunsthalle Hamburg, 21. Februar – 14. Juni 2014
  • Parallele Gegensätze. Fotografie-Buchkunst-Mode, Museum Folkwang Essen, 15. Februar – 11. Mai 2014 Karl Lagerfeld. Modemethode. Bundeskunsthalle, Bonn, 28. März – 13. September 2015.

Einer seiner letzten Auftritte bei der Fashion Week in Paris im Oktober 2018

Foto: Marechal Aurore/ABACA / picture-alliance

Bis zuletzt war er als Modeschöpfer tätig, fehlte aber bei der Januar Show von Chanel. Für das Modehaus trat nur Kreationsleiterin Virginie Viard vor das Publikum. Wie Chanel mitteilte, wird Viard, die über 30 Jahre an der Seite von Karl Lagerfeld gearbeitet hat, die Stelle als Kreativdirektorin übernehmen.

Seine letzten Auftritte zeigten einen geschwächten älteren Herrn, der – trotz Krankheitsanzeichen – seine Würde wahrte und noch einmal am Rande des Catwalks stand und seiner Show zusah. Einziges Zugeständnis war eine ungetönte Brille, was als Zeichen gewertet wurde, dass irgend etwas sich verändert hatte. Dass zu dem Zeitpunkt Karl Lagerfeld bereits unter Bauchspeicheldrüsenkrebs litt, an dem er letztendlich verstarb, war nicht bekannt. Die Zeitungen „Paris Match“ und „Le Figaro“ berichteten heute zuerst über den Tod des Designers. Das Ausbleiben bei der letzten Show wurde bislang mit einer Müdigkeit Lagerfelds entschuldigt. Den wahren Grund erfuhr man erst jetzt.

Einige seiner gemachten Äußerungen sind zu Klassikern geworden. Hier ein „best of“ von dem, was „Kaiser“ Karl gesagt haben soll:

Der Klassiker: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ (Talkshow Markus Lanz, 19.04.2012)
„Ich hasse das Wort billig. Menschen sind billig, Bekleidung ist dagegen teuer oder preiswert.“ (angesprochen auf die H&M Mode, Manager Magazin 2/2005)
„Ich bin immer der gleiche dumme Hamburger Junge. Als Kind war ich wahnsinnig selbstgefällig. Heute bin ich mir selbst gegenüber gleichgültig, ironisch, distanziert.“ (Interview im Stern 51/2006)
„Meine Mutter hat versucht, mich für das Klavierspiel zu begeistern. Eines Tages klappte sie den Klavierdeckel auf meinen Fingern zu und meinte: „Zeichne lieber, das macht weniger Lärm.“ (Interview Stern)
„Eine Frau ohne Stil hat auch in einem Kleid mit Stil keinen Stil.“
„Witzig zu sein macht keinen Spaß. Sie müssen amüsant sein.“
„Mir geht manches durch den Mund, bevor es mir durch den Kopf geht.“
„Am Fließband stehen, das ist Arbeit. Was ich mache, ist Freizeitgestaltung mit beruflichem Hintergrund.“
„Es zeugt von geringem Niveau, teure Kleidung zu kaufen, um anderen den Reichtum zu beweisen.“
„Stress kenne ich auch nicht. Ich kenne nur Strass. Ich bin in der Modebranche.“

(Der Lieblingssatz der Red.)

„Der Mode entkommt man nicht. Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode.“
„Ich bin eine Art Mode-Nymphomane, der nie einen Orgasmus hat. Ich bilde mir immer ein, ich könnte es noch besser machen.“
„I’m very much down to earth. Just not this earth.“
„Zukunft ist die Zeit, die übrig bleibt.“
„Ich finde es besser, wenn sich Leute im Grab umdrehen, als ewig zu ruhen.“

Sein markantes Äußere, unzählige Modedesigns, seine zeitlosen Düfte und das Gefühl, dass er schon zu Lebzeiten unsterblich wurde.

Wir verbeugen uns vor ihm. Bon Voyage, Monsieur Lagerfeld. Die Modewelt wird Sie vermissen.


Foto: Karl Lagerfeld


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