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Jazz au Château – Le fabuleux Erik Berchot –

Jazz au Château – Le fabuleux Erik Berchot –

Musik. Eins der verbindendsten Elemente, das Sprachbarrieren überwinden und allein durch den Ton Emotionen auslösen kann. Musik musst Du nicht verstehen, Du musst es fühlen.

Am vergangenen Sonntag war der Marmorsaal auf Schloss Bückeburg wieder der Ort, an dem sich Musikgrößen und Musikliebende zu einem Konzert der Extraklasse trafen: Jazz im Schloss.

Jazz im Schloss – Foto: Sabine Christel

Doch, was macht diese Konzerte so außergewöhnlich? Da ist zum einen der Verein „Jazz im Schloss e. V.“, der sich vergangenes Jahr gegründet hat und bei dem gute Kontakte und finanzielle Möglichkeiten in Verbindung mit einzigartigen Räumlichkeiten zusammenkommen und für den würdigen Rahmen sorgen. Und da sind zum anderen Künstler, die sowohl das Ambiente, als auch die Gastgeber sehr zu schätzen wissen und deshalb den Weg ins Schloss finden.

Gut besuchtes Konzert mit Erik Berchot – Foto: Sabine Christel

Den Auftakt machte im vergangenen Jahr der facettenreiche Musiker Max Mutzke (lesen Sie dazu auch gern HIER), der im vollbesetzten und schnell ausverkauften Saal mühelos auch ohne Mikrofon allein mit seiner Stimme die letzten Reihen erreichte und für große Begeisterung sorgte.

Jazz im Schloss – Max Mutzke Allstars – Foto: Sabine Christel

Dieses Mal war der Ton etwas leiser, der Anlass ein Besonderer und die Musik zu Beginn melancholischer. Es war eine musikalische Hommage an zwei französische Künstler, die im Schloss ihre Würdigung fanden. Doch, wer sollte jemanden wie den französischen Komponisten, Pianisten, Sänger und Arrangeur Michel Legrand, mehrfach mit dem Oscar und Grammy ausgezeichnet würdigen können?

Michel Legrand – Foto: Legrand

Oder wie kann man einem französischen Idol, wie Charles Aznavour, mit über 1.000 aufgenommenen und davon über 800 selbstgeschriebenen Titeln, übrigens entdeckt von Edith Piaf, der – so erzählte Fürst zu Schaumburg-Lippe – sogar ein Staatsbegräbnis erhielt, bei dem der französische Präsident seine Aufwartung machte, gerecht werden?

Erik Berchot mit Charles Aznavour – © Suzette Paradis / info-culture

Erik Berchot. Der Ausnahmekünstler aus Paris hat mit Beiden gearbeitet, für ihn hat Michel Legrand „The Umbrellas of Cherbourg“, „Yentl“ und „The Windmills of your mind“ neu umgeschrieben, er begleitete Aznavour auf dessen Tourneen und er versteht es, diese Musik so zu spielen, dass man spürt, wie sehr er selbst diese Künstler verehrt und wie gut die Zusammenarbeit letztendlich war.

Dieser Nachmittag im Schloss stand ganz im Zeichen einer Würdigung. Mit Erik Berchot agierte ein Pianist auf der Bühne, der sich seiner Verantwortung wohl bewusst war – er spielte nicht allein für sich selbst, sondern interpretierte und erinnerte.

Enchante Monsieur Berchot – Foto: Sabine Christel

Die Gäste genossen indes den Nachmittag mit dem Gefühl, Teil dieses besonderen Konzerts zu sein. War bei Max Mutzke durchaus eine gewisse Neugier zu spüren und eine Spannung, so man den Künstler doch eher aus dem Fernsehen kannte und viele ihn allein mit seinen Popsongs, denn mit Jazz in Verbindung brachten, war Berchot ein eher stiller und sehr zurückhaltender Künstler. Und – er war in Bückeburg kein Unbekannter, denn schon einmal brillierte er auf der Bühne, seinerzeit sogar mit der bezaubernden Pianistin Mahkameh Navabi, die ihrerseits als Lebensgefährtin des Hausherrn bekannt sein dürfte. Auch damals spielte er das, was Legrand für ihn arrangiert hatte.

Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe – Foto: Sabine Christel

Oder wie Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe in seiner Ankündigung formulierte:

„Berchot ist derjenige, der sie spielen darf und vemutlich auch der einzige, der sie spielen kann“.

Applaudissements liés aux ovations

Erik Berchot begann das zweiteilige Konzert mit Stücken, die Legrand für ihn transkribiert hat, gemeint ist damit, die Originalfassung des Stücks auf das Instrument umgeschrieben. Konzentriert in seine Musik schaffte Berchot es, die Zuhörer mit seinem Spiel in seinen Bann zu ziehen. Es herrschte absolute Stille Seitens des Publikums. Erst zum Ende des Stückes brandete Beifall auf, dazu Standing Ovations – die höchste Ehre, die einem Künstler zuteil werden kann.

Drei Stücke wurden vorgetragen – dreimal ein mehr als begeistertes Publikum.

Nach einer Erfrischungspause, in der auch Zeit für ein kurzes Gespräch mit dem Hausherrn Fürst zu Schaumburg-Lippe blieb, zeigte sich dieser mehr als angetan von der Musik. Die CD von Berchot gehöre zu denjenigen, die er auch privat sehr gern und vor allem oft hören würde. Michel Legrand hingegen sei unfassbar erfolgreich gewesen und habe sehr viel Filmmusik komponiert, was allein schon bewundernswert sei. Viele wüssten zudem gar nicht, welche bekannten Titel aus Verfilmungen von ihm stammen. Wie wichtig ihm das Konzert war, zeigte sich auch an der Gästeliste. Nicht nur heimische Musikgrößen wie Anton Sjarov oder George Kochbeck waren zugegen, sondern auch aus Berlin war hoher Besuch im Saal. Bundesministerin der Verteidigung, Ursula von der Leyen samt Personenschützer und Begleitung war vor Ort und ganz in die Musik vertieft. Zugegen waren auch neben der fürstlichen Familie, der Familie Gregel als Mitinitiatoren des „Jazz im Schloss e.V.“ und vielen Bekannten aus Bückeburg, noch Freunde des Fürstenhauses, die aus ganz Deutschland anreisten, um dieses Konzert nicht zu versäumen. Versäumt hat es leider Erbprinz Heinrich Donatus, dessen Flieger sich ohne ihn auf den Weg machte, so dass er bei dem Konzert fehlte. Daran ist schon zu sehen, wie hochklassig der Abend besetzt war.

Erik Berchot (Piano),Tony Bonfils (Kontrabass), Didier Guazzo (Drums) – Foto: Sabine Christel
Tony Bonfils (l.) und Didier Guazzo – Foto: Sabine Christel

Die zweite Hälfte stand dann im Zeichen Aznavours, als Berchot mit Begleitung von Tony Bonfils am Bass und Didier Guazzo am Schlagzeug jazzige Stücke spielte, bei denen das Publikum in Erinnerungen an den großen Künstler schwelgen konnte.

Charles Aznavour war nicht nur ein außergewöhnlicher Sänger und Komponist, mit einer unverwechselbaren Stimmfarbe, sondern auch Schauspieler und zudem politisch engagiert. Er war armenischer Botschafter in der Schweiz und für UNICEF tätig. Musikalisch gab er im Februar 2006 sein offiziell letztes Konzert einer Abschiedstournee in Essen. Tatsächlich trat er jedoch immer wieder – auch auf langen Tourneen – auf, das wirklich allerletzte Konzert gab er am 19. September 2018 in Osaka, kurz vor seinem Tod. Aznavour wurde 94 Jahre alt. Weltweit verkaufte er fast 200 Millionen Platten, sogar in deutscher Sprache aufgenommene. Er gehört zu den herausragenden Persönlichkeiten des französischen Chansons und gilt als der international bekannteste Sänger Frankreichs.

Charles Aznavour

An diesem Nachmittag erlebten die schönen Titel Aznavours eine besondere Hommage. Außerdem muss man – ohne Schmeichelei – den drei Ausnahmemusikern auf der Bühne Anerkennung zollen, für lupenreine Töne und eine hervorragend aufeinander eingespielte musikalische Darbietung.

Zeigte sich Musikbegeistert – Bundesministerin für Verteidigung Ursula von der Leyen – Foto: Sabine Christel

Perfekt in Bild und Ton gesetzt vom B.D.T. Team, die nicht nur für glasklare Akustik, sondern auch für den schmeichelnden Farbton in der Beleuchtung sorgten, so dass die Schönheit der Gemälde an den Wänden besonders zur Geltung kam. Ein zauberhafter Nachmittag voller Musik und Erinnerungen.

Stets gut besucht – Jazz im Schloss – Foto: Sabine Christel

Jazz im Schloss e. V.

Möglich wurde dies durch den Verein „Jazz im Schloss e. V.“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, eben diese musikalischen Perlen des Jazz ins Schloss zu laden, um etwas Hochklassiges zu bieten. Gekoppelt ist es jeweils an ein exquisites Essen, welches man dazu buchen kann. Dann gibt es neben den akustischen noch die kulinarischen Genüsse, die diesen Abend herausheben aus den gewöhnlichen Konzerten.

Denn hier soll und wird etwas geboten, was noch lange in Erinnerung bleibt und die Vorfreude steigert auf das, was da noch kommen wird. Fürst zu Schaumburg-Lippe kündigte bereits an, dass man monatliche Konzerte dieser Art veranstalten möchte und den einen oder anderen Künstler bereits dazu ins Auge gefasst habe. 

Merci pour le Concert extraordinaire

 

 

Ausblick – Foto: Sabine Christel
Charmantes Publikum – Foto: Sabine Christel
Backstage – Foto: Sabine Christel

Foto: Sabine Christel

Foto: Sabine Christel

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