Innenstadt Rott – Die sechste Kompanie des Bürgerbataillon Bückeburg

Nun, da staunen Sie, nicht wahr? Das erste Osterei hat der Stadt Bückeburg die Pressevertretung des Bürgerbataillon Bückeburg ins Nest gelegt. Lange haben sich die Herren zwar geziert und gezögert. Man(n) wollte zwar schon gern, aber was sagen die Nachbargemeinden wohl dazu? Und wie nimmt die Bevölkerung es auf, wenn sich so gravierende Dinge ändern? Darf frau eine langwährende Tradition „angleichen“?

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Wobei: Hat nicht schon Herbert Grönemeyer seinerzeit gesungen: „… gebt den Frauen das Kommando, sie bedenken nicht was sie tun? Die Welt gehört in Frauenhände, … Frauen an die Macht“?

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Während man also beispielsweise in Stadthagen beim Volksschützenfest die Damen gern zum Schnittchenschmieren einsetzt, soll in Bückeburg jetzt endlich mitmarschiert werden. Selbstredend in schwarzem Anzug (damit es nicht heißt, die flotten Damen verdrehen den smarten Herren den Kopf in zu kurzen Röckchen) und – das kommt noch dazu: Jede Dame mit einer hübschen Schärpe. Zumindest damit sollen sie sich optisch abgrenzen. Sonst gibt es aber keine extra Würstchen. Ganz im Gegenteil: Der Vorstand hat sich nach langem hin und her sogar ein Aufnahmeverfahren überlegt, nachdem die Damen sich ihre Teilnahme sozusagen verdienen müssen. „Spasstussen sind nicht erwünscht!“, so ein Herr, der lieber anonym bleiben möchte.

Ähnlich, wie in einem Schönheitswettbewerb, nur ohne Schönheit sozusagen, müssen die Damen einige Aufgaben erfüllen: Das korrekte Marschieren ist genau so gefragt, wie das Aufzählen der Dienstgrade mit entsprechendem Gebimmel am Anzug (diese Troddeln, Sie wissen schon!). Dann muss der Kopf mit dem Zylinder zusammenpassen und geh- und trinkfest sollten die Damen auch sein. Bei der Theorie kommt noch das Aufzählen sämtlicher Stadtmajore seit Bestehen des Bürgerbataillons dazu.

Vielleicht nicht leicht, aber dafür wird das neue Frauenrott auch zu der Elite des Bataillons gehören.

Genügend Interessentinnen sind auch schon da, die praktisch in den Startlöchern sitzen, um endlich ihr eigenes Rott vorstellen zu können. Und wie ernst es den Damen bislang damit war, sah man an den Demonstrantinnen, die während der Bürgerschützentage die Straßen gesäumt hatten und den vorbeimarschierenden Kameraden ihren Unmut in Form von lauten Rufen und dem Bewerfen mit Blumen kundgetan haben. Auch das strikte Fernbleiben beim Grünkohlessen darf als ernstes Zeichen der Verärgerung der Damen gewertet werden. Lediglich vereinzelt ließen sich einige Ehegattinnen erweichen, zumindest die Schnapsleichen, bzw. die in Jägermeister eingelegten Herren nach dem Essen wieder abzuholen.

Das könnte nun tatsächlich anders werden. So mancher Gatte saß während des Grünkohlessens niedergeschlagen an seinem Platz und versuchte mit viel Bier seine Sehnsucht zu stillen. Meine Herren, Sie dürfen endlich aufatmen: Keine einsamen Rottfeiern mehr, nie mehr nur mit Kameraden tanzen und vor allem: kein schlechtes Gewissen mehr, wenn es doch mal später wird. Die Damen sind ja live dabei und werden sicherlich die Uhr im Auge behalten.

Damit bricht Bückeburg mit der jahrelangen Tradition, die besagt, dass Frauen im Bataillon nicht zugelassen sind. Lediglich bei Veranstaltungen durften sie bislang zugegen sein.

Natürlich habe es auch in den eigenen Reihen Unmut und negative Reaktionen gegeben: „Man muss mit der Zeit gehen, aber der älteren Generation fällt es schon schwer umzudenken. Dass erfordert Fingerspitzengefühl und viel Überredungskunst bis man dort Überzeugungsarbeit geleistet hat.“ Aber letztendlich siegt eine gute Überzeugungsarbeit und der gemeinschaftliche Gedanke dahinter. „Wir wollen unser Bataillon gestärkt ins neue Bürgerschießenjahr 2021 führen“, so eine Stimme, die aus den vorderen Reihen stammt, aber vorläufig anonym bleiben möchte. Und wir können dem Stadtmajor da nur zustimmen.

Darauf ein Horrido! Und das sogar vierfach!

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