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Im Portrait – Alexander Fürst zu Schaumburg Lippe – Der Vorsitzende des Kulturvereins im Gespräch
Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe (re.) mit dem Erbprinzen Donatus zu Schaumburg-Lippe sowie seinem Schwager (sc)

Im Portrait – Alexander Fürst zu Schaumburg Lippe – Der Vorsitzende des Kulturvereins im Gespräch

Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe (Archivfoto)

 

Von Beruf „Fürst“, wohnhaft in einem großen Schloss, Herr über Ländereien und Forstgebiete, Gast auf eleganten Events, bekannt aus den Hochglanzblättern und Highsociety Reportagen. Doch was genau macht eigentlich ein Fürst?

Ernst-August Alexander Christian Viktor Hubert Prinz zu Schaumburg-Lippe, so lautet der vollständige Taufname, geboren am 25.12.1958 in Düsseldorf, besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft – für Österreich, wo er Ländereien besitzt, als auch für Deutschland. Seit dem sein älterer Bruder bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, war er der Erbprinz, der die Aufgabe des Hauschefs von seinem Vater, Philipp Ernst zu Schaumburg-Lippe übernehmen musste.

Beruflich sollte sein Weg bis dato ein ganz anderer sein. Durch sein Interesse an Musik und Politik war sein Plan, als Journalist tätig zu werden und er begann ein Studium der Politikwissenschaft und Musikwissenschaft an der Universität in München. Als die Rolle des Nachfolgers jedoch auf ihn fiel, änderte sich sein beruflicher Weg und er begann ein Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen, welches er 1989 abschloss. Nach seiner Heirat 1993 wurde er zum Generalbevollmächtigten der Fürstlichen Hofkammer Bückeburg und damit zum Vermögensverwalter der Familie.

Seit 2003 ist er gemäß der traditionellen Richtlinien des Deutschen Adelsrechtsausschusses „Chef“ des Hauses Schaumburg-Lippe. Sein Lebensmittelpunkt ist Schloss Bückeburg, wo er den Westflügel bewohnt. Die Bückeburger erleben ihn oft auf offiziellen Veranstaltungen, wie dem Bürgerschießen oder Auftritten von heimischen Künstlern. Man sieht ihn in „Lilly’s Parkcafé“ oder auch bei einer Jam-Session. Doch was genau sich hinter seinem Titel verbirgt ist vielen nicht bekannt.

Zur Aufgabe eines Hauschefs gehört in erster Linie, die Interessen der Familie nach Außen zu vertreten und sich um alles zu kümmern, was mit den Besitzungen zu tun hat. Auch ist er gefragt, wenn z. B. der „Gotha“, das Adelsverzeichnis, neu aufgelegt oder überarbeitet wird. Das Schloss, so sagt er, wirkt nach außen zwar sehr imposant und erweckt den Anschein, als würde der Besitzer unermesslich reich sein. Besagtes Schloss ist jedoch mit hohen Kosten verbunden, der Erhalt eine permanente Aufgabe. Diese Verpflichtung, den Besitz für die Familie zu erhalten, ist moralisch und gesetzlich festgeschrieben und für ihn eine Verpflichtung, der er sich verschrieben hat. Trotz großer Besitzungen reichen die Einnahmen aus Forst- und Landwirtschaft jedoch nicht aus, um alle Kosten zu decken und letztendlich noch etwas davon leben zu können. Vergleichbar sei der Besitz mit einem mittelständischen Betrieb, so der Fürst.

Der Fürst mit seiner Lebensgefährtin vor dem wunderschönen Schloss auf der Landpartie zum Thema „Farbenfrohes Indien“ (Foto: sc)

 

Alexander zu Schaumburg-Lippe hat allerdings schon früh erkannt, dass man mit der Zeit gehen muss und das gewisse traditionelle Denkweisen nicht mehr zeitgemäß sind. Sein Vater habe als Leitsatz gehabt: „An der Schlossbrücke endet das Business“. Alexander jedoch sagt: „ An der Schlossbrücke BEGINNT das Business“. Anfangs gab es nur den Souveniershop, später kam dann das „Park-Café“ dazu. Sein Vater sei von der Idee nicht begeistert gewesen, habe aber einsehen müssen, wie erfolgreich und sinnvoll das Café für das Schloss gewesen sei.

Doch es sollte noch weiter gehen. Graf Georg Wedel hat ihm seinerzeit mit der Idee betraut, eine „Landpartie“ auf dem Gelände zu veranstalten. Die erste Landpartie hatte immerhin eine Besucherzahl von 8.000. Schon damals begann die Zusammenarbeit mit Mechthild Wilke, die als Geschäftsführerin tätig war und heute die Organisation der Großveranstaltungen leitet. Schnell war klar, die „Landpartie“ braucht noch ein Pendant zur Weihnachtszeit, so entstand der „Weihnachtszauber“. Auch er, als „kleiner Bruder“ startete mit einer Besucherzahl von 8.000. Heute ist er mit Gästen im Bereich von 65.000 bis 80.000 eine Großveranstaltung. Somit ist die „Landpartie“ mit ihren bis zu 29.000 Besuchern mittlerweile eher die „kleine Schwester“. Der „Weihnachtszauber“ ist mit die größte Veranstaltung in Deutschland, steht in keinem Vergleich zu

normalen Weihnachtsmärkten, sondern ist eher ein besonderes Event mit vielen Highlights und zieht Besucher aus ganz Deutschland an. Besonderes Augenmerk legt der Fürst auf den Charity Charakter, so unterstützt er u. a. die „Stiftung Lesen“ und lädt jedes Jahr Prominente ein, die zum Teil zu seinem persönlichen Freundeskreis zählen und ihn gern unterstützen.

Feierliche Eröffnung der Landpartie (sc)

 

Doch wie sieht der normale Arbeitsalltag eines Fürsten aus, abseits der großen Veranstaltungen? Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe sagt dazu, dass er keinen typischen Arbeitsalltag mit einer festen Zeitspanne habe. Jeder Tag gestaltet sich anders. Es sind eine Reihe von Aufgaben und Terminen zu erledigen, die im Wesentlichen mit den jeweiligen Fachbereichen abgestimmt werden. Es ist ein relativ bescheidener Betrieb, der sich in erster Linie mit Verwaltungsaufgaben beschäftigt und sich jeden Tag anders und neu gestaltet. All das wäre natürlich nicht möglich ohne die Unterstützung von seiner privaten Sekretärin Gaby Schönbeck, sowie des Verwalters Christian Weber, der auch für die Forstwirtschaftlichen Besitzungen in Österreich zuständig ist.

Wenn in Bückeburg z. B. Schäden am Schloss sind, muss überlegt werden, was man schieben kann und um welche Dinge man sich sofort kümmern muss. Und der Erhalt des Schlosses ist eine immer wiederkehrende Aufgabe.

Trotzdem war nie der Gedanke da, sich von den Besitzungen zu trennen. Das Schloss soll immer familiär erhalten bleiben. Auch die Erbfolge und die Ausbildung eines Erbprinzen bzw. des Fürsten sind testamentarisch festgelegt. So muss der Erbe immer über eine akademische Ausbildung verfügen und der Titel vererbt sich immer nur auf den männlichen Erstgeborenen. Die Erbfolge hat der Großvater von Fürst zu Schaumburg-Lippe ausführlichst testamentarisch festgelegt. Eine Änderung selbigen sei nur schwer möglich und könnte frühestens erst für den Sohn seines Sohnes durchführbar sein, schätzt Fürst zu Schaumburg-Lippe.

Malerisch im Grünen gelegen ist Schloss Bückeburg, der Sitz der Familie zu Schaumburg-Lippe (sc)

 

Wie in manchen Adelshäusern üblich, könnte der Fürst auch vorzeitig sein Amt auf seinen Sohn übertragen. Lieber ist ihm aber, seinem Sohn die Möglichkeit eines unbeschwerten Lebens zu bieten, um sich die Welt anzuschauen und beruflich seinen Weg zu gehen.

Natürlich hat der Fürst auch Kontakt zu anderen europäischen Adelshäusern und ist auch in vielen persönlich bekannt. Wobei sich der Adel und seine Traditionen in außereuropäischen Häusern schon von dem der deutschen Tradition entsprechend unterscheiden.

Innerhalb des Schlosses hängen, auch für die Besuchergruppen sichtbar, herrliche Gemälde, die teilweise einen unschätzbaren Wert haben. Die Vererbung erfolgt nach dem Familienfideikommiss (fidei commissum – zu treuen Händen belassen). So man sie denn veräußern könnte. Aufgrund des Kulturschutzgesetzes dürfen diese jedoch nur mit Zustimmung des Staates verkauft werden. Somit handelt es sich um einen wertvollen Besitz, der allerdings nichts zum Erhalt des Schlosses beitragen kann.

 

Der Fürst mitsamt seiner attraktiven Lebensgefährtin beim Jubiläumskonzert des Kulturvereins in Bückeburg. Als Vorsitzender ist es ihm ein besonderes Anliegen, dieses Amt auch durch Präsenz auszufüllen. (sc)

 

Privat ist Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe Vater von drei Kindern, wobei der Erbprinz Donatus einst in seine Fußstapfen treten wird. Die Interessen des Fürsten liegen besonders im Bereich Musik; er ist fürwahr ein grandioser Klavierspieler, welcher schon diverse Male Auftritte mit durchaus bekannten Künstlern hatte. Auch seine große Musiksammlung, sowie seine Bibliothek zeugen von seinem großen Interesse an kulturellen Dingen und zeigen den Feingeist in ihm. Außerdem ist er politisch sehr interessiert und bloggt auf seiner Facebookseite zu aktuellen Themen. Gern schreibt er als Gastautor für die Presse und ist auch im sozialen Bereich sehr aktiv tätig. Er hat die Schirmherrschaft für mehrere deutsche und deutsch-israelische Institutionen, wobei ihm besonders „Interhelp“ am Herzen liegt. Zu nennen wären auch die „Aktion Sonnenstrahl“, „StiftungLesen“, „Kinder in Not“ und weitere. Politisch ist er Mitglied der FDP, für die er sich gern einsetzt und war Mitglied der Bundesversammlungen der letzten Jahre.

Vieles läuft im Hintergrund, was der Öffentlichkeit verborgen bleibt. Er selbst ist sich bewusst, dass sowohl sein Titel, als auch seine Besitzungen Neid erwecken und er sich oftmals mit Häme in den Medien überschüttet sieht. Der rote Faden in seinem Leben ist die Tradition, der er sich zu jedem Zeitpunkt verpflichtet fühlt und das Wahren des Erbes für die nächste Generation.

Zum Schluss drei Fragen über Bückeburg, seinem Wohnort und Sitz des Hauses zu Schaumburg-Lippe:

  1. Was gefällt Ihnen besonders am Landkreis Schaumburg und speziell an Bückeburg?– Mir gefällt besonders, dass die Leute hier sehr heimatverbunden sind. Sie ziehen in die Welt, haben dort Erfolge, kehren dann aber wieder hierher zurück, weil es ihnen hier sehr gut gefällt und man hier gut leben kann. Das gefällt mir sehr. Besonders die Bückeburger sind sehr ortsverbunden. Das bewundere ich.
  2. Was muss man sich in Bückeburg unbedingt ansehen?– Was ist das denn für eine Frage? Na, also gut. Unbedingt natürlich das Schloss und die Hofreitschule, Hubschraubermuseum, Mausoleum, Museum. Das Rathaus, die Stadtkirche,… eigentlich alles. Hier gibt es so vieles, aber die ersten fünf auf jeden Fall.
  3. Was könnte man an Bückeburg anders oder besser machen, was sollte sich verändern?– Die abendliche Gastronomie. Es kann nicht sein, dass es einzelne Personen schaffen, das gastronomische Angebot am Abend so lahmzulegen. Wir müssen es wieder hinbekommen, dass man abends lange ausgehen und etwas in Bückeburg in der Stadt unternehmen kann. Das ist das, was ich gern ändern würde.

Alexander zu Schaumburg-Lippe ist nur nicht ein Virtuose am Klavier und überaus musikalisch, sondern auch Vorsitzender des Kulturvereins Bückeburg und sehr interessiert und engagiert in diesem Bereich.

Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe mit  Mahkameh Navabi auf der traditionellen Landpartie Schloss Bückeburg (sc)
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