Historisches Schützenfest in Stadthagen – Fünf Tage gehört die Stadt den Rotts
Historisches Schützenfest Stadthagen - Foto: Sabine Christel

Historisches Schützenfest in Stadthagen – Fünf Tage gehört die Stadt den Rotts

In Stadthagen muss der Stadtmajor vier Dinge können: Reden, Reiten, Marschieren und Trinken

Stadtmajor Jörn Paegel, Stadthagen
Jörn Paeger, Stadtmajor und Adjutant Thomas Mensching – Foto: Sabine Christel

Wir beginnen unseren Bericht zum Historischen Schützenfest Stadthagen mit einem Zitat des Stadtmajors Nummer zwei, Jörn Paeger. (der gewählte Stadtmajor Karl-Wilhelm Bargheer hat sich das Bein gebrochen, deshalb wurde er vertreten von Jörn Paeger). Der Grund dafür liegt darin, dass er nicht nur überaus sympathisch die beste Werbung für das Schützenfest ist, sondern auch gleich die ganze Veranstaltung in einem Satz zusammenfasst. Denn – bis auf das Reiten und vielleicht kann man „reden“ mit „singen“ tauschen – trifft das auf alle Schützen zu. Dass sie marschieren können, zeigten sie beim Rundmarsch vorbei an der Ehrentribüne, wo sie nicht nur vom Stadtmajor samt seines Adjutanten Thomas Mensching ordnungsgemäß gegrüßt wurden, sondern auch Bürgermeister Oliver Theiss mit einer Abordnung befreundeter Kompanien der Nachbarorte und Ehrengäste grüßend parat stand. Und so ein Marsch ist optisch mehr als sehenswert. Das wußten auch die Stadthäger, die großzügig entlang der Route standen und den Schützen Geleit gaben.

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Vorbeimarsch – Foto: Sabine Christel
Ehrentribüne (oder Ehrengästetribüne?) – Foto: Sabine Christel
Foto: Sabine Christel
Damit man hinterher auch sein eigenes Rott findet, hat jeder Zugehörige eine Art „Erkennungsmarke“. Bei so vielen Anzugträgern verliert man schon mal den Überblick – hier ein charmanter Herr, der wichtige Infos zum Ablauf liefert – Foto: Sabine Christel
Foto: Sabine Christel

Fünf Tage Feiern – auch das kann man in Stadthagen. Und eine gewisse Trinkfestigkeit sagt man ihnen auch nach. Wer dann noch in der Lage ist zu Reden oder auch zu Singen und sich aufs Schießen konzentriert, ist ein wahrer Schütze.

Wissenswertes zum Schützenfest in Stadthagen

Im Gegensatz zu Bückeburg heisst es in Stadthagen „Schützenfest“ und wird jährlich gefeiert. Immerhin schon zum 624. Mal! Verantwortlich sind dafür die Stadt Stadthagen sowie der Schützenbund Stadthagen e. V. Die genauen Zahlen entnahm man alten Rechnungen, die immerhin seit 1378 nahezu vollständig erhalten sind. Damals wurde das Fest alljährlich zu Pfingsten gefeiert. Dabei schoss man mit der Armbrust auf einen hölzernen Vogel. Der beste Schütze erhielt als Dank die Armbrust (anderswo erhielt man Taler oder aber wurde von der Steuer befreit. Deshalb auch der Name Schützenfest und nicht Freischießen). Später schoss man mit einer Feuerwaffe und noch später dann auf eine Scheibe anstelle des Vogels. Nach dem 1. Weltkrieg wurde das Mitführen von Waffen verboten, so nutzte man für den Umzug Holzgewehre.

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Außerdem wurde die Stadt damals schon in Quartiere eingeteilt – es gab 3 Quartierschaften, die sich jeweils in vier Rotts aufteilten. Auch heute noch gibt es in Stadthagen die Rotts, die sich zum Schützenfest sammeln.

Seit einigen Jahren hat man den Termin von Pfingsten auf Ende Juni/Anfang Juli verschoben. Das Fest entstand also aus der Zeit, in der man ein Schützenfest feierte, um die Männer zum Üben an der Waffe zu animieren. Die sogenannte Bürgerwehr diente zur Verteidigung der Stadtmauern.

Heute ist das Schützenfest ein rein geselliger Anlass, bei dem die Schützen in ihren Rotts fröhlich miteinander feiern und so auch das Gemeinschaftsgefühl pflegen. Verfolgt man den Marsch der schwarzgekleideten Herren durch die Stadt, hat es tatsächlich den Anschein, also ob (fast) jeder männliche Bewohner Mitglied in einem Rott ist.

Foto: Sabine Christel
In Stadthagen trägt man Holzgewehre – Foto: Sabine Christel
Kein leichter Job… – Foto: Sabine Christel

Das Fest startet jeweils am Mittwoch und endet am darauffolgenden Sonntag. Fünf Tage, in denen in Stadthagen zünftig und traditionell gefeiert wird. Die Besonderheit liegt in Stadthagen sicherlich zum einen an der jährlichen Veranstaltung und zum anderen daran, dass die Teilnahme an der Veranstaltung und die Zugehörigkeit zu einem Rott als wichtig erachtet wird. Nachwuchssorgen muss sich die Gemeinschaft deshalb auch nicht machen. Schon die Kinder sind in das Schützenfest integriert und werden von den Schützen am Samstag zum Rundmarsch durch die Stadt abgeholt, danach erfolgt sogar ein Schüler-Schießen. Den Samstag beschließt dann der Zapfenstreich und am Sonntag finden in den Rotts die letzten Feiern statt, bevor am Nachmittag der Vorbeimarsch am Marktplatz mit dem Rundmarsch durch die Stadt startet. Ein Konzert beendet fünf Tage Festlichkeiten.

Auf den Bildern sehen Sie ein paar Eindrücke zum Vorbeimarsch am Marktplatz. Jetzt erholen sich die Schützen erstmal wieder, bis im nächsten Jahr zum Jubiläum das 625. Historische Schützenfest stattfinden wird.

Man weiß es nicht, was ist schöner: Hoch zu Ross…. – Foto: Sabine Christel
… oder den Zylinder präsentieren…? – Foto: Sabine Christel
Foto: Sabine Christel
Foto: Sabine Christel
Für ein Foto bleibt immer Zeit – Foto: Sabine Christel
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Fans – Foto: Sabine Christel
Noch mehr Fans … – Foto: Sabine Christel
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Da wird noch schnell das Grün zurechtgezupft – Foto: Sabine Christel
Foto: Sabine Christel
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Jetzt wissen Sie auch, warum man sagt: „Jemandem den Marsch blasen“ 😉 – Foto: Sabine Christel

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