Kontakt: Redaktion@scarlett-magazin.de oder Mobil 0151-55684186
Gute Unterhaltung mit der Schaumburger Bühne
"Immer Ärger mit den Alten"

Gute Unterhaltung mit der Schaumburger Bühne

Das Ensemble der „Schaumburger Bühne“ gastierte am vergangenen Samstag im Rathaussaal in Bückeburg. Das besondere an dieser Schauspielgruppe ist, dass es alles theaterbegeisterte Darsteller sind, die diese Leidenschaft in ihrer Freizeit ausüben. Dazu gehört aber mehr als nur Fan von Schauspiel und Texten zu sein, sondern auch der Mut, sich auf der großen Bühne einem durchaus anspruchsvollen Publikum zu präsentieren. Und eben dieses Publikum geht auch mit einer gewissen Erwartung in eine Vorstellung, denn – gerade in Bückeburg – ist man verwöhnt, was das Kulturprogramm betrifft, ist es doch überaus reichhaltig und vielseitig.

Die Schaumburger Bühne auf der Bühne des Rathaussaales (sc)

Das aktuelle Stück „Immer Ärger mit den Alten“, hatte bereits im vergangenen Jahr Premiere und seitdem einige erfolgreiche Vorstellungen. Nun also ein Gastspiel im großen Rathaussaal.

Im gut besuchten Saal ein interessiertes Publikum, von denen viele zum festen Stamm der Theaterbesucher gehören. Unter ihnen natürlich auch Johanna Harmening, Geschäftsführerin des Kulturvereins in Bückeburg, die bei jeder Veranstaltung eine Vorfreude ausstrahlt, die sich auf die Besucher überträgt. Gestärkt mit einem Getränk nahm man Platz und wartete gespannt auf die erste Szene.

Durchaus gut besucht (sc)

Ein schlichtes Schauspiel ist wahrlich nicht im Sinne des Ensembles und so auch dieses Mal: Eine auf den ersten Blick recht harmlose Geschichte über ein älteres Ehepaar, beide schon einhundert Jahre alt und bereits seit achtzig Jahren verheiratet. Der pfiffige Reporter George (Oliver Beckers) vom „Evening Star“ hat in einem kleinen Bericht eben dieses Paar erwähnt und dazu notiert, dass der große Wunsch der Ehefrau sei, doch einmal in ein schönes Hotel nach London zu gehen und sich die Stadt anzusehen. Emotional berührt von dieser Geschichte folgt eine Spendenaktion der Leser, um diesem Paar ihren Wunsch zu erfüllen. Die Herausgeberin der Zeitung weist nun also George an, mit der frischangetrauten Gattin Brenda (mondän gespielt von Claudia Quintern), in der Dachgartensuite eines schicken Hotels zu logieren und samt Sekretärin (wirkt beruhigend auf alle – Katrin Rohde), Fotografin (Nadine Olivier) und Chefredakteurin (Regieassistenz und Darstellerin: Evi Dopheide), den beiden „Alten“ einen schönen Aufenthalt zu gestalten.

Zuerst hängt der Himmel noch voller Geigen… (sc)

… dann ziehen erste Gewitterwolken auf… (sc)

… kein Wunder, bei dem Betrieb in der Hochzeitsuite (sc)

Brenda fällt aus allen Wolken als sie das hört, so hatte sie sich ihren Honeymoon wirklich nicht vorgestellt, auch, wenn George beruhigend erwähnt, dass noch zwei Pflegerinnen (Anna Schönbeck und Sylvia Spilker spielen herrlich schrullig die beiden Krankenschwestern) zur Unterstützung in die Suite ziehen. Flitterwochen zu neunt?

Doch schon trifft das ältere Ehepaar ein und alles ist bereit für eine liebevolle Homestory, die die Auflage erhöhen wird und die Leser zu Tränen rühren soll.

Leider entpuppt sich das liebevolle Paar als sehr streitlustig und keinesfalls harmonisch. Von Prügel ist die Rede und die beiden Pflegerinnen sind schon von der Anreise genervt. Lediglich Ellen, die Sekretärin von George, versucht zu vermitteln, um die Stimmung und natürlich den Artikel zu retten.

Ersetzt jeden Physiotherapeuten: Bei Rückenschmerzen hilft ein gezielter Schlag mit der Handtasche (sc)
Hat auch gar nicht weh getan, oder? (sc)

Sie sehen schon, die Handlung wird kompliziert. Aber, es geht noch weiter… Denn der liebestolle Empfangschef Scott (sehr charmant in seiner Rolle: Christoph Leier) versucht nicht nur Joan, die Fotografin, für sich zu gewinnen, sondern offenbart sich am Ende als Hochstapler, der von Scotland Yard gesucht wird und nur durch ein zufälliges Foto von Joan, dass im „Evening Star“ gedruckt wurde, erkennt ihn eine Leserin wieder.

George (hinten) ist verzweifelt: Die beiden Alten sind nicht nur sehr gesprächig, sondern bringen die BBC-Reporterin an den Rand eines Nervenzusammenbruchs (sc)

Brenda wiederum ist mit der Situation unzufrieden, verlässt die Flitterwochensuite, um in ihrer Londoner Wohnung ein wenig Abstand zu gewinnen, verschweigt George jedoch, dass zum Abstand ein gewisser Scott gehört, eben der Empfangschef, welcher einen Hausbesuch macht.

Derweil stellt sich in der Dachgartensuite nicht nur heraus, dass Joan zwar gegen die Ehe ist (schlechte Erfahrungen), aber sich sehr gut mit George versteht. Und auch George scheint nicht abgeneigt zu sein, was Brenda aber nicht wissen sollte.

Brenda muss erkennen, dass Joan (vorn) ihr Geheimnis „Scott“ kennt (sc)

Und das streitlustige ältere Ehepaar? Das ist gar nicht so lange verheiratet, wie gedacht. Eigentlich sind sie gar nicht rechtmäßig angetraute Eheleute, denn Mrs. Mellowes hatte vor Mr. Mellowes eine Ehe mit einem anderen Mann, über den Mr. Mellowes sagt: „Sie können sicher sein, wenn eine Frau zwischen zwei Männern steht, dann wählt sie nicht den, der sie aufrichtig liebt, sondern den, der sie schlecht behandelt.“ Und das hat Mrs. Mellowes auch getan, um später reumütig zu Mr. Mellowes zu gehen, allerdings noch zu Lebzeiten ihres ersten Ehegatten. Das soll nur niemand wissen. Weder die Leser, die so großzügig gespendet haben, noch die neidische Zeitungskonkurrenz. Dumm nur, dass Mr. Mellowes kein Blatt vor den Mund nimmt, und wenn doch, dann nicht das, was die Chefredakteurin ihm als Rede vorbereitet hat.

Ellen ist zufrieden: Am Ende wird doch noch geheiratet (sc)

Nach vielen Irrungen und Wirrungen findet am Ende zusammen, was zusammen gehören soll und es kommt zu einem Happy End: Der lüsternde hochstapelnde Empfangschef Scott wird verhaftet, die reumütige untreue Brenda muss erkennen, dass George anderweitigen Trost erhält und Mr. und Mrs. Mellowes haben nach 80 Jahren „wilder Ehe“ doch die Absicht zueinander „Ja“ zu sagen.

Viele Handlungsstränge, bei denen man schon gut zuhören musste, um den Spuren der Rollen zu folgen. Alles gespickt mit witzigen Dialogen, die immer wieder für Gelächter im Publikum sorgten. Allen voran bei den Auftritten von Mr. Mellowes, großartig gespielt von Andreas Watermann, der das Alter mit Humor nahm („Schlimm am Altwerden ist, dass man soviel Energie braucht, um wach zu bleiben“) und seine Rolle förmlich „lebte“. Auch die Chefredakteurin, gespielt von Evi Dopheide, dessen Minenspiel zwischen purer Verzweiflung und trotziger Entschlossenheit wechselte, zeigte eine tolle Leistung auf der Bühne. Das passende Pendant zur Rolle des Mr. Mellowes bot Betina Handelsmann, die ihre Rolle der „zickigen Gattin“ hervorragend verkörperte und mit Andreas Watermann glänzend harmonierte. In weiteren Rollen noch Birgit Rugbarth als neugierige BBC-Reporterin und Kristina Mantel als leicht nervöses Zimmermädchen.

Ein Kompliment an Bühnen- und Kostümbild mit Janin Buchmann und Maske Beate Schliwa, die beide einen tollen Job leisteten, mit zauberhaften Kleidern und einer schönen Bühnendeko.

Ein Stück, genau zugeschnitten auf die Theaterfans, die mit ihrem Applaus das Spiel der Darsteller zu recht würdigten. Und eine Unterhaltung, die bis zum Schluss fesselte und mit Überraschungen und Dialogen punkten konnte.

Welches das nächste Stück der „Schaumburger Bühne“ werden wird? Darüber ist man sich im Team noch unsicher: Entweder ein Krimi oder eine Komödie. Lassen Sie sich überraschen!

Fühlen sich gut unterhalten – Publikum im Rathaussaal (sc)


Menü schließen