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Gedanken zum Ewigkeitssonntag
Ewigkeitssonntag - Tag des Gedenken

Gedanken zum Ewigkeitssonntag

Bevor die glitzernde Weihnachtszeit beginnt, fällt in den grauen Novembermonat noch die Zeit der Gedenksonntage. Neben dem Volkstrauertag ist der letzte Sonntag vor dem ersten Advent der Ewigkeitssonntag oder auch Totensonntag. In den evangelischen Kirchen in Deutschland und der Schweiz ist dies der Gedenktag für die Verstorbenen. Deshalb werden in den Kirchen spezielle Gottesdienste abgehalten und die Menschen erinnern sich derer, die nicht mehr unter ihnen sind.

Gedenken derer, die nicht mehr unter uns sind

Außerdem ist dieser Sonntag auch der letzte Sonntag eines Kirchenjahres. Aufgrund der fixen Lage des vierten Adventssonntags, der vor dem 25. Dezember stattfindet, kann er nur auf Termine in der Zeit vom 20. bis zum 26. November fallen.

Seit der Entwicklung des Kirchenjahres im Mittelalter wurden mit den letzten Sonntagen des Kirchenjahres liturgische Lesungen zu den letzten Dingen verbunden. Während am drittletzten Sonntag das Thema „Tod“ im Mittelpunkt steht, hat der vorletzte Sonntag die Thematik „Jüngstes Gericht“ und der letzte Sonntag „Ewiges Leben“.

Mir persönlich gefällt die Nennung „Ewigkeitssonntag“ demzufolge besser.Traditionell thematisiert der letzte Sonntag im Kirchenjahr in besonderer Weise die Erwartung des  „Jüngsten Tages“. Dazu gehört als Sonntagsevangelium das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen (Matthäus 25). Es bildet die Grundlage für das Wochenlied, den Choral von Philipp Nicolai Wachet auf, ruft uns die Stimme und die darauf aufbauende Bachkantate gleichen Namens.

Damit endet das Kirchenjahr
Doch wie ist der Totensonntag oder Ewigkeitssonntag entstanden?

König Friedrich-Wilhelm II. von Preußen bestimmte durch eine Kabinettsorder vom 24. April 1816 und der Verordnung vom 25. November 1816 für die evangelische Kirche in den preußischen Gebieten, den jeweils letzten Sonntag des Kirchenjahres, somit den letzten Sonntag vor dem 1. Advent, zum „allgemeinen Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen“. Folgende Gründe könnten dafür in Frage gekommen sein: Das Gedenken an die vielen Gefallenen der Befreiungskriege von 1813 bis 1815, die Trauer um die 1810 verstorbene Königin Luise und auch das Fehlen eines Totengedenkens im evangelischen Kirchenjahr. Förderlich war zudem sicherlich im Zeitalter der Romantik die Welle der Empfindsamkeit, die das Gedenken an die Verstorbenen verstärkt „in Mode“ brachte. Die anderen evangelischen Landeskirchen übernahmen dann diese Verfügung.

Der Ewigkeitssonntag ist in allen deutschen Bundesländern durch die Feiertagsgesetze, die den Tag als Trauer- oder Gedenktag bzw. als „stillen Tag“ bezeichnen, besonders geschützt. Es gelten besondere Einschränkungen, wie z. B. Verbote von Musikaufführungen in Gaststätten, die zum Teil auf bestimmte Stunden des Sonntags begrenzt sind.

Du bist nicht fort, Du bist nur vorausgegangen… (sc)
Das Evangelische Gottesdienstbuch verzeichnet darüber hinaus noch einen „Gedenktag der Entschlafenen“, in dem biblische Lesungen vorgeschlagen werden, die von denen für den Ewigkeitssonntag abweichen. Für Christen ist der Tod zwar das Ende des irdischen Lebens, doch sieht man dies als Hoffnung auf die Auferstehung der Toten, wie es in der Bibel beschrieben wird.

Das Totengedenken bleibt in vielen Landeskirchen der Entscheidung der Kirchengemeinde überlassen. Zumindest mit dem Verlesen der Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres – denn das neue beginnt mit dem folgenden Sonntag, dem ersten Adventssonntag – wird ihrer in den Gottesdiensten gedacht. In vielen Gemeinden werden die Angehörigen der Verstorbenen sogar eigens zu Gottesdiensten auf den Friedhöfen eingeladen.

Ein verbreiteter Brauch ist es auch, die Gräber mit Blumen und Gestecken als Erinnerung an die Verstorbenen zu schmücken.

Ein Blumengruß zum Gedenken (sc)

Kirchliche Kreise werben dafür, aus Rücksichtnahme auf den Totensonntag mit der Weihnachtsbeleuchtung und den Weihnachtsmärkten erst in der Woche vor dem 1. Advent zu beginnen. Deshalb wird oftmals die Beleuchtung in den Städten vorab schon befestigt, eröffnet werden darf aber erst nach dem Ewigkeitssonntag.

Stille über dem Friedhof

In der römisch-katholischen Kirche wird dieser Sonntag seit der Liturgiereform des zweiten vatikanischen Konzils als Christkönigssonntag begangen, im altkatholischen Kalender wird dieser Tag „Sonntag vom wiederkommenden Herrn“ genannt. Das Fest betont die Königsherrschaft Christi in Ewigkeit und weist insofern Parallelen zum Ewigkeitssonntag auf. Auch englischsprachige lutherische Kirchen, die dem Revised Common Lectionary folgen, feiern den Christkönigssonntag. Das Totengedenken erfolgt in der katholischen Tradition an „Allerseelen“ (Allerheiligen).

In unseren Bereichen ist der Ewigkeitssonntag für viele der letzte Tag, bevor man die Weihnachtsdekoration hervorholt und die Vorweihnachtszeit beginnt. In den Blumenläden finden sich besonders viele Grabgestecke und man beginnt, sofern man Angehörige auf den Friedhöfen hat, die Gräber winterfest zu machen und mit Tannen zu bedecken. Auch ist es, passend zur dunklen Jahreszeit, die letzte Phase, bevor Mitte Dezember die Tage wieder länger werden und der Jahresverlauf von neuem beginnt. Es ist eine Zeit zum Innehalten und Gedenken, nicht nur der Verstorbenen, sondern eine Rückbesinnung auf das, was im Leben wirklich wichtig ist und eine Zeit, in der man sich auch ein Stück weit auf sich selbst besinnt.

Zeit der inneren Einkehr und Besinnung …

 

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