„Fühlen Sie sich wie zu Hause“ – Ein Blick in die Privatgemächer der fürstlichen Familie

Während einer Schlossführung erfährt man einiges über die Geschichte des jeweiligen Hauses. Man sieht ausgewählte prunkvolle Räumlichkeiten und Gemälde, hochwertiges Mobiliar und fühlt sich zurückversetzt in eine längst vergangene Zeit. Trotzdem bleibt eine Frage oftmals bestehen: Wie leben die Schlossbewohner eigentlich heute? Zu gern würde man einen Blick durch das Schlüsselloch wagen und sehen, wie ist die fürstliche Familie eingerichtet, wie wohnt es sich so und vor allem, wer ist hier schon zu Gast gewesen?

Jetzt bietet sich zur Antwort auf diese und andere Fragen die Gelegenheit. Zwar öffnet Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe nicht sein Wohnzimmer für die Öffentlichkeit, aber 14 ehemalige Wohnräume der fürstlichen Familie, die heute bislang nur bei Festlichkeiten zur Verfügung stehen oder als Unterkunft für gute Freunde und Verwandte dienen sind nun zu sehen. Im Rahmen der Führung „Fürstliche Privatgemächer“ können Sie sich so ein Bild vom Alltag in einem Schloss machen.



Festliche Eröffnung zu den „Fürstlichen Privatgemächern“ Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe, Mahkameh Navabi und Stephan Guddat – Foto: Sabine Christel

Als Stephan Guddat seine Tätigkeit als Museumsleiter und zuständig für den Führungsbetrieb im Schloss Bückeburg antrat, hatte er zuerst eine interessante Schlossbesichtigung auf dem Programm. Und er war so begeistert davon, dass ihm die Idee kam, warum diese Räume nicht aus ihrem – teilweise – Dornröschenschlaf zu wecken und zu zeigen? Und da einige durchaus noch für Besuche genutzt werden, ist diese Führung der Privatgemächer wirklich das Privateste, was die fürstliche Familie zu bieten hat, so der Schlossherr selbst.

Festliche Eröffnung zu den „Fürstlichen Privatgemächern“ – Foto: Sabine Christel

Festliche Eröffnung zu den „Fürstlichen Privatgemächern“ – Foto: Sabine Christel

Festliche Eröffnung zu den „Fürstlichen Privatgemächern“ – Foto: Sabine Christel

Im Rahmen der festlichen Eröffnung dieser Führungen gab es deshalb einen Empfang mit dem Chef des Hauses Schaumburg-Lippe nebst seiner zukünftigen Frau Mahkameh Navabi, zu dem geladene Gäste, wie unter anderem Bürgermeister Reiner Brombach, Dr. Stefan Brüdermann, Leiter des Niedersächsischen Landesarchivs oder Dr. Jörg-Friedrich Sander, Geschäftsführer der Minden Marketing GmbH die Gelegenheit hatten, die Privatgemächer während eines mehr als unterhaltsamen Rundgangs kennenzulernen. Und so folgte man den beiden Gästeführern, die in zwei Gruppen den ca. 50 Minütigen Gang durch den südlichen Schlossflügel im ersten Stock, der sonst der Öffentlichkeit verschlossen bleibt, vorstellten. Das Besondere daran war, dass der Hausherr selbst eine der Gruppen begleitete und durch Ergänzungen und Anekdoten in seiner Familiengeschichte, diesen Rundgang sehr lebendig machte. Oder wie es Guddat so charmant bemerkte: „Diese Führung heute ist so besonders, weil der Schlossherr mit dabei ist.“

Wobei 50 Minuten? Nun, nicht wenn Alexander zu Schaumburg-Lippe den Rundgang begleitet. Zu jedem Raum gibt es etwas Persönliches zu erzählen und oftmals sind es kleine Details, die eine Geschichte zur Geschichte liefern. Dazu hat man die Räumlichkeiten so gestaltet, als wäre der Bewohner gerade erst zur Tür hinaus und habe Essgeschirr oder eine aufgeschlagene Bettdecke soeben verlassen.

Der Anfang…

Festliche Eröffnung zu den „Fürstlichen Privatgemächern“ – Foto: Sabine Christel

Festliche Eröffnung zu den „Fürstlichen Privatgemächern“ – Foto: Sabine Christel

Wir beginnen an der Eingangstür zu den Privatgemächern: Dort, wo sonst der normale Rundgang vorbeiführt, hat der Vater des derzeitigen Fürsten in den 70er Jahren die Kordel durch eine Tür ersetzt, um etwas mehr Privatsphäre zu schaffen. Ein langer Gang von 40 Metern, der an einer Seite eine Kammer beinhaltet, in der Chauffeur Schneidewind seinen wohlverdienten Schlaf hält. Vorher gab es bereits einen Einblick in das ehemalige „Fürstinnen-Mutter-Zimmer„, welches in den letzten Jahren als Gästezimmer sogar einen Prinzgemahl als gerngesehenen Gast zu Besuch hatte: der leider mittlerweile verstorbene Prinz Henrik von Dänemark war des Öfteren im Schloss, selbst kurz vor seinem Tod weilte er noch in Bückeburg, was seine Frau, Königin Margarete von Dänemark, in einem Brief an den Fürsten zu Schaumburg-Lippe dankbar erwähnte. Hoher Besuch also im Schloss und er war nicht der einzige Gast.

Das Curd-Jürgens-(Bade)Zimmer

Curd-Jürgens-Badezimmer – Foto: Sabine Christel

Curd-Jürgens-Zimmer – Foto: Sabine Christel

So gibt es beispielsweise auch das „Curd-Jürgens-Zimmer„, in dem der große Schauspieler („Des Teufels General“, „Der Kurier des Zaren“ etc. oder als Sänger „Auf der Reeperbahn…“ 1970,…) in den 70er Jahren sehr gern seine drehfreie Zeit genoss und ein Bad in der grünen Badewanne ebenso entspannend fand, wie sicherlich die anregende Gesellschaft anderer Gäste. Und nicht nur, weil aus den Lautsprechern ein alter Titel von ihm läuft, wirkt es so, als käme er sogleich wieder zur Tür herein. Der Raum ist mit einer Galerie versehen, wo vermutlich der Ankleidebereich war und sehr gemütlich eingerichtet, wenngleich man sich fragt, wie der doch sehr stattliche Mann (1,93 m) die schmale Treppe nach oben gestiegen sein mag..?

Die Küche – ein Traum!

Mehr Küche geht nicht… – Foto: Sabine Christel

Festliche Eröffnung zu den „Fürstlichen Privatgemächern“ – Foto: Sabine Christel

Was sind denn das für Neugkeiten in der Regenbogenpresse…? – Foto: Sabine Christel

Ein beeindruckender Raum ist ohne Frage die 44 qm große Küche. Früher wurde sie Spielzimmer genannt, warum lässt sich nicht mehr eruieren. In den 90er Jahren wurde die Küche durch das junge Erbprinzenpaar Alexander und Lilly modernisiert, weil man sich doch gern dort aufgehalten hat oder – wie der Fürst schmunzelnd bemerkt – „jede gute Party endet irgendwann in der Küche“, deshalb musste man schon dafür sorgen, dass sie entsprechend eingerichtet ist. Und diese ist besonders schön: Grüne Fliesen auf der Arbeitsfläche, viel Platz zum Kochen und Essen und so zauberschön, dass man sich wünscht, der Termin für das gemeinsame Kochen wäre schon jetzt. DENN – Sie haben die Gelegenheit in der fürstlichen Küche zu kochen und zwar am Freitag, 17. Januar um 17.00 Uhr
Kochkurs in der Fürstlichen Privatküche „Kulinarisches Schaumburg“
Nach einer spannenden Führung durch die Fürstlichen Privatgemächer empfängt Sie Küchenchef Jens Driftmeier zu einem exklusiven Kochkurs, verrät sein Expertenwissen und kocht gemeinsam mit Ihnen ein köstliches 4-Gänge-Menü aus der regionalen Küche Schaumburgs.
Preis: 80,00 € p.P.

Weiter geht es durch Räume mit wertvollen Gobelins, alten Gemälden und feinstem Geschirr. Und gerade bei so einer kleinen Gruppe bleibt die Möglichkeit, Fragen zu stellen und so die fürstliche Familie noch etwas besser kennenzulernen.

Wertvoller Teppich an der Wand im Gobelinzimmer – Foto: Sabine Christel

Das Wohnzimmer (der rote Salon) beispielsweise ist eingerichtet worden durch die erste Frau des jetzigen Fürsten, damals noch Erbprinzen, Lilly zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Im großen Wohnzimmer fällt nicht nur die Mischung zwischen alt und moderne auf, sondern auch, dass der Fürst über einen ausgezeichneten Musikgeschmack verfügt und mittels eines Servers für den guten Ton aus dem reichhaltigen Angebot an Titeln sorgt.

Festliche Eröffnung zu den „Fürstlichen Privatgemächern“ – Foto: Sabine Christel

Stolz ist er natürlich besonders auf seinen Sohn, Heinrich Donatus Erbprinz zu Schaumburg-Lippe, der seine militärische Ausbildung in Sandhurst, zudem als erster Deutscher, absolvieren durfte und dessen Uniform jetzt ebenfalls zu bewundern ist. Und auch da plaudert Durchlaucht aus dem Nähkästchen, wenn er von den abenteuerlichen Reisen Donatus erzählt, zum Beispiel, als er die Wohltätigkeits-Mongol-Rallye mit seiner Mutter gefahren ist.

Der Herr Papa plaudert aus dem Nähkästchen – Foto: Sabine Christel

Die Mongol Ralley ist eine jährlich stattfindende, wohltätige Fahrt mehrerer hundert Teams ausgehend von der englischen Hauptstadt London quer durch Europa, den vorderen Orient bis nach Ulaan Baatar in der tiefsten Mongolei. Sie ist mit 17.000 km eine der größten Ralleys der Welt, unterscheidet sich aber in einigen Dingen von einer kompetitiven, traditionellen Ralley. Ist man einmal losgefahren, gibt es während der ganzen Fahrt keine Unterstützung und man ist somit auf sich allein gestellt. Auch die Wahl der Route ist jedem Team selbst überlassen.

https://www.travelicia.de/mongol-rally/

Eine Fahrt von 16.000 Kilometern in fast fünf Wochen dessen Teilnahmebedingung war, das Auto muss selbst von den Fahrern repariert werden können und darf trotzdem nicht mehr als 500 Pfund kosten. Und – ganz ohne Nervenkitzel sei auch diese Reise nicht verlaufen, da ist man als Vater schon mit einer gewissen Besorgnis dabei, wenngleich der Stolz überwiegt.

Die Uniform aus Sandhurst – Foto: Sabine Christel

Ein Raum sei noch besonders zu erwähnen: Das Kaiserzimmer. Es hat seinen Namen jedoch keinesfalls vom Kaiser selbst, weil dieser ganz woanders nächtigte und bei seinen Besuchen sechs Zimmer der Gemäldegalerie bewohnte und sogar das erste Wasserklosset benutzen durfte. Dieser Raum wird so benannt, weil die kaiserlichen Möbel dort stehen. Interessant auch, dass man vor 200 Jahren noch einen schönen Blick ins Tal hatte, woraufhin Stephan Guddat humorvoll dem Hausherrn den Vorschlag machte: „Durchlaucht, es wäre an der Zeit zu Roden“.

Der Fürst im Kaiserzimmer – Foto: Sabine Christel

Und dann gibt es noch typische Sorgen, mit denen ein Schlossherr konfrontiert wird: Ein Gemälde ist gerissen, dass passiert, wenn man nicht auf Leinwand, sondern auf Holz malt und durch die trockene Luft dann das Holz spaltet. Trotz eines Luftbefeuchters geschieht so etwas nach einigen hundert Jahren nun mal. Nicht vergessen darf man auch, dass der Südflügel 1732 abgebrannt ist und daraufhin wieder aufgebaut wurde. Mit ein Grund, warum beispielsweise im Kaiserzimmer der alte Heizofen nicht benutzt wird und nur noch zur Dekoration vorhanden ist.

Festliche Eröffnung zu den „Fürstlichen Privatgemächern“ – Foto: Sabine Christel

Neben vielen alten Fotoalben, die zeigen, wie manche Räume früher ausgesehen haben und Reliqien aus längst vergangener Zeit, sind es immer wieder die besonderen Stücke, die das Herz eines interessierten Besuchers höherschlagen lassen. So zum Beispiel die wertvollen Gobelins, die schon seit über 450 Jahren die Wände bedecken, Seidentapeten und Silber, das teilweise extra für diese Ausstellung vom Schlossverwalter Alexander Perl – wenngleich sehr zögerlich – herausgerückt Pardon zur Verfügung gestellt wurde.

Festliche Eröffnung zu den „Fürstlichen Privatgemächern“ – Foto: Sabine Christel

Weitere Räumlichkeiten…

Im Wiegenzimmer musste man beispielsweise Pfeiler einziehen, als eine tragende Zwischenwand fehlte, sonst wäre das Zimmer irgendwann eingestürzt. Heute sind auf dem Boden Klebepunkte befestigt, damit die Statiker regelmäßig überprüfen können, ob das Schloss sich geneigt oder sonstwie verändert hat. Fragen, mit denen sich ein Schlossherr immer wieder befassen muss.

Alle Wiegen sind hier versammelt – Festliche Eröffnung zu den „Fürstlichen Privatgemächern“ – Foto: Sabine Christel

Nach dem letzten Raum, dem Musikzimmer, in dem nicht nur ein wertvolles Klavier und ein Piano stehen, sondern auch ein Geschenk der „Scorpions“ sowie die Trommelstöcke vom letzten Christian Sands Konzert liegen, ist die Führung beendet. Hier dürfen die Damen und Herren wieder in ihre Mäntel schlüpfen, denn, so Stephan Guddat, die Jacken zieht man vor der Führung aus, die Besucher sollen sich durchaus wie Gäste des Hauses fühlen dürfen.

Mal sehen, was die Scorpions beim nächsten Mal schenken… – Foto: Sabine Christel

Festliche Eröffnung zu den „Fürstlichen Privatgemächern“ – Foto: Sabine Christel

Viel Interessantes, was einem sonst verborgen bleibt. Diese besonderen Führungen finden statt vom 10. Januar bis zum 08. März 2020 und nun darf die alte Fürstenwohnung zum ersten Mal einem öffentlichen Publikum zugänglich gemacht werden. Stephan Guddat, Museumsleiter von Schloss Bückeburg, und sein Team freuen sich, die Schlossbesucher täglich (außer montags) durch das Allerheiligste zu führen und dabei viel Geschichte und manch unbekannte Geschichten über das Leben der Fürsten auf Schloss Bückeburg zu vermitteln.

Auf einen Blick

Führungszeiten der Sonderausstellung
Täglich vom 10. Januar bis 08. März 2020 (außer montags)

Dienstag – Freitag

  • 10.30 Uhr
  • 11.30 Uhr
  • 14.30 Uhr
  • 15.30 Uhr

Samstag
– Sonntag

  • 10.30 Uhr
  • 11.30 Uhr
  • 12.30 Uhr
  • 13.30 Uhr
  • 14.30 Uhr
  • 15.30 Uhr

Für Gruppen sind weitere Führungszeiten nach Anmeldung möglich.

Preis:

Dienstag – Sonntag: Ticket „Fürstliche Privatgemächer“ 12,50 €

Wochenend-Kombi-Ticket „Fürstliche Privatgemächer“ 18,50 € zusammen mit einer Schlossführung „Classic“ und Besuch des Marstallmuseums

Alle Infos lesen Sie auch HIER

Lassen Sie sich überraschen, freuen Sie sich auf neue Ideen und fühlen Sie sich wie zu Hause im altehrwürdigen Schloss Bückeburg!

Ein paar Impressionen…

Festliche Eröffnung zu den „Fürstlichen Privatgemächern“ – Foto: Sabine Christel

Die türkisfarbene Wand war übrigens die Idee der Verlobten des Fürsten, Mahkameh Navabi, was dem Raum mehr Größe verleiht – „Dunkle Räume brauchen starke Farben, die leuchten“ – Zitat Alexander zu Schaumburg-Lippe – Foto: Sabine Christel

Der Musikserver im roten Salon – Foto: Sabine Christel

Ursprünglich war statt des Kamins eine Tür vorhanden. Da im Raum jedoch viele Kabinettsitzungen stattfanden, beschloss Fürst Adolf, eine Wand einzuziehen, da er fürchtete, abgehört zu werden – Foto: Sabine Christel

Zwei wichtige Stützpfeiler im Wiegenzimmer – Foto: Sabine Christeö

Eintrag des Bundespräsidenten – Foto: Sabine Christel

Chauffeur Schneidewind im Tiefschlaf – Foto: Sabine Christel

Festliche Eröffnung zu den „Fürstlichen Privatgemächern“ – Foto: Sabine Christel

Festliche Eröffnung zu den „Fürstlichen Privatgemächern“ – Foto: Sabine Christel

Festliche Eröffnung zu den „Fürstlichen Privatgemächern“ – Foto: Sabine Christel

Frischer Gugelhupf zur festlichen Eröffnung zu den „Fürstlichen Privatgemächern“ – Foto: Sabine Christel

Sch(l)osshund Bellini auf Schnuppertour – Foto: Sabine Christel

Verlobungsstühle gut platziert. Oder ein kleiner Wink mit dem Stuhlbein bzw. Zaunpfahl? 😉 – Foto: Sabine Christel

Festliche Eröffnung zu den „Fürstlichen Privatgemächern“ – Foto: Sabine Christel

Fürstliches Tafeln – das können Sie übrigens auch, beim nächsten Kaiser Dinner im Schloss. Dort werden Speisen wie vor 100 Jahren gekocht, lediglich bei der Suppe hat man auf die Zugabe der Schildkröte verzichtet – Foto: Sabine Christel

Ein weiteres Highlight steht schon in den Startlöchern: der Bückeburger Lese Winter (klicken für mehr Infos) – Foto: Sabine Christel