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Filmtipp: „Und wer nimmt den Hund?“

Filmtipp: „Und wer nimmt den Hund?“

Zwei Ausnahmeschauspieler, ein Star Regisseur und ein gutes Drehbuch ergeben die Komödie des Sommers: Unser heutiger Filmtipp mit Start heute ist die bitterböse Beziehungskomödie „Und wer nimmt den Hund“ unter der Regie von Rainer Kaufmann. Die Hauptrollen spielen Ulrich Tukur („Tatort“, „Das Leben der Anderen“) und Martina Gedeck („Oktoberfest“, „Bella Marta“)

Zum Inhalt:

Nach über 20 Jahren Beziehung geht der Ehe zwischen Doris (Martina Gedeck) und Georg (Ulrich Tukur) allmählich die Luft aus.

UND WER NIMMT DEN HUND? – Georg (Ulrlich Tukur) eröffnet Doris (Martina Gedeck), dass er “jemanden getroffen hat” und sich nun nach fast 30 Jahren Ehe trennen will. (Boris Laewen/Majestic)

Er lässt sich auf eine Affäre mit der wesentlich jüngeren Doktorandin Laura (Lucie Heinze) ein, was der Verbindung einen zusätzlichen Tiefschlag verpasst. Die Hamburger galten immer als das perfekte Vorzeigepaar – nun stehen sie mit zwei Kindern, einem Haus und einem Hund vor den Trümmern ihrer Ehe und arbeiten ihre Vergangenheit trotz Trennung, neuer Liebe, Wut und Rachegedanken in einer Trennungstherapie bei Gisela Bruhns (Angelika Thomas) auf, um zu verstehen, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Bei der geduldigen Frau Dr. Bruhns kommen die unausgesprochenen Ängste und Sehnsüchte der letzten Jahre auf den Tisch, gepaart mit einer großen Aggression. Während sich die noch Eheleute krampfhaft um Konversation bemühen und jeder die gemeinsame Vergangenheit anders wahrgenommen hat, gehen ihre Leben getrennt voneinander weiter. Dabei merkt Georg, dass so eine dreißig Jahre jüngere Freundin ganz andere Ansprüche hat als seine gleichaltrige Ehefrau.

Tja, wer nimmt nun den Hund? – Foto: Majestic Film

Da sie nun keine Rücksicht mehr auf andere nehmen muss, nutzt Doris ihrerseits die unerwartete Freiheit, um endlich beruflich und privat durchzustarten. Und scheinbar, ist trotz Trennung der eine dem anderen nicht ganz gleichgültig. Denn, bei der neuen Liebe ihres Noch-Mannes ziehen bereits erste dunkle Wolken auf, während Doris ohne ihn aufblüht. Schafft es Georg, alles wieder zum Guten zu wenden?

Eine bitterböse Scheidungskomödie, perfekt gespielt von Ulrich Tukur und Martina Gedeck.

Georg hält sich fit zusammen mit seinem Freund, auch, wenn es nicht so leicht ist, wie gedacht – Foto: Majestic Film
Doris trifft sich mit Axel und blüht richtig auf – Foto: Majestic Film

Besonders besticht der Film durch fiesen Schlagabtausch und bissige Dialogszenen, doch auch auf physischer Ebene hat die Komödie einiges zu bieten: So zersticht Tukur aus Eifersucht die Autoreifen des neuen Lovers von Gedeck, während sie aus lauter Frust mehrere Male mit ihrem Auto gegen das Garagentor fährt.

Was kann denn das Auto dafür? – Georg (Ulrich Tukur) und Doris (Martina Gedeck) waren lange das Abziehbild eines glücklichen Paars mit zwei Kindern, Haus und Hund. Doch nun stehen sie vor einem Scherbenhaufen… (© Boris Laewen/Majestic)

Diese und andere Szenen erinnern an den beliebten Hollywood-Klassiker „Der Rosenkrieg“ (1989) mit Michael Douglas und Kathleen Turner, in dem beide einen heftigen Kampf um das Haus führen, der schließlich mit dem Tod endet. Eine mehr als schwarze Scheidungskomödie, die auch von den starken Hauptdarstellern lebt.

Filmtrailer – Majestic Film
Regisseur Rainer Kaufmann zeigt in UND WER NIMMT DEN HUND? erneut sein treffsicheres Gespür für das merkwürdige Verhalten eigentlich vernünftiger Menschen, sobald die Liebe ins Spiel kommt. (Jens Koch/Majestic)

Rainer Kaufmann hat vor 24 Jahren per Zufall mit der Beziehungskomödie „Stadtgespräch“, die ursprünglich für das Fernsehen produziert wurde, auf dem Filmfest München jedoch für viel Begeisterung sorgte und damit den Weg ins Kino fand, den Grundstein für seine Karriere gelegt. Damals handelte der Film von einer gefrusteten Radiomoderatorin, die Beziehungsratschläge erteilt, in der Hauptrolle Katja Riemann.

Heute bringt Kaufmann wieder eine Beziehungskomödie mit auf den Punkt gebrachten Dialogen, schnellen Schnitten und einem sehr guten Drehbuch ins Kino. Beide – Tukur und Gedeck – zeigen in Worten und Mimik, wieviel Tempo man in eine Komödie legen kann und agieren dabei auf Augenhöhe.

Zu den Darstellern:

Ulrich Tukur als Georg ist einer der begnadetsten deutschsprachigen Schauspieler der Gegenwart: Ein Multitalent, das virtuos zwischen Bühne, Film und Musik wechselt, vielen Hörspielen und Hörbüchern seine Stimme leiht und auch als Buchautor erfolgreich ist. Er spielt häufig ab- und tiefgründige, zerrissene Figuren und geht dabei immer an seine Grenzen. So schlüpfte er schon in die Rolle eines Nazioffiziers oder eines Kindermörders und stellt diese ebenso glaubhaft dar, wie z. B. den jungen Herbert Wehner in der Breloer-Verfilmung „Wehner – die unerzählte Geschichte“, den RAF-Terrorist Andreas Baader in Hauffs STAMMHEIM oder den legendären Zoologen Bernhard Grzimek in „Grzimek“.

Sein schauspielerischer Einstieg gelang Ulrich Tukur nach seinem Abitur 1980 an der Staatlichen Hochschule für Darstellende Kunst in Stuttgart. Noch in Studienzeiten spielte Tukur bereits seine erste Hauptrolle in Michael Verhoevens Geschichtsdrama DIE WEISSE ROSE, worauf bald Reinhard Hauffs Berlinale-Gewinnerfilm STAMMHEIM folgte. Der große Durchbruch am Theater gelang Ulrich Tukur mit der Rolle des SS-Offiziers Kittel in Joshua Sobols Theaterstück „Ghetto“. Von da an wurde auch das Deutsche Schauspielhaus Hamburg zu seiner künstlerischen Heimat. Hier spielte Tukur von 1985 bis1995 in zahlreichen Hauptrollen.

Seit 2010 ermittelt Ulrich Tukur als „Tatort“-Kommissar Felix Munro für den Hessischen Rundfunk und sorgt mit seinen außergewöhnlichen Fällen immer wieder für Aufsehen. Zudem gab er 2007 mit „Die Seerose im Speisesaal – Venezianische Geschichten“ sein Debüt als Autor. Der Erzählband ist eine Hommage an Venedig, wo Tukur seit 1999 mit seiner Frau Katharina John lebt. Darauf folgte die sehr erfolgreiche Novelle „Die Spieluhr“, und im Herbst folgt die Veröffentlichung seines ersten Romans.

Martina Gedeck als Doris ist eine wahre Meisterin ihres Fachs, vom Publikum geliebt und von den Medien immer wieder gefeiert sowie im höchsten Maße geachtet. Sie wurde 1961 in München geboren und absolvierte ihre Schauspielausbildung an der Max Reinhardt-Schule für Schauspiel in Berlin. Bereits vor Abschluss ihres Schauspielstudiums gab sie ihr Bühnendebüt am Frankfurter Theater am Turm; es folgten Engagements in Hamburg, Basel und Berlin. Gleichzeitig begann ihre Karriere als Film- und Fernsehschauspielerin. Bereits für ihre erste Hauptrolle in „Hölleisengretl“ (1995, Regie: Jo Baier) wurde Martina Gedeck mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Sie hat seitdem nahezu alle bedeutenden deutschen Film- und Fernsehpreise gewonnen, vom Grimme-Preis bis zum Boulevard der Stars. Auch international hat sie vor allem mit ihrem herausragenden Können in zwei Filmen über die jüngste deutsch deutsche Vergangenheit große Bekanntheit erlangt: mit ihrer Rolle als DDR-Schauspielerin, deren Leben unter dem Druck der Stasi zerbricht in DAS LEBEN DER ANDEREN von Florian Henckel von Donnersmarck – 2007 mit dem Academy Award als Bester nicht englischsprachiger Film ausgezeichnet – und als Ulrike Meinhoff in Uli Edels DER BAADER MEINHOF KOMPLEX, der 2009 ebenfalls für einen Oscar nominiert war. 2016 spielte Martina Gedeck in dem überragenden Publikumserfolg ICH BIN DANN MAL WEG (Regie: Julia von Heinz) und stand gemeinsam mit Ulrich Tukur in dem Beziehungsdrama GLEISSENDES GLÜCK unter der Regie von Sven Taddicken vor der Kamera.

Zuletzt sah man Martina Gedeck in ZWEI HERREN IM ANZUG unter der Regie von Josef Bierbichler aufder Leinwand. 2007 wurde Martina Gedeck der Bayerische Verdienstorden verliehen. Sie ist Mitglied der Europäischen Filmakademie, der Deutschen Filmakademie, der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, der Akademie der Künste sowie Trägerin des Chevalierdes Arts et des Lettre.

Unser Fazit:

Eine herrlich böse Komödie mit zwei brillanten Schauspielern, die es sich lohnt, anzusehen. Und sie muss den Vergleich mit dem US Film „Rosenkrieg“ keinesfalls scheuen.

Als deutsche Version spielt der Regisseur mit dem typischen Mann, der sich dank jüngerer Geliebter wie in den Jungbrunnen gefallen glaubt, bis er merkt, dass eine jüngere Frau ihn nicht automatisch jünger macht. Und einer Frau, die sich traut, eine Trennung als Befreiung für sich zu sehen und dem Neuanfang durchaus positiv gegenübertritt.

Ehepaare werden sich unter Umständen in den Dialogen erkennen, in dem man oftmals doch eine andere Vorstellung von der Vergangenheit und dem gemeinsamen Leben hat, man kommt nur nicht dazu, es dem anderen auch mitzuteilen.

Filmstart: 08. August 2019

Filmverleih: Majestic Film

FSK: ab 0 Jahre

Länge: 89 Minuten


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