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Filmtipp: Ronny & Klaid

Filmtipp: Ronny & Klaid

Unser heutiger Filmtipp ist ein besonderer Vorschlag, denn wir waren im Gespräch mit dem Mitproduzenten Dr. Alexander von Reden (lesen Sie das Interview dazu hier). Der Film hat am kommenden Dienstag, 08.10.2019 Filmpremiere in Berlin und startet deutschlandweit am 10.10.2019 in den Kinos. Was den Charme dieses Films ausmacht? Wir erzählen es Ihnen…

Warum nicht an das Unmögliche glauben? Und: ist logisches Denken immer logisch?

Hier gehts zum Inhalt….

RONNY (Franz Dinda) und KLAID (Sahin Eryilmaz) haben sich ihren Kindheitstraum verwirklicht und in Berlin einen Späti aufgemacht. Für alle Nicht-Berliner: Dies ist ein rund um die Uhr geöffneter Kiosk. Nah am finanziellen Ruin, aber hochmotiviert, sind die beiden sich sicher: Der Laden wird schon laufen, irgendwann. Spätestens, wenn sie mehr im Angebot haben als Penner-Bier und ihren Charme hinter der Theke.

Khalid, genannt Klaid, versucht beim Hütchenspiel sein Glück, während Ronny für hochnäsige Kunden auch schon mal einen Döner vom Imbiss nebenan holt – natürlich „in der eigenen Küche zubereitet“.

Klaid im Casino – Foto: Urban Ruths/Mavie Films

Von klein auf sind Ronny und Klaid die besten Freunde. Sie sehen die Welt wie einen Italowestern, verlassen sich auf Internetstatistiken und strengen sich an in Mathe – selbst wenn sie nur ausrechnen können, wieviel Minus sie pro Tag erwirtschaften. Dabei lassen sie sich niemals aus der Ruhe bringen und haben, mit dem Herz auf der Zunge, vor allem das eigene Vergnügen und viel Blödsinn im Sinn. Unter den Späti-Kunden ist auch die schöne EMILY (Xenia Assenza), die vergeblich versucht, eine Cola zu kaufen. Stattdessen verlässt sie den Kiosk mit Penner-Bier und einem Date mit Ronny, der sich Hals über Kopf in sie verliebt. Ronny überredet Klaid, abends mit in den Club zu kommen, in dem Emily ihren Geburtstag feiert. Obwohl sich die Helden des Spätkaufs als coole Hipster verkleiden, erweist sich der TÜRSTEHER (Gedeon Burkhard) des Clubs als Problem. Sobald dieser jedoch ausgetrickst ist, hat Ronny endlich freie Bahn auf Emilys Tanzfläche.

Der Boss (Guido Broscheit, rechts) is not amused. – Foto: Mavie Films

Klaid hingegen bekommt durch mysteriöse Umstände ein paar Casino-Chips in die Finger und fühlt sich sofort in seinen James-Bond-Modus versetzt. Nach kurzer Einführung ins Regelwerk gewinnt Klaid beim Roulette tatsächlich 700 Euro. Seine Glückssträhne ist allerdings nur von kurzer Dauer: Als Klaid plötzlich mit 80.000 Euro in der Kreide steht, ruft er Ronny zu Hilfe. Immerhin lässt sich der Chef des dubiosen Hinterzimmer-Casinos, der Gangsterboss BERNHARD CHIPPER (Guido Broscheit), erweichen, Ronny und Klaid bis zur Bezahlung ihrer Schulden eine Woche Zeit zu lassen. Ronny ist sauer auf Klaid – wo sollen sie in so kurzer Zeit 80.000 Euro auftreiben? Klaid hingegen ist optimistisch. Wenn sie ihr altes „Gangsterbeil“ ausgraben, muss doch Geld reinkommen. Einer dubiosen Internetwerbung zufolge ist jeder zehnte Deutsche Millionär. Das bringt sie schließlich auf eine Idee: Wenn sie zehn ihrer Kiosk-Kunden entführen, muss doch ein Millionär darunter sein!

Da sind Profis unterwegs – Foto: Mavie Films

Interview mit Franz Dinda

Ronny (Franz Dinda) rechts im Interview – Foto: Mavie Films

Sie spielen derzeit eine Menge unterschiedlicher Charaktere – in DAS BOOT den Leitenden Ingenieur bis zum Serienkiller in 23 MORDE. Was hat Sie an der Figur von Ronny besonders gereizt?

Ich hatte vor RONNY & KLAID noch nie eine vergleichbare Rolle gespielt. Beide Figuren sind so herrlich albern, verrückt und auch durchgeknallt, dass es einen schlicht mitreißt. Und als ich dann Sahin Eryilmaz kennengelernt hatte, wusste ich: Das muss ich machen. Das passt wie Arsch auf Eimer.

Beschreiben Sie die Freundschaft von Ronny und Klaid. Stichwort Telepathie: Die verstehen sich ohne Worte – und reden trotzdem viel?

Die zwei sind Seelenverwandte und allerbeste Freunde, die gemeinsam in Neukölln miteinander aufgewachsen sind, um dann irgendwann gemeinsam einen Späti zu gründen. Sie sind zwar nicht unbedingt die hellsten Kerzen auf der Torte, haben aber erstens das Herz am rechten Fleck und zweitens eine unwiderstehlich charmante Bauernschläue, die ihnen immer wieder aus der Patsche hilft. Beide gehören zusammen wie Terence Hill und Bud Spencer, Cheech und Chong oder Dick und Doof. Ihre Freundschaft geht so weit, dass sie sogar an einem Punkt des Films miteinander telepathieren können – und zwar in HD-Qualität.

Können Sie etwas über den speziellen Humor-Mix sagen, der nicht zwingend zu den Stärken deutscher Produktionen gehört?

Es ist kein „Pupsen-im-Aufzug“-Humor und auch keiner, bei dem die Zuschauer dafür bezahlen, die Protagonisten auslachen zu dürfen. Neben der von Arend Remmers kongenial geschriebenen Dialoge besticht RONNY & KLAID dadurch, dass der Film seine Figuren liebt. Mit allen Fehlern. Man fiebert mit Ihnen mit und hofft einfach, dass sie ihre Situation irgendwie in den Griff bekommen – auch wenn es unmöglich scheint.

Gab es viel Improvisation zwischen Ihnen und Sahin Eryilmaz, oder hatten Sie strenge Vorgaben?

Alles war erlaubt, wir durften uns komplett austoben – da hat uns Erkan Acar wirklich alle Freiheiten gelassen. Viele aus den Situationen heraus entstandenen Ideen sind dann auch tatsächlich im Film gelandet. Erkan wusste immer, was er will, war aber trotzdem dankbar, wenn wir ihn überrascht haben – das war ein gelebtes Miteinander, wie ich es in der Form noch nicht kannte.

Wie war die Arbeit am Set im Vergleich zu aufwändigeren Produktionen wie z. B. Das Boot?

Weniger organisiert (lacht). Allein die Tatsache, dass wir in zwei Blöcken mit einer einjährigen Pause dazwischen gedreht haben, zeigt, wie ungewöhnlich dieses Projekt entstanden ist. Und nach wie vor empfinde ich es als Wunder, dass dieser Film überhaupt zu dem werden konnte, was er jetzt ist: Ein filmischer Liebesbeweis jedes einzelnen Mitwirkenden. Vor und hinter der Kamera.

Woher kennen Sie Erkan Acar? Wie war die Arbeit mit ihm als Regisseur?

Ich hatte das Vergnügen, mit seiner Partnerin einen Märchenfilm zu drehen: Siebenschön. Xenia Assenza war die Prinzessin und ich der Prinz. Erkan Acar hatte sie dann an einem Drehtag in der sächsischen Schweiz besucht und wir zwei sind in einer Drehpause ins Gespräch gekommen. Einige Zeit später fragte er mich dann aus dem Nichts, ob ich in seinem Film den Ronny spielen würde. Ohne Casting, ohne dass ich jemals in einer komödiantischen Rolle bewiesen hätte, dass ich das kann. Verrückt. Dafür werde ich ihm immer dankbar bleiben. Denn RONNY & KLAID ist für mich zu einer der schönsten beruflichen Erfahrungen geworden, die ich bisher machen durfte.

Neben den Hauptdarstellern hat man hochkarätige Namen in den Nebenrollen, wie Gedeon Burkhard (Kleine Haie, Kommissar Rex) und Jenny Elvers (Nicola, Männerpension), die dem Film die gewisse Würze geben, die man benötigt, um noch mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Und der Film ist es wirklich wert.

So überraschte er bereits am 04. Juli beim Filmfest in München die Zuschauer und sorgte für Begeisterung. Und die Filmkritiken sparten bislang nicht mit Lob. Noch vor dem offiziellen Filmstart fand die Handlung überall Anklang.

Warum? Weil wir es lieben, wenn ein paar Underdogs es schaffen, sich gegen gefährliche Gegner und arrogante Bosse durchzusetzen. Wenn da zwei Jungs sind, die eine so wahnwitzige Idee haben, dass man ihnen abraten möchte, aber atemlos mitverfolgt, mit was für einer Überzeugung und einer besonderen Form von Logik sie an die Lösung eines Problems herangehen. Die Möglichkeit, dass der Plan einen Haken haben könnte, ziehen sie gar nicht in Betracht. Das gefällt, denn es zeigt, dass Mut und Selbstvertrauen auch belohnt werden können.

Ja, es ist eine Komödie und ja, es ist ein bisschen Klamauk enthalten. Aber – der Regisseur hat es verstanden, den Humor nicht auszureizen oder die Aufmerksamkeit der Zuschauer nicht überzustrapazieren, sodass es weder Längen noch Langeweile gibt und man auch weit entfernt ist vom Fremdschämen, was manche vermeintlich humorvollen Filme auszeichnet. Hier stimmt die Mischung und das liegt an dem wirklich guten Team, dass mit Spielfreude und Leidenschaft bei der Sache war.

Wenn man dann bedenkt, wieviel Arbeit in so einem Projekt steckt und was alles passieren kann und teilweise auch passiert, bis so ein Film fix und fertig in den Kinos anläuft, dann kann man schon sagen, großes Kompliment an alle, dass ist gelungen!

Lassen Sie sich also überraschen von einer anderen deutschen Komödie, in der zwei Spätis Betreiber es mit den großen Bossen aufnehmen wollen und dabei nicht nur sämtliche Fettnäpfchen mitnehmen, sondern auch Sie am Ende überzeugen werden, dass man mit positivem Denken so einiges bewerkstelligen kann.

Wenn Sie dann die Redewendungen alle richtig sortieren können, die Klaid so gern durcheinanderwürfelt, dann haben Sie zudem gut aufgepasst.

Trailer

FSK. 12
Länge: 110 Minuten

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