Filmtipp: „Gut gegen Nordwind“

Unser heutiger Filmtipp ist „Gut gegen Nordwind“ mit Nora Tschirner und Alexander Fehling in den Hauptrollen. Seinen deutschen Kinostart hat er heute, am Donnerstag, den 12. September 2019. Und morgen, 13. September in Österreich.

Der Filmtitel wird vielen Lesern bekannt vorkommen. Denn es handelt sich um den Bestsellerroman des österreichischen Schriftstellers Daniel Glattauer, erschienen bereits 2006 im Deuticke Verlag und mittlerweile in 28 Sprachen übersetzt. Als Taschenbuch erschien der Roman 2008 im Goldmann Verlag und bis 2010 wurden über 800.000 Exemplare verkauft. Aufgrund des Erfolgs brachte man den Roman als Theaterstück für zwei Personen auf die Bühne.



Roman: Gut gegen Nordwind (2006)

225 Seiten, 10,00 Euro

Das Besondere an dem Roman ist die Schreibweise. Er ist in Email-Form geschrieben, so dass sich die ganze Handlung allein durch Mails erzählen lässt.

Als ich den Roman das erste Mal gelesen habe, konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Wo will man auch eine Mail unterbrechen? Zauberschön erzählt Glattauer, wie sich aus einer versehentlich versendeten Mail eine zarte Liebesgeschichte anbahnt, in der die Protagonisten nur von ihren Wünschen, Träumen und Ideen berichten, aber persönliche Elemente verschweigen. Eine Art modernes „Blind Date“, was anfangs sicher nicht so geplant war.

255 Seiten, 9,99 Euro

Die Geschichte endet dann jedoch so unvermutet, dass Glattauer den Email-Roman 2009 mit der Forsetzung „Alle sieben Wellen“ vervollständigte. So hat die Geschichte eine Handlungsfortsetzung, was sicherlich vielen Leser gefallen hat. Mit der Sinnlichkeit und Eindringlichkeit des ersten Romans kann die Fortsetzung allerdings nicht mithalten.

Aufgrund des überragenden Erfolgs hat man die Filmadaption des Buches nun in deutsche und österreichische Kinos gebracht. Die Darsteller sind gut gewählt, denn es erfordert schon einiges, einen reinen Briefkontakt mit Szenen zu füllen.

Hier also unser Kinotipp:

Ein falsch gesetzter Buchstabe und schon landet die E-Mail von Emma Rothner (Nora Tschirner) unbeabsichtigt bei Leo Leike (Alexander Fehling), einem Linguisten, statt beim vorgesehenen Empfänger. Leo antwortet. Ein Austausch nimmt seinen Lauf, der lustig und immer persönlicher wird. Weil sich die beiden nicht kennen, sie also keinen Gesichtsverlust befürchten müssen, vertrauen sie aneinander intime Dinge an. Emma und Leo schließen eine digitale Freundschaft und wollen es dabei belassen. Aber irgendwann sind da Schmetterlinge in den Bäuchen und jedes „Pling“ im Mail-Postfach scheucht sie auf. Vielleicht sollten sie sich doch treffen? Andererseits ist Emma mit Bernhard (Ulrich Thomsen) verheiratet und Leo hängt immer noch an seiner Ex-Freundin Marlene (Claudia Eisinger) …

Die Hauptrollen spielen Nora Tschirner („SMS für dich“, „Keinohrhasen“) als Emma und Alexander Fehling („Inglorious Basterds“, „Homeland“) als Leo. An ihrer Seite sind in dieser modernen Liebesgeschichte Ulrich Thomsen („The Blacklist“, „The International“) als Emmas Mann Bernhard, Ella Rumpf („Tiger Girl“, „Grave“) als Leos Schwester Adrienne, Claudia Eisinger („Blutzbrüdaz“, „Mängelexemplar“) als seine Ex-Freundin Marlene und Lisa Tomaschewsky („Hot Dog“, „Heute bin ich blond“) als Clara zu sehen. Vanessa Jopp („Komm näher“, „Meine schöne Bescherung“) hat die Regie übernommen. Das Drehbuch schrieb Jane Ainscough („Ich bin dann mal weg“, „Alles ist Liebe“).

Eine dank kluger Inszenierung und exzellentem Spiel ebenso berührende wie authentisch anmutende moderne Love-Story.

Fazit:

Warum gefällt uns so eine moderne Liebesgeschichte? Weil sie mit unseren innersten Sehnsüchten spielt. Den Seelenpartner per Zufall finden, sich annähern ohne Äußerlichkeiten, austesten, heranwagen, sich öffnen ohne die Angst haben zu müssen sich etwas zu vergeben, denn wenn es zu nah wird, kann man den Kontakt einfach beenden.

Doch was in Romanen so leicht erscheint funktioniert in der Realität nicht. Es bauen sich Emotionen auf für einen Menschen, den wir in unsere Fantasie mit Hilfe von geschriebenen Textelementen kreiieren, es bildet sich eine trügerische Nähe zu einem völlig Fremden. Vergleichbar mit den ganzen Internetflirtplattformen, bei denen man stets rät, nicht zu lange zu schreiben, um sich nicht in jemanden zu verlieben, den wir uns in der Vorstellung gestalten. Diese vermeintliche Nähe weicht in der Realität einer Unsicherheit, weil der erste Blickkontakt, das Gefühl „passt die Chemie“ fehlt.

Vielleicht ist das Buch auch deshalb so erfolgreich, weil es ein modernes Märchen ist. Und brauchen wir nicht alle ein bisschen Liebe und Romantik in unserem Alltag?

Der Film ist auf jeden Fall sehenswert, allein schon von der guten Umsetzung des Romans und der beiden gut gewählten Hauptdarsteller. Und Nora Tschirner ist wieder einmal mehr als sehenwert. Fünf Sterne Filmtipp!

Trailer

FSK: Ohne Altersbeschränkung

Länge: 123 Minuten