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Erhalt von Traditionen und Geschichte – Die 1. Kompanie am Fort C in Minden

Erhalt von Traditionen und Geschichte – Die 1. Kompanie am Fort C in Minden

Der 30. Mai 2019, Christi Himmelfahrt, war für die 1. Kompanie des Mindener Bürgerbataillons ein besonderer Tag. Sie luden alle Feiertagsausflügler und Interessierte ein, das Standortquartier am Fort C kennenzulernen. Das Fort C in Minden hat eine lange Geschichte und die Pflege selbiger, sowie die Fortführung der Tradition, zählt mit zu den Aufgaben der 1. Kompanie. Im Freischießenjahr sind diese Veranstaltungen besonders wichtig, denn in den letzten Wochen davor zeigt sich das komplette Bataillon sehr offen, um allen Mindenern und Gästen näher zu bringen, was es eigentlich bedeutet, Mitglied einer Kompanie zu sein, und dass es weit mehr ist, als nur zu Marschieren und die wenigen Tage des Mindener Freischießens öffentlich zu feiern.

Außerdem ist es auch eine gute Idee sich zu präsentieren, denn neue Mitglieder sind stets sehr willkommen. Sie möchten einen Blick auf die traditionsreiche Arbeit des Bürgerbataillons werfen? Wir waren für Sie vor Ort.

Fort C – Foto: Sabine Christel
Fort C – Foto: Sabine Christel

Wenn Sie in Minden dem Hinweisschild zum „Fort C“ folgen, erreichen Sie entlang der Bahnschienen eine wunderbar erhaltene Festungsanlage. Das war jedoch nicht immer so. 1847 erbaut, wurde es 1900 zum Teil privatisiert, da nicht mehr als militärischer Standort genutzt. Das Fort C hatte im zweiten Weltkrieg allerdings wieder eine besondere Funktion, es diente als Kameradschaftsheim der SA. Zudem wurde es während des Krieges stark mit Bomben beschossen. Danach begann der Verfall des ehemals stolzen preußischen Gebäudes. Nach dem zweiten Weltkrieg fiel das Bauwerk zusehens in einen langen Dornröschenschlaf. Erst im Zeitraum 1986 – 1990 wurde das bedeutende militärisch geprägte Bauwerk saniert und in seiner ursprünglichen Gestalt wiederhergestellt. Im Zuge der Überlegung, wo man denn in Minden ein Preußenmuseum einrichten könnte, erinnerte man sich Anfang der 1990er Jahre an das unter einer dichten grünen Hecke schlummernde Fort. So ganz geeignet war der Standort dann leider doch nicht, denn durch die Weser, die bei Hochwasser gern den Graben um das Fort füllt, würden die hochwertigen Exponate beschädigt werden. Also entschied man für das Preußenmuseum, die Kaserne am Simeonsplatz zu nutzen, ebenfalls ein traditionsreicher Ort. Trotdem dient das Fort C als Außenstelle des Museums und auch dort gibt es einiges zu sehen.

Dahin steigt die Weser bei Hochwasser und schafft einen Burggraben – Foto: Sabine Christel
Informatives für Besucher – Foto: Sabine Christel
Besuch von der Reenactor Messe – Foto: Sabine Christel

Wissenswertes zum Fort C:

Das kleine, detachierte Fort C wurde als moderner, eigenständiger Teil der Mindener Bahnhofsbefestigung konzipiert. Die strategische Aufgabe des vorgelagerten Fort C bestand darin, eine Annäherung feindlicher Truppen an die südliche Kehlfront der Bahnhofsbefestigung zu verhindern. Das Fort C gilt als Musterbeispiel für die neupreußische Manier des Festungsbaues. Nach der preußischen Annexion des Königreichs Hannover im Jahre 1866 hatten die Festung Minden und somit die Forts ihre Daseinsberechtigung verloren und wurden 1873 aufgegeben. Die meisten Festungsanlagen wurden in den folgenden Jahren geschleift.

Von den drei Forts rund um den Bahnhof ist Fort C vollständig erhalten. Es bewachte die Ausfahrt der Eisenbahn in Richtung Köln. Im Fort C befindet sich heute eine Außenstelle des Preußenmuseums. Zudem wird das Fort C von der 1. Bürgerkompanie des Mindener Bürgerbataillons im Rahmen des Mindener Freischießens als Kompaniequartier genutzt. Von den beiden anderen Forts sind nur noch die Reduits erhalten. Sie sicherten die Ausfahrten von Straßen und Eisenbahnen in Richtung Bremen, Hannover und Berlin. Sie werden heute als Büro- und Lagerräume genutzt.

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Das Fort C wird demnach heute von der 1. Kompanie des Bürgerbataillons als Standortquartier genutzt und gepflegt. Allerdings hatte man bis vor einigen Jahren noch die Möglichkeit, dort auch als Interessent Feste zu feiern, in dem man bei der Kompanie angefragt hat. Seit dem furchtbaren Unglück zur Loveparade in Duisburg sind die Vorschriften, was Notausgänge betrifft, verschärft worden. Das Fort C hat natürlich keine Fluchtwege, denn es diente der Verteidigung. Deshalb wird es heute nurmehr für Veranstaltungen der Kompanie genutzt. Die Anlage kann natürlich jederzeit von Ausflüglern besichtigt werden, allerdings nur von außen, denn auch im Hinblick auf Vandalismus bleiben die Tore außerhalb der Events verschlossen.

Gut besucht – Das Familienfest am Fort C – Foto: Sabine Christel
Die 1. Kompanie lädt ein – Foto: Sabine Christel

Jetzt waren sie jedoch geöffnet und luden ein, sich das Fort von innen und außen anzusehen, sowie in der schönen Gartenanlage bei Kaffee, Kuchen sowie kühlen Getränken und Grillwurst zu pausieren. Davon machten auch sehr viele Gäste Gebrauch, die immer wieder – zu Fuß oder mit dem Rad – das Fort erreichten und teilweise – obwohl in Minden wohnhaft – zum ersten Mal am Fort C waren und sich begeistert von der Schönheit der Anlage zeigten.

Im Inneren hatte man die Möglichkeit sich vom Ehrenvizefeldwebel Detlef Bredemeier die geschichtlichen Hintergründe bei einer Führung erklären zu lassen.

Ehrenvizefeldwebel Detlef Bredemeier erklärt Geschichtliches – Foto: Sabine Christel
Besucherparkplatz – Foto: Sabine Christel

Neben Wissenswertes zum Fort C gab es jedoch auch viel Informatives zur Arbeit der 1. Kompanie zu hören. Zum Beispiel, dass am 23. Juni, als Vorbereitung auf das Freischießen, ein „Gewehrreinigen“ auf dem Programm steht. Die Holzgewehre der Mitmarschierer werden dann überpoliert und dem anwesenden Stadtmajor Achim Pecher, sowie seinem Adjutanten präsentiert. Dieser kontrolliert, ob alles seine Ordnung hat und kann auch seinen Unwillen äußern. Zu den Mitmarschierern zählen alle Herren, die nicht einer Kompanie des Bataillons angehören, aber sich für das Freischießen interessieren und beim Umzug dabei sein möchten. Diese haben dann die Möglichkeit, ausgestattet mit einem Holzgewehr und mit entsprechender Kleidung, mitzumarschieren. An jedem Holzgewehr steckt dann übrigens eine zur Kompaniefarbe passende Blume. Die 1. Kompanie ist auch die „Kornblumenkompanie“.

Kompaniechef Marcus Henninger (li.) und Ehrenvizefeldwebel Detlef Bredemeier zeigen das Gewehr der Mitmarschierer – Foto: Sabine Christel
Foto: Sabine Christel

Die Mitglieder der Kompanien hingegen sind mit einem Degen ausgestattet. Dieser muss allerdings nicht gereinigt werden, so Bredemeier: „Die sind immer blitzblank poliert, so gehört sich das!“

Und daran sehen Sie, dass es eben kein Schützenfest ist, denn hier steht nicht der sportliche Wettbewerb im Vordergrund, sondern die Geschichte, dessen Tradition über die Jahre hinweg aufrechterhalten und gepflegt wird.

Entstanden ist das Bataillon tatsächlich von der Feuerwehr. Zur damaligen Zeit musste die Bürgerwehr nicht nur im Bedarfsfall die Stadt verteidigen, sondern auch bei einem Brand mithelfen. Deshalb hat man die Stadt mit ihren Stadtteilen in sogenannte Kompanien, die für den Brandschutz zuständig waren, aufgeteilt. Die Bürger wurden entsprechend für diese Wehr rekrutiert. Das diente natürlich auch zu Verteidigungszwecken. Dieser Tradition fühlt man sich noch heute verpflichtet, weniger der militärischen, als der, die Geschichte der Entstehung und den Ursprungsgedanken daran zu erhalten.

Und so ist das Freischießen nur der Höhepunkt der öffentlichen Veranstaltungen des Mindener Bürgerbataillons. Die Kompanien leisten jedoch viel mehr.

So ist die 1. Kompanie des Bürgerbataillons zum Beispiel für die Verschönerung der Stadt durch die Pflege der Blumenaushänge zuständig (lesen Sie dazu auch HIER). Außerdem pflegt sie regelmäßig die Anlage und die Grünflächen des Fort C. Auch die gesamte Organisation der Veranstaltungen wird von den zuständigen Mitgliedern auf eigene Kosten ehrenamtlich und gern erledigt.

Da sich das Alter der Herren von „recht jung“ bis „schon etwas älter“ zieht, findet sich für jeden die passende Aufgabe. Vom „Rasenmähen“ über „Grillwurst spendieren“ bis hin zur Organisation gibt es viele Möglichkeiten mitzumachen. Natürlich sind es – wie überall – oftmals nur eine bestimmte Gruppe von Herren, die sich aktiv beteiligen, während ein Teil einfach nur Mitglied ist und bei den Großveranstaltungen mitwirkt. Das muss allerdings eingehalten werden, so Marcus Henninger, Hauptmann und Kompaniechef der Ersten. Denn mit der Mitgliedschaft in der Kompanie verpflichte man sich zumindest, anwesend bei Veranstaltungen zu sein. Um einmal in die Arbeit einer Kompanie hineinzuschnuppern und sich ein Bild zu machen, wie der Zusammenhalt ist und was sich genau dahinter verbirgt, gibt es immer die Möglichkeit, sich direkt an die Kompanie zu wenden oder – wie jetzt zu Himmelfahrt – einfach vorbeizuschauen und sich persönlich vorzustellen.

Übrigens: Neue Mitglieder der 1. Kompanie müssen heute nicht mehr durch ein strenges Aufnahmeprocedere. Wer sich ernsthaft entschließt dabei zu bleiben, der sollte mindestens dreimal an Veranstaltungen teilgenommen haben. So zeigt er, dass ein wirkliches Interesse besteht. Außerdem muss er klar äußern, dass er aufgenommen werden möchte. Dann wird demokratisch unter den Mitgliedern gefragt, ob man damit einverstanden sei. Ist dem so, ist man Mitglied der Kompanie.

Im Fort C gibt es allerdings neben der schönen Festungsanlage noch „große Feuerzeuge“ zu sehen, die Kanonen. Eine davon ist sogar „in Betrieb“. Tatsächlich muss man zur Bedienung der Kanone eine Befähigung zur Ausübung nachweisen. Außerdem muss der damit Beauftragte auch alle fünf Jahre das etwas unhandliche Gefährt zum TÜV rollen. Genauer gesagt, es wird auf einem extra dafür geeigneten Platz dem TÜV vorgestellt und dieser überprüft die Richtigkeit und Funktionalität der Kanone. Dann – zu bestimmten Anlässen, wie zum Beispiel der Reenactor Messe, die in diesem Jahr vom 05. – 06. Oktober 2019 stattfindet, darf sie auch – nach vielen entsprechenden Genehmigungen – gefeuert werden. Tatsächlich hat auch nur die 1. Kompanie eine betriebsbereite Kanone.

Der Kanonenflüsterer – Foto: Sabine Christel

Im Fort C gibt es aber auch eine miniatur Ausgabe des Freischießens: in Form von kleinen Figuren ist das ganze Bataillon samt Mitmarschierer, Eskadron (die Herren zu Pferde) und Musikchorps (die Band) ausgestellt. Daran sehen Sie dann sehr anschaulich, wie viele Herren daran beteiligt sind und wie so ein Marsch auf dem Simeonsplatz aussehen wird.

Bataillonsmodell – Foto: Sabine Christel

Nun könnte man sagen, wozu das Ganze? Und die Mitglieder des Bataillons würden Ihnen erwidern, dass sie alle ehrenamtlich dafür sorgen, Geschichte und Tradition in Minden zu erhalten. Sie unterstützen nämlich auch da, wo die Stadt Minden keine öffentlichen Gelder auszugeben hat. So sammeln sie beispielsweise Müll und „mehr“ im Glacis, sie säubern und erhalten das Fort C, sie sammeln Spenden für wohltätige Zwecke und machen so einiges, was vielen Mitmenschen gar nicht auffällt, die teilweise etwas despektierlich von „Männern mit Holzgewehren“ sprechen. Hier steht keinesfalls das Militärische im Vordergrund, sondern das Miteinander, die Gemeinschaftspflege. Jeder hilft und bringt sich ein, wie er selbst es leisten kann. Hier wird im Hintergrund sehr viel ehrenamtliche Arbeit vollbracht und das eigentliche Freischießen ist nur das, was oftmals von Außen wahrgenommen wird.

Die 1. Kompanie beim Aufhängen des Blumenschmucks in der Mindener Innenstadt

Auch ist es keinesfalls so, dass Frauen kategorisch ausgeschlossen werden. Denn auch sie haben ihre Veranstaltungen, auch sie werden gebraucht und bringen ihre Mithilfe ein. Und sie sind zurecht stolz darauf, Teil dieses sehr traditionellen Gemeinschaftslebens zu sein.

Deshalb – nutzen Sie die Gelegenheit sich ein Bild zu machen und besuchen Sie die Veranstaltungen der Kompanien. Und wenn Sie männlich und ab 18 Jahre alt sind und gern mehr über die Arbeit der Kompanien erfahren oder einfach beim großen Ereignis mitmarschieren möchten, dann wenden Sie sich doch an eine der Kompanien. Auf der Seite des Mindener Bürgerbataillons finden Sie alle wichtigen Ansprechpartner und Informationen, sowie noch mehr Hintergrundberichte. Zudem sind sie auch in den sozialen Medien in Bild und Ton sehr aktiv.

Pause der Kompanie – Foto: Sabine Christel

Hier sehen Sie ein paar Impressionen vom Familientag am Fort C, welches die 1. Kompanie des Mindener Bürgerbataillons ausgerichtet hat:

Foto: Sabine Christel
Radlager – Foto: Sabine Christel
Foto: Sabine Christel
Foto: Sabine Christel
Foto: Sabine Christel
Foto: Sabine Christel
Foto: Sabine Christel
Nicht nur begeistert vom Fort C, sondern auch Fans der Bee Gees. Zum ersten Mal sind diese Gäste am Fort und finden Gefallen an der Festung. Wer hätte gedacht, dass sich hinter den Bahnschienen so eine gepflegte schöne Anlage befindet? – Foto: Sabine Christel
Die kleinen Besucher erkunden das Gelände – Foto: Sabine Christel
Foto: Sabine Christel
Trinkwasserversorgung um 1847 – Foto: Sabine Christel
Foto: Sabine Christel
Tor auf für die Gäste der 1. Kompanie – Foto: Sabine Christel
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