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Einladung zum Konzert – 25jähriges Jubiläum des Sinfonieorchester Schaumburger Landschaft

Einladung zum Konzert – 25jähriges Jubiläum des Sinfonieorchester Schaumburger Landschaft

Vor zwei Jahren war ich allein unterwegs zur Langen Nacht der Kultur in Bückeburg. Ich begann den Abend im Rathaussaal, dort war eine öffentliche Probe des Sinfonieorchester der Schaumburger Landschaft. Sinfonieorchester, da war ich schon fasziniert und setzte mich sodann auf die Empore mit bestem Blick auf das Orchester. Eine Probe ist ja eigentlich nicht so wirklich spannend. Ein Stück wird angespielt, dann folgt eine Korrektur, so ganz hinein ins Thema kommt man als Zuhörer nicht.

Dachte ich. Nach einigen Minuten rief ich meine Tochter an: „Du musst kommen, ich warte im Rathaussaal auf Dich.“ Neugierig machte sie sich auf den Weg und begrüßte mich dann mit den Worten: „Du weinst ja.“ – „Ja, weil es so schön ist.“

Musik kann so vieles: Sie tröstet, sie entspannt oder unterhält und sie begleitet uns. Und sie schafft etwas, was keine Sprache der Welt erreicht: Sie berührt jeden auf ihre Art und Weise – und alles, ohne ein einziges Wort.

Natürlich hatte die damalige Solistin Lara Venghaus ihren Text nicht vergessen, aber mein italienisch war nicht gut genug, um alles zu verstehen. Die Musik war so schön und der Moment so besonders. Dazu waren sie vor allem auch sehr gut, die „Nächtlichen Arien“ von Bellini, Dvorak und Verdi, eine hervorragende Intonation der Sängerin, das Orchester im – für meine Ohren – perfekten Einklang unter der Leitung von Siegfried Westphal, dass man sich durchaus wie in einem großen bekannten Konzertsaal fühlen konnte und nicht nur im Rathaussaal in Bückeburg.

Jedes Jahr gibt es übrigens diese offene Probe, bei der man einen Einblick ins Orchester erhält. In diesem Jahr allerdings hatte man übersehen, es ins Programmheft der Langen Nacht zu nehmen, so dass die Musik etwas unterging. Aber wir haben hier einen kleinen Mitschnitt… (Danke an Lutz Müller)

Foto: Sinfonieorchester Schaumburger Landschaft

Was macht das Orchester so besonders?

Am Samstag, 28. und Sonntag, 29. September wird das Sinfonieorchester der Schaumburger Landschaft sein 25-jähriges Konzertjubiläum begehen. Werke von Jean Sibelius, Joaquín Rodrigo und Ludwig van Beethoven werden am 28. September um 19 Uhr im Großen Rathaussaal Bückeburg sowie am 29. September um 17 Uhr in der Klosterkirche Wennigsen stattfinden. Die Solistin wird Negin Habibi (Klassische Gitarre) sein.

Foto: Sinfonieorchester Schaumburger Landschaft

Das Sinfonieorchester der Schaumburger Landschaft ist seit Jahren bei Mitspielern und Publikum beliebt und geschätzt. 1993 von Katharina Kunzendorf gegründet, trat das Sinfonieorchester der Schaumburger Landschaft 1994 zum ersten Mal auf.

Das inzwischen legendäre Open-Air-Konzert an der Schaumburg war der Beginn einer bis heute andauernden erfolgreichen Initiative in der Region und darüber hinaus. Im Sinfonieorchester der Schaumburger Landschaft vereinen sich Laienmusiker, fortgeschrittene Instrumentalschüler und Berufsmusiker, um einmal im Jahr an vier Wochenenden ein sinfonisches Programm einzustudieren und aufzuführen.

Neben der Repertoirepflege sind generationsübergreifende Verbindungen das Ziel. Musizierende zwischen 15 und 75 Jahren wirken in dem Orchester zusammen. Zudem gibt das Sinfonieorchester jungen Berufsmusikern die Gelegenheit, Erfahrungen auf der Bühne mit einem großen Klangkörper zu sammeln. Auf diese Weise wurde bereits einigen jungen Menschen auf dem Weg ihrer Karriere ein wenig weiter geholfen. Diese kulturelle Wirksamkeit des Ensembles rechtfertigt das Projekt für die Schaumburger Landschaft, die übrigens der einzige Landschaftsverband in Niedersachsen ist, der ein Sinfonieorchester unterhält.

Das Konzert

Negin Habibi – Foto: Habibi/privat

Die Solistin Negin Habibi wurde 1982 in Teheran geboren. Aufgewachsen im Iran, in Frankreich, Weißrussland und Deutschland, ist sie schon früh mit verschiedenen Kulturen in Berührung gekommen. Sie begann ihre Ausbildung in klassischer Gitarre im Alter von zwölf Jahren und spielte u. a. E-Gitarre in Rockbands. 2001 nahm sie das Musikstudium an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig auf und beendete es 2005 an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover in der Klasse von Prof. Frank Bungarten mit Bestnote.

2008 folgte das Konzertexamen an der Hochschule für Musik Luzern, ebenfalls mit Auszeichnung. Während des Studiums besuchte sie Meisterkurse bei namhaften Musikern wie S. Stubbs, F. Haque und M.Stockhausen. Seit 2007 ist Negin Habibi Stipendiatin mehrerer Stiftungen und Vereine wie Live Music Now des Yehudi-Menuhin-Vereins u.a. Sie ist heute eine gefragte Solistin und Kammermusikerin mit reger Konzerttätigkeit im In- und Ausland.

Seit 2014 studiert sie bei Israel Golani (Amsterdam) Barockgitarre und wirkt sowohl bei Projekten der Alten Musik als auch bei Projekten zeitgenössischer Musik mit. 2013 gründete sie das Trio sixty1strings in der einzigartigen Besetzung Harfe, Mandoline und Gitarre.

Leiter Siegfried Westphal studierte an der Musikhochschule in Detmold und auf Meisterkursen des Tibor Varga-Festivals in Sion (Schweiz) das Hauptfach Violoncello bei Prof. Marcio Carneiro sowie auf einem Meisterkurs bei Lluís Claret, Barcelona. Er unterrichtet seit 1987 die Celloklasse der Musikschule der Stadt Bünde. Orchesterleitung studierte er während mehrerer Dirigierkurse bei Prof. Karl Heinz Bloemecke (Detmold) und Prof. Constantin Alex (Berlin).

Seit 1998 leitet Siegfried Westphal das Sinfonieorchester der Schaumburger Landschaft. Außerdem dirigiert er die Junge Philharmonie OWL. Seine persönliche Beliebtheit im Orchester der Schaumburger Landschaft steht der Anerkennung für sein musikalisch herausforderndes und pädagogisch erfahrenes Dirigat in nichts nach. Feinfühlig und unnachgiebig feilt er an allen Details. Dank seiner Beharrlichkeit kann das Sinfonieorchester auf eine kontinuierlich im Niveau steigende Entwicklung stolz sein.

Programm

  • Jean Sibelius Finlandia, Opus 26 (1865 – 1957)
  • Joaquín Rodrigo Concierto de Aranjuez (1901 – 1999)
  • Ludwig van Beethoven 5. Sinfonie c-Moll, Opus 67 (1770 – 1827)

Allegro Finlandia, Opus 26, ist eine Tondichtung des finnischen Komponisten Jean Sibelius. Sie entstand 1899 anlässlich der „Pressefeiern“, mit denen sich die Finnen gegen die zunehmende Russifizierung ihrer Gesellschaft wehrten. Proteste gegen die Schikanierung der Presse durch Russland standen dabei im Mittelpunkt. In diesem Rahmen wurden auch theatralische Darbietungen mit nationaler Aussage aufgeführt. Zu einer solchen Aufführung lebender Bilder aus der finnischen Vergangenheit und Mythologie im Schwedischen Theater von Helsinki im Jahr 1899 steuerte Sibeliu seine sechsteilige Suite als Begleitmusik bei. Das letzte dieser Stücke war die erste Fassung der Sinfonischen Dichtung „Finlandia“.

Sibelius arbeitete das umjubelte Stück kurz nach der Uraufführung zu seiner heute bekannten Form um.

Das Concierto de Aranjuez ist ein Solokonzert für Gitarre und Orchester von Joaquín Rodrigo. Es wurde im Frühjahr 1939 in Paris komponiert und am 9. November1940 in Barcelona uraufgeführt. Dabei handelt es sich um das mit Abstand populärste Werk Rodrigos sowie um eines der bekanntesten klassischen Musikstücke des 20. Jahrhunderts überhaupt. Bei der Komposition stand Rodrigo vor dem Problem, die Gitarre, die als Soloinstrument gegenüber einem Sinfonieorchester viel zu leise ist, in einen ausgewogenen Zusammenklang mit dem Tonkörper zu bringen. Dies gelang ihm, indem er die Gitarre nie mit dem vollen Orchester zugleich spielen ließ, sondern mit kleinen Gruppen leiserer Instrumente.

Der Komponist beschreibt in dem Werk die Gärten des Königlichen Palastes von Aranjuez südlich von Madrid, der Frühjahrsresidenz der spanischen Könige, in denen er mit seiner Verlobten oft spazieren gegangen war. Im zweiten Satz des Werkes beschreibt Rodrigo seine Gefühle um die Totgeburt seines erstgeborenen Sohnes, den damit verbundenen Schmerz und die Bitte an Gott, er möge seine geliebte Ehefrau Victoria am Leben lassen. Victoria war das „Augenlicht“ von Rodrigo; er selbst war 1906 infolge einer Diphtherie-Epidemie erblindet.

Ludwig van Beethovens 5. Sinfonie (c-Moll, Opus 67), auch als „Schicksalssinfonie“ bekannt, gehört zu seinen berühmtesten Werken und ist eines der populärsten Stücke der klassischen Musik. In der sogenannten romantischen Beethoven-Rezeption, die bis in das 20. Jahrhundert reichte, wurde Beethovens „Fünfte“ als eine musikalisch objektivierte Erzählung von Niederlage und Triumph, vom ewigen menschlichen Schicksalskampf, von Leid und Erlösung interpretiert. Dieser Deutung zufolge behandelt sie mit ihrem Weg durch die Nacht zum Licht, von c-Moll nach C-Dur, einen grundlegenden Gedanken der europäischen Kultur. Auch wenn diese Deutung in der heutigen Zeit manchmal als pathetisch angesehen wird, bleibt festzuhalten, dass Beethovens „Fünfte“ das sinfonische Schaffen des 19. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusst hat.

Nehmen Sie sich die Zeit, diese Konzerte zu besuchen, nicht nur, weil es ein Jubiläum ist, sondern, weil Sie wirklich allerhöchsten Kunstgenuss erleben können und weil diese Konzerte nur zweimal im Jahr stattfinden.

Karten gibt es nicht, dafür bittet man um eine Spende am Ausgang.

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