Einkaufen – Morgens halb acht in Bückeburg

Einkaufen – Morgens halb acht in Bückeburg

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Einkaufen. Für manche ein Vergnügen, für andere ein notwendiges Übel. Schnell mal in den Supermarkt gehen und sich ein Brot oder das vergessene Eis holen. Was sonst zum Alltag gehörte, ist seit einigen Wochen vorbei. Das Coronavirus, und die damit verbundenen Auflagen der Bundesregierung, haben nicht nur viele Geschäfte vorübergehend geschlossen, sondern auch strenge Regeln für das Einkaufen im Supermarkt errichtet. Zudem ist bei vielen Kunden die Angst vor einer Ansteckung vorhanden. Deshalb unterbleibt der Spontankauf, stattdessen versucht man einen Zeitpunkt zu finden, mit wenig Kunden im Geschäft und arbeitet – oftmals für mehrere Leute – eine Einkaufsliste ab.

Kaum jemand nimmt sich noch die Zeit zum gemütlichen Bummeln, Stöbern in den Regalen und Ausprobieren. Entspanntes Plaudern mit Bekannten ist genau so untersagt, wie enges Zusammenstehen an den Kassen. Einkaufen nur mit Korb? Geht nicht. Jeder Kunde ist verpflichet, einen Einkaufswagen zu nehmen. Das soll zumindest den Abstand #socialdistancing von 1,5 bis 2 Metern wahren.

Wir waren unterwegs für den wöchentlichen Einkauf. Morgens halb acht in Bückeburg. Ein Rückblick.

Um sieben Uhr öffnet der Kaufland in Bückeburg. 07.15 Uhr ist der halbe Parkplatz voller Fahrzeuge, die ersten Kunden schon im Laden. Wir bringen erstmal das Leergut weg. Dort sortiert eine Mitarbeiterin des Marktes gerade frische Tulpensträuße. Blumen? In Zeiten von Corona fast unwirklich. Ein bisschen Frühling für Zuhause ist aber genau das, was wir an diesem Morgen brauchen. Die nette Verkäuferin grüßt, auch das fällt positiv auf und zaubert so manchem Kunden mit angespannter Mimik ein Lächeln aufs Gesicht. Jeder sehnt sich nach dem, was wir derzeit vermissen: Normalität.

Im Laden werden noch frische Waren eingeräumt. Die Obst- und Gemüseabteilung ist überaus gut bestückt. Von frischen Tomaten über eine große Auswahl an Äpfeln und Birnen bis hin zu Ingwer und Kräutern ist alles vorhanden, was das Herz begehrt. Weg von den Konserven, frisches Obst und Gemüse ist nicht nur gut für das Immunsystem, sondern das Schnippeln und Schälen auch eine gute Beschäftigung. Viele sind jetzt zwangsweise zu Hause. Homeschooling oder Homeoffice ist das Zauberwort. Wir leben in einer Art Quarantäne und müssen uns beschäftigen. Da ist Kochen eine gute Möglichkeit.

Nebenan wird frisches Brot in die Regale gelegt. Überall grüßen die Kaufland Mitarbeiter. War das vor Corona auch so oder ist es eine Ansage der Geschäfsleitung? Egal, es tut gut. Es nimmt die Hektik und man vergisst für einen Moment den Wahnsinn, der durch die Medien tobt mit immer neuen Schreckensmeldungen.

Einkaufen war doch mal schön? Ja, auch stressig oder nervend, aber verbunden mit der Angst vor Ansteckung? Das hat nicht mal die jährlich auftretende Grippewelle oder das ganze Familien lahmlegende Norovirus geschafft. Corona ist wie die Pest, die durch die Ritzen überall eindringt und sich wie ein dunkler Schatten über alles legt. Im Hinterkopf stets die Angst, „könnte ich mich hier infizieren?“ Viele Kunden sind deshalb behandschuht unterwegs. Man versucht sich gegenseitig in den Gängen aus dem Weg zu gehen, sofern das möglich ist.

Pizza ist im Angebot, trotz der frühen Stunde ist das Tiefkühlregal jedoch wie leergefegt. Eine Handvoll Pizzen liegen noch drin. Abgabe in Haushaltsüblichen Mengen? In diesen Zeiten packt man gern bei Angeboten zu, gerade bei länger haltbaren Produkten.

Da, wo sonst Toilettenpapier ist, sind jetzt Paletten mit eingelegten Gurken und passierter Tomate. Hm. Etwas deplaziert. Die Gurken hätte ich ja woanders gesucht. Und der, der auf dem stillen Örtchen sitzt, denkt wohl kaum an Gurken…. Auch große Mengen Servietten finden sich. Als Alternative aber ungeeignet. Servietten verstopfen die Toiletten…. Haben Sanitärdienste demnächst Sonderschichten?

Haushaltsrollen sind noch reichlich vorhanden. Bei uns sehr oft in Gebrauch, also legen wir einen Viererpack in den Wagen.

Ostern ist Nebensache…

Was auffällt: Die diversen Osterartikel, egal, ob Dekorationen oder Süßwaren, liegen unbeachtet in den Regalen. Kaum jemand denkt daran, dass die Ostertage vor der Tür stehen. Es ist eh alles abgesagt: Von den traditionellen Osterfeuern, über öffentliches Eiersuchen bis hin zu den Gottesdiensten. Große Familienfeste sind ebenso untersagt wie Osterveranstaltungen. Wird zu Hause noch österlich dekoriert? Hängen die Kinder angemalte Ostereier in Frühlingszweige?

Fakt ist, die Osterschokolade liegt wie Blei in den Regalen.

Dafür sind die Wagen gefüllt mit Angeboten und Konserven, vielen Getränken und Haushaltsrollen. Kaum ein Wagen, in dem nicht mindestens ein Pack enthalten ist. Und kaum jemand beschränkt sich auf Kleinigkeiten, ähnlich wie wir werden Listen „abgearbeitet“, wird oftmals für mehrere Leute eingekauft.

Früh morgens im Supermarkt zu sein eröffnet zumindest die Auswahl an frischen Zutaten. Abends findet man kaum noch Obst, zumindest keine Bananen. Überhaupt scheint die gelbe Frucht eine große Beliebtheit erlangt zu haben.

Wir schieben uns Richtung Kassenzone. Auf dem Boden weisen große Aufkleber auf den Sicherheitsabstand hin. Warum gab es das vorher nicht? Wie oft hat der Hintermann mir den Wagen in meine Sitzfläche gerammt und mich so ein Stück nach vorn geschoben. Das könnten wir doch beibehalten. Corona entschleunigt. Niemand legt vorschnell Ware auf das Warenband, niemand drängelt oder murrt. Man wartet ab. Geht doch!

Zweiter Supermarkt….

Danach gehts zum Edeka. Öffnungszeiten ab 08.00 Uhr, es ist noch eine Viertelstunde bis dahin. Trotzdem stehen schon einige Kunden – mit Sicherheitsabstand – vor dem Laden. Insgesamt haben sich vier Kundenschlangen gebildet. Wie funktioniert das Eintreten? Im Reissverschlussverfahren? Manche von ihnen tragen Mundschutz, entweder den, den man vom Hausarzt kennt oder einen genähten. Ein Kunde ist allerdings ohne Einkaufswagen… Das rächt sich später.

Gegen 08.00 Uhr nähern sich zwei Mitarbeiter, beide mit Handschuhen. Sie öffnen die Türen, zeitgleich erscheint ein Wachdienst. Was kontrollieren sie eigentlich? Ob man nur mit Wagen reingeht, ob man sich an die Formel hält (ein Kunde pro 10 qm Verkaufsfläche)? Ob jeder Kunde nur einmal Toilettenpapier im Wagen hat? Der Mann wirkt ganz entspannt, packt erstmal sein Frühstück beseite, bevor er sich seine Warnweste anzieht. Noch würdigt er die Kunden keines Blickes. Man hörte aber durchaus davon, dass es Stress gibt. Entweder, um die letzte Packung Toilettenpapier oder um Sicherheitsabstände. Wäre es nicht so gruselig, man käme sich vor, wie in einem sehr schrägen Film mit miesem Drehbuch.

Kein Einkaufswagen – kein Zutritt ….

Die Kunden strömen in den Laden, der Mann ohne Einkaufswagen wird aufgehalten, er versucht zwar zu erklären, dass er nur ein paar Kleinigkeiten… Aber der Mitarbeiter der Filiale bremst seine Erklärungsversuche: „Sie müssen sich an die Anordnungen halten!“

Der Ton wird schärfer, die Stimmen lauter. Die übrigen Kunden sehen weg. Woran erinnert mich die Situation nur? Gibt es demnächst Wachposten, wer den Laden betreten darf? Was ist, wenn die Versorgungslage kippt? Weil Menschen – gesundheitlich – ausfallen? Wenn jeder sich nur noch selbst der Nächste ist?

Wer entscheidet dann, wer in den Laden darf und warum? (woran erinnert mich das nur…?)

Alle wirken angespannt, es fehlt ein bisschen die positive Atmosphäre von eben. Lächeln in Zeiten von Corona gelingt nicht überall. Aber man muss sich natürlich an die Vorschriften halten. Wenn ständig jemand anfängt zu diskutieren muss man wohl den Ton verschärfen. Und doch, die Stimmung ist verändert, wir suchen noch ein paar Kleinigkeiten, und gehen weiter.

Frisches Fleisch und Käse gibt es im Edeka. Nicht nur abgepackte Ware, deshalb führt uns der Weg zur Frischetheke. Dort wieder eine Absperrung am Boden. Ein Meter Abstand zur Käsetheke ist einzuhalten.

Ohne Brille erahne ich die Käsestücke in der Auslage nur, lesen kann ich auf die Entfernung die Namen auf den Schildern nicht mehr. Seit Jahrzehnten liebe ich es, neue Sorten auszuprobieren, von oben durch das Glas auf das Sortiment zu schauen und auszuwählen. Bei den Preisen von frisch im Vergleich zu abgepackt möchte ich in Ruhe aussuchen können. Okay, dann eben nicht. Mein kleines Käsestück wird eingepackt. Nun die Frage: Wie komme ich an den Käse?

„Werfen Sie mir das Stück nun zu?“ Die Verkäuferin muss lachen. „Nein, so weit sind wir noch nicht. Ich lege es hin, trete einen Schritt zurück, dann gehen Sie nach vorn, nehmen den Käse und treten wieder zurück.“

Es ist skurril.

Wo führt das hin? Dass wir demnächst den Einkaufszettel vorzeigen müssen, den Laden nur noch einzeln betreten dürfen?

Was ist das für ein Staat, in dem wir leben? Alles wegen eines Virus? Ist das noch #flattenthecurve oder nähern wir uns schon einem Überwachungsstaat? Einer Diktatur mit willkürlichen Gesetzen und Regeln, die von heute auf morgen erstellt werden?

Schon jetzt fällt auf, wie Leute sich gegenseitig bespitzeln und ausspionieren, wie man schaut, was hat der andere im Einkaufswagen, hält sich jeder an die Regeln? Nicht nur in den Geschäften, sondern auch im Alltag findet diese Beobachtung statt.

An der Kasse neu eine Plexiglasscheibe. Der Mitarbeiter mit Einmalhandschuhen. Das gehört zum gewohnten Bild. Immerhin geben wir uns das Geld noch in die Hand.

Drei Märkte für einen Einkauf

Zum Schluss zum Lidl, denn im Edeka war kein Toilettenpapier mehr zu bekommen.

Auf dem Parkplatz eine übersichtliche Anzahl von Autos. Was ein Glück. Dann auch hier das gewohnte Bild, ein Wachposten im Eingangsbereich. Paletten mit Geranien verlocken zur Gartenarbeit. Hier sind die Baumärkte nur noch für Gewerbetreibende geöffnet, die Blumenläden geschlossen. Wo sonst sollte man nun also Blumen bekommen?

Im Laden ein großes Warenangebot. Die Kunden schieben eifrig den Wagen durch die Gänge. Trifft man sich, versucht man schnellstmöglich einen Abstand zu schaffen, bei den Ecken nicht so einfach. Niemand wechselt ein Wort miteinander. Aber es ist auch nicht leicht, unter den Schals und Tüchern oder einem Mundschutz jemanden zu erkennen.

Die Tiefkühltruhen werden gerade bestückt. Überhaupt sieht man in allen Läden, wie immer wieder frische Ware einsortiert wird. Vor der Kasse zwei riesen Paletten mit Toilettenpapier. Kaum jemand, der, ohne einen Pack einzuladen, dran vorbeigeht.

An der Kasse wieder die Abstandsaufkleber. Eine Kundin fragt nach Haushaltsrollen. Die Kassiererin vertröstet: „Wir bestellen zwar, aber wissen nie, ob und wann geliefert wird. Derzeit ist es Glückssache.“ Also muss man, wenn man etwas sieht, zugreifen, ansonsten Geduld haben.

Woran erinnert mich das nur? An alte Geschichten aus der DDR zum Beispiel. Als man nur bedingt Waren erhalten hat, oftmals Geduld haben musste. Oder an die Kriegszeiten, als es nichts gab und man auch Geduld brauchte. Auch nach dem Krieg gab es Hamsterkäufe, weil man froh war, wenn es mal etwas gab. Heute sind die LKW mit frischer Ware ständig unterwegs, es soll Ware vorhanden sein, aber die Lücken in den Regalen kommen ja auch nicht mangels Ware, sondern, weil zu Viele viel zu viel in den Einkaufswagen einladen. Wenn jeder nur das kaufen würde, was er braucht, hätten wir diese Versorgungsengpässe nicht.

Unser Einkauf ist beendet. Der Supermarkt ist sowieso der einzige Ort, wo man noch so ziemlich alles kaufen kann. Daneben haben nur noch Drogerien, Apotheken, Bäckereien, Fleischer oder Zeitungsläden geöffnet, aber nur, wenn sie die Hygienevorschriften einhalten und wenn sie Dinge des täglichen Bedarfs anbieten.

Überall dort, wo man zu eng zusammensteht, diese Läden haben zu. Der Trend geht Richtung „Tante Emma Laden“, wo man persönlich bedient wird und nur noch der Kaufmann die Ware anfasst und ein Tresen für Abstand sorgt. Oder zum sterilen Supermarkt, wo alles maschinell funktioniert – Stichwort Bargeld- oder Kontaktlos.

Fast überall wird bargeldlos bevorzugt. Die Bundesregierung wollte doch Bargeld abschaffen, oder? Kommt ihr das jetzt nicht entgegen? Wer profitiert vom Virus? Wer macht die Regeln, ändert die Gesetze? Wo ist es notwendig und wo beginnt die Willkür?

Wir sprechen nur noch per Telefon oder kommunizieren online miteinander…. Wie findet das Internet, zum Beispiel Facebook nur heraus, was ich mag, wenn ich es gar nicht geschrieben, sondern nur jemandem erzählt habe? Wie sicher ist online noch und war es das überhaupt jemals?

Wo beginnen wichtige Fragen und wo werden wir zu Verschwörungstheoretikern? Müssen wir alles hinnehmen und was geben wir tatsächlich für das Virus auf? Und ist es noch das Coronavirus, dass uns alle derzeit einschränkt?

Sie sehen, man hat viel Zeit, während man an so einem Kassenband steht und wartet….

Bleiben Sie gesund – bleiben Sie freundlich – und nehmen Sie Rücksicht.

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