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„Eine Stunde Ruhe“ – Zwei Stunden allerbeste Unterhaltung im Stadttheater Minden
Eine Stunde Ruhe - das ist alles, was Michel möchte (sc)

„Eine Stunde Ruhe“ – Zwei Stunden allerbeste Unterhaltung im Stadttheater Minden

Das zauberhafte Stadttheater Minden präsentierte am vergangenen Freitagabend die unterhaltsame Komödie „Eine Stunde Ruhe“ mit Timothy Peach, Alexa Wiegandt (angekündigt war Nicola Tiggeler, die Ehefrau von Timothy Peach) und Saskia Valencia in den Hauptrollen. Scarlett-Magazin war für Sie vor Ort, aber der Abend begann ähnlich chaotisch, wie das Leben des Michel…

Vorfreude auf das Stück und kein Parkplatz in Sicht, so begann mein Abend. Mit Verspätung erreichte ich dennoch das Stadttheater und die freundliche Dame am Empfang sagte: „Kein Problem, dann sitzen Sie bis zur Pause einfach im dritten Rang“, denn während der Vorstellung ist natürlich kein Einlass. Zugegeben, so hoch oben war ich im Stadttheater noch nie und ich hätte mir sicherlich auch keine Karte für so einen Platz reserviert. Umso überraschter war ich, als ich dann oben angelangt war: Auf dem allerletzten Platz in der allerletzten Reihe saß ich – auf der Höhe des riesigen Kronleuchters und mit einem perfekten Blick auf die Bühne. Toll, den Platz buche ich wieder!

Hoch oben im Stadttheater Minden, mit bestem Blick zur Bühne (sc)

Nun jedoch zu den Nöten des Michel (Timothy Peach spielte seine Rolle so gekonnt, dass man ihm den verzweifelten Musikliebhaber nur zu gern abnahm), der endlich die von ihm schon lange gesuchte Schallplatte „Me, myself & I“, einen Jazz-Klassiker, gefunden hatte. Nun schnell zu Hause die Platte anhören, darauf freut er sich. Leider ist es ihm nicht vergönnt. Zuerst kommt seine liebe Cheríe Nathalie (Alexa Wiegandt, gefällt mir auf der Bühne in ihrer Rolle als leidende Gattin ausnehmend gut), die unbedingt jetzt mit ihm die Beziehung diskutieren möchte, dass zumindest hat ihr der Psychater geraten. Aber bitte, doch nicht HEUTE! Nicht, wenn ich so gern die Platte,…. Nathalie lässt sich besänftigen und legt sich hin. Dafür legt der polnische Handwerker Leo los mit seiner Bohrmaschine. Michel ist genervt: Arbeiten ja, aber bitte LEISE!

Nächster Versuch, das Telefon klingelt und Maman ist dran. Und dann klingelt es noch an der Tür und der polnische Nachbar von unten kommt, um sich darüber zu beschweren, dass Wasser durch die Decke tropft. Nun gut, Leo wird gerufen und dann stellt sich im Dialog mit dem Nachbarn heraus, dass Leo den Polen nur vorgegeben hat, weil man denen eine gute Arbeit nachsagt. Sonst ist Leo nämlich Portugiese. Michel ist es egal, woher Leo kommt, „von mir aus auch aus Minden“, aber bitte arbeite er und sei er LEISE.

Leo geht, der Nachbar leider nicht. Endlich lässt auch er sich erweichen zu gehen und Michel schließt genussvoll die Augen, doch… Wieder ein Klingeln, dieses Mal ist es der Sohn Sebastien, der nur noch „Fucking Lion“ genannt werden will und mal eben seine Schmutzwäsche vorbeibringt, den Vater als Ausbeuter und „Unterstützer des Systems“ bezichtigt, woraufhin ihn der Vater dezent drauf hinweist, dass besagter Sohn seit 30 Jahren sehr gut von diesem System lebt und bislang nichts eigenes auf die Beine gestellt hat.

Der Sohn ist weg, die Ehefrau kommt zurück, weil sie doch endlich nach 30 Jahren ihr Gewissen erleichtern möchte und Michel einen Seitensprung beichtet. Michel ist alles egal, er möchte nur „Eine Stunde Ruhe“ und ist bereit großmütig zu verzeihen. Aber das ist Nathalie auch nicht recht, warum ist Michel so gleichgültig? Nun gut, spielt Michel eben wie gewünscht den Eifersüchtigen, Hauptsache, er kann endlich die Schallplatte hören.

Aber nein, schon wieder die Tür, dieses Mal ist es Elsa (Humorvoll und auf den Punkt gespielt von Saskia Valencia), die beste Freundin seiner Frau und seine heimliche Geliebte. Die ihm zudem den polnisch-portugiesischen Handwerker empfohlen hat. Und auch ihr ist an diesem Tag nach Aufrichtigkeit zumute, und sie möchte nicht nur die Beziehung zu Michel beenden, sondern auch Nathalie alles gestehen.

Elsa möchte Nathalie die Wahrheit sagen – Michel fällt aus allen Wolken (sc)

Michel versteht die Welt nicht mehr: Warum wollen alle gerade HEUTE mit ihm reden?? Es ist Samstag, dass ist ein RUHEtag. Und die Musik, niemand kann sie würdigen. Wenn Elsa die Beziehung unbedingt beenden möchte, nun gut, aber doch bitte nichts Nathalie erzählen, eine Frau zum Trost muss er doch haben. Aber da steht Nathalie schon in der Tür….

Michel ist in Panik – Wird Elsa (li.) Nathalie alles erzählen? (sc)

Nach der Pause habe ich nicht nur meinen Platz in Reihe 9, sondern ein Upgrade durch einen Bekannten auf einen Platz in Reihe 1. Wie heißt es doch so schön: „Bei uns sitzen Sie in der ersten Reihe“. Da irrt das Fernsehen – denn ich sitze auf dem allerbesten Platz in Reihe 1 im Stadttheater und bin praktisch mitten im Geschehen. Und das wird nicht ruhiger….

Plötzlich in Reihe 1 und dazu sehr sympathische Theaterfans als Nachbarn. Auch sie finden das Stück sehr unterhaltend (sc)

Michel kann zwar erstmal verhindern, dass Elsa plaudert, aber Nathalie und Elsa beichten sich ihre Affären gegenseitig und Elsa freut sich insgeheim, dass die brave Nathalie ihrerseits Michel etwas verschweigt.

Nathalie möchte wissen, was Elsa zu berichten hat und Michel möchte das verhindern. Wenn da nur nicht der lästige Handwerker wäre … (sc)

Nathalie will nun – allein mit Michel – ihr Gewissen endlich erleichtern und beichtet Michel nicht nur, dass Pierre, der beste Freund Michels, ihre geheime Affäre war („Wie kannst Du nur? Das wäre ja, als ob ich mit Elsa etwas hätte“ – Nun ja, dass wäre ja wirklich ganz unmöglich…), sondern auch, dass der gemeinsame Sohn eher der Sohn von Pierre ist, was Michel seinen Sohn in einem anderen Licht erscheinen lässt. Und als dann noch Pierre, der beste Freund, auf der Bildfläche erscheint, ist das Chaos perfekt.

Zwei Frauen, zwei Geheimnisse (sc)

Der beste Freund Pierre in seiner neuen Vaterrolle (sc)

Michel freut sich, gleich wird er seine Ruhe haben: Vor seiner diskussionsfreudigen Frau, seinem angeblich besten Freund und dem missratenen Sohn, und dann hat er endlich seine Schallplatte für sich (sc)

Pierre, der eigentlich beste Freund ist die Affäre seiner Frau, der Sohn „Fucking Lion“ ist gar nicht sein Sohn, seine Affäre Elsa beendet die Liason und zu allem Überfluss noch die Überschwemmung im Haus, dank des eher unwissenden Handwerkers Leo, der letztendlich den Boden im Bad zum Einsturz bringt, was den Nachbarn wieder klingeln lässt. Am Ende verlässt Elsa mit Leo das Haus, Nathalie geht mit Pierre und dem gemeinsamen Sohn in ein Hotel und der findige Nachbar findet Unterschlupf als neuer Mitbewohner von Michel. Dazu ist die Wohnung eine Baustelle und Maman wartet noch immer am Telefon – egal. Endlich ist Ruhe, endlich ist Zeit, sich die langersehnte Schallplatte anzuhören, was Michel auch nur zu gern nach diesem chaotischen Tag tun würde. Und so setzt er sich, wobei er erst beim „Knack“ bemerkt, dass die Schallplatte auf dem Sessel lag…

Das Chaos ist perfekt und dann stürzt auch noch die Decke ein… (sc)

Nein, NICHT hinsetzen! Da liegt doch die Schallplatte… (sc)

Eine herrlich spritzige Komödie, die von den schnellen und typischen Dialogen eines französischen Stücks lebt, mit ein wenig Klamauk und einem Ehemann, der Wort- und Gestenreich versucht, jeder Situation Herr zu werden. Erinnert an alte Filme mit Jean-Paul Belmondo, der sich auch um „Kopf und Kragen“ geredet hat, um seine Affären zu vertuschen. Schauspieler, die es schaffen, das Publikum in jedem Moment zu unterhalten und die trotz der Schnelllebigkeit und der ständig wechselnden Szenen es schaffen, die Zuseher durch alle Momente mitzunehmen und auf dem Laufenden zu halten. Jede Rolle top besetzt, Spielfreude und Können zeichnen die Darsteller aus. Und bis zur letzten Sekunde hat man die Hoffnung, dass Michel doch noch zu seiner Stunde Ruhe kommt. Bekommt er ja auch, aber leider ohne seine Schallplatte.

Das Ensemble von „Eine Stunde Ruhe“ (sc)

Im Publikum bin ich im Gespräch mit vier Damen, die nicht nur die Intendantin Andrea Krauledat und ihr gut ausgesuchtes Theaterprogramm loben, sondern sich auch von dem Stück begeistert zeigen: „Gute Unterhaltung mit Humor, dass wollen wir sehen. Jeden Tag sieht und hört man soviel Negatives, da ist das Theater ein Ort, an dem man entspannen und lachen möchte“. Und genau das bot dieser Abend. Ein großes Kompliment an die Darsteller, die so überzeugend spielten und die zwei Stunden im Nu vergehen ließen und an das Stadttheater Minden, mit einem weiteren Stück, bei dem man – wirklich von jedem Platz aus – beste Unterhaltung hatte.

Sie gehen oft und gern ins Theater und sind begeistert von der Vorstellung. (sc)

Schauen Sie ins Theaterprogramm des Stadttheater-minden.de und natürlich in den Veranstaltungskalender von scarlett-magazin.de damit Sie alle kulturellen Highlights im Blick haben.

Mein besonderer Dank geht an die freundlichen Damen des Stadttheaters an Empfang und Garderobe, die mir nach einer Stunde Chaos zwei Stunden beste Unterhaltung ermöglicht haben.

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