DMITRI TCHERNIAKOV INSZENIERT EUGEN ONEGIN

Als Dmitri Tcherniakov seine Sicht von Tschaikowskis Eugen Onegin am Moskauer Bolschoi herausbrachte, war es eine Sensation: Seine Inszenierung löste eine historische Arbeit (aus 1944!) ab, blitzschnell ging die Nachricht eines außerordentlichen Wurfs um die Welt.



Nun erarbeitet der russische Kultregisseur Eugen Onegin mit einem jungen Sängerteam in Wien neu.

Tcherniakov, der sein Debüt im Haus am Ring gibt, ist für seine hochpräzisen, psychologisch motivierten Arbeiten bekannt. Nicht nur die Solisten, jedes Mitglied des Chors und der Statisterie erhält eine eigene, auf ihn oder sie zugeschnittene, genau gearbeitete Rolle. So entstehen atemlos machende Produktionen mit enormer Tiefenschärfe, die den Regisseur und Bühnenbildner berühmt gemacht haben.

Im Falle von Eugen Onegin hat Tcherniakov einen Speisesaal mit einem riesigen, zentralen Tisch geschaffen, an dem die Handlung abläuft. Hier wird – aus der russischen Tradition kommend – nicht nur gegessen und gefeiert, sondern auch das Leben verhandelt. Und hier stoßen die zutiefst einsame Tatjana und Eugen Onegin aufeinander, zwei Charaktere, die in ihrem Liebesleid aus der Bahn geworfen werden. Gesungen und gespielt werden sie von den neuen, jungen Ensemblemitgliedern TamunaGochashvili und Andrè Schuen, die am Premierenabend ihre Hausdebüts geben werden.

Auch Lenski (Bogdan Volkov) und Anna Goryachova (Olga) sind erstmals an der Wiener Staatsoper zu hören. Und Dirigent Tamáš Hanus, der im Haus am Ring erfolgreich mit Rusalka und Hänsel und Gretel zu erleben war, leitet mit Eugen Onegin seine erste Premiere im Haus am Ring.

*Wiener Staatsoper, Oktober 2020