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Die Sonntagskolumne: Neid ist die ehrlichste Art der Anerkennung
Scarlett - Die Kolumne

Die Sonntagskolumne: Neid ist die ehrlichste Art der Anerkennung

Erinnern Sie sich noch an die Schulzeit, wenn Sie eine Aufgabe gut erledigt haben und dann hat jemand bei Ihnen abgeschrieben. Und genau der Abschreiber erhält dann eine gute Note – und Sie gehen leer aus. Jemand schmückt sich mit fremden Federn und erntet, was Sie erarbeitet haben. Kennen Sie das Gefühl?

„Sich mit fremden Federn schmücken“, Sie haben eine Idee, jemand anderes wird dafür gelobt. Und nimmt das Lob auch an. Wie fühlen Sie sich damit und vor allem: Was sollen Sie tun? Es richtig stellen? Es hinnehmen?

Kürzlich las ich einen Artikel in der Printausgabe eines Magazins. Der Artikel kam mir bekannt vor – Kunststück: Es war mein Text. Bis auf den letzten I-Punkt von mir. Nur – ich hatte den Artikel gar nicht freigegeben.

Ich finde auf Instragram Fotos – von der Seite des Magazins heruntergeladen oder direkt von mir gemacht und dort von anderen als eigene Fotos ausgegeben. Natürlich freut es, wenn anderen gefällt, was man selbst leistet. Aber – man kann doch mal fragen, oder?

Wie entsteht eigentlich ein selbst verfasster Artikel? Man recherchiert, sucht nach Informationen und gibt dann die Quelle an. Sehr beliebt ist zum Beispiel Wikipedia. Auch bei Fotos sollte der Ursprung angegeben werden, es sei denn, man hat Pics frei von Bildrechten in Verwendung oder nutzt Text- und/oder Bildmaterial des Veranstalters. Natürlich kann es vorkommen, dass man ähnliche Texte veröffentlicht, wie die übrigen Medien. Das passiert zum Beispiel, wenn man aus einer Rede zitiert. Oder wenn man Vorlagen bekommt. Manche Termine geben zudem nicht viele Infos her. Und machen wir uns nichts vor: Zu vielen Berichten muss man auf Quellen zurückgreifen, denn: wir haben alle das Rad nicht neu erfunden. Oder was denken Sie, wie die ganzen Tipps und Infos in den Medien entstehen? Alles gab es irgendwann und irgendwo schon einmal. Das eigene Wissen basiert ja auf dem Erlernten.

Das alles gilt aber zum Beispiel nicht für Texte, die über eine Veranstaltung veröffentlicht und als Nachberichte bezeichnet werden. Also etwas, was jeder Autor selbst und frei schreiben sollte. Und – jeder Verfasser hat (oder sollte) einen eigenen Stil haben. So gibt es bei mir beispielsweise Wortschöpfungen und Redewendungen, die mich widerspiegeln und mich als Autor kennzeichnen.

Umso mehr wundert es, wenn es Schreibende gibt, die für ihre Artikel versuchen, den Stil eines anderen zu kopieren und als eigenen auszugeben. Das passiert zum Beispiel, wenn jemand unbedingt schreiben möchte, aber wenig Talent hat. Oder kaum eigene Ideen. Oder das „drumherum“ der Anreiz ist im Medienbereich tätig zu sein, nicht aber die Arbeit, die dahintersteckt.

Brainstorming – mit anderen zu einem Thema recherchieren

Einen Artikel so zu schreiben, dass er flüssig und inhaltlich unterhaltsam zu lesen ist, wahrlich keine so leichte Aufgabe. Je einfacher und lesenswerter, desto schwieriger zu schreiben. Wenn man sich löst von der üblichen Berichterstattung in Form von „Namen, Zahlen und Fakten“ und sich eher in einer Geschichte ausdrückt, dann kommen irgendwann auch „Nachahmer“, die sich das abgucken und verwenden.

Das sieht man daran, wenn eigene Redewendungen in fremden Texten auftauchen und teilweise sogar ganze Zeilen eins zu eins übernommen werden.

Neid ist die ehrlichste Art der Anerkennung?

Würden Sie etwas übernehmen, was schlecht ist? Natürlich nicht. Man schaut sich das ab, was gut ist. So auch im Bereich der schreibenden Zunft. Es gibt glücklicherweise genügend Autoren, die ihren eigenen Stil haben und auf diesen Wiedererkennungswert setzen. Die gern recherchieren und ihr Handwerk beherrschen. Außerdem ist es nichts ungewöhnliches, sich unter Journalisten gegenseitig auszuhelfen – entweder mit Bildmaterial oder mit Infos zur Veranstaltung. Aber – es gibt auch diejenigen, bei denen die Nachricht nicht im Vordergrund steht. Erkennbar daran, wenn der Stil abgekupfert und der Inhalt belanglos und/oder fehlerhaft ist.

Manche Menschen müssen sich mit fremden Federn schmücken. Schade für diejenigen, die viel Arbeit investiert haben und jemand anderes kassiert dafür die Aufmerksamkeit. Aber – es ist wie es ist: Man schreibt nur bei den Besten ab, eine Regel, die in vielen Lebensbereichen anzuwenden ist.

„Nimm es als Kompliment für Deine Arbeit“ – diesen Rat erhielt ich kürzlich, als ich – mal wieder – Textauszüge von mir woanders las. Und mich fragte, wenn man bis auf die Überschrift wirklich (fast) alles kopiert, ist das dann noch dreist oder ist das schon peinlich? Jetzt weiß ich, es ist ein Kompliment.

In diesem Sinne, begegnen Sie Ihren Fans mit einem Lächeln. Neid, ist die ehrlichste Art der Anerkennung.

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