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„Alle Liebe den Kindern geben“ – Christian Berg verzaubert Bückeburg
Rumpelröschen wirft einen Blick ins Publikum (sc)

„Alle Liebe den Kindern geben“ – Christian Berg verzaubert Bückeburg

Das Musical „Frau Holle – Betten machen mit Musik“ machte als Gastspiel nur Station in Bückeburg. Ist es mittlerweile die Dependance zu Cuxhaven, dem eigentlichen Wohnort des Christian Berg? Zwei ausverkaufte Vorstellungen und darin viele kleine und große Fans, die sich nach eigenen Worten tatsächlich alles ansehen würden, was der Musicalmacher auf die Bühne bringt, sind das beste Beispiel dafür, wie beliebt das Ensemble hier ist.

Die Eventagentur von Andreas Steuer, zuständig für die Buchung, weiß, was Bückeburg möchte und macht wirklich alles möglich, um ein bisschen Zauber und das Gefühl von Zusammengehörigkeit zwischen Großen und Kleinen in den Fürstenort zu bringen. Musical können sicherlich viele, aber ein Musical mit Ensemble und Publikum, die für zwei Stunden ihre eigene Welt erschaffen und vielleicht ein wenig von dem Gefühl mit in den Alltag nehmen, dass schafft tatsächlich nur einer. Und das ist Christian Berg.

Christian Berg (sc)

Doch zuvor fange ich mit einem Kompliment an: Andreas Steuer habe ich kennengelernt, als „Das Gespenst von Canterville“ Station in Bückeburg machte. Der Umgang mit den eigens für dieses Stück aus Bückeburg und Umgebung stammenden Darstellern, die einen Auftritt im Musical gewinnen konnten, war überzeugend. Mit viel Verständnis für das, was das Gegenüber braucht (ich sage nur: Catering!) schaffte er es, den Kindern die Aufregung zu nehmen und auch zu zeigen, wie so eine Veranstaltung funktioniert.

Außerdem hat Bückeburg viele tolle Sponsoren, die es überhaupt möglich machen, dass Veranstaltungen zu annehmbaren Preisen aufgeführt werden können. In diesem Fall sind das di Noto Optik, die Sparkasse Schaumburg, das Schaumburger Wochenblatt, VGH Versicherungen, Fahrzeughaus Matz, die Stadtwerke Schaumburg und die Firma Grothe. Sie alle haben ein Herz für Kinder und zeigten sich auch als begeisterte Zuschauer.

Ursula Kirchner mit Sohn sind begeisterte Fans (sc)

In der ersten Reihe sitzt Ursula Kirchner mit ihrem Sohn. Sie ist Heilpädagogin und besucht sehr gern die Vorstellungen. Vor Jahren hat sie mit den Schaumburger Märchensängern Aufführungen vorgeführt und dabei mit behinderten Kindern zusammengearbeitet, deshalb sieht sie sich die Stücke schon mit dem Wissen an, wie aufwändig so eine Produktion ist. Sie schätzt die Arbeit von Christian Berg und seinem Team sehr und genießt auch den Blick ins Publikum, weil die Begeisterung sich in den Gesichtern der Kinder, aber auch der Erwachsenen, widerspiegelt. Und auch ihr Sohn ist noch nach Ende der Vorstellung begeistert über die tollen Texte und die mitreissende Musik. An dieser Stelle ein Danke an die Crew, die überaus hilfsbereit und fürsorglich agierte und immer zur Stelle war, wenn jemand Hilfe benötigte.

Zum Stück: Wer kennt es nicht, das Märchen von „Frau Holle“, die in den Wolken ihre Betten ausschüttelt, damit es auf der Erde schneien kann. „Es war einmal vor langer Zeit, da lebte…“ so beginnen die Märchen der Gebrüder Grimm. Bei Christian Berg beginnt es mit dem Fee, der ein Märchenbuch benötigt, damit er in Bückeburg den Zuschauern davon erzählen kann. Und wenn man das Buch ein wenig schüttelt, dann wird es modernisiert. Das hat Rumpelröschen, der Fee, auch getan und so kommt Marie, die Schwester von Marius, auf die Bühne. Und Marie liebt Geschichten, um glücklich zu sein. Auch wenn die Mutter und der freche Bruder Marius der Meinung sind: Lesen verdirbt die Augen und Lesen macht dumm.

Marie, fabelhaft gespielt von Leonie Fuchs (sc)

Und so wirft Marius das Buch einfach in den Brunnen und Marie muss es wieder herausholen. Mit kräftiger Unterstützung des Publikums, die Marie ermutigen, traut sie sich zu springen. Und landet auf einer Wiese. Dort möchte ein Weißbrot (Künstlername: Volker Vollkorn) aus dem Ofen geholt werden, weil er fertig gebacken ist. Marie hilft natürlich. Und begegnet dann dem rappenden Apfelbaum. Auch hier schüttelt sie die reifen Äpfel ab. Dann trifft sie auf Frau Holle. Sie ist gerade dabei Träume in Gläser zu füllen, die der Sandmann („Ahoichen“) mit seinem Traummobil (zauberhafte Bühnendekorationen!) abholt. Als sie dann noch zusammen mit Frau Holle die Betten ausschüttelt, damit es auf der Erde schneien kann, erhält sie eine Belohnung aus Gold.

Einen rappenden Apfelbaum trifft man auch nicht alle Tage… (sc)
Sandmann (stimmlich grandios Kai Niewandt, links), Frau Holle (Raphaela Groß-Fengels, die für Ute Geske eingesprungen ist und eine zauberhafte Frau Holle spielte), sowie Marius (Torben Padanyi spielt mit viel Witz seine Rolle) (sc)

Okay, nun ist der faule Marius interessiert und die Mutter sowieso. Sie schickt Marius los, in den Brunnen zu springen und ebenfalls mit Gold nach Hause zu kommen. Aber Marius hat es nicht so mit dem Helfen. Dafür sind Mädchen doch da, die haben auch viel kleinere Hände. Was für eine alberne Idee, dass Jungs nicht helfen können, finden die Kinder im Publikum.

Soll das Brot doch im Ofen bleiben, denkt sich Marius (sc)

Und natürlich interessiert Marius weder das Brot, noch der Apfelbaum noch sonst etwas. Warum Apple, er hat doch ein Samsung. Gemeint ist sein Mobiltelefon, was gerade kein W-lan hat, deshalb kann er auch nicht orten, wo er gerade ist. Frau Holle klärt ihn auf und fragt, ob er zumindest an die himmlischen Wesen glaubt, wie Weihnachtsmann und Sandmann. Aber Marius findet alles albern, genauso wie Bettenausschütteln.

Zauberschöne Bühnendekoration von Ulrike Engelbrecht und Kostüme von Katja Decker (sc)

Und als er sich die Belohnung abholen möchte, da ist er über und über mit Pech bedeckt. Tja, Pech gehabt, Marius. Aus Wut schnappt er sich den Wagen mit den Träumen und läuft davon. Doch ohne Träume, das geht doch gar nicht? Wenn die Welt aufhört zu träumen, was ist denn dann?

Am Ende wird jedoch alles wieder gut. Dafür sorgen das Rumpelröschen, sein pummeliges Einhorn und natürlich die Bückeburger Zuschauer. Die rufen nämlich laut: „Marius hat keine Träume“ und Marius hat aber doch einen Traum, er möchte sich gern mit seiner Schwester Marie verstehen. Und Marie möchte das doch auch. Und wenn man sich etwas sehr von Herzen wünscht, dann können Wünsche in Erfüllung gehen.

Wunderschöne Dekorationen, ein buntes Bühnenbild und natürlich Lieder (Musik von Paul Glaser), die im Ohr bleiben und die man auf dem Heimweg vor sich hinsummt, dass ist ein Musical von Christian Berg.

Im Publikum auch Emily mit ihrer Mutter, die zum vierten Mal dabei sind. Ihnen gefällt, wie das Musical vorgeführt wird und sie hören auch nach der Vorstellung die CD. Auf die Bühne möchte sie aber lieber nicht, lieber von Reihe 1 aus alles genau beobachten. So wie der Mama von Emily geht es vielen Eltern, sie sind nicht nur die Begleitung, sondern selbst begeisterte Fans und freuen sich auf immer neue Stücke.

Emily und Mama sind große Fans (sc)

Ein anderes Mädchen wollte hingegen gern auf die Bühne und folgte dem Aufruf von dem Fee Rumpelröschen. Junina (8 Jahre) erzählte, warum sie Bücher so toll findet:

„Weil man nichts um sich herum sieht und es sich anfühlt, als ob man in einer anderen Welt ist“.

Junina (8 Jahre)

Und für zwei Stunden war das Publikum auch in einer anderen Welt, in einer Welt, in der Träume Wirklichkeit werden können und sich Wünsche erfüllen, wenn man nur daran glaubt.

Aber Christian Berg ist nicht allein da, um gute Unterhaltung für alle Generationen zu bieten. Sehr eindringlich erzählte er davon, dass er mit seinem Buch „Rumpelröschen“ in die Grundschulen zum Vorlesen geht und erschreckenderweise feststellen musste, dass Grundschulkinder gar nicht mehr in der Lage sind, sinnerfassend zu lesen. Sie verstehen die Inhalte nicht einmal mehr und wo soll das hinführen? Was nützt die geforderte Digitalisierung an den Schulen, wenn die Kinder die Inhalte nicht mehr verstehen? Und er warnte davor, dass man somit zukünftig Erwachsene aufzieht, die bildungsfern sind. Lesen ist immens wichtig! Diejenigen, die jetzt auf den Straßen unterwegs sind und das Deutschland, was Generationen vorher aufgebaut haben, mutwillig zerstören wollen, die können sich nicht mehr ändern. Aber wir können unseren Kindern viel Liebe geben, so dass sie anders werden.

Besser kann man eine Vorstellung nicht abschließen. Wenn nur eine Handvoll Kinder nach so einer Vorstellung ihre Abneigung gegen Bücher und Lesen ablegen oder wenn abends das Fernsehen ausgeschaltet wird und Eltern den Kindern wieder etwas vorlesen, dann ist der Zauber auch im Alltag angekommen.

Im nächsten Jahr wird es wohl am 08. Februar eine Aufführung geben. Dann „Das große Blubbern – die kleine Meerjungfrau“. Bis dahin hat Christian Berg noch viel vor. Das Buch „Rumpelröschen“ wird fortgesetzt und die Filmemacher haben auch noch angefragt. Der Zauber geht weiter…

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