Christians Sands – Zeitreise des Jazz auf Schloss Bückeburg
Christian Sands High Wire Trio - Foto: Sabine Christel

Christians Sands – Zeitreise des Jazz auf Schloss Bückeburg

Der vergangene Samstagabend war ein ganz besonderer Moment für Jazzfans: Als Clubkonzert angekündigt, gestaltete sich der Abend mit Christian Sands als High Wire Trio zu einer Zeitreise des Jazz. Zurück in die Zeit des legendären Erroll Garner, der sogar Teil des Abends war. Und es gibt Konzerte, die sich nur sehr schwer in Worten – seien sie gesprochen oder geschrieben – wiedergeben lassen, weil sich mancher Zauber nicht einfangen lässt. Hier zumindest ein Versuch:

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Christian Sands

Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel

Christian Sands ist seit kurzem kreativer Botschafter des Erroll Garner Jazz Project. Garner (1921–1977) gehört neben Art Tatum und Oscar Peterson zu den besten Pianisten-Virtuosen der Jazzgeschichte. Besonders bekannt ist seine Komposition „Misty“ und das 1955 veröffentlichte „Concert by the Sea“, das über eine Million Mal verkauft wurde. Das legendäre „Nightconcert“, ein Konzertmitschnitt des Erroll Garner Trios mit seinen langjährigen Begleitern Eddie Calhoun (Bass) und Kelly Martin (Schlagzeug), welches 1964 in Amsterdam aufgenommen wurde, ist nun von Christian Sands als Co-Produzent neu aufgenommen worden. Damit ist es ihm gestattet, diese Musik als Club-Konzert zu spielen.

Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe samt Sohn Heinrich-Donatus Erbprinz zu Schaumburg-Lippe – Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel

Das Konzert auf Schloss Bückeburg wurde als besonderes Highlight angekündigt, aber trotzdem ist der Name Christian Sands nicht jedem geläufig. Ein Blick in den Tourneeplan verrät zumindest, dass sich Sands zu den ganz Großen des Jazz zählen darf und normalerweise nur in namhaften Städten wie New York, Paris und London weltweit unterwegs ist. Nun war Bückeburg für einen Abend zum Austragungssort eines fantastischen Jazzkonzerts geworden.

Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel

Das ist einem Zufall zu verdanken, welchen Donatus zu Schaumburg-Lippe zur Begrüßung der Gäste im ausverkauften Festsaal des Schlosses erwähnte: Bei seiner Reise nach Shanghai traf er eines Abends einen Jazzfan und erzählte, dass auch sein Vater absolut jazzbegeistert sei. Spontan lud er den Musiker, bei dem sich herausstellte, dass es sich hierbei um den Grammynominierten Pianisten Sands handelte, zu einem Clubkonzert ins Wohnzimmer zu sich nach Hause ein. Und wie beeindruckt Sands von dem „Wohnzimmer“ war, zeigte sich dann auch während des Konzerts. Immer wieder ließ er während des Spiels und der Anmoderation der folgenden Stücke seine Augen bewundernd durch den Saal schweifen. Verständlich, denn gut ausgeleuchtet und allein durch die Deckengemälde schon mehr als märchenhaft zu bezeichnen, war der Marmorsaal des Schlosses der ideale Rahmen für ein derart hochklassiges Konzertereignis.

Eheleute Gregel beim Konzert von Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel

High Wire Trio

Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel
Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel
Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel

Wer Christian Sands an dem Abend am Flügel erlebte, verstand, was Jazzmusik ausmacht: Das Zusammenspiel verschiedener Instrumente, die im Dialog miteinander eine musikalische Geschichte erzählen und jeden Zuhörer in ihren Bann ziehen, auch diejenigen, die mit Jazz bislang noch nicht soviel anfangen konnten. Da saß ein Ausnahmekünstler an den Tasten, der scheinbar mühelos Töne hervorzauberte und dabei eins war mit dem Instrument, eins mit der Musik und zugleich Erinnerungen hervorholte, an den grandiosen Erroll Garner, der schon in den 60er Jahren diese Stücke zu Gehör gebracht hatte.

Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel

Und auch an diesem Abend war er anwesend: Sands ließ Garner die Stücke selbst per Spracheinspieler erklären und begann dann zu dem Gesprochenen die Melodie anzuspielen, um sie dem atemlos lauschenden Publikum zu präsentieren. So ein Konzert hatte niemand erwartet und jetzt zeigte sich, warum der Verein „Jazz im Schloss e. V.“ sich vorgenommen hat, musikalische Highlights nach Bückeburg zu holen. Das sind Momente, die einmalig sein werden und wo Glück, Zufall und Begeisterung der Antrieb sind, um derart hochkarätige Künstler für ein Konzert gewinnen zu können.

Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel
Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel

Sands Begleitungen Luques Curtis am Kontrabass und Terreon Gully an den Drums ergaben die Einheit, die jedes Stück einzigartig werden ließen. Bis in die letzte Reihe sprang der musikalische Funken über und neben atemlosem Zuhören gab es Zwischenapplaus und mehrfach Standing Ovations. Persönlich war das Beatles-Stück „Yesterday“ in seiner Jazzinterpretation mein absolutes Highlight, „Pop meets Jazz“, was Sands erklärte mit dem Hinweis, dass Popmusik unverzichtbar in der Jazzmusik ist. So war dieses Stück mit einem souligen Arrangement zwar erkennbar, aber deutlich sanfter und mit einer größeren Melodienvielfalt versehen.

Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel

Schlossherr Alexander zu Schaumburg-Lippe dankte nicht nur seinem Sohn für diesen besonderen Gast, sondern auch den Eheleuten Dagmar und Joerg Gregel, ohne deren tatkräftige Unterstützung diese Konzerte nicht möglich wären.

Abschließend ein paar Impressionen des Abends:

Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel
Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel
Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel
Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel
Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel
Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel
Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel
Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel
Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel
Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel
Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel
Christian Sands High Wire Trio – Foto: Sabine Christel
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