Buchtipp: „Listen to my heart: Meine Liebe zum Leben“ von Marie Fredriksson und Co-Autorin Helena von Zweigbergk
Buchtipp der Woche

Buchtipp: „Listen to my heart: Meine Liebe zum Leben“ von Marie Fredriksson und Co-Autorin Helena von Zweigbergk

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Unser heutiger Buchtipp ist die Biografie „Listen to my heart.: Meine Liebe zum Leben“ von und über Marie Fredriksson, die leider vorgestern, am 09. Dezember 2019 an den Folgen ihrer Krebserkrankung verstorben ist.

Über Marie Fredriksson:

Marie Fredriksson, mit bürgerlichem Namen Gun-Marie Bolyos, geboren am 30. Mai 1958 in Schonen, war eine schwedische Sängerin. Sie studierte an der Musikhochschule Svalöv und erhielt kurz darauf einen Plattenvertrag mit ihrer Band “ MaMas Barn “ (übersetzt Mamas Kinder). Da die Band aber nicht so erfolgreich wurde, wie gehofft, startete sie 1984 eine Solokarriere, mit der sie in Schweden sehr bekannt wurde.

Einige Zeit arbeitete sie als Backgroundsängerin für Per Gessles Band „Gyllene Tider“ (übersetzt Goldene Zeiten) und tat sich schließlich 1986 mit ihm zusammen. Gemeinsam gründeten sie das Duo „Roxette“. Weltweiten Erfolg feierten die Beiden 1989 mit dem Hit „The Look“ und dem Album „Look Sharp!“.

Im September 2002 bekam Marie Fredriksson die Diagnose Hirntumor. Dennoch veröffentlichte sie im Oktober 2004 ein weiteres Soloalbum und 2006 eine Interpretation all ihrer Lieblingshits aus den 1960ern und 1970ern.

Bei der „Night of Proms“ im Jahr 2009 feierte Roxette ihr Comeback, da das Duo davor aufgrund von Maries kritischem Zustand nicht hatte auftreten können. 2011 erschien nach zehn Jahren das erste Studioalbum „Charm School“ , darauf folgte eine Tournee über mehrere Kontinente und 2012 erschien das nächste Roxette Album „Travelling“.

2016 ist eine weitere Tour geplant gewesen, jedoch musste diese wegen Marie Fredrikssons schlechterem Gesundheitszustands abgesagt werden. Kurz darauf verabschiedete sie sich endgültig vom Tourleben. Marie Fredriksson war mit dem Musiker Mikael Bolyos verheiratet, die beiden haben zwei Kinder.

Roxette ist neben ABBA die erfolgreichste schwedische Band.

Zum Inhalt:

»Ich will nur sagen, was wichtig ist. Ohne Schnickschnack. Gerade heraus, wie es eben war.«
Mit diesen Worten präsentiert Marie Fredriksson ihre Buchidee Helena von Zweigbergk, ihrer Co-Autorin.

Das Buch ist geschrieben, einmal aus der Sicht von Marie und einmal aus der Sicht der Autorin, wie sie Marie erlebt hat und wie sie schildert, was Marie erzählt hat. Im Buch selbst sind einige Zeitsprünge, das Buch sollte auch keine Autobiographie sein, Marie wollte aber in ihren Worten auch ihre Krankheitsgeschichte ganz offen schildern, wollte Spekulationen vorbeugen und offen darüber berichten, wie es ihr ergangen ist.


Ihr Leben war geprägt von Drama. Sie wuchs in Armut in der schwedischen Provinz auf, die Familie wird nach dem Unfalltod ihrer Schwester schwer von Trauer gezeichnet. Als junge Frau gelingt Marie der Durchbruch als Musikerin in Schweden und kurz danach mit Roxette der internationale Erfolg. Bis heute ist Roxette die erfolgreichste schwedische Band, neben ABBA.
Dann schlägt das Leben brutal zu: ein Hirntumor, die Diagnose ist fatal. Marie werden nur wenige Monate zu Leben gegeben. 12 Jahre später berichtet sie eindrucksvoll von ihrer Liebe und ihrem Kampf fürs Leben.
„Listen to my heart“ ist eine Geschichte von großer Liebe, von Trauer, großen Erfolgen und Rache am Schicksal – der Liebe zum Leben sei Dank.

Preis: 19,95 €

Seiten: 256

ISBN: 978-3841904881

Unser Fazit:

Wir haben das Buch direkt nach dem Erscheinen gelesen. Es kam zu einem Zeitpunkt, an dem die Krebserkrankung von Marie Fredriksson bekannt war, man aber davon ausging, dass es ihr wieder gut geht.

Ganz oft denken Außenstehende, wenn der Krebs geheilt ist, ist der Mensch gleichzeitig wieder gesund. Dabei sterben sehr viele an Krebs Erkrankte später an den Folgen der Behandlung, der Medikamente und dem, was der Krebs im Körper zerstört hat. Bei Marie Fredriksson hatten die Bestrahlungen des Hirntumors schwerwiegende Folgen auf ihren späteren Gesundheitszustand.

Marie erzählt in ihrem Buch schonungslos von ihrem Lebensstil, dem Erfolg mit Roxette, und dem Moment, als sie praktisch von jetzt auf gleich stürzt und man feststellt, dass sie an einem Hirntumor leidet. Plötzlich verändert sich das Leben, und der ganze Erfolg, und alles das, was war, ist so unwichtig. Es steht die Frage im Raum, wie geht es weiter und geht es überhaupt weiter? Marie dachte an ihren Mann, den sie als ihre große Liebe bezeichnet hat. Im Gegensatz zu ihrem Musikerkollegen Gessle, der sehr lange glücklich in einer Beziehung war, scheiterten ihre eigenen Freundschaften immer wieder. Eigentlich sehr spät traf sie dann ihren Mann und lebte skandalfrei 10 sehr gute Jahre mit ihm, bevor die Diagnose alles veränderte.

Und ihre Gedanken galten den Kindern, für die sie leben wollte und für die sie leben musste. Auch, wenn die Ärzte ihr keine Chance eingeräumt haben.

Sie hinterfragt auch ihr Leben, und ob sie vielleicht manches schon allzu selbstverständlich wahrgenommen hat. Doch sie kämpft und versucht stärker zu sein, als die Krankheit. Und genau das ist ihr Motto: Kämpfen und Leben.

Nach der erfolgreichen Krebstherapie verliert sie jedoch ihre Sprache. Muss mühsam von Neuem lernen sich verständlich zu machen. Wie schwierig das für eine Familie mit Kleinkindern ist, kann sich sicherlich jeder vorstellen. Sie schildert beispielsweise auch, wie sie als Mutter von ihren Kindern wahrgenommen wird mit ihrer Erkrankung. All die Wut und Verzweiflung wird in diesem Buch deutlich. Aber auch der immense Wille von Marie, nicht vom Leben abzulassen.

Für Außenstehende waren Roxette plötzlich verschwunden, es drang sehr wenig über Maries Gesundheitszustand und das Ausmaß der Erkrankung an die Öffentlichkeit. Doch Marie kehrt zurück auf die Bühne. Nach einer langen Zeit, indem sie Stück für Stück sich ihre Stimme und ihr Leben zurückerobert hat, geht sie wieder ins Studio, macht wieder Musik.

Vergleicht man diese Zeit mit dem Beginn von Roxette muss man sagen, dass diese Musik eine andere Tiefe hatte, eine andere Bedeutung, und das auch Marie sich verändert hat. Auf der Bühne tanzen, lange Tourneen, es überfordert sie. Die letzten Konzerte schafft sie nur noch im Sitzen. Immer wieder versagen die Beine ihr den Dienst, verkrampft ihr Fuß, so dass sie Angst hat zu stürzen und sich zu verletzen. Am Ende muss sie sich geschlagen geben und die letzte Tournee 2016 absagen.

Damit ist jedoch auch klar, die Zeit von Roxette und die Zeit von Maria als Sängerin sind unwiderruflich vorbei. Es muss ein schwerer Schritt für sie gewesen sein, sich das einzugestehen. Trotzdem hoffte man, dass sie es nachwievor schafft, stärker zu sein als die Erkrankung, und dass die Folgen nicht schwerwiegender werden.

Für Marie, und das sagte sie stets ganz deutlich, hatte der Krebs ihr Leben übernommen. Ihren Alltag bestimmt. War stets allgegenwärtig. Trotzdem hat sie gelernt das, was gerade da ist, wertzuschätzen, jeden einzelnen Tag zu genießen.

Über ihren Gesundheitszustand ist seit einiger Zeit nichts mehr an die Öffentlichkeit gekommen. Die Nachricht ihres Todes hat ihre Fans weltweit überrascht. Ihr Musik Kollege Per Gessle hat sich mit einem emotionalen Posting an die Öffentlichkeit gewandt.

Ihre unverwechselbare Stimme, die Emotionen, die sie in jedem Stück transportiert hat, die Freude am Leben, die Zeit mit Roxette, waren wie in dem gleichnamigen Song „Joyride“ beschrieben wirklich eine tolle Zeit, die sie sehr genossen hat.

Das Buch zeigt eine andere Marie Fredriksson. Von der Bühne kannte man sie als quirlig, als frech, sie war unglaublich kreativ und es war zu dem Zeitpunkt auch ungewöhnlich, das bei dem Duo Per Gessle – Marie Fredriksson die Frau die Singstimme übernommen hat. Roxette haben wirklich musikalisch Schweden perfekt vertreten. Marie Fredriksson war auch bei den Hochzeiten der königlichen Kinder als Gast und Sängerin anwesend. Und auch das schwedische Königshaus hat sich zum Tode Maries geäußert. Eine Ehre, die nicht jedem zuteil wird.

Musikfans, die Marie Fredriksson am Schluss ihrer musikalischen Karriere erlebten, haben manches Mal ihre Ernsthaftigkeit bemängelt oder konnten nicht verstehen, warum es ihr trotz überstandener Erkrankung nicht wirklich gut geht. Auch dafür hat sie dieses Buch geschrieben. Sie wollte keine Spekulationen, dafür sich die ganze Geschichte von der Seele schreiben.

Nun könnte man natürlich fragen, warum sollte ich ein Buch lesen, das geschrieben wurde, in der Hoffnung, den Krebs besiegt und auch die Folgen im Griff zu haben. Und am Ende ist die Künstlerin doch nicht mehr da.

Vielleicht gerade deshalb sollten Sie es lesen.

Denn Marie hat dem Leben 17 weitere Jahre abgerungen, entgegen all dem, was ihr diagnostiziert worden ist. Sie hat gekämpft, sie hat ihre Kinder aufwachsen sehen, sie ist zurück zur Bühne, sie hat Tourneen gegeben und sie hat noch mehr Musik hinterlassen. Der Kampf war zu keinem Zeitpunkt umsonst. Das Buch zeigt auch, wie schnell sich im Leben die Dinge ändern können, wie unwichtig Streitereien sind, und das Erfolg und Geld nicht alles sind, aber das wissen wir eigentlich. Wir vergessen es nur zu oft im täglichen einerlei des Alltags, es fällt uns dann ein, wenn wir selbst betroffen sind.

Manchmal lernt man das Leben erst dann zu schätzen, wenn man am Abgrund steht. Im Buch und auch in den späteren Liedern spürt man, dass Marie sich verändert hat. Lesen Sie das Buch, und erinnern Sie sich an eine Ausnahmekünstlerin.

Marie, du wirst fehlen.

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