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Buchtipp: Georg Uecker – „Ich mach dann mal weiter!“
Buchtipp der Woche

Buchtipp: Georg Uecker – „Ich mach dann mal weiter!“

Biografien – Diese Sparte der Bücher zählt zu den beliebtesten Genres. Nahezu jeder, der sich einen Namen gemacht hat, findet sich und seine Geschichte in einer Biografie. Wobei man unterscheiden muss zwischen denen, die vom Künstler selbst verfasst wurden als auch von denen, die von anderen nach Recherche, Befragungen anderer und Übernahme von autorisierten Texten geschrieben werden.

Manchmal findet man unter der Vielzahl der Veröffentlichungen auch Biografien, die überraschen, begeistern und berühren. Hier ist eine davon: Georg Uecker, ein Urgestein der ARD Dauerserie „Lindenstraße“, die seit 1985 wöchentlich über die Bildschirme geht, hat seine eigene Lebensgeschichte verfasst. Und hinter dem Namen verbirgt sich nicht allein ein Schauspieler, sondern auch ein Regisseur, Autor und jemand, der privat sehr viel ertragen muss.

Wir stellen diese Woche das Buch eines ganz besonderen Menschen vor:

Foto: Verlag

Georg Uecker wurde am 06. November 1962 in München als Sohn von Heiko Uecker, Professor für Nordische Philologie und dessen norwegischer Frau Kari geboren. Er studierte an der Universität in Köln Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, sowie Romanistik und Skandinavistik.

Beruflich ist er als Schauspieler und Autor tätig.

Seit 1986 spielt er die Rolle des Dr. Carsten Flöter, Stiefsohn von Dr. Dressler, in der Erfolgsserie „Lindenstraße“. Durch seine Rolle als Homosexueller, die er auch privat offen lebt, sorgte er für mediales Blättergeraschel, als es 1987 in der Serie zu einem Kuss zwischen zwei Männern kam.
Es war tatsächlich der erste Kuss zwischen Männern in einer deutschen Vorabendserie. 1990 küsste er wieder seinen Serienpartner, dieses Mal gespielt von Martin Armknecht, woraufhin beide Schauspieler nach Ausstrahlung der Folge mehrere anonyme Morddrohungen erhielten. Wie so oft griffen die Autoren der Serie bewusst brisante Themen auf, die spielerisch dem Publikum serviert wurden und für entsprechende Reaktionen beim Zuschauer sorgten.

Nachdem sich Georg Uecker jedoch äußerlich sehr veränderte und seine Rolle mit Pausen gesendet wurde, gab es 2008 die ersten Anfragen besorgter Zuschauer, die eine ernsthafte Erkrankung Ueckers vermuteten. Schon damals stand das Thema AIDS und eine mögliche HIV Erkrankung im Raum. Für sein Engagement im Kampf gegen die Immunerkrankung erhielt er übrigens bereits 2010 den „ReD-Award“.

Sein mögliches Krankheitsbild sorgte hingegen für einige Spekulationen, aber selbst der Lindenstraße-Regisseur Geißendörfer wiegelte in einem Interview ab:

Die Wahrheit über Ueckers Krankheit kam jetzt ans Licht, weil Lindenstraße-Erfinder und -Produzent Hans W. Geißendörfer sein Schweigen brach: „Ja, Georg ist krank. Es ist ja nicht zu übersehen. Er hat ein Problem mit den Lymphen“, sagte Geißendörfer der Zeitschrift „Schöne Woche“. Weitergehende Spekulationen zerstreut der 68-Jährige, der mit Uecker befreundet ist: „Es ist kein Krebs und auch kein Aids.“ Aber es sei eine sehr schwierige Geschichte. „In der Zeit, in der die Krankheit von den Ärzten beobachtet werden musste, haben wir seinen Handlungsstrang ausgeblendet. Georg war nicht belastbar genug, wir mussten ihn schonen“, so der 68-Jährige.

Hans W. Geißendörfer – 2016

Erst 2016 räumte Uecker selbst mit den Spekulationen auf und machte seine HIV-Erkrankung öffentlich. Er erklärte, dass seine körperlichen Veränderungen auf Nebenwirkungen der HIV-Blocker zurückzuführen seien, und dass er bereits seit 1993 von seiner Erkrankung wisse.

In den aktuellen Folgen ist Uecker wieder zu sehen. Die Lindenstraße, die seit 1985 regelmäßig zu sehen ist, soll allerdings im März 2020 endgültig eingestellt werden.

Uecker ist aber mehr, als „nur“ Schauspieler. So moderierte er verschiedene Fernsehshows und war beteiligt an der Improvisationsshow „Schillerstraße“, sowie Gast bei „Genial daneben“. Er moderiert Galas und entwirft Fernsehkonzepte. Als Experte für den Eurovisions Songcontest tritt er gern in Talkshows auf und spielte auch in diversen Filmen mit. Bis 2005 produzierte er die erfolgreiche Late Night Show „Blond am Freitag“ für das ZDF, in der bekannte Blondinen (u. a. Desirée Nick, Hella von Sinnen und Susanne Fröhlich, sowie der Moderator Ralph Morgenstern) sich zu aktuellen Themen mit Prominenten äußerten.

Für seine Rolle in der „Lindenstraße“ erhielt er 1989 den „Bambi“ und 1998 die „Goldene Kamera“.

Klappentext:

Der erste Kuss zweier Männer in einer deutschen Fernsehserie machte Georg Uecker, alias Dr. Carsten Flöter, schlagartig berühmt. Das Urgestein der »Lindenstraße« musste privat schwere Schicksalsschläge einstecken: Sein Freund stirbt an AIDS, und er selbst erhält im Rahmen einer Krebsbehandlung eine HIV-Diagnose. Er verliert alles, was er hat, doch kämpft sich ins Leben zurück. Wenige Jahre später ist er aber wieder zurück, begeistert die Fernsehzuschauer in der „Lindenstraße“, wie auch als Spielleiter in der „Schillerstraße“ und Producer der Late Night Show „Blond am Freitag“. Er tourt mit eigenen Bühnenshows durch Deutschland. Georg Uecker spielte schon lange mit dem Gedanken, ein Buch zu schreiben und nun hat die Resonanz auf ein Interview, das er letztens über das Thema HIV geführt hat, die Motivation, die er gebraucht hat, um mit dem Buch anzufangen. Um sich besser konzentrieren zu können, fuhr Uecker außerdem an die Nordsee, wo er, statt Interviews zu geben, lange Spaziergänge am Strand unternahm. In seinem Buch beschreibt Uecker auch, was für ein Druck auf ihm lastete und erzählt von Beschimpfungen und Morddrohungen, die er erhalten hat und wegen denen er sogar eine Zeitlang Personenschutz beantragen musste, genauso wie von Selbstzweifeln und seinem Kampfgeist. Parallel zu seiner persönlichen Geschichte werden auch politische Kämpfe und gesellschaftliche Fortschritte eine wichtige Rolle in „Ich mach dann mal weiter“ spielen, wozu besonders die Schwulenbewegung zählt. Bereits im Alter von 18 Jahren war Uecker auf seiner ersten Schwulen-Demo. Da Uecker aber zudem Hedonist ist, berichtet er auch von wilden Partynächten und anderen Sinnesfreuden.

Zur Veröffentlichung gab Uecker zu einigen Fragen mehr Informationen zu seinem Buch:

Wie kamen Sie dazu gerade jetzt das Buch zu schreiben?

Ich habe mich schon lange mit dem Gedanken getragen, ein Buch zu schreiben, das meine persönliche Geschichte erzählt und darüber hinaus ein Stück Zeitgeschichte widerspiegelt. Letztendlich gab mir die überwältigende Resonanz auf ein Interview, in dem ich über mein Leben mit dem HI-Virus sprach, den nötigen Motivationsschub, um den Gedanken in die Tat umzusetzen. Neben dem medialen Wirbel bekam ich sehr bewegende Briefe und viel Zuspruch. Um einen klaren Kopf zu kriegen, fuhr ich an die Nordsee und beschloss bei langen Spaziergängen, keine Interviews zu geben und mich für eine Weile aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen, um in Ruhe das Buch zu schreiben. Die GANZE Geschichte in MEINEN Worten.

Hat die Lindenstraße auch Ihr Privatleben geprägt?

Ja, zu einem gewissen Grad hat sie das, obwohl ich selber mein Berufs- und Privatleben strikt trenne. Als ich mit gerade mal 23 Jahren vom Theater zur „Lindenstraße“ kam, hatte ich keine Ahnung, was es heißt eine öffentliche Person zu sein. Als erste (und lange Zeit einzige) offen homosexuelle „Fernsehpersönlichkeit“, die die erste (und lange Zeit einzige) schwule Rolle in einer deutschen Familienserie spielt, wurde ich für viele zu einer Art Projektionsfläche – im guten wie im schlechten. In meinem Buch schreibe ich über den Druck, der auf mir lastete, die Beschimpfungen und Morddrohungen, die dazu führten, dass ich eine Zeit lang unter Personenschutz leben musste. Über meine Zweifel und Ängste, aber auch über meinen Kampfgeist und den Spaß an der Rolle.

Spielt die Schwulenbewegung eine Rolle in Ihrem Buch?

Ja, die politischen Kämpfe und gesellschaftlichen Fortschritte werden parallel zu meiner sehr persönlichen Geschichte beschrieben. Ich war schon mit 18 Jahren auf meiner ersten Schwulen-Demo. Wir sollten nicht vergessen, dass wir auf den Schultern von Giganten stehen, die vor uns gekämpft haben. Aber da ich nicht nur ein politisch denkender und handelnder Mensch bin, sondern auch ein Hedonist, erzähle ich auch von wilden Partynächten, exzessiver Lebenslust und sonstigen Sinnesfreuden.

Foto: Gaby Gerster

Fazit: Das Buch behandelt den ganzen Menschen Uecker, nicht allein reduziert auf die ARD Fernsehserie. So berichtet er natürlich von seinen beruflichen Anfängen und seinem Einsatz im politischen Bereich. Die Krankheit AIDS wird erwähnt, allerdings nicht en detail ausgebreitet, da sich Uecker das Recht auf Privatsphäre vorbehält. Trotzdem liest man den Schmerz, den diese Erkrankung, zusammen mit einer Krebserkrankung bei ihm auslösten. Ein Buch für alle, die sich mehr mit dem Thema auseinandersetzen möchten und natürlich für echte Fans des Schauspielers und Autoren. Spoiler: Lindenstraßenfans sollten nicht zuviel erwarten, Geheimnisse von Kollegen werden hier nicht thematisiert. Unsere Meinung: Lesenswert!

Preis: 14,99 €

Seiten: 272 Seiten

ISBN: 978-3596701674

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