Buchtipp: „Diese ganze Scheiße mit der Zeit“ – Hubertus Meyer-Burkhardt
Buchtipp der Woche

Buchtipp: „Diese ganze Scheiße mit der Zeit“ – Hubertus Meyer-Burkhardt

Sie kennen ihn bestimmt. Es ist der sympathische Moderator der NDR Talkshow, der 14tägig am Freitagabend im dritten Programm Gäste befragt. Sie erkennen ihn daran, dass er verschlungene Sätze formuliert und sich bei größtem Interesse seiner Brille bedient, die er drauf herum kauend, in der Hand drehend oder auf der Nase balancierend einsetzt. Ein kluger Kopf, unter anderem Autor diverser Bücher und jemand, der für sich den Satz gefunden hat: Es gibt keine Alternative zum Optimismus. Zu einem runden 60. Geburtstag, am 24. Juli 2016, widmete ihm das Fernsehen sogar ein Portrait. Und wenn man danach nicht zumindest ein wenig an den eigenen Zweifeln gezweifelt hat, dann ist einem wirklich nicht mehr zu helfen. Denn Meyer-Burkhardt versteht es, nicht nur Gäste humorvoll und auch behutsam zu befragen, sondern er ist auch jemand, dem man den Optimismus abnimmt.

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Leider gibt es Momente im Leben, die sich nicht ankündigen, die überraschend vor einem stehen und sagen: „Dein Optimismus ist ja schön und gut, aber auch für Dich hat das Leben einen Tritt in den Allerwertesten parat, und was machst Du dann?

Genau das erlebte Hubertus Meyer-Burkhardt. Trotzdem erwartet Sie als Leser keine Biografie, sondern – wie er es selbst beschreibt – „es geht um einen prügelnden Vater, zwei Karzinome und hin und wieder um die Musik von Rod Stewart“ und er verspricht, sollte es dem geneigten Leser doch nicht zusagen, der sich hoffentlich entspannt bei einem Glas Wein der Lektüre hingibt, dann habe besagter Leser bei der Lesereise Meyer-Burkhardts die Gelegenheit, ihn selbst zu treffen und dann „geht der Wein auf mich“.

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Unser heutiger Buchtipp: „Diese ganze Scheiße mit der Zeit“, Hubertus Meyer-Burkhardt, 192 Seiten, erschienen am 05.11.2019 im Verlag Gräfe und Unzer, gebundene Ausgabe zum Preis von 19,99 Euro.

Zum Autoren:

Hubertus Meyer-Burckhardt
Foto: GU Verlag

Hubertus Meyer-Burckhardt wurde in Kassel geboren und betrat bereits im Alter von 15 Jahren die Bühne des dortigen Staatstheaters. Er wusste gleich, dass er einmal „irgendetwas mit Unterhaltung“ machen wollte. Was lag da näher, als in München die Hochschule für Fernsehen und Film zu besuchen und TV-Produzent zu werden. Es folgten viele Filme – und viele Preise, und danach Jahre im Vorstand der Axel Springer AG, sowie bei ProSieben, Sat1 und später eine Professur an der Hamburg Media School. Er hofft, seinen beiden Kindern bisher ein guter Vater gewesen zu sein und empfiehlt im Übrigen die Liebe nie und nimmer zu suchen, sofern man sie finden möchte. Er wohnt in Hamburg und ist dauernd unterwegs. Zudem ist er Gastgeber der NDR-Talkshow – einer der erfolgreichsten Talkshows im deutschen Fernsehen.

Das Buch

Foto: GU Verlag

Alles zu schnell, alles zu viel – jeden Tag hetzen wir durch unser Leben. Nie genug Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens und immer darauf erpicht, so viel Zeit wie möglich einzusparen. Aber was machen wir mit der gewonnenen Zeit? Wieso ist „schnell“ sexy und „langsam“ so erotisch wie Fußpilz? Ständig sind wir unzufrieden mit der Zeit, meist vergeht sie zu schnell, dann langweilen wir uns wieder und die Zeit gibt uns das Gefühl stehen zu bleiben. Aber wie verhält es sich mit der Einstellung zur Zeit, wenn man plötzlich merkt, dass sie auch bald ablaufen könnte?
Durch einen deutlichen Wink des Schicksals verändert Hubertus Meyer-Burckhardt seine Einstellung zur Zeit gravierend. Er lässt ein Leben Revue passieren und stellt fest, dass er schon immer ein besonderes, fast erotisches Verhältnis zur Zeit hatte und sie schon immer eine dominierende Rolle in seinem Leben spielte. Die ihm verbleibende Zeit, möchte er nun so gewinnbringend wie möglich nutzen. Er nimmt Sie deshalb mit auf seine ganz persönliche Zeit-Reise, dort lernen Sie eine andere Geschwindigkeit kennen: langsamer!

Quelle: GU Verlag

Das sagt er selbst…

Der 13. Oktober 2017 war kein wirklich schöner Tag, obwohl seine Frau Geburtstag hatte, aber beide waren im Taxi unterwegs zur Beerdigung einer Freudin, die mit 51 Jahren an Krebs verstorben ist. Und dann klingelt das Smartphone und man hat den behandelnden Arzt am Telefon, der einem das Untersuchungsergebnis mitteilen möchte. „Warum gerade heute, ich hatte doch EXTRA darauf hingewiesen, NICHT an diesem Tag etwas erfahren zu wollen.“ Aber darauf nahm der Arzt keine Rücksicht und so hörten Meyer-Burkhardt, seine Frau und auch der Taxifahrer durch den Lautsprecher des Handys die Nachricht, dass man bei ihm zwei Karzinome gefunden habe.

Der Philosoph Karl Popper – von dem stammt der Satz: „Es gibt keine vernünftige Alternative zum Optimismus“, hat aber sicherlich nicht weinend in der Kirche gesessen und beim Spiel der Orgel darüber gegrübelt, ob diese Aussage immer stimmig ist. Denn, wo soll Optimismus sein, bei so einer Diagnose?

Der 13. Oktober war somit ein Tag, bei dem Meyer-Burkhardt sich bewusst machte, dass ab sofort ein neues Leben beginnen würde. Aber eins, dass anders wird, als das erste. Und eins, dass er sich nicht so einfach nehmen lassen will.

Resümee

Man kann im Leben so Vieles präzise planen und man kann hoffen, dass das Leben sich auf diese Planung einlässt. Wenn alles irgendwie einen Sinn ergibt, dann muss das doch „belohnt“ werden? Und plötzlich sitzt Du da und bist gezwungen, alles bisherige in Frage zu stellen und in eine Zukunft zu schauen, von der Du nicht weisst, ob es überhaupt eine Zukunft gibt. So erging es dem Autoren. Er blickt zurück auf alles, was ihn als Menschen geprägt hat. Von seiner Pünktlichkeit, die ihresgleichen sucht. Aufgewachsen in der Nähe einer Kirche, die Punkt 18 Uhr mit ihrem 10minütigen Glockengeläut daran erinnerte, dass die Abendzeit beginnt. Und eine Mutter, die fürs Zuspätkommen kein Verständnis hat. So etwas prägt. Oder die Grundschullehrerin, die kein Verständnis für ihren verträumten Schüler hatte und der Mutter dringend abriet, den Sohn auf eine höhere Schule zu schicken, weil er das „vom Kopf her“ nicht bewältigen könne. Auch das prägt.

Besagte Lehrerin begegnete ihm übrigens vor Kurzem auf einer Lesung, und so freundlich und sympathisch Meyer-Burkhardt auch ist, hier fehlten ihm die Worte, um zumindest eine Wiedersehensfreude zu zeigen. Zu tief sitzen die Erinnerungen und auch das Gefühl, dass diese vergangene Zeit nicht zu der gehörte, an die man sich gern erinnert.

Zeit. Hubertus Meyer-Burkhardt war bislang einer von denen, die schnell sind und sein wollen, die ihr Leben aktiv gestalten und vielleicht auch ungeduldig sein können. Viele Pläne, beruflich und privat, takten das Leben durch. Viel erreichen wollen, viel erleben und vor allem mit dem Gefühl einer gewissen Unendlichkeit.

Leben wir nicht auch so? So, als sei das Leben unbegrenzt? Als stünde hinter jeder Krankheit die Gesundung? Als gäbe es immer neue Herausforderungen, denen wir uns nur zu gern stellen? Wir planen die Unendlichkeit und werden dann ausgebremst, erinnert, dass unser Leben nicht unendlich und vor allem wir selbst nicht unsterblich sind. Dass die Zeit nur eine Maßeinheit ist, die auf die Lebenszeit begrenzt ist.

So kommen wir vielleicht aus unterschiedlichen Gründen an den Punkt, an dem es uns so ergehen mag, wie Meyer-Burkhardt und plötzlich wissen wir, unsere Zeit kann schon bald ein Ende habe. Und was machen wir dann? Jammern, lamentieren wir? Vergeuden wir die verbliebene Zeit mit der Frage nach dem „Warum“? Bedauern wir, die Zeit nicht optimaler genutzt zu haben?

Hubertus Meyer-Burkhardt lädt in seinem Buch und mit seiner Geschichte ein, sich darauf zu besinnen. Nicht aufzugeben, sondern den Optimismus zu nutzen, um sich der neuen Zeitrechnung anzupassen. Wie gehe ich damit um? Und ist wirklich alles immer schneller und damit besser? Was spricht für ein Innehalten oder eine Verlangsamung?

Vielleicht legt man das Buch aus der Hand und denkt sich: „Der kann ja nett schreiben“. Vielleicht denkt man aber auch genauer über die eigene Zeit nach. Auch ohne ärztliche Diagnose ist es doch möglich, sorgsam mit der eigenen Zeit umzugehen, sich frei zu machen vom Stress und dem Gefühl, immer mehr leisten zu müssen oder zu wollen.

Vielleicht ist die Zeit gar kein Wert, vielleicht zählt vielmehr das Gefühl, ob wir so, wie wir leben, glücklich sind.

Mit einem Satz des Schauspielers Tom Hiddleston beenden wir unsere heutige Buchvorstellung. Und auch damit, dass wir dieses Buch sehr empfehlen können.

„Du hast zwei Leben. Das zweite beginnt, wenn Du begreifst, dass Du nur eines hast.“

Tom Hiddleston
  • Hubertus Meyer-Burckhardt: Diese ganze Scheiße mit der Zeit – Meine Entdeckung des Jetzt
  • Umfang: 192 Seiten
  • Preis: 19,99 € (D) / 20,60 € (A) / 28,90 SFr
  • ISBN: 978-3-8338-7037-8
  • Erscheinungsdatum: November2019

Termine für Lesungen:

Hamburg: 2. Dezember 2019, 20:30 – 22:00 Uhr
Ort: Kurt Heymann Buchzentrum, Deepenstöcken 7, Hamburg
Veranstalter: Kurt Heymann Buchzentrum GmbH

Oldenburg: 27. Januar 2020, 20:00 – 21:30 Uhr
Ort: Theater Laboratorium, Kleine Str. 8, Oldenburg
Veranstalter: Florian Isensee GmbH

Glinde: 3. März 2020, 20:00 – 21:30 Uhr
Ort: Forum im Schulzentrum Glinde, Oher Weg 24, Glinde
Veranstalter: Andrea Jung Entertainment

Rellingen: 6. März 2020, 20:00 – 21:30 Uhr
Ort: Aula der Brüder-Grimm-Schule, Schmiedestr. 38, Rellingen
Veranstalter: Gemeinde Rellingen

Kaltenkirchen: 7. März 2020, 20:00 – 21:30 Uhr
Ort: Kaltenkirchen, Holstenstr. 14, Kaltenkirchen
Veranstalter: Andrea Jung Entertainment

Kiel: 11. März 2020, 20:00 – 21:30 Uhr
Ort: Kulturforum Kiel, Andreas-Gayk-Str. 31, Kiel
Veranstalter: Andrea Jung Entertainment

Stade: 17. März 2020, 20:00 – 21:30 Uhr
Ort: Seminarturnhalle, Seminarstr. 7, Stade
Veranstalter: Alzheimergesellschaft Stade

Brunsbüttel: 18. März 2020, 20:00 – 21:30 Uhr
Ort: Elbeforum, Von-Humboldt-Platz 5, Brunsbüttel
Veranstalter: Andrea Jung Entertainment

Hannover: 19. März 2020, 20:00 – 21:30 Uhr
Ort: Apostelkirche, Gretchenstr. 55, Hannover
Veranstalter: Leuenhagen & Paris Buchhandlung

Berlin: 22. März 2020, 17:00 – 18:30 Uhr
Ort: Ellington Hotel Berlin, Nürnberger Str. 50-55, Berlin
Veranstalter: Andrea Jung Entertainment

Lüneburg: 25. März 2020, 20:00 – 21:30 Uhr
Ort: Kulturforum Lüneburg, Gut Wienebüttel 1, Lüneburg
Veranstalter: Andrea Jung Entertainment

St. Peter-Ording: 6. Mai 2020, 20:00 – 21:30 Uhr
Ort: Museum Landschaft Eiderstedt, Olsdorfer Str. 6
Veranstalter: Museum Landschaft Eiderstedt

Rosbach v. d. Höhe: 11. Mai 2020, 20:00 – 21:30 Uhr
Ort: Wasserburg, Haingraben 17, Rosbach v.d. Höhe
Veranstalter: Magistrat der Stadt Rosbach v. d. Höhe

Buchholz: 13. Mai 2020, 20:00 – 21:30 Uhr
Ort: EMPORE Buchholz, Breite Str. 10, Buchholz
Veranstalter: EMPORE Buchholz GmbH

Bad Oldesloe: 17. Juni 2020, 19:00 – 21:30 Uhr
Ort: KuB, Beer-Yaacov-Weg 1, Bad Oldesloe
Veranstalter: Stadt Bad Oldesloe

Warburg-Germete: 21. September 2020, 19:00 – 21:30 Uhr
Ort: Schützenhalle in Warburg-Germete
Veranstalter: Bücherei Germete

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