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Buchtipp – „Der halbe Mond“ von Hasan Cobanli – Eine deutsch-türkische Familiensage voller Esprit und Eleganz
Buchtipp der Woche

Buchtipp – „Der halbe Mond“ von Hasan Cobanli – Eine deutsch-türkische Familiensage voller Esprit und Eleganz

Türken in Deutschland – da denkt man gemeinhin an Gastarbeiter, an Pro und Contra Erdogan, an Demonstration und – leider – Denunziation. Doch die gemeinsame Geschichte reicht weiter zurück. Bereits während des Kaiserreichs schickten Angehörige der türkischen Oberschicht ihre Kinder zur Ausbildung nach Deutschland. 

Diese Geschichte erzählt der Roman „DER HALBE MOND“, vorgelegt von einem deutsch-türkischen Autor, Hasan Cobanli, der es zusammen mit seinem Freund und Lektor Stephan Reichenberger schrieb.

Hasan Cobanli – Bestseller-Autor (pr)

Ein wunderbarer Roman, der heute schon mit dem „Englischen Patient“ oder mit „Dem Drachenläufer“ verglichen wird und bereits in mehrere Sprachen übersetzt, demnächst sogar verfilmt werden soll.

Wir schreiben das Jahr 1915. Während sein Vater als General an den Dardanellen zum Nationalheld avanciert, genießt Feridun Cobanli, Zögling der Kadettenanstalt Berlin-Lichterfelde, noch einmal die Geborgenheit seiner Patenfamilien, den Grafen Bassewitz und von Roon auf einem Herrenhaus im Mecklenburgischen. Dann zieht er als „eingebetteter“ preußischer Offizier in den Krieg.

Nach dem Krieg gelingt es den Cobanlis, sich im kemalistischen Establishment zu behaupten. Im diplomatischen Dienst kehrt Feridun ins Berlin der wilden zwanziger Jahre zurück. Seine Karriere verfolgt er eher nachlässig – umso zielstrebiger dafür die Frauen.

Diese Grundhaltung gepflegter Libertinage scheint auch auf seinen zweiten Sohn überzugehen, der 1952 in Istanbul zur Welt kommt. Es ist eben jener Hasan Cobanli, der als Autor des Romans DER HALBE MOND firmiert. Jahrzehnte später sucht er die Schauplätze seiner Kindheit im schönsten Teil Istanbuls, am Bosporus auf und gerät mitten hinein in die Gegenwart einer sich zunehmend chauvinistisch gebärdenden Nation.

So umspannt der Roman einhundert Jahre, zwei Welten und drei Generationen. Das Istanbuler Stadtpalais der Cobanlis, wie es sich gehört mit Blick auf den Bosporus, gerät zu einem stillen Protagonisten, dessen wechselvolles Schicksal wir von der osmanischen Ära bis in die jüngste Zeit hinein verfolgen, bis zu den Demonstrationen im Gezi-Park, an denen Cobanli sich aktiv beteiligt.

Bestimmte Verhaltensmuster wiederholen sich über alle historischen Umbrüche hinweg. Ebenso das Leitmotiv der doppelten – und damit gespaltenen – Identität: zwischen deutscher und türkischer Gesellschaft, zwischen Treue und Untreue, zwischen Krieg und Frieden.

Illustre Gestalten der Zeitgeschichte treten auf, von Zsa Zsa Gabor über Giuseppe Roncalli, den späteren Papst Johannes XXIII bis Franz von Papen. Dazu manch liebevoll gezeichnete Nebenfigur aus dem gemeinen Volk. Szenen und Schauplätze könnten abwechslungsreicher kaum sein, von der Bärenjagd in Albanien mit dem König Ahmet Zoghu bis zu jenem skurrilen Schloss irgendwo hinter Bielefeld, in dem Feriduns aristokratische Gastfamilie nach dem Zweiten Weltkrieg Asyl findet.

Und so beleuchtet „der halbe Mond“ eine ganz erstaunliche Familien-Saga: eine Handvoll privilegierter Außenseiter, die sich doch immer mitten im historischen Geschehen wiederfinden, wo sie den übermächtigen Zwängen des Entweder/Oder ihr kosmopolitisches Sowohl/Als auch entgegensetzen. 

Hasan Cobanli während seines letzten Urlaubs am Bosporus 2016 (pr)

Dem Erfolg von „DER HALBE MOND“, erschienen im Herbst 2015, also zum hundertsten Jahrestag des Sieges seines Großvaters und Mustafa Kemal (später genannt Atatürk) über Winston Churchills Kriegsflotte, hat Hasan Cobanli ein Jahr später auch zu verdanken, dass er den Auftrag erhielt, ein politisches Sachbuch zu schreiben:“ ERDOGANISTAN – DER ABSTURZ DER TÜRKEI UND DIE FOLGEN FÜR DEUTSCHLAND“ erschien im Herbst 2017 beim renommierten Verlag C H Beck und stand schon Tage später nach begeisterten Rezensionen und aufrüttelnden Interviews auf den Bestsellerlisten ganz oben. .

 

 

 

„Der halbe Mond“ von Hasan Cobanli (Verlag)
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