Alarmstufe Rot – Night of Light 2020 – Ein Zeichen für Kultur
Hubschraubermuseum - Night of Light - Foto: Sabine Christel

Alarmstufe Rot – Night of Light 2020 – Ein Zeichen für Kultur

Für die einen ist es beruflich durch die Corona Pandemie „5 vor 12“, für viele ist es bereits nach 12 Uhr und damit zu spät.

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Schon lange nicht mehr „5 vor 12“ – Foto Sabine Christel

Schätzungsweise 500 Millionen Besucher sind pro Jahr unterwegs, um auf vielen Veranstaltungen, wie Jahrmärkte, Weinfeste, Konzerte, Messen, Ausstellungen, Kulturabenden und vielem mehr das Unterhaltungsangebot zu genießen.

Dieses Jahr gibt es jedoch seit März einen Stopp. Um die Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus einzudämmen, hat man als erstes sämtliche Veranstaltungen abgesagt. Und während man beispielsweise in den Geschäften wieder einkaufen, in der Gastronomie wieder sein Bier trinken oder den Ferienflieger für den Urlaub nutzen kann finden Veranstaltungen in dem Maße, wie zuvor, nicht mehr statt.

Viele verbinden mit dem Begriff „Kultur“ etwas längst überholtes, angestaubt und nur für bestimmte Gesellschaftsschichten zugängiges Angebot.

Dabei ist es viel mehr.

Kultur sind die

  • Parklichter in Bad Oeynhausen
  • Landpartie in Bückeburg
  • Kultursommerbühne und „Martini um 12“ in Minden
  • das Mittelalterliche Phantasie Spektakulum
  • der Hafengeburtstag in Hamburg
  • das Oktoberfest in München
  • Hamburger Dom
  • die Potsdamer Nächte
  • das Grünkohlessen des Mindener Bürgerbataillons
  • die Leipziger Buchmesse
  • Zirkus FlicFlac
  • Varieté
  • Blaues Band der Weser
  • Freimarkt in Bremen
  • jeder Jahrmarkt und jede Kirmes
  • das Papenburger Festival
  • Wacken
  • Rock am Ring
  • alle Konzerte
  • jedes Zeltfest
  • Schlagerparty und
  • vieles mehr.

Kultur ist eben auch die „Lange Nacht der Kultur“ deutschlandweit, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, auch diejenigen, die Kultur in kleinen Häppchen probieren möchten, mit zu erleben oder auch mit zu gestalten. Und selbst bei diesen kleinen Veranstaltungen wird es schwierig, sie in diesem Jahr durchzuführen. Eine Person pro 10 qm, da wird bei einigen Räumlichkeiten schon bei zwei Personen „full house“ gemeldet. Menschenansammlungen sind ja unbedingt zu vermeiden, etwas woran sich aber kaum jemand stört, der bei schönem Wetter durch den Park oder am Samstag durch die Innenstädte geht. Man kann immer nur versuchen, jeden zu animieren, Abstandsregeln einzuhalten und besonnen zu handeln. Aber – auch das ist klar – wir müssen zu einem „Normalzustand“ zurückkehren und mit dem Virus uns arrangieren.

Überall, das schließt auch den Kulturbereich ein.

Kultur sind aber auch die Menschen hinter den Kulissen, die für Licht und den guten Ton sorgen, die Eintrittskarten verkaufen und an der Garderobe tätig sind, die am Wochenende abends auf der Bühne stehen, um die Leute zu unterhalten, das sind die vielen Musiker und Sänger, das sind die Techniker, aber auch diejenigen, die die Veranstaltungsorte zur Verfügung stellen, das sind die Zulieferer, all diejenigen, die in diesem Geflecht für ein gutes kulturelles Angebot miteinander verbunden sind.

Und je kleiner und/oder familiärer ein Betrieb ist, umso weniger Rücklagen gibt es, umso größer ist die Gefahr, tatsächlich „auf der Straße“ zu stehen und das Gewerbe schließen zu müssen.

„First in – last out“

… bedeutet nichts anderes, als das Veranstaltungen als erstes abgesagt und als letztes wieder aktiviert werden.

Denn: Wo finden dieses Jahr noch Veranstaltungen statt? Wo sind sie denn die großen Events?

Erst hat man alles in den Herbst und die Wintermonate verschoben, jetzt sind wir schon bei Frühjahr und Sommer nächsten Jahres.

Doch, ob es tatsächlich stattfinden wird, ist eine ganz andere Frage…

Selbst, wenn es einen Impfstoff gegen das Virus geben sollte, ist die Überlegung, wie lange hält die Wirkung an? Mutiert das Virus und verändert sich jedes Jahr? Wer lässt sich tatsächlich freiwillig impfen? Und ist das Virus damit ausgerottet? Oder werden wir – im Gegenteil – damit leben müssen, dass wir zukünftig gewisse Dinge nur noch mit einer Mund-Nasen-Bedeckung, Abstand halten und Hygienemaßnahmen stattfinden lassen können?

Demzufolge ist es jetzt an der Zeit, sich neue Konzepte zu überlegen.

Wie zum Beispiel beim Rittergut Remeringhausen, wo man das British Weekend in kleinerer Form stattfinden lässt. Oder wie beim Stadttheater in Minden, wo man ein neues Konzept aufgestellt hat, bei dem eben nur noch eine bestimmte Anzahl an Publikum vor Ort sein kann.

Wir haben mit Veranstaltern gesprochen, die natürlich in den Startlöchern stehen und fragen, wie geht es weiter? Und wie man leider vernehmen muss: viele Städte und Gemeinden trauen sich nicht wirklich, eine größere – erlaubte – Veranstaltung zu organisieren. Ständig wechselnde Auflagen und immer die Gefahr im Hinterkopf, wie reagiert die Bevölkerung auf ein Event in der jetzigen Zeit? Und was ist, wenn am Ende daraus eine erhöhte Ansteckung hervorgeht?

Trotzdem darf man den Kopf nicht in den Sand stecken und die Kulturschaffenden vertrösten. Digital kann und darf nicht die Lösung sein.

Was wir brauchen sind Leute

Leute, mit innovativen Ideen, mit neuen Konzepten, mit oftmals kleinen Lösungswegen, die es aber ermöglichen, dass wir doch wieder mehr im Bereich Veranstaltung und Kultur erleben dürfen.

Dafür steht jetzt die Aktion #NIGHToflight 2020, in der sich all diejenigen, die mit Events zu tun haben, zusammenschlossen, um einzelne Gebäude eine Nacht in Rot zu illuminieren.

#rot

Rot bedeutet Aufmerksamkeit, ist eine Signalfarbe, steht aber auch für die Leidenschaft, die wir alle brauchen, wenn wir mit Kultur zu tun haben, um unseren Job zu machen, denn oftmals heißt es zudem „viel Arbeit für wenig Geld“. Und Kritik gibt’s gratis.

Denn, es gab durchaus herbe Kritik, weil es immer wieder Besucher gibt, die ihre Unzufriedenheit am Veranstalter und der Veranstaltung auslassen: Die Kirmes ist zu klein, die Eintrittspreise sind zu teuer, das Angebot ist nicht interessant, die eigene Erwartungshaltung ist hoch, und immer ist ein Haar in der Suppe.

Dieses Jahr jedoch gucken auch diese ewig Meckernden „in die Röhre“ und werden feststellen: besser irgendeine Veranstaltung als gar keine.

So ist nämlich das Szenario, wenn man das Angebot der Veranstaltungen nicht unterstützt. Dann gibt es irgendwann nichts mehr. Unabhängig von Corona könnte man auch das eigene Verhalten überdenken und überlegen, ob wir das, was wir oftmals belächelt haben, nicht besser wertschätzen.

Am Abend der Veranstaltung #nightoflight2020

Foto: Sabine Christel

… war aber auch immer wieder zu hören, dass diese Beleuchtung ein wichtiger Anfang sei, aber es muss mehr daraus werden. Wir brauchen Ideen und wir brauchen neue Konzepte und wir brauchen Leute, mit Mut und Entschlossenheit, die es wagen, kulturell neue Wege zu finden.

Und wir brauchen auch eine Politik, welche die Notwendigkeit und den Ernst der Lage erkennt und schnellstmöglich alle Kulturschaffenden unterstützt.

Zur Veranstaltung:

Insgesamt über 5.000 Teilnehmer und über 5.200 Gebäude beleuchtete Gebäude wurden gezählt. In Bückeburg hat man das Schloss, das Hubschrauber Museum und die Reithalle beleuchtet.

Drei Leute werden benötigt, die in zwei Stunden alles perfekt ausleuchten, wurde uns mitgeteilt. Und es sind Profis am Werk, wie die Firma B. D. T., denn jemand, der vom Fach ist, sieht sich ein Gebäude an und weiß dann sofort, wie und wo die Lampen zu platzieren sind.

In Minden leuchteten das Stadttheater und das Preussenmuseum. In Porta Westfalica hätte man das Denkmal gern angeleuchtet, aufgrund des Umweltschutzes ist es allerdings nicht gestattet worden. Stichworte Mücken und Frösche, denken Sie sich Ihren Teil….

Night of Light 2020 – hier ein paar Impressionen:

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