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Die Kolumne: Zwei Berufstätige, zwei Kinder und nur noch ein Auto – Ein Resümee
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Die Kolumne: Zwei Berufstätige, zwei Kinder und nur noch ein Auto – Ein Resümee

Der Versuch, als Familie mit zwei Berufstätigen und Kindern mit einem Auto auszukommen – „Gut geplant ist halb gewonnen“

(Erfahrungsbericht)
 

Die Entscheidung

 
Vor gut zwei Jahren entschloss ich mich, mein Auto zu verkaufen. Mit dieser Entscheidung war ich lange Zeit „schwanger“ gegangen. Als mir dann auch noch ein Banker bestätigte, dass es ökonomisch unklug ist, für nur 3.000 Kilometer im Jahr ein Auto zu besitzen, traf ich meine Entscheidung endgültig.
 
Ein weiterer Aspekt war auch, dass ich meine Arbeitszeit deutlich reduzieren wollte. Also rechnete ich nochmal nach, was das Auto ohne Reparaturen mich monatlich kostete. Ich fuhr einen „VW Golf 5 Tour plus“ zehn Jahre alt ohne Reparaturen! Sogar noch mit dem ersten Satz Sommer- und Winterreifen!
Zusammen kamen 120 Euro monatlich für Versicherungen, TÜV, AU und Inspektionskosten. Dazu kamen dann noch 70 Euro für Benzin. Für 120 Euro monatlich, so rechnete ich mir aus, konnte ich auf zwei Arbeitsstunden wöchentlich
(8 Stunden Arbeitsstunden monatlich) verzichten. Mit den ersparten Benzinkosten könnte ich mir dann auch mal ein Taxi leisten, für spontane Fahrten oder bei Schlechtwetter.
 
Die paar Fahrten mit den Kindern zum Spielbesuch, zum Arzt oder zum Schuhe einkaufen, werde ich doch wohl auch noch anders organisieren können.
 
Und ein weiterer Bonus war, meine sportliche Kondition wieder aufzupäppeln. Und „Last but not least“, für mich ist es bis heute enorm wichtig, dass ich alle Hebel in Bewegung setze, meinen Kindern eine Welt zu hinterlassen, in der sie weiterhin leben können. Dazu gehört eben auch, den eigenen „CO2-Fußabdruck“ zu verringern.
Was hinterlasse ich den Kindern aus ökologischer Sicht?
 
Kurzum: gesagt, getan, das Auto wurde verkauft. Nun ging es mit dem Fahrrad zur Arbeit beziehungsweise zum Bahnhof. Mein ebenfalls 10 Jahre altes Fahrrad, kaum genutzt, wurde nach nur zwei Wochen Nutzung am Bahnhof gestohlen.
 
Fahrrad statt Auto
Zeitgleich litt ich unter starken Schmerzen an der Hüfte. „Beginnende Hüftarthrose“ lautete die Diagnose. Hervorgerufen durch meine Beckenschiefstellung, die ich bereits seit meiner Kindheit hatte. Dies waren erschwerte Bedingungen, aber nicht hoffnungslos.
 

Die Nachteile

 
Als erstes möchte ich es nicht unterlassen, mögliche Nachteile aufzeigen. Aber, so
wirklich ist mir nur einer eingefallen: Sie verlieren an Spontanität. Mal eben einkaufen, Arztbesuch oder Freunde zu besuchen ist nicht drin beziehungsweise „Gut geplant, ist halb gewonnen.“
Das meist ausgesprochene negative Argument zu nur einem Auto war: „Ja, aber was macht ihr, wenn das eine Auto zur Reparatur muss?“. Hier kann ich gleich beruhigen, unsere Werkstatt stellt immer ein Ersatzauto zur Verfügung.
 

Die Vorteile

Mit meiner Entscheidung, bin ich sehr zufrieden, so dass mir hier so einige gute Gründe einfallen. Ich nenne deshalb mal nur meine Vorteile.

Mit den ersparten Kosten für das Auto, reduzierte ich meine Arbeitszeit auf drei Arbeitstage. Das wiederum hatte den Vorteil, dass wir die Fahrten zum Bahnhof gleichzeitig reduzierten. Ebenso die Kosten für die Bahnfahrten.
Mit dem öffentlichen Nahverkehr überall hin
 
Mittlerweile empfinde ich es als „Gehirnjogging“ zu überlegen, wann und wo ich wie hinkomme. Dadurch, dass andere uns gerne fahren, werden auch deren Autos besser ausgelastet und die Fahrten hätten auch ohne mich stattgefunden.
Ich, wir, genießen die Gespräche mit meinen Fahrgemeinschaften. Unsere Kinder lieben die wechselnden Fahrzeuge, mit denen sie unterwegs sein dürfen.
In der Zwischenzeit haben wir auch schon wunderbare Spaziergänge zu den Freunden unternommen. Die Fahrten werden so geplant, dass wir vieles mit nur einer Fahrt erledigen können.
Die Haushaltskasse ist deutlich entlastet. Und letzten Endes habe ich zwei Arbeitstage als Freizeit.
 

Die Umsetzung

 
Als Dankeschön für die Fahrten lasse ich mir Gegenleistungen einfallen. Wie zum Beispiel, das Auto reinigen oder aber auch ein Gutschein dafür, einen Tankgutschein oder selber meine Fahrdienste anzubieten. Meistens möchten meine Chauffeure keine Gegenleistungen. Sie haben sich einfach darüber gefreut, etwas Gutes zu tun.
Auch die Eltern von den Spielbesuchen unserer Kinder haben sich gut damit arrangiert, dass sie unsere Kinder fahren. Bei jedem zweiten Treffen fahre ich dann wiederum deren Kinder.
 
Keine Fahrten werden mehr wegen einer Sache in Angriff genommen. Jede Fahrt wird mit etwas verbunden. Spontane Fahrten kommen so gut wie gar nicht vor. Die meisten Arztbesuche, und
seien sie noch so spontan, können wir genau wie vorher mit zwei Autos, auch so erledigen. Entweder war ohnehin mein Mann zuhause oder wir konnten uns schnell ein Auto borgen. Und wäre es wirklich ein Notfall, dann käme ja auch der
Rettungswagen in Frage.
 
Bei Terminüberschneidungen schauen wir zunächst, welches Anliegen Priorität hat. Wenn beide Termine wichtig sind, dann leihen wir uns innerhalb der Familie ein weiteres Auto aus. Natürlich haben wir dabei bedacht, dass dies auch
versicherungstechnisch abgesichert sein muss.
 
Den Anrufbus, den es bei uns gibt, haben wir in den zwei Jahren noch nie beauftragen müssen, wäre aber sicherlich eine zusätzliche Option.
 

Fazit

Es ist möglich mit nur einem Auto auszukommen. Dies setzt aber voraus, dass, wenn beide arbeiten, einer davon auf Öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen kann oder auf eine Fahrgemeinschaft.
Eine gewisse Flexibilität, organisatorische Fähigkeiten, Mut zu Veränderungen und der Wille, gehören ebenfalls zum Autoverzicht dazu.
Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber meine eigenen Autos habe ich sehr geliebt und tolle Erinnerungen mit ihnen gehabt. Natürlich hat mich, und auch die Kinder, der Verkauf von meinem Auto geschmerzt.
Andererseits und Rückblickend kann ich nur dazu sagen, ist es doch gar nicht so schlimm. Alles eine Frage der Gewohnheit.
Gelegentlich ein Taxi ist günstiger als die monatlichen Kosten für den eigenen Wagen
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