Solidarität und Informationen – Wie leben wir mit dem Coronavirus?
Scarlett - Die Kolumne

Solidarität und Informationen – Wie leben wir mit dem Coronavirus?

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Als Notfall ins Johannes Wesling Klinikum. Wer im Moment ins Krankenhaus muss sieht direkt im Eingangsbereich ein großes Plakat, das auf das Coronavirus hinweist. Jeder, der an Erkältungssymptomen leidet, kann sich entweder über seinen Hausarzt oder den ärztlichen Notdienst dort hinweisen lassen. Außerdem besteht die Möglichkeit, wenn man unter den Symptomen leidet oder aus einem Risikogebiet angereist ist bzw Kontakt zu positiv getesteten Personen hatte, sich direkt vor Ort vorzustellen.

In der Kürze der Zeit hat man ein Testzentrum direkt vor dem Eingangsbereich eingerichtet. Das ist insoweit erforderlich, weil natürlich gerade im Krankenhaus sehr viele Patienten sind, deren Immunabwehr geschwächt ist oder die an chronischen Erkrankungen leiden und somit zur Risikogruppe derer gehören, für die das Virus sehr gefährlich werden könnte. Und um diese vor dem Virus zu schützen lenkt man auch Verdachtsfälle in den Außenbereich des Klinikums.

An der Anmeldung des Johannes Wesling Klinikums (JWK) wird das bestätigt, die Anfragen werden ausschließlich direkt am Testzentrum gestellt. Dort stehen auch Mitarbeiter und verteilen dann Mundschutz und geben weitere Informationen.

Das umsichtige Vorgehen der Patienten und Besucher des JWK zeigt, dass der Bevölkerung die ernsthafte Situation klar ist und die Regelungen eingehalten werden. Was auch auffällt sind die überall aufgestellten Desinfektionsspender. Die gab es zwar schon vor Bekanntwerden des Supervirus, werden aber jetzt intensiver genutzt.

Im Inneren des Klinikums ist auffällig, dass der Besucherverkehr stark minimiert ist. Wo sonst im Innenbereich ein reger Betrieb herrschte, sind nur noch vereinzelt Besucher zu sehen. Mittlerweile hat man den Besucherbetrieb stark reglementiert. Auf der Kinderstation dürfen derzeit nur noch die Eltern die Station betreten. Ein Besuchsverbot gilt auch für Geschwisterkinder, Großeltern, Freunde und weitere Angehörige.

Die Ärzte und das Pflegepersonal verzichten weitestgehend auf die persönliche Begrüßung.

Im Krankenhaus treffe ich eine Patientin mit einer Lungenerkrankung. Zum Thema „Coronavirus“ sagt sie: „So ein Virus hat mir gerade noch gefehlt.“ Sie gehört zu den sogenannten Risikopatienten und ist froh, dass alle Testungen im Außenbereich der Klinik stattfinden. Aus ihrer Sicht könnten Risikopatienten durchaus mit Mundschutz umhergehen, denn die Frage ist berechtigt: Wie schützt man sich, wenn man gefährdet ist? Für einen „normal“ gesunden Menschen reichen Hygienemaßnahmen und gewisse Einschränkungen aus. Aber wie schützt sich jemand, für den ein Virus, das die Lungen angreifen kann, unter Umständen hochgefährlich wird? Vielen, die das Virus in sich tragen, sieht man das nicht an und viele wissen es nicht, weil sie symptomfrei sind, das Virus aber übertragen können.

Das Klinikpersonal selbst berichtet immer wieder, wie diszipliniert die Patienten sind, wie sehr man die Hygienevorschriften einhält und sich wirklich jeder, der nur im Ansatz den Verdacht hat, testen lässt.

Hinweis vor dem Klinikum Minden – Foto: Sabine Christel

Leere Gänge, wo sonst reger Besucherverkehr herrscht – Foto: Sabine Christel

Der Pressesprecher des JWK Minden, Christian Busse, berichtet, das täglich ca. 200 Patienten das Testzentrum nutzen. Das Klinikum Minden versucht alle wichtigen Informationen, auch auf der Homepage, an Besucher und Patienten weiterzugeben. Er schätzt die derzeitige Berichterstattung, besonders im Kreis Minden-Lübbecke, als sehr gut und vor allem auch seriös und informativ ein. Hier geht es wirklich darum, die Leser auf den neuesten Stand zu bringen und möglichst genau zu informieren, was zu beachten ist, wo und an wen man sich wenden kann. Er selbst erzählt, dass er persönlich keine Angst vor einer Ansteckung hat, aber es sei ganz wichtig, dass die Vorsichtsmaßnahmen unbedingt von allen eingehalten werden, weil man die Kapazitäten der Krankenhäuser nicht überlasten darf. Es gibt Menschen mit Vorerkrankungen und ältere Mitbürger, die gefährdet sind und für die muss die Möglichkeit der Intensivversorgung gegeben sein. Deshalb appelliert auch er an die Bevölkerung, dass sie sich an diese Maßnahmen halte, um zu verhindern, dass es zu viele intensiv Erkrankte auf einmal gibt. Wenn das ein langsamer Anstieg wird oder sich auf eine gewisse Anzahl von Akutpatienten beschränkt, dann wird man dieses Problem besser annehmen können.

Großer Andrang am Testzentrum in Minden – Foto: Sabine Christel

HIER der Pressebericht des JWK zum Coronavirus Testzentrum in Minden:

Testzentrum am JWK in Minden – Foto: Sabine Christel

Es ist davon auszugehen, dass es noch sehr viele Patienten, die infiziert sind, geben wird. Um aber den Ansteckungsverlauf zu verlangsamen und damit den Kliniken die Möglichkeit zu geben, die intensiv Fälle bestmöglich betreuen und aufnehmen zu können, ist es umso wichtiger, eine rasche Ausbreitung zu verhindern oder zumindest einzudämmen.

Bislang hatte man die Idee, dass das Covid 19 Virus, ähnlich wie die jährliche Influenza, mit Zunahme der warmen Temperaturen abnehmen würde. Allerdings geht man jetzt davon aus, dass das Virus sich anders verhält und uns noch die nächsten Monate beschäftigen wird. Alle Hoffnung richtet sich auf ein neues Medikament, welches den Patienten helfen könnte, sowie einen Impfstoff, um das Virus einzudämmen.

Das zeigt, wie ernst die Situation ist.

Wer ist besonders gefährdet?

Risikogruppen, wie immunschwache Patienten oder Patienten mit Vorerkrankungen und ältere Menschen sind vom Virus und dem Schweregrad der Erkrankung besonders betroffen. Gefährlich ist in dem Zusammenhang, das zum Beispiel Kinder am wenigsten vom Virus betroffen sind, dieses aber beispielsweise an die Großeltern weitergeben könnten.

Foto: Sabine Christel

Deshalb bitten wir auch Sie, liebe Leser, sehr herzlich darum, verzichten Sie auf Großveranstaltungen. Schützen Sie sich durch eine gute Handhygiene, Wasser und Seife und gründliches Händewaschen sind derzeit das Mittel der Wahl. Sehr schön auch zu sehen, das Händewaschen wieder in Mode gekommen ist.

Außerdem: Wer hustet oder niest nur in die Armbeuge oder ins Taschentuch, keinesfalls in die Hände. Desinfektionsmittel und Mundschutz sind dem Pflegepersonal und immungeschwächten Patienten vorbehalten. Warum? Damit können wir Leben retten!

Greifen sie zu Wasser und Seife zurück. Vermeiden Sie große Menschenansammlungen. Vermeiden Sie Stoßzeiten beim Einkaufen. Bleiben Sie im Verdachtsfall zu Hause. Nutzen Sie die Möglichkeiten Spazieren zu gehen oder sich im Garten zu beschäftigen.

Hamsterkäufe

Wenn sie „Hamsterkäufe“ tätigen, orientieren Sie sich nicht an Ihren Festtagseinkäufen, sondern daran, was Sie im Notfall für eine 14-tägige Quarantäne benötigen. Dazu gehören in erster Linie Getränke, in überschaubarer Menge Hygieneartikel und eine gewisse Anzahl an haltbaren Lebensmitteln.

Es ist wirklich zum Teil erschreckend zu sehen, was normal denkende Menschen alles in einen Einkaufswagen einlagern. Toilettenpapier, als ob wirklich die Apokalypse bevorsteht und die Frage ist, brauchen die dann wirklich noch Toilettenpapier?

Wo landen das ganze Brot und die ganzen Nudeln letztendlich, die jetzt in großen Mengen bevorratet werden? Beim Einkauf für ältere Menschen, denen ich den Weg in den Supermarkt ersparen möchte, wird deutlich, wie Menschen, die Kriege und andere Katastrophen erlebt und überlebt haben, reagieren: Viel bedachtsamer. Dort wird wirklich nur nach kleinen Mengen angefragt: Zwei Päckchen Brot, zwei Rollen Toilettenpapier, ein Päckchen Mehl. Diese Menschen wissen viel eher, wie man mit wenig Mitteln lange auskommt und wie wenig man tatsächlich benötigt, wenn es drauf ankommt. Daran sollten wir uns orientieren und nicht an denjenigen, die vor den Feiertagen den Kofferraum des Autos voller Lebensmittel haben.

Hier geht es nicht um Völlerei, sondern darum, sich im Höchstfall einen Notvorrat anzulegen, und zwar nicht, weil die Welt untergeht, sondern um nicht unterwegs sein zu müssen und damit eine Ansteckung zu verhindern.

Foto Sabine Christel

Bin ich gefährdet?

Wenn Sie Kontakt zu Menschen haben, die aus den Risikogebieten kommen oder wenn Sie selbst aus einem Risikogebiet angereist sind oder wenn sie Erkältungssymptome zeigen, wenden Sie sich an Ihren Hausarzt, den ärztlichen Notdienst oder den Bereitschaftsdienst und bitte alles nur telefonisch!

Bleiben Sie im Fall einer Quarantäne wirklich zu Hause! Bedenken Sie, dass Risikopatienten und ältere Menschen besonders betroffen sind!

Hier ist auch ein Miteinander gefragt! Wenn die ältere Nachbarin geschützt werden soll, dann übernehmen Sie den Einkauf und stellen die Sachen vor die Tür. Zählen Sie nicht zur Risikogruppe, dann bieten Sie gern Hilfen an. Achten Sie dabei aber stets auf Hygiene und darauf, persönlichen Kontakt zu vermeiden.

Jetzt sind viele Schulen geschlossen. Das kulturelle Leben der Städte und Gemeinden ist auf Null runtergefahren worden. Einige Gastronomiebetriebe und viele Geschäfte haben erst einmal bis Mitte/Ende April geschlossen.

Nutzen Sie die Zeit für sich. Bleiben Sie zu Hause und genießen eine Familienzeit. Oder starten Sie einen Frühjahrshausputz. Räumen Sie alte Sachen weg, entrümpeln Sie den Keller oder Dachboden. Planen Sie Spiele- oder Videonachmittage ein und nutzen Sie die Zeit für alles das, was sonst liegengeblieben ist.

Alles nur Panikmache?!

Viele ignorieren die Vorsichtsmaßnahmen als „bloße Panikmache“ und vergessen dabei, dass man bewusst diese Maßnahmen einsetzt, um die Ausbreitung einzudämmen und zu verlangsamen. Wir benötigen alle ZEIT, Zeit, um ein Mittel zu finden, einen Impfstoff. Zeit aber auch, um genügend Platz und Pflegekräfte für Intensivpatienten zu haben, um ein medizinisches Chaos zu verhindern. Zeit, um Risikopatienten und vor allem auch ältere Menschen zu schützen.

Bedenken Sie dies, wenn Sie Zweifel an den derzeitigen Maßnahmen und Einschränkungen haben!

Natürlich ist es erschreckend, wenn man etwas, was man vorwiegend aus dem Fernsehen kennt und vielleicht belächelt hat, plötzlich vor der eigenen Haustür erlebt: Schlangen von Menschen mit Mundschutz, die sich vor einem Testzentrum anstellen. Plötzlich ist das Virus nicht eine Meldung im Fernsehen, sondern wird zur Realität.

Wenn überall Schilder und Zettel hängen, man verstärkt im öffentlichen Raum auf Desinfektionsmittelbehälter trifft und die Regale in den Supermärkten leergeräumt sind. Auch ein Einreiseverbot in einige Länder, dazu derzeitige Schließungen von Museen und öffentlichen Gebäuden, die Einstellung des Spielbetriebs im Sport und bei Vereinen und geschlossene Theater und abgesagte Veranstaltungen sorgen nicht gerade für Entspannung, sondern lassen erahnen, dass man sich weltweit mit dem Virus auseinandersetzen muss.

Auch, wenn man davon ausgeht, dass im allgemeinen der Krankheitsverlauf unauffällig verläuft, ist es wichtig, diejenigen zun schützen, die schwere Folgen befürchten müssten.

Kurz und Kompakt

  • Vermeiden Sie persönlichen Kontakt, Umarmungen und Händeschütteln.
  • Gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife, mindestens 30 Sekunden lang.
  • Niesetikette, das heißt Husten und Niesen in Taschentücher und Armbeugen.
  • Türklinken, Geländer, Handys, etc. sauber halten und öfter drüber wischen.
  • Mit den Händen nicht ins Gesicht gehen! Wussten Sie, dass viele Viren über die Augen übertragen werden, indem man sich mit den Händen durchs Gesicht wischt?
  • Abstand zu Ihren Mitmenschen halten, mindestens 1,5 bis 2 m.
  • Homeoffice bevorzugen
  • Stoßzeiten in den Geschäften vermeiden
  • Veranstaltungen derzeit absagen
  • Lieber sich in den eigenen vier Wänden oder im Garten aufhalten.
  • Keine panischen Hamsterkäufe tätigen, sondern sich überlegen, was man WRIKLICH notwendigerweise für 14 Tage bevorraten könnte.
  • Verzichten Sie derzeit auf Urlaubsreisen und Veranstaltungen.
  • Kultur in Form von Büchern, Videos, Streamingdiensten, etc. nutzen. Einiges wird derzeit kostenlos ONLINE angeboten.
  • Die Zeit für sich zu Hause nutzen – Frühjahrsputz, neue Rezepte ausprobieren, sich ablenken!
  • WICHTIG: An ältere und alleinstehende Mitbürger denken! Bieten Sie Hilfen an, wenn Sie die Möglichkeit haben und NICHT zur Risikogruppe gehören!
  • Die Vorsichtsmaßnahmen der Städte und Gemeinden beachten und sich daran halten!

Achten Sie auf Risikopatienten und ältere Mitmenschen. Helfen Sie mit, das besonders Ältere sich nicht der Ansteckung aussetzen müssen. Gerade alleinstehende Menschen sind jetzt besonders auf unsere Unterstützung angewiesen. Und: Halten Sie Kontakt zueinander – das Smartphone kann man auch zum Telefonieren nehmen!

Und für Sie persönlich:

Nutzen Sie die Zeit, sich zu Hause allein oder mit der Familie zu beschäftigen. Lesen Sie mal wieder ein gutes Buch oder schauen Sie sich einen Film an, nutzen Sie das schöne Wetter aus für Gartenarbeit oder um einen Frühjahrsputz zu machen. Meiden Sie große Menschenansammlungen und gehen Sie spazieren in den Park oder in den Wald, lenken Sie sich ab und lesen Sie nicht permanent den Newsticker, um sich zusätzlich zu stressen. Seien Sie geduldig, mehr können Sie im Moment tatsächlich nicht tun.

Das Wichtigste: Bewahren Sie Ruhe!

Kommen Sie gesund durch diese Zeit.

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